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Diploma Thesis, 2008, 84 Pages
Author: Annika Simon
Subject: Psychology - Consulting, Therapy
Details
Tags: Allgemeine, Psychotherapiemotivation, Symptombelastung, Alkoholkranken, Entgiftungsbehandlung
Year: 2008
Pages: 84
Grade: 1
Bibliography: ~ 33 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-23137-9
File size: 960 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Braunschweig & Medizinische Hochschule Hannover
Allgemeine Psychotherapiemotivation und Symptombelastung von Alkoholkranken in qualifizierter Entgiftungsbehandlung
Annika Simon
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... III
Tabellenverzeichnis ... IV
I. Einleitung ... 1
II. Theoretische Grundlagen ... 2
1. Alkoholabhängigkeit ... 2
1.1 Begriffsdefinition: Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch ... 2
1.2 Epidemiologie und volkswirtschaftliche Konsequenzen ... 3
1.3 Klinische Symptomatik und Verlauf ... 4
1.4 Diagnostik ... 5
1.5 Intervention: Das deutsche Suchthilfesystem ... 7
2. Das Konzept der qualifizierten Entgiftungsbehandlung ... 10
2.1 Entwicklung, Grundkonzept und Therapieziele ... 11
2.2 Therapieplan und Interventionsmaßnahmen ... 12
2.3 Evaluation von Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit ... 13
3. Behandlungsmotivation bei Alkoholabhängigen ... 14
3.1 Konstrukt der allgemeinen Psychotherapiemotivation (APM) ... 14
3.2 Behandlungsmotivation bei Alkoholabhängigen ... 17
3.3 Phasenmodell der Motivation von Prochaska und DiClemente ... 19
III. Fragestellungen und Zielsetzung der Arbeit ... 20
IV. Methodisches Vorgehen ... 23
1. Untersuchungsdurchführung ... 23
1.1 Die qualifizierte Entgiftungsstation 53a der MH-Hannover ... 23
1.2 Antrag an die Ethikkommission ... 25
1.3 Patientenrekrutierung ... 25
1.4 Untersuchungsablauf ... 26
1.5 Schwierigkeiten bei der Umsetzung ... 27
2. Erhebungsverfahren ... 28
2.1 Angaben zur Person und Suchtanamnese ... 28
2.2 Skala zur Erfassung der Schwere der Alkoholabhängigkeit (SESA) ... 28
2.3 Fragebogen zur Messung der Psychotherapiemotivation (FMP) ... 30
2.4 Brief Symptom Inventory von L.R. Derogatis (BSI) ... 31
3. Beschreibung der Stichprobe ... 33
3.1 Soziodemographische Merkmale ... 33
3.2 Suchtanamnese und Störungsprofil (SESA) ... 35
3.3 Symptombelastung (BSI) ... 38
4. Statistische Analysen ... 39
IV. Darstellung der Ergebnisse ... 40
1. Profil der allgemeinen Psychotherapiemotivation und Zusam-menhänge mit anderen Merkmalen ... 40
1.1 Allgemeine Psychotherapiemotivation (FMP) ... 40
1.2 Zusammenhänge mit soziodemographischen Merkmalen ... 43
1.3 Zusammenhänge mit suchtanamnestischen Merkmalen ... 44
1.4 Zusammenhänge mit klinischen Merkmalen (SESA) ... 45
1.5 Zusammenhänge mit der Symptombelastung (BSI) ... 46
2. Klassifikation nach dem FMP-Profil ... 47
2.1 Clusteranalyse auf Basis des FMP-Profils ... 48
2.2 Clusterprofile und Merkmalsunterschiede ... 50
V. Diskussion und Ausblick ... 55
VI. Literaturverzeichnis ... 63
VII. Anhang
I. Einleitung
Alkoholismus gehört zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen weltweit, zerstört ganze Existenzen und hat viele Todesopfer zur Folge. Obgleich die Bundesrepublik Deutschland über ein mehrstufiges Suchthilfesystem verfügt, nimmt nur ein Bruchteil der Betroffenen die Hilfsangebote in Anspruch und selbst bei adäquater Behandlung liegen die Abstinenzraten bestenfalls bei etwa 50% (Kiefer & Mann, 2007). Gründe für diese Situation sind sicherlich Phänomene wie mangelnde Krankheitseinsicht und fehlende Veränderungsbereitschaft, die bei vielen Suchterkrankungen störungsimmanent vorkommen. Vor diesem Hintergrund geht es bei der hier berichteten Studie um die allgemeine Therapiemotivation von Patienten mit der Diagnose einer Alkoholabhängigkeit. Es wurden mittels Fragebogen zur Selbstbeurteilung Daten auf der qualifizierten Entgiftungsstation der Psychiatrischen Klinik an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erhoben, um die persönlichen Umstände und die Motiviertheit von Patienten zu explorieren, die dort freiwillig eine Entgiftung begonnen hatten. Die gewonnenen Erkenntnisse können einen Beitrag dazu leisten, die Behandlungsmaßnahmen besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abzustimmen, um die Passung zwischen dem Therapiekonzept einerseits und den Patientenbedürfnissen andererseits zu optimieren. Eine möglichst gute Passung ist dabei eine wichtige Grundlage dafür, dass sich der Patient auf die Maßnahmen einlässt, eine Änderungsbereitschaft entwickelt und schließlich zur Weiterbehandlung mit dem langfristigen Ziel der dauerhaften Abstinenz und der sozialen Reintegration motiviert werden kann.
