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Analyse elektronischer Musik - 'Hana' von Thomas Fehlmann

Subtitle: Vergleich zweier Systematiken der Gestaltungsmittel populärer Musik

Scholary Paper (Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Sebastian Roos
Subject: Musicology

Details

Event: Seminar "Einführung in die Musikwissenschaft"
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Musikwissenschaft)
Tags: Analyse, Musik, Hana, Thomas, Fehlmann, Musikwissenschaft, Elektro, Downtempo, Techno, Minimal
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V115079
ISBN (E-book): 978-3-640-16529-2

File size: 379 KB

Abstract

Aus der Beschäftigung mit der grossen Vielfalt verschiedener Musikstile und –genres der populären Musik ist ein bunter Strauß von Methoden und Versuchen entstanden, populäre Musik zu analysieren. Die Hürden, die sich dabei auftun, drehen sich immer wieder um die Frage des Instrumentariums der Analyse, der Methodik, des „Wie“ und des „Wie nicht“. Unterschiedliche theoretische Ansätze und zugrundeliegende Analysemodelle führen dann auch zu verschiedenen Instrumentarien und Systematiken zur Erfassung musikalischer Parameter. Inwieweit sich diese Systematiken als funktionsfähig für eine treffende musikalische Analyse erweisen, soll hier exemplarisch gezeigt werden. Dazu wird das Musikstück „Hana“ von Thomas Fehlmann auf zwei Arten einer Analyse unterzogen. Im Ergebnis soll ein direkter Vergleich der beiden Systematiken die Eignung als analytisches Werkzeug an diesem speziellen Fall elektronischer Musik aufzeigen.


Excerpt (computer-generated)

Analyse elektronischer Musik

Vergleich zweier Systematiken der Gestaltungsmittel
populärer Musik am Beispiel des Titels
,,Hana" von Thomas Fehlmann

Seminararbeit von Sebastian Roos
am Musikwissenschaftlichen Seminar der
Humboldt-Universität Berlin
Wintersemester 04/05

 


Inhaltsverzeichnis

Kapitel I ­ Einleitung 1
Kapitel II ­ Methoden und Vorstellung der Systematiken 2
II.1. Methodische Grundfragen 2
II.2. Einführung in die Systematiken 3
Kapitel III - Anwendung von Riggenbachs Systematik 4
III.0 Systematik 1 : Riggenbach - Lead Sheet und Maske 4
III.1. Riggenbach - Formstruktur  4
III.2. Riggenbach - Melodiestruktur 5
III.3. Riggenbach - Harmoniestruktur 7
III.4. Riggenbach - Rhytmusstruktur 8
III.5. Riggenbach - Klangstruktur 9
III.6. Riggenbach - Dynamikstruktur 10
III.7. Riggenbach - Textstruktur 11
III.8. Riggenbach - Symbolstruktur 11
Kapitel IV - Anwendung von Pfleiderers Systematik11
IV.1. Pfleiderer - Textur / Gesamtklangbild 11
IV.2. Pfleiderer ­ Klangfarbe / Artikulation 12
IV.3. Pfleiderer - Rhytmische Gestaltungsmittel 13
IV.4. Pfleiderer - Melodische Gestaltungsmittel 13
IV.5. Pfleiderer - Harmonische Gestaltungsmittel 14
IV.6. Pfleiderer - Form 14
IV.7. Pfleiderer - Semantische Fenster 15
Kapitel V - Weitergehende Analyse  16
V.1. Spannungserzeugung und -verläufe des Stücks 16
V.2. Der Flow  17
V.3. Die Realwelt  18
V.4. Die Traumwelt 18
V.5. Ein Reisender zwischen den Welten 19
V.6. Hana 19
Kapitel VI - Abschließender Vergleich beider Systematiken 20
VI.1. Vergleich Formstruktur (III.1),Dynamikstruktur(III.6) mit Textur/ Gesamtklangbild (IV.1) 20
VI.2. Vergleich Klangstruktur (III.5) mit Klangfarbe/Artikulation (IV.2) 21
VI.3. Vergleich Rhytmusstruktur (III.4) mit Rhythm. Gest.mittel (IV.3) 22
VI.4. Vergleich Melodiestruktur (III.2) mit Melod. Gest.mittel (IV.4) 23
VI.5. Vergleich Harmoniestruktur (III.3) mit Harmon. Gest.mittel (IV.5) 24
VI.6. Vergleich Formstruktur (III.1) mit Form (IV.6)  24
VI.7. Vergleich Textstruktur (III.7), Symbolstruktur (III.8) mit Semant. Fenster(IV.7) 25
VI.8. Zusammenfassung des Vergleichs 25
Anhang
Quellenverzeichnis
Anhang A ­ Lead Sheet
Anhang B ­ Notation der Rhytmuselemente

2


I. KAPITEL

Einleitung

Aus der Beschäftigung mit der grossen Vielfalt verschiedener Musikstile und ­genres der populären Musik ist ein zwar weniger umfangreicher, aber dafür ebenso vielfältiger Strauß von Methoden und Versuchen entstanden, populäre Musik zu analysieren. Die Hürden, die sich dabei auftun, und die manchmal auch einfach umgerannt werden1, drehen sich immer wieder um die Frage des Instrumentariums der Analyse, der Methodik, des ,,Wie" und des ,,Wie nicht".

Immer häufiger geht es darum, den Weg nicht nur vorzuzeichnen und durch methodische Erläuterungen zu ebnen oder Richtungen zu weisen, sondern ihn mittels der Ausführung der dahinter stehenden Theorien konkret zu beschreiten, kurzum : Musik mit Modellen zu Analysieren. Dabei erfährt der populärmusikalische Horizont mit Anwendung der Modelle als Test auf Funktionsfähigkeit eine Erweiterung. Die vorliegende Arbeit stellt dabei keine Ausnahme dar : Mithilfe zweier Systematiken zur Erfassung musikalischer Parameter wird das Musikstück ,,Hana" von Thomas Fehlmann [14] einer Analyse unterzogen. Im Ergebnis soll ein direkter Vergleich der Systematiken die Eignung als analytisches Werkzeug an diesem speziellen Fall elektronischer Musik aufzeigen.

Eine methodische Einführung und eine überblickende Vorstellung der benutzten Systematiken folgt in Kapitel II, deren Anwendung in Kapitel III und IV. Bevor dann im Kapitel VI abschließend die Ergebnisse miteinander verglichen werden, setzt Kapitel V die ergänzende musikalische Analyse aufgrund beider Systematiken fort.

Im Anhang befinden sich Notationen der Melodie- und Rhytmuselemente.

Quellenangaben im Text stehen in eckigen Klammern, die erste Ziffer bezeichnet die Quelle, die zweite die Seitennummer. Das Quellenverzeichnis am Ende ist nach Nummern sortiert.

1 Vgl. [7]

3

 


II. KAPITEL

Methoden und Vorstellung der Systematiken

II.1. Methodische Grundfragen

Ebenso wie Modelle der traditionellen Musikwissenschaft nicht unbesehen übernommen werden können, so verlangt eine korrekte Analyse auch innerhalb der populären Musik eine Ausrichtung anhand des Materials selbst. Musikanalytische Werkzeuge und Konzepte, die sich in einer Richtung der populären Musik bewähren, können in der Übertragung zu Fehldeutungen führen. Entschlüsselungen der Klangbedeutungen und -entsprechungen kann die Analyse somit nur leisten, wenn ihr Instrumentarium soweit verfeinert ist, daß es die Bezugssysteme aufzudecken vermag, die hinter dem Klang stecken, die den Klang in Beziehung zu verschiedensten Wirksystemen setzen kann.

Zu diesen Mitteln eines selbstentworfenem Instrumentariums zählt als Grundlage eine Systematik der Gestaltungsmittel der Musik, die das klangliche Gerüst an seinen bedeutungskonstituierenden Punkten für die Analyse begreifbar macht. Zwei solche Systematiken werde ich in dieser Arbeit vergleichend nebeneinander stellen und auf ihrer Grundlage die Analyse durchführen. Der oben benannten Gefahr, falsche Schlüsse aus dem Material zu ziehen, die eine Übertragung ,,fremder" Modelle mit sich bringt, möchte ich einerseits mit dem Konzept dieser Arbeit begegnen, in dem ich die zwei Modelle dahingehend vergleiche, welche musikalischen Strukturen und Ereignisse in welcher funktionsweisenden Form aufgedeckt werden. Andererseits habe ich bei der Wahl der Systematiken auf Eigenschaften Wert gelegt, die eine Balance zwischen Detailpräzisität und Offenheit gegenüber populären Musikformen mit sich bringen.In diesem Sinne sollte eine Systematik weder zu unpräzise sein, damit Feinheiten nicht verloren gehen2, noch durch eine Beliebigkeit Bedeutungen herauslesen zu wollen, wo keine existieren.Mit der Verwendung der Systematiken übernehme ich auch die darin eingeschlossenen methodischen Ansätze3.

2 z.B. die sehr grobe Formeinteilung in Mikro/Makrobereich bei [10, S.74]
3 z.B. Riggenbachs Anwendung der Systematik bei [8, S.361]

4

 


II.2. Einführung in die Systematiken

Es handelt sich hierbei um 1. Martin Pfleiderers ,,Versuch einer Systematik" der Gestaltungsmittel populärer Musik [2], eine bescheidene, aber den Wirrungen der Popularmusik durchaus entgegenkommende Betitelung, und 2. eine methodische Systematik von Paul Riggenbach[8], die in eine umfangreiche soziologisch-empirische Untersuchung über die Funktionen von Musik eingebettet ist.

Beide Systematiken verwenden ein ,,erweitertes Materialverständnis"4. Die Erfassung der musikalischen Gestaltungsmittel richtet sich auf vier Zielperspektiven der Analyse aus : die musikalische Struktur, die Rezeption, die Produktion und die Distribution5.Unterschiede zwischen den Systematiken zeigen sich in der Nutzung und Konzentration auf verschiedene Begriffe, die möglicherweise zu anderen Interpretationsgewichtungen führen. Es gibt unterschiedliche Hierarchien und Aufteilungen der Untersuchungsabschnitte und auch eine unterschiedliche Gewichtung bestimmter Strukturteile.

Paul Riggenbachs Systematik in ihrer Funktion als speziell entwickeltes Hilfsmittel für seine Studie wird nun quasi aus dem Zusammenhang gerissen. Da es hier nur um den Gebrauchswert der Systematiken für das Musikbeispiel ,,Hana" geht, soll auch keine Aussage über die universelle Qualität der Systematik getroffen werden. In ihrem Zusammenhang mag sie so oder so Sinn machen, hier dienen ihre Elemente nur als Werkzeuge.Riggenbach erfasst alle musikalischen Charakteristika über eine ,,Maske", eine Art Fragebogen über die erkennbaren Merkmale : ,,Die Maske umfaßt alle für das Sample [das Musikstück] relevanten musikalischen Parameter"6. Zu Hilfe genommen wird eine vorher erstellte Notation, der Lead Sheet7.

Die Unterteilungen seiner Systematik bildet Riggenbach aufgrund einer heuristischen Analyse auf Gemeinsamkeiten aus8. Er findet die 8 Strukturen Melodie, Harmonie, Rhythmus, Dynamik, Klang, Form, Text und Symbole.Martin Pfleiderer befaßt sich in seinem Aufsatz ausschließlich mit der Vorstellung einer musikanalytischen Systematik. Es sind folgende Hauptkategorien genannt :

4 Zum Begriff : [6, S.93]
5 Meine Analyse bezieht sich auf die Rezeptionsperspektive. Der Einbezug weiterer Perspektiven würde den wahrscheinlich schon überdehnten Rahmen endgültig sprengen.
6 [8,S.374]
7 [8,S.362]
8 Vgl. [8, S.343f]

5

 


Rhytmische, Melodische und Harmonische Gestaltungsmittel, Textur/Gesamtklangbild, Klangfarbe/Artikulation, Form und Semantische Fenster. In ihrer Einzelbeschreibung werden viele Unterkategorien genannt und Ansätze zur Klangbestimmung aufgezeigt.

III. KAPITEL

Anwendung von Riggenbachs Systematik

III.0 Systematik 1 : Riggenbach ­ Lead Sheet und Maske :

Zuerst erfolgt die Erstellung eines Lead Sheets nach den festgesetzten Kriterien9. Da kein Songtext vorhanden ist, wird die Bassstimme als Hauptstimme definiert10, wegen ihrer Präsenz im Stück, und ihrer Funktion als melodiebildendes Instrument.Der Lead Sheet befindet sich im Anhang A.

Die Erläuterung der einzelnen Strukturkategorien findet sich bei [8, ab S.363].

Die Maske11 dient mithilfe des Lead Sheets im weiteren Verlauf als Grundlage zur Erfassung

musikalischer Merkmale.

Titel : Hana

Text : nicht vorhanden

Musik : Thomas Fehlmann

Interpret : Thomas Fehlmann

Plazierung Hitparade : keine

Jahr : 2004

III.1. Riggenbach - Formstruktur

Die Trennung der Formteile orientiert sich zumeist an der dominierenden Bassfigur, die hier die Funktion der Hauptstimme übernimmt. Innerhalb der Teile A, B und C ist die gespielte Melodie jeweils fast identisch. Gegeneinander abgegrenzt weisen die drei Teile signifikante Rhytmus- und Melodiedifferenzen auf. Somit ist die erste von vier Bedingungen erfüllt, die Riggenbach zur Formteilunterscheidung definiert12.

9 Vgl. [8,S.362]
10 Vgl. [8, S.364]
11 Übersicht [8, 374f], der genaue Umgang mit der Maske und weitere Erläuterungen findet sich bei [8,S.376ff]
12 Vgl. [8, S.377]

6

 



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