Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Subtitle: Darstellung und Kommentierung
Termpaper, 1995, 27 Pages
Author: Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Lüneburg (Kulturwissenschaften)
Tags: Charles, Taylor, Multikulturalismus, Politik, Anerkennung, Seminar, Einführung, Kulturphilosophie
Year: 1995
Pages: 27
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17614-9
ISBN (Book): 978-3-638-64182-1
File size: 258 KB
Sehr dichte Arbeit.216 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Immer wieder wird die Frage gestellt, welche von den vielen Kulturen der menschlichen Zivilisation denn die allgemeingültige für die gesamte Menschheit sei. Spätestens seit der Industriellen Revolution vor knapp 200 Jahren hat die sog. westliche Welt die „Führung“ der Erde übernommen, mit dem Selbstverständnis, mit ihrer liberalen, demokratischen Gesellschaftsform und ihrer Marktwirtschaft die ideale Gesellschaftsform für die ganze Menschheit zu sein. Andere Kulturen mit jeweils differenten Lebensformen erheben diesen Anspruch aber ebenso. Doch das Phänomen der verschiedenen Kulturen besteht nicht nur international, sondern auch innerhalb einer Gesellschaft, in ihrer Binnenstruktur, wo sich die Konflikte mit der Kulturdifferenz besonders herauskristallisieren. Einerseits streben kulturelle Minoritäten die Gleichberechtigung an, verlangen also dieselben Rechte, die der Majorität eigen sind. Andererseits wollen ethnische Minderheiten jedoch nicht von der Mehrheit assimiliert und somit wiederum diskriminiert werden. Das Ziel von ethnischen Minderheiten ist das Recht, die Freiheit zu erhalten, mit der sie ihre ureigene Kultur erhalten und entfalten können – ebenso, wie die Mehrheit ihre Kultur frei entfalten kann. Somit kämpfen ethnische Minderheiten nicht ausschließlich für Gleichberechtigung, sondern für die Akzeptanz ihrer Andersartigkeit, für ihr Recht auf Verschiedenheit. In einigen Fällen wollen ethnische Minderheiten jedoch auch Kulturen durchsetzen, die den demokratischen Staat hochgradig unterlaufen. Wie soll in solch einer Situation einer ethnischen Minderheit begegnet werden, die eine traditionell antidemokratische Kulturform hat? Besonders uns in den westlichen Industrieländern muß die Frage beschäftigen: Welche Urteilswege stehen uns überhaupt für andersartige Kulturen offen? Sollen und dürfen wir unsere Ideale von Toleranz, Freiheit, Demokratie und Menschenrechten der ganzen Welt mit ihren andersartigen Gesellschaften aufzwingen? In dieser komplexen Debatte, die oft sehr polemisch und undifferenziert geführt wird, hat der Kanadier Charles Taylor mit seinem Essay »Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung« 1992 einen besonderen Beitrag geleistet, indem er versuchte, Nüchternheit und Differenziertheit in die hitzige Auseinandersetzung zu bringen mit dem Versuch, konstruktive Antworten auf die multikulturellen Fragen zu geben. Taylors’ Ansatz wird in diesem Buch dargestellt und kommentiert.
Excerpt (computer-generated)
Charles Taylor. Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung
- Darstellung und Kommentierung
von Adrian Flasche
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 1
II. DARSTELLUNG DER ARGUMENTATION
VON CHARLES TAYLOR 4
1. Identität und Anerkennung 4
2. Die Identitätsentwicklung im historischen Rückblick 5
3. Identitätsbildung im Dialog 6
4. Die Politik der gleichheitlichen Anerkennung
und die Politik der Differenz 7
5. Die Politik der allgemeinen Menschenwürde :
die Varianten von Rousseau und Kant 8
6. Prozeduraler und substantieller Liberalismus 10
7. Das Problem des Multikulturalismus 11
III. KOMMENTARE ZU TAYLORS` DISKURS 14
1. Susan Wolf 14
2. Michael Walzer 15
3. Steven C. Rockefeller 17
IV. EIGENER KOMMENTAR 19
Literaturverzeichnis 24
I. Einleitung
Die Menschheit ist - obwohl sie biologisch gesehen eine Spezies darstellt - keine homogene Weltgemeinschaft, sondern seit Beginn ihrer Existenz vor ca. 40.000 Jahren hochgradig heterogen und fragmentiert - zum einen natürlich durch verschiedene Lebensräume, zum anderen aber besonders durch verschiedene Sprachen, verschiedene Verhaltens-, Denk- und Glaubensweisen und daraus resultierenden Gesellschaftsformen (prägt die Gesellschaft den Menschen oder der Mensch die Gesellschaftsform?); kurz: durch einen Pluralismus an Kulturen. Problematisch an dieser Kulturenvielfalt ist die - vermeintliche? - Unvereinbarkeit jener Daseinsformen, die zum Teil konträr zueinander, ja sogar feindselig gegeneinander stehen. Ein Blick in die Geschichte zurück zeigt, dass verschiedene Kulturen sich stets voneinander abgrenzten, indem sie ihre jeweilige Lebensform anfangs durch ein Territorium, später durch einen Nationalstaat von anderen isolierten. Nichtsdestoweniger versuchte - fast - jede Kultur, jeder Nationalstaat, seine Lebensform expandieren zu lassen, sprich: den andersartigen Kulturen seine vermeintlich bessere aufzuzwingen.
