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Scholary Paper (Seminar), 2008, 28 Pages
Author: Franz Ludin
Subject: Ethics
Details
Tags: Goldene, Regel, Kategorische, Imperativ, Vergleich
Year: 2008
Pages: 28
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-16912-2
ISBN (Book): 978-3-640-17204-7
File size: 172 KB
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit setze ich mich mit der Goldenen Regel (GR) und dem Kategorischen Imperativ (KI) von Kant auseinander. Ich definiere zuerst die GR, gehe auf die Herkunft ein sowie auf die positive und negative Formulierung der GR. Dann setze ich mich mit der Kritik an der GR auseinander sowie mit der Verbreitung der GR in den Weltreligionen. Beim KI betrachte ich die Gesetzesformeln des KI, die allgemeine Gesetzmässigkeit als Grund für die Moral und setze mich mit der Kritik an dem KI auseinander. Des weiteren gehe ich auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen GR und KI ein und am Schluss der Arbeit stehen zusammenfassende Gedanken.
Excerpt (computer-generated)
Berufsbegleitendes Studium in Theologie
und Religionsphilosophie (BSTR) an der Universität Basel
Die Goldene Regel und der Kategorische Imperativ ein Vergleich
Franz Ludin
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Goldene Regel (GR) 3
2.1
Die Definition der Goldenen Regel 3
2.2
Die Herkunft der Goldenen Regel 5
2.3
Die Goldene Regel in der positiven Formulierung 7
2.4
Die Goldenen Regel in der negativen Formulierung 7
3 Kritik an der Goldenen Regel 8
4 Die Verbreitung der Goldenen Regel in den Weltreligionen 9
5 Der Kategorische Imperativ (KI) 12
6 Gesetzesformeln des Kategorischen Imperativs 15
7 Allgemeine Gesetzmässigkeit als Grund für die Moral 16
8 Kritik am Kategorischen Imperativ 18
9 Die Goldene Regel und der Kategorische Imperativ - Gemeinsamkeiten und
Unterschiede 20
9.1
Vergleich zwischen der Goldenen Regel und dem Kategorischen Imperativ 22
9.1.1
Die Goldene Regel 22
9.1.2
Der Kategorische Imperativ 23
10 Zusammenfassende Gedanken 24
Literaturverzeichnis 27
Seite 2 von 27
1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit setze ich mich mit der Goldenen Regel (GR) und dem Kategorischen Imperativ (KI) von Kant auseinander. Ich definiere zuerst die GR, gehe auf die Herkunft ein sowie auf die positive und negative Formulierung der GR. Dann setze ich mich mit der Kritik an der GR auseinander sowie mit der Verbreitung der GR in den Weltreligionen.
Beim KI betrachte ich die Gesetzesformeln des KI, die allgemeine Gesetzmässigkeit als Grund für die Moral und setze mich mit der Kritik an dem KI auseinander. Des weiteren gehe ich auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen GR und KI ein und am Schluss der Arbeit stehen zusammenfassende Gedanken.
2 Die Goldene Regel (GR)
2.1 Die Definition der Goldenen Regel
,,Was Du nicht willst, das man Dir tu`, das füg auch keinem anderen zu."
In der Prinzipienethik sind die Handlungen und Technologien Themen, zu denen man mit Bezug auf geordnete, mehr oder weniger allgemeine moralische Prinzipien Stellung nimmt. Die moralischen Prinzipien haben die Form von abstrakten und allgemeinen Urteilen. Ein hoher Allgemeinheitsgrad sind das Gebot der Ehrfurcht vor dem Leben und das Prinzip der Gerechtigkeit, die Goldene Regel (GR) und in der Ethik der berühmte Kategorische Imperativ (KI) von Kant ,,Handle so, dass Du die Menschheit, sowohl in Deiner Person, als in der Person eines andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals als Mittel brauchst." Eine an Prinzipien orientierte Ethik hat einen hohen Abstraktionsgrad. Die konkreten Situationen und die subjektiven Zustände wie zum Beispiel die Emotionen und Intuitionen werden nicht berücksichtigt.
