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Scholary Paper (Seminar), 2003, 34 Pages
Author: Mag. Andrea Schikowitz
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Details
Institution/College: University of Vienna (Institut für Soziologie)
Tags: Angst, Schwarzen, Mann, Bild, Schwarzen, Alltag, Migration, Integration, Identität
Year: 2003
Pages: 34
Grade: 2,00
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-16522-3
File size: 351 KB
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Abstract
Über Migranten, besonders über solche dunkler Hautfarbe, bestehen eine Menge Vorurteile, und das, obwohl Schwarze im deutschsprachigen Raum erst seit sehr kurzer Zeit zum Straßenbild gehören. Das bedeutet, dass lange Zeit jeder von uns Bilder von Schwarzen im Kopf hatte, ohne jemals selbst einen dunkelhäutigen Menschen persönlich gekannt zu haben.1 Die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit lauten daher: Wenn nicht aus der eigenen Erfahrung, woher kommen dann diese Bilder? Und haben sie sich im Laufe der Zeit verändert? Stereotype über fremde Menschen und fremde Länder werden tagtäglich vermittelt und weiterverbreitet. Sie begegnen uns auf Firmenschildern, in Kinderbüchern und in Schlagertexten. Eine eingehendere Untersuchung dieses Phänomens ist daher meiner Meinung nach sehr wichtig, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Denn nur wenn wir Stereotype bewusst wahrnehmen, sind wir ihrer Wirkung nicht mehr schutzlos ausgesetzt. Im Folgenden möchte ich zuerst versuchen, die Ursprünge der Darstellungen von Schwarzen im Mittelalter aufzuzeigen und dann auf aktuellere Bilder eingehen. Dabei lege ich den Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Die Beispiele, die ich geben werde, sind eine willkürliche Auswahl besonders anschaulicher Fälle, ähnliche Bilder ließen sich wohl in fast jedem Bereich unseres Alltags finden. Sie sind uns oft so vertraut, dass sie uns nicht einmal mehr auffallen, aber gerade das macht sie so gefährlich. Wenn sich die Vorurteile einer bewussten Reflexion entziehen, können sie unbehindert ihre Wirkung entfalten. Darum hoffe ich ein wenig das Bewusstsein für die unzähligen Quellen zu schärfen, die unsere Vorurteile speisen. 1 „Dabei wurde – historisch betrachtet – ein sehr widersprüchliches Bild vom Fremden gezeichnet. Stichpunktartig seien hier folgende Konturen dieses Bildes umrissen: Nahrungskonkurrent, Handelspartner, „Objekt sexueller Begierde“, Zu-Missionierender, Überbrunger technologischer Innovationen und neuer Lebensstile, nützlicher Kooperationspartner, verbündeter Krieger, Feind, Flüchtling, Eroberer, dumpfe Bedrohung, Leitbild, verachtete Existenz, Fremder im eigenen Land, bewunderter und bestaunter Exote oder auch Störgröße wissenschaftlicher Theorien.“, aus: Hegel, Ralf-Dietmar; Müller, Martin: Einleitung – Wie fremd sind uns die Fremden?, in: Hegel, Ralf-Dietmar (Hg.): Der Name des Fremden.
