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Der Ursprung des Wagens

Scholarly Essay, 2008, 16 Pages
Author: Dr. Gerald Görmer
Subject: Archaeology

Details

Tags: Ursprung, Wagens
Category: Scholarly Essay
Year: 2008
Pages: 16
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V114460
ISBN (E-book): 978-3-640-14534-8
ISBN (Book): 978-3-640-14638-3
File size: 325 KB

Abstract

Der früheste Erfindungsort des Wagens liegt nach derzeitiger Fundchronologie im Gebiet der mitteleuropäischen Trichterbecherkultur. Entgegen weit verbreiteter Meinung belegen die „Schlitten-Piktogramme“ aus Uruk keine Wagen, so dass die frühesten mitteleuropäischen Nachweise des Wagens sogar vier bis fünf Jahrhunderte älter als die frühesten mesopotamischen sind. Die Wagennachweise aus der Trichterbecherkultur sind weltweit am ältesten. Nicht nur die derzeitige Fundchronologie, sondern vor allem die seinerzeitigen naturräumlichen und sozioökonomischen Bedingungen in Mesopotamien einerseits und Mitteleuropa andererseits sowie Innovations- bzw. Erfindungsfaktoren hinsichtlich des Wagens, sprechen für seinen mitteleuropäischen Ursprung. In Mitteleuropa bestanden hinreichende Innovationsvoraussetzungen und hoher Transportbedarf. Die mesopotamischen Innovationshemmnisse hinsichtlich des Wagens (insbesondere Sklaven, Kanäle und Esel) fehlten in Mitteleuropa; und die Nichterfindungen des Wagens in den komplexen Andenkulturen und in China zeigen, dass eine „Hochkultur“ bzw. Verstädterung für eine Wagenerfindung nicht maßgeblich war. Mitteleuropa bzw. die Trichterbecherkultur war, zumindest nach derzeitiger Fund- und Sachlage, nicht nur der früheste, sondern wohl auch der einzige Erfindungsort des Wagens. Von dort drang die Erfindung, die Wagenidee, nicht nur über die Wartbergkultur zur Horgener Kultur, sondern auch nach Osteuropa und, wohl über „südrussische“ Steppen und den Kaukasus, nach Mesopotamien. Die Diffusion der Wagenidee ist wesentlich wahrscheinlicher als eine polyzentrische Erfindung.


Excerpt (computer-generated)

Der Ursprung des Wagens

Dr. Gerald Görmer, Krombach

20.08.2008


Gliederung

ZUSAMMENFASSUNGEN 3

EINLEITUNG 4

FUNDCHRONOLOGIE 4

Mesopotamien 4

Mitteleuropa 5

,,Ukrainische" Tripol`e-Kultur, ,,südrussische" Majkop-Kultur und ,,ungarische" Badener Kultur 6

INNOVATIONSFAKTOREN UND WAGENNUTZUNG 8

Mesopotamische Innovationshemmnisse 8

Südamerika und China 9

Mitteleuropäische Innovationsfaktoren 9

Mitteleuropäische Wagennutzung 10

DIFFUSION DER WAGENERFINDUNG VON MITTELEUROPA 11

FAZIT 13

LITERATUR 14


Zusammenfassungen

Der früheste Erfindungsort des Wagens liegt nach derzeitiger Fundchronologie im Gebiet der

mitteleuropäischen Trichterbecherkultur. Entgegen weit verbreiteter Meinung belegen die

,,Schlitten-Piktogramme" aus Uruk keine Wagen, so dass die frühesten mitteleuropäischen

Nachweise des Wagens sogar vier bis fünf Jahrhunderte älter als die frühesten

mesopotamischen sind. Die Wagennachweise aus der Trichterbecherkultur sind weltweit am

ältesten.