Die Prinzipienethik evaluiert einzelne Handlungen oder Handlungsoptionen mit Bezug auf allgemeine moralische Prinzipien. Die Tugendethik dagegen evaluiert persönliche Haltungen oder Charakterzüge mit einem Bezug auf das für das menschliche Leben Gute.1
Die GR kann für moralische Fragen herangezogen werden. Eine Regel muss einen Grad ,,Allgemeinheit" haben. Je allgemeiner die Form eines Satzes ist, um so auf mehr Fälle kann man sie anwenden. Der Inhalt ist aber umso weniger konkret. Die
1 Huppenbauer und De Bernardi, Kompetenz Ethik (2003), S. 24 ff
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GR mit ihrer alten Tradition ist in verschiedenen Arten Grundbestandteil ethischer Vorstellungen in verschiedenen Religionen. Sie bezieht sich auf die Person und dem Gegenüber. Die GR abstrahiert vom konkreten Fall und erhebt einen universellen Geltungsanspruch. Die zentrale Forderung der GR ist, jeden Menschen so zu behandeln, wie man selber behandelt werden möchte, wäre man an seiner Stelle.2 Will man dies nicht, dann ist die Handlung unmoralisch. Sie soll dann unterlassen werden. Wir finden die GR in den meisten Weltreligionen. Aus ihr sind vier Prinzipien als ,,unverrückbare Weisungen" entwickelt worden:
- Die Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben.
- Die Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität sowie eine gerechte Wirtschaftsordnung.
- Die Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit.
- Die Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung von Mann und Frau.
Die GR kann als bedeutende Kulturleistung betrachtet werden. Sie stellt ein Zeugnis dar, sich in andere Menschen, Sitten und Wertvorstellungen einzuleben und kann als Orientierungsleitplanke betrachtet werden. Es gibt unterschiedliche Angaben über die Ursprünge der GR. Bei Dihle ist erwähnt, dass die allererste Begegnung dieses Prinzips die babylonische Achidar-Erzählung ist. In ihr sind Ratschläge und Lebens-regeln enthalten, die der Weise Achidar seinem Sohn gibt wie die Aufforderung: ,,Kind, was Dir schlecht scheint, sollst Du Deinem Gewissen nicht antun." Eine ähnliche Regel ist im Buch Tobias (Tob) des AT zu finden: ,,... was Du nicht leiden magst, das tue niemand an." Die Formulierung der GR setzt ein Abstraktionsvermögen voraus. Auch ist die Geläufigkeit in der rationalen Analyse der zwischenmenschlichen Vorgängen Voraussetzung.3 Die GR verlangt angeordnetes Verhalten, welches sich auf die Kalkulation, wie der Partner in den entsprechenden Situationen handelt, wie er das ihm Vorgegebene eines anderen empfindet und beurteilt. Man muss sich in die Rolle des Partners ,,hineinleben".
2 Fenner, Ethik (2008), S. 151
3 Dihle, Die goldene Regel (1962), S. 11
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Die GR wurde in einer Zeit verfasst, wo Menschen bereits über eine gewisse Übung im Formulieren verfügten, sittliche Einsichten der Vorstellungswelt in abstrakten und allgemeingültigen Maximen zu verfassen. In der GR ist ein Gleichgewichtszustand vorhanden. Jede schädliche oder nützliche Handlung stört das Gleichgewicht. Dann wird das Gleichgewicht durch die entsprechende Handlung wiederhergestellt. Die Handlung kann nützlich oder schädlich sein. Durch die entsprechende Gegenhandlung wird das Gleichgewicht wiederhergestellt. Altertümliche Begriffe wie Unrecht, Recht, Vergeltung und Schuld sowie Verantwortung sind am Umfang des zur Diskussion stehenden Nutzens oder Schadens zu orientieren, der im Vollzug der Wiederherstellung des Gleichgewichtszustandes unter Menschen auf das Genauste aufgewogen werden muss. Nach archaischer Auffassung folgen Ausgleich und Vergeltung nach jeder Tat. Die vom Täter geplante Vergeltung liefert nach dem genannten Denkschema gleichsam den Massstab für die geplante, noch nicht vollzogene Tat.4
Die GR fordert die Diskussion über geplante Handlungen und Handlungsfolgen, die voraussehbar sind und die man zu verantworten hat. Man versetzt sich in die Lage des andern und schätzt ab, ob man die geplanten Handlungen persönlich akzeptieren würde. Wie im Utilitarismus fragt man nach dem Nutzen der beabsichtigten Ziele oder nach den Folgen, die eine Handlung für die Betroffenen verursacht. Die GR definiert nicht die zu vermehrenden Güter. Es liegt ihr eine präferenzutilitaristische Deutung nah.5 Im Zentrum stehen Würde und die Bedürfnisse der Beteiligten. Im hedonistischen Utilitarismus steht das subjektivere Wohlbefinden im Vordergrund.