Excerpt (computer-generated)
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Das Bild des Schwarzen im Alltag
Andrea Schikowitz, 2003
2
1. EINLEITUNG 3
1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung 3
1.2. Definitionen 4
1.2.1. Stereotyp 4
1.2.2. Vorurteil 5
1.2.3. Diskriminierung 5
1.2.4. ,,Schwarzer" 5
2. BILDER VON SCHWARZEN IM WANDEL DER ZEIT 6
2.1. Überblick 6
2.2. Ursprünge 7
2.2.1. Die Heiligen drei Könige 8
2.2.2. Der Heilige Mauritius 8
2.3. Exoten im kirchlichen Hilfsprogramm ,,Entwicklungshilfe" 9
2.3.1. Kolonisation und Missionierung 9
2.3.2. ,,Entwicklungshilfe" 10
2.4. Exoten im Dienste der Werbung 11
2.4.1. Produkte aus den Kolonien 11
2.4.2. Schwarze in der Werbung seit den 1960ern 12
2.4.3. ,,United Colors of Benetton" 12
2.5. Schwarze im deutschen Schlager 13
2.5.1. Der deutsche Schlager vor 1933/38 13
2.5.2. Der deutsche Schlager seit 1945 16
2.6. Kinder- und Jugendlieder 16
2.6.1. ,,Zehn kleine Negerlein" 16
2.6.2. ,,Negeraufstand ist in Kuba" 20
2.7. Kinder- und Jugendbücher 21
2.7.1. ,,Onkel Tom′s Hütte" 21
2.7.2. ,,Tim und Struppi" 22
2.8. Das Bild des Fremden in der Wissenschaft 23
2.8.1. Begriffsklärungen 23
2.8.2. ,,Rassentheorien" 25
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN 29
4. LITERATUR 30
5. ANHANG 32
3
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung
Über Migranten, besonders über solche dunkler Hautfarbe, bestehen eine Menge Vorurteile,
und das, obwohl Schwarze im deutschsprachigen Raum erst seit sehr kurzer Zeit zum
Straßenbild gehören. Das bedeutet, dass lange Zeit jeder von uns Bilder von Schwarzen im
Kopf hatte, ohne jemals selbst einen dunkelhäutigen Menschen persönlich gekannt zu haben.1
Die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit lauten daher: Wenn nicht aus der eigenen
Erfahrung, woher kommen dann diese Bilder? Und haben sie sich im Laufe der Zeit
verändert?
Stereotype über fremde Menschen und fremde Länder werden tagtäglich vermittelt und
weiterverbreitet. Sie begegnen uns auf Firmenschildern, in Kinderbüchern und in
Schlagertexten. Eine eingehendere Untersuchung dieses Phänomens ist daher meiner
Meinung nach sehr wichtig, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Denn nur wenn wir
Stereotype bewusst wahrnehmen, sind wir ihrer Wirkung nicht mehr schutzlos ausgesetzt.
Im Folgenden möchte ich zuerst versuchen, die Ursprünge der Darstellungen von Schwarzen
im Mittelalter aufzuzeigen und dann auf aktuellere Bilder eingehen. Dabei lege ich den Fokus
auf den deutschsprachigen Raum. Die Beispiele, die ich geben werde, sind eine willkürliche
Auswahl besonders anschaulicher Fälle, ähnliche Bilder ließen sich wohl in fast jedem
Bereich unseres Alltags finden. Sie sind uns oft so vertraut, dass sie uns nicht einmal mehr
auffallen, aber gerade das macht sie so gefährlich. Wenn sich die Vorurteile einer bewussten
Reflexion entziehen, können sie unbehindert ihre Wirkung entfalten. Darum hoffe ich ein
wenig das Bewusstsein für die unzähligen Quellen zu schärfen, die unsere Vorurteile speisen.
1 ,,Dabei wurde historisch betrachtet ein sehr widersprüchliches Bild vom Fremden gezeichnet. Stichpunktartig seien hier folgende Konturen dieses Bildes umrissen: Nahrungskonkurrent, Handelspartner, ,,Objekt sexueller Begierde", Zu-Missionierender, Überbrunger technologischer Innovationen und neuer Lebensstile, nützlicher Kooperationspartner, verbündeter Krieger, Feind, Flüchtling, Eroberer, dumpfe Bedrohung, Leitbild, verachtete Existenz, Fremder im eigenen Land, bewunderter und bestaunter Exote oder auch Störgröße wissenschaftlicher Theorien.", aus: Hegel, Ralf-Dietmar; Müller, Martin: Einleitung Wie fremd sind uns die Fremden?, in: Hegel, Ralf-Dietmar (Hg.): Der Name des Fremden
4
1.2. Definitionen
1.2.1. Stereotyp
Ein Stereotyp besteht aus einer Menge von Überzeugungen über die Merkmale (z.B.