Die folgende Darstellung der Studie mit dem Titel „Allgemeine Psychotherapiemotivation und Symptombelastung von Alkoholkranken in qualifizierter Entgiftungsbehandlung“ beginnt mit einer allgemeinen Einführung zum Thema Alkoholismus und dem Grundkonzept der sogenannten qualifizierten Entgiftungsbehandlung. Diese stellt die erste Komponente des deutschen Suchthilfesystems dar und bildet den Rahmen dieser Untersuchung. Der nächste Abschnitt befasst sich genauer mit der Behandlungsmotivation von Alkoholabhängigen, bevor im Methodenteil die Untersuchungsplanung und -durchführung beschrieben werden. Im daran anschließenden Ergebnisteil werden dann die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt und im Diskussionsteil kritisch beleuchtet.
I. Theoretische Grundlagen
Der theoretische Teil umfasst insgesamt drei Unterabschnitte. Zu Beginn erfolgt eine allgemeine Darstellung zum Störungsbild der Alkoholabhängigkeit, bevor anschließend das Konzept der qualifizierten Entgiftungsbehandlung vorgestellt wird. Der dritte Abschnitt befasst sich schließlich mit dem Begriff der allgemeinen Psychotherapiemotivation (APM) und ihrer Bedeutung für die Behandlung von alkoholabhängigen Patienten.
1. Alkoholabhängigkeit
Der Konsum von Alkohol gehört seit jeher zu unserer Kultur dazu und ist weitestgehend gesellschaftlich akzeptiert. Hinter einer bunten Fassade mit fröhlich trinkenden Models auf Plakatwänden verbirgt sich allerdings eine dunkle Schattenseite: alkoholinduzierte psychische Störungen wie das Abhängigkeitssyndrom und der schädliche Gebrauch, die unter dem Begriff des Alkoholismus zusammengefasst werden. Neben Angststörungen und Depressionen zählt Alkoholismus zu den weltweit häufigsten psychischen Erkrankungen mit schwerwiegenden sozialen und volkswirtschaftlichen Konsequenzen.
Das folgende Kapitel beinhaltet einen kurzen Überblick zu den vielen „Gesichtern“ des Alkoholismus. Dabei werden nach einer Begriffsdefinition und epidemiologischen Daten die klinische Symptomatik sowie der Krankheitsverlauf beschrieben. Den Schlussteil bilden eine Übersicht häufig eingesetzter Diagnostikinstrumente und eine Darstellung des deutschen Suchthilfesystems.
1.1 Begriffsdefinition: Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch
Seit der erstmaligen Beschreibung des Alkoholismus als „Krankheit des Willens“ durch den Amerikaner Benjamin Rush zu Ende des 18. Jahrhunderts haben sich im Volksmund viele Begriffe zur Beschreibung dieser seit 1968 in Deutschland anerkannten psychischen Störung entwickelt (Lindenmeyer, 2005). So spricht man u.a. von Trunksucht, Säufertum und Alkoholkrankheit. Diese Vielfalt spiegelt dabei die große Heterogenität der Gestalt und Konsequenzen wider, die zahlreiche körperliche, soziale und psychische Folgeschäden mit einschließen (Wittchen & Hoyer, 2006). Zur Eingrenzung des multidimensionalen Phänomens des Alkoholismus haben die modernen internationalen Klassifikationssysteme ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Dilling et al., 2004) und DSMIV (Saß et al., 1998) der American Psychiatric Association (APA) operationalisierte Definitionen festgelegt. Eine Alkoholabhängigkeit als psychiatrische Erkrankung liegt demnach vor bei einem oft starken, übermächtigen Wunsch, Alkohol zu trinken (Craving), bei einer Einengung des Denkens auf den Alkoholkonsum sowie bei einer verminderten Kontrolle über die getrunkene Menge. Neben dieser sogenannten psychischen Abhängigkeit zeigen Betroffene körperliche Symptome wie Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, die unter dem Begriff der physischen Abhängigkeit zusammengefasst werden. Von der Alkoholabhängigkeit zu unterscheiden ist der schädliche Gebrauch (ICD-10) bzw. der Missbrauch (DSM-IV) von alkoholhaltigen Getränken. Dieser Begriff umschreibt einen Alkoholkonsum, der bereits zu nachweisbaren psychischen, physischen und/oder sozialen Folgeschäden geführt hat, obgleich keine hinreichenden Hinweise für eine Abhängigkeit gefunden werden können (DHS, 2003). Dabei werden häufig große Mengen getrunken, um die positive euphorisierende und angstlösende Wirkung des Alkohols zu erleben.
1.2 Epidemiologie und volkswirtschaftliche Konsequenzen
Alkoholismus zählt mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa 13% neben Angststörungen und Depressionen zu den häufigsten psychiatrischen Störungen weltweit (Wittchen & Hoyer, 2006). Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) sind aktuell in der Bundesrepublik Deutschland etwa 4,8% der Männer und 1,3% der Frauen über 18 Jahren nach den Diagnosekriterien des DSM-IV (Saß et al., 1999) alkoholabhängig. Dies entspricht einer Gesamtzahl von 1,5 Millionen Betroffenen, davon 1,2 Mio. Männer und 300 000 Frauen. In Hinblick auf das Geschlechterverhältnis sind also Männer deutlich häufiger betroffen, wobei sich die Konsummuster immer mehr angleichen. Nach aktuellen Statistiken betreiben zudem etwa 2,5 Millionen (4%) deutsche Bundesbürger einen Alkoholmissbrauch, wobei die Dunkelziffer aufgrund störungsimmanenter Verleugnungstendenzen und Bagatellisierung deutlich höher liegen dürfte. Neben schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld entsteht ein erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden, der sich beispielsweise für das Jahr 2002 auf über 20 Milliarden Euro beziffern lässt (DHS, 2007). Schließlich sterben pro Jahr durchschnittlich 42 000 Menschen in direkter oder indirekter Verbindung mit Alkoholkonsum (DHS, 2003).
1.3 Klinische Symptomatik und Verlauf
Das klinische Erscheinungsbild des Alkoholismus ist sehr vielfältig und setzt sich aus psychiatrischen, neurologischen sowie internistischen Krankheitszeichen zusammen (Möller, Laux & Deister, 2005). Neben einem auffälligen Trinkverhalten entwickelt sich auf psychopathologischer Ebene eine psychische Abhängigkeit, die sich u.a. in Form von Kontrollverlusten in Bezug auf Beginn und Ausmaß des Konsums, einem ständigen starken Verlangen nach Alkohol (sogenanntes Craving) sowie zunehmender Vernachlässigung früherer Interessen und Pflichten zugunsten des Alkoholkonsums äußert. Das körperliche Abhängigkeitssyndrom ist gekennzeichnet durch eine Toleranzentwicklung, die sich nach langjährigem starkem Konsum auch zu einer Toleranzminderung umkehren kann, und weiterhin durch das Auftreten von Entzugserscheinungen wie Schwitzen, Tremor, Angstzuständen bis hin zum Bild des Alkoholentzugsdelirs (Delirium tremens). Aufgrund dieser Risiken, sollten die Betroffenen im Entzug regelmäßig medizinisch überwacht und ggf. pharmakologisch behandelt werden, wie es in vielen stationären Einrichtungen im Rahmen einer Entgiftungsbehandlung praktiziert wird. Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen das Wernicke-Korsakow- Syndrom, Polyneuropathien, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und irreversible Leberschäden. Beispiele für soziale Auswirkungen sind Partnerschaftskonflikte bis hin zur Scheidung, Arbeitsplatzverlust und Obdachlosigkeit.
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