2.2 Die Herkunft der Goldenen Regel
Die GR knüpft möglicherweise an archaischen Formen des Vergeltungsdenkens an und dem talionischen Recht. Sie entstammt der antiken Popularethik (umstrittene Hypothese von A. Dihle, al.a.O., 13 ff). Bei Herodot ist die GR zum ersten Mal ersichtlich. Sie ist aber nicht bei Plato und Aristoteles vorhanden, bei Augustinus ist sie als vulgäres Sprichwort zu finden. In der historischen Forschung wird sie der antiken Vulgärethik zugeordnet. Bei Isokrates und Marc Aurel treffen wir sie als Kurzformel einer auf den Gedanken der sittlichen Autonomie reduzierten Formel.6 Die GR ist, über die hellenistischen Quellen vermittelt, auch im Judentum zu finden. Sie wird in negativer Form überliefert ,,was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg` auch keinem
4 Dihle, Die goldene Regel (1962), S. 12
5 Fenner, Ethik (2008), S. 151 ff
6 Bellebaum, Was Du nicht willst, das man Dir tu`... (1999), S. 64
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anderen zu" (Tob 4,15; Hen 61,1) oder in der Verknüpfung mit dem Liebesgebot (Lev 19,18). 7
Die GR verbietet Handlungen, bietet aber keine Begründung. Die Begründung ist im Massstab zu finden, nach dem beurteilt werden soll, was man zu unterlassen habe. Er ist das persönliche Empfinden für das, was man nicht selbst erleiden will. Die GR leitet an, die persönliche beschränkte Sicht des Richtigen als um die Sicht des von meinem Handeln betroffenen Mitmenschen zu erweitern. Man sieht die beiden Perspektiven der Handlung. Dann kommt das, was gutes oder schlechtes Handeln ist.
Die positive Formulierung der GR ist auch in ausserchristlichen Zusammenhängen zu finden. Sie wird jedoch in der frühchristlichen Ethik auch in der negativen Variante zitiert. Die Kirche sah in der positiven Form nie Überlegenheit der eigenen Ethik über die sittlichen Anschauungen der antiken Philosophen.8 Die GR wird als eine Grundformel der natürlichen Sittlichkeit oder Naturrechts angesehen.
Reiner sagt, dass die GR sich auf drei Arten formulieren lässt: 9
Als Einfühlungsregel: Das eigene Wollen und die eigene Erfahrung ist Grundlage für die Anwendung der GR. Das leitende Prinzip ist die Liebe zum anderen. Die Annahme der GR macht das Miteinander in der Gesellschaft einfacher und somit auch für den Einzelnen von uns.
Als Autonomieregel: Nicht das eigene Wollen soll gesehen werden, sondern das Verhalten des anderen Mitmenschen. Dies soll der Massstab für unser Handeln sein. Wenn wir das Verhalten anderer betrachten, erkennen wir, was richtig oder falsch ist. Wir sind Aussenstehende und nicht gefangen mit unserer Meinung. Die individuelle Urteilungsfindung wird über das Messen des eigenen Wollens an Werte der Gesellschaft gebildet.
Als Gegenseitigkeitsregel: Die Einfühlungs- und die Autonomieregel werden kombiniert. Unser Wollen ist Ausgangspunkt für das Beurteilen einer Situation. Unser Wollen wird jedoch ausgeweitet auf die gegenseitige Rücksichtsnahme anderer. Subjekt und das Wohl des andern wird als gleichberechtigt dargestellt. ,,Der Mensch will
7 Bellebaum, Was Du nicht willst, das man Dir tu`... (1999), S. 64
8 Bellebaum, Was Du nicht willst, das man Dir tu`... (1999), S. 65
9 Reiner, Die Goldene Regel. Die Bedeutung einer sittlichen Grundhaltung der Menschheit, Zeitschrift für philosophische Forschung 3, (1948), S. 82105
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