Eigenschaften, Verhaltensweisen), die eine Gruppe von Personen charakterisieren. Der
Begriff stammt eigentlich aus dem Buchdruck und bezeichnet ,,starre und unveränderliche
Gebilde, die Zwecken der Vervielfältigung dienen."2 Auf soziale Zusammenhänge bezogen
wurde der Begriff erstmals in den 20er Jahren von dem Publizisten Lippmann, der in
Zusammenhang mit Abweichungen des Wahrnehmens und Denkens von äußeren Vorgängen
von den ,,Bildern in unserem Kopf" sprach. Diese Diskrepanzen zwischen Realität und
Vorstellung entsteht sehr früh und ist meist unbewusst.
,,Von anderen Personen wird uns ein Bild von der Welt vermittelt, bevor wir die Welt
überhaupt kennenlernen. Wir haben Vorstellungen von Menschen und Dingen, die
nicht dem eigenen Erleben, der eigenen Erfahrung entspringen. Solche frühzeitig
entstandenen Vorstellungen formen somit das Bild einer möglichen Umwelt, nicht
aber das der tatsächlichen."3
Stereotype sind zwar nicht gänzlich unveränderlich, allerdings lassen sie sich von neuen
Erfahrungen und Gegebenheiten nur sehr schwer erschüttern. Es kommt zu sogenannten
,,selffulfilling prophecies", das heißt, ein einmal verfestigtes Stereotyp lässt uns nur mehr
diejenigen Informationen wahrnehmen, die es wiederum bestätigen.
,,Sie scheinen wie willkürlich gesetzte Eckpfeiler eines Mosaiks, in das neue
Informationen vorrangig nach Bildverträglichkeit eingeordnet werden. Und viel eher
werden korrekte, aber für das eigene System nicht stimmige Informationen
zurückgewiesen bzw. unkorrekte, aber passend erscheinende Teile akzeptiert, als dass
der einmal gesetzte Rahmen in Frage gestellt wird."4
2 Aus: Lehmann, Monika: Stereotype. Die Bilder in unserem Kopf; in: Menschenfresser, Negerküsse: Das Bild vom Fremden im , S. 8
3 Aus: Lehmann, Monika: Stereotype. Die Bilder in unserem Kopf; in: Menschenfresser, Negerküsse: Das Bild vom Fremden im, S. 8
4 Aus: Lehmann, Monika: Stereotype. Die Bilder in unserem Kopf; in: Lorbeer, Marie (Hg.): Menschen, Neger, Fresser, Küsse. Das Bild vom Fremden im deutschen Alltag, Elefanten-Press, Berlin, 1991, S. 8
5
Prinzipiell sind Stereotype noch nichts negatives, die Bildung von Klassifikationen und
Entscheidungskriterien erleichtern die Orientierung in der Welt.
,,Zahlreiche Aspekte des menschlichen Lernens beruhen auf der Fähigkeit des
Klassifizierens, d.h. der Bildung von Stereotypen. Als zumindest zeitweilig konstante
Einstellungen oder Vorgaben ermöglichen bzw. erleichtern sie die Orientierung in
einer unüberschaubaren und recht mehrdeutigen Umwelt durch die Bereitstellung von
vereinfachten Entscheidungskriterien und Klassifikationskategorien."5
,,Stereotype schaffen Einstellungsübereinstimmungen innerhalb einer Gruppe von
Menschen und tragen dadurch zur Verminderung von Konflikten und Spannungen bei,
solange man in der Gruppe verbleibt und sich emotional an sie gebunden fühlt. Dieser
Anpassungseffekt könnte auch die Tatsache verständlich machen, dass Personen
bestimmte Stereoptype nur deshalb haben, weil sie ihnen das Leben in ihrer Gruppe,
ihrer sozialen Umwelt erleichtern. Die Übernahme von Stereoptypen erhöht die
Wahrscheinlichkeit der eigenen Akzeptanz in der jeweiligen sozialen Umgebung."6
1.2.2. Vorurteil
Ein Vorurteil ist eine Einstellung gegenüber den Mitgliedern einer Außengruppe, deren
evaluierte Richtung in der Regel negativ ist.
1.2.3. Diskriminierung
Diskriminierend ist jenes Verhalten, das sich gegen eine Person richtet, weil diese Person als
Mitglied einer bestimmten Gruppe betrachtet wird.
1.2.4. ,,Schwarzer"
5 Aus: Lehmann: Stereotype. Die Bilder in unserem Kopf; in: Lorbeer (Hg.): Menschen, Neger, Fresser, Küsse. Das Bild vom Fremden im deutschen Alltag, S. 9
6 Aus: Lehmann: Stereotype. Die Bilder in unserem Kopf; in: Lorbeer (Hg.): Menschen, Neger, Fresser, Küsse. Das Bild vom Fremden im deutschen Alltag, S. 9
6
In dieser Arbeit verwende ich bewusst den Begriff ,,Schwarze", da ich mich nur auf das
phänotypische Merkmal einer dunklen Hautfarbe beziehe. Denn die meisten Vorurteile über
Schwarze differenzieren nicht, sie sehen nur die dunkle Haut.7
2. Bilder von Schwarzen im Wandel der Zeit
,,Die Begegnung mit Afrikanern hat in Europa eine lange Geschichte. Und die Bilder,
die wir uns im Laufe dieser Geschichte gemacht haben, sind Bilder, die mit den
Afrikanern selbst wenig zu tun haben. Wir haben sie nach unseren Interessen und
Stimmungslagen geformt, verherrlichend, aber noch mehr erniedrigend. Wie sind
diese Bilder entstanden? Wie haben sie sich tradiert? Bilder von Schwarzen als Diener,
als Edle Wilde oder Kannibalen, als exotische Schönheiten und Heilige ziehen sich
durch die Geschichte."8
2.1. Überblick
- ~2.200 v.Chr.: Sklave, Diener, Unterhalter bis in die Antike Rechtfertigung der
Versklavung durch den Noachiden Mythos des Alten Testaments9
- 7. Jahrhundert: Ausbreitung des Islam Negativbild des ,,Schwarzen Mannes"
schwarz steht für Teufel, Araber, Berber, Mauren einziges christliches afrikanisches
Land ist Äthiopien es entstehen Legenden schwarzer Helden, z.B. des Heiligen
Mauritius
- 16. Jahrhundert: Entdeckung Amerikas Verschleppung der afrikanischen Sklaven
mit Schiffen über Europa Sklaven werden an Königs- und Fürstenhöfen gehalten
es herrscht ein Bild des ,,Nicht-Menschen" mit grausamen Eigenschaften
7 ,,Solche Produkte erhalten oft Namen, die komplexe Sachverhalte auf eine Metapher reduzieren und eine annäherungsweise ganzheitliche Betrachtung vermissen lassen. Zum Beispiel: russische Seele, englisches Gentlemenverhalten, französische Lebensart, spanisches Temperament, schweizer Sparsamkeit, schottischer Geiz, polnische Wirtschaft, wiener Charme, deutscher Fleiß, japanischer Teamgeist oder noch verkürzter: Nigger, Ami, Tommy, Pollake, Weißbrot, Sam, le boche, Fritz, Fidschi, Kameltreiber, Spaghettifresser, Langnase, Mafiosi (in verschiedenen Bindestrichvarianten), Hottentotten, Schlitzaugen, Indianer, die Schwarzen, die Weißen.", aus: Hegel; Müller: Einleitung Wie fremd sind uns die Fremden?, in: Hegel, Ralf-Dietmar (Hg.): Der Name des Fremden
8 Aus: Lorbeer (Hg.): Menschen, Neger, Fresser, Küsse. Das Bild vom Fremden im deutschen Alltag, S. 58
9 Nach diesem Mythos macht sich einer der Söhne Noahs schuldig, weil er das nackte Geschlecht seines betrunkenen Vaters ansieht, während sich die anderen Söhne keusch abwenden, und wird zum ,,Knecht aller Knechte" verurteilt. Im 7. Jahrhundert interpretiert die arabische Literatur diesen Mythos dahingehend, dass alle Nachkommen dieses Sohnes aufgrund seiner Schuld schwarz seien.
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