Nicht nur die derzeitige Fundchronologie, sondern vor allem die seinerzeitigen

naturräumlichen und sozioökonomischen Bedingungen in Mesopotamien einerseits und

Mitteleuropa andererseits sowie Innovations- bzw. Erfindungsfaktoren hinsichtlich des

Wagens, sprechen für seinen mitteleuropäischen Ursprung. In Mitteleuropa bestanden

hinreichende Innovationsvoraussetzungen und hoher Transportbedarf. Die mesopotamischen

Innovationshemmnisse hinsichtlich des Wagens (insbesondere Sklaven, Kanäle und Esel)

fehlten in Mitteleuropa; und die Nichterfindungen des Wagens in den komplexen

Andenkulturen und in China zeigen, dass eine ,,Hochkultur" bzw. Verstädterung für eine

Wagenerfindung nicht maßgeblich war.

Mitteleuropa bzw. die Trichterbecherkultur war, zumindest nach derzeitiger Fund- und

Sachlage, nicht nur der früheste, sondern wohl auch der einzige Erfindungsort des Wagens.

Von dort drang die Erfindung, die Wagenidee, nicht nur über die Wartbergkultur zur

Horgener Kultur, sondern auch nach Osteuropa und, wohl über ,,südrussische" Steppen und

den Kaukasus, nach Mesopotamien. Die Diffusion der Wagenidee ist wesentlich

wahrscheinlicher als eine polyzentrische Erfindung.


Einleitung

Der Wagen ist eine herausragende technische Neuerung in der Urgeschichte. Sein Ursprung

wird inzwischen kontrovers diskutiert.

Lange galt der Wagen einhellig als mesopotamische Erfindung, die sich von dort nach

Mitteleuropa verbreitet habe (CHILDE 1951, 177 ff.; PIGOTT 1979, 3 ff.). Diese These wird

noch häufig vertreten. Insbesondere SHERRATT (2004, 423) führt den Wagen weiterhin auf

mesopotamische Entwicklungen zurück, da frühen Stadtkulturen aufgrund

Kapitalkonzentration und entwickeltem Wirtschaftssystem ein großes Innovationspotential

innewohne.

Eine jüngere Theorie (HÄUSLER 1996, 83; VOSTEEN 2002, 144) nimmt an, der Wagen sei

polyzentrisch, unabhängig voneinander, sowohl in Mesopotamien als auch in Mitteleuropa

entstanden. Sie stützt sich dabei auf mitteleuropäische Funde bzw. Wagenbelege der letzten

Jahrzehnte, die zeigen, dass der Wagen deutlich früher als zuvor angenommen in

Mitteleuropa war. In Mitteleuropa sieht VOSTEEN (ebd., 145, 147) gleich zwei eigenständige

Erfindungszentren des Wagens: nach der Trichterbecherkultur habe die späte Horgener Kultur

den Wagen im Nordalpengebiet erneut erfunden.

Eine dritte Theorie besagt, der Wagen sei eine Erfindung aus dem ,,Gebiet des schwarzen

Meeres" (DIAMOND 1999, 309) bzw. aus dem nordwestlichen Schwarzmeergebiet (heutige

Ukraine). Von dort sie die Erfindung nach Südost- und Mitteleuropa und, über den Kaukasus,

auch nach Mesopotamien diffundiert (MARAN 2004b, 439).

Fundchronologie

Gegen diese drei ,,etablierten Ursprungstheorien" spricht zunächst die derzeitige

Fundchronologie.

Mesopotamien

Die bisherigen Theorien gehen nahezu einmütig davon aus, dass der Wagen in Mitteleuropa

nur ungefähr zeitgleich mit Mesopotamien (VOSTEEN 2002, 144; MARAN 20004b, 429)

bzw. nur ein Jahrhundert früher als in Mesopotamien (SHERRATT 2004, 419) aufgetaucht

sei. Dies resultiert allerdings bloß aus einer Fehlinterpretation der ,,Schlitten-Piktogramme"

(Abb. 1) aus Uruk. Diese bildhaften Schriftzeichen, die aus der Zeit um 3300 v. u. Z. sind

(VOSTEEN 2003, 54), gelten zwar weithin unkritisch als älteste Belege für mesopotamische



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