Es wurde und wird die Frage gestellt, welche von diesen Kulturen denn die wahre, die vernünftigste, die zu bevorzugende für die gesamte Menschheit sei. Spätestens seit der industriellen Revolution vor knapp 200 Jahren hat die sogenannte westliche Welt - Europa und Nordamerika - die "Führung" der Erde übernommen. Es könnten aber auch schon die mittelalterliche Christianisierung mittels Kreuzzügen, die Konquistadorenzeit und die Ära "neuer" Erdteilentdeckungen als Hegemonie angesehen werden. Jedenfalls hat die westliche Welt das Selbstverständnis, mit ihrer liberalen, demokratischen Gesellschaftsform und ihrer freien oder sozialen (?) - sozialeren - Marktwirtschaft die geeigneteste und ideale Gesellschaftsform für die ganze Menschheit zu sein. Andere Kulturen mit jeweils differenten Lebensformen erheben diesen Anspruch aber ebenso - z.B. die islamische Welt, der Kommunismus mit seinen verschiedenen Ausgestaltungen oder faschistische, monarchistische und oligarchische Staaten.
Schließlich besteht das Problem der verschiedenen Kulturen nicht nur international, sondern auch innerhalb e i n e r Gesellschaft, in der Binnenstruktur, wo sich die Konflikte mit der Kulturdifferenz besonders herauskristallisieren. In den meisten bi- und multikulturellen Gesellschaften gibt es eine Mehrheit, die dementsprechend über wirtschaftliche und politische Macht verfügt, sowie eine oder mehrere ethnische Minderheiten. Häufig werden diesen Minderheiten Rechte vorenthalten, werden sie als Bürger zweiter Klasse behandelt. Diese Unterdrückung beginnt mit Geringschätzung und kann über massive Diskriminierung bis zum Schlimmsten, dem Völkermord, führen.
Einerseits streben kulturelle Minoritäten die Gleichberechtigung an, verlangen also dieselben Rechte, die der Majorität eigen sind. Andererseits wollen ethnische Minderheitskulturen zwar gleichberechtigt werden, Gleichwertigkeit erfahren, jedoch nicht von der Mehrheit assimiliert - und somit wiederum diskriminiert - werden. Das Ziel von ethnischen Minderheiten ist das Recht, die Freiheit zu erhalten, mit der sie ihre ureigene Kultur erhalten und entfalten können - ebenso, wie die Mehrheit ihre Kultur frei entfalten kann. Als Beispiel hierfür kann der Konflikt zwischen Kurden und Türken in der Türkei angeführt werden: Das kurdische Volk möchte einerseits gleichberechtigt werden, aber nicht zu Türken homogenisiert werden, sondern das Recht erhalten, die kurdische Kultur frei leben und entfalten zu können. Sie beanspruchen genau dieselbe Freiheit, kraft deren das türkische Volk sich frei entfalten und erhalten kann. Das ist die Forderung nach gleichwertiger Achtung für ihre Kultur.
Somit kämpfen ethnische Minderheiten nicht ausschließlich für Gleichberechtigung, sondern für die Akzeptanz ihrer Andersartigkeit, für ihr Recht auf Verschiedenheit.
Schließlich gibt es nicht nur Differenzen zwischen verschiedenen Völkern, sondern auch innerhalb eines Volkes, einer Kultur: innergesellschaftlich werden ebenfalls Gruppen oder Teile der Bevölkerung geschlechtsspezifisch oder wegen ihrer sexuellen Vorlieben - subtil oder offen - unterdrückt und fordern Gleichberechtigung bzw. die Achtung für ihre eigene Kultur.
Im Idealfall sollten alle Kulturen in einem multi- oder bikulturellen Staat gleichwertig und gleichberechtigt sowie friedlich und frei neben- und miteinander leben.
Gesteht man nun aber einer ethnischen Minderheit weitreichende Freiheiten zu, geht damit meist eine Einschränkung der anderen Volksgruppe(n) einher. Wie weit kann und sollte die Majorität ihre Rechte zugunsten einer Minorität einschränken (lassen)? Und häufig wollen auch ethnische Minderheiten gar keine Koexistenz; vielmehr verlangen sie einen eigenen, autonomen Staat - was wiederum zur Spaltung des bisherigen Staates und somit u.a. zu neuen Minderheitsproblemen führt.
Die Zahl solcher weltweiter ethnischer Konflikte und Kriege ist lang:
[...]
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Charles Taylors Politik der Anerkennung in der Kritik von Jürgen Habermas
Author: Katharina BläsingPolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Was heißt 'einer Regel folgen'?
Author: Jan FrerichsPhilosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language), 1998 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Wittgensteins Begriff der Regel in den Philosophischen Untersuchungen
Author: M.A. Jens-Philipp GründlerPhilosophy - Philosophy of the Present, 2001 Download as PDF-file for 3,49 EUR
Welche Politik kann Anerkennung garantieren? Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor
Author: Marko TomasiniPolitics - International Politics - General, 2005 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Franz Kafka - Vor dem Gesetz - Ein hermeneutischer Zugang
Author: Christine PorathGerman Studies - Modern German Literature, 2005 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Bürgerschaftliches Engagement in der Zivilgesellschaft
Author: Matthias RischerPolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 2002 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Thomas Hobbes "Leviathan " als Gefangenendilemma
Author: Linda Claudia KohlPolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 2006 Download as PDF-file for 2,99 EUR
Eigenfertigung oder Fremdbezug als betriebswirtschaftliches Entscheidungskriterium
Author: Stephan MohrEconomics / Business: Supply, Production, Logistics, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Multikulturalismus - strukturelle und ideengeschichtliche Ursprünge
Author: Olaf KundePolitics - Political Theory and the History of Ideas Journal, 1999 Download as PDF-file for 7,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: