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Doktorarbeit / Dissertation, 1996, 213 Seiten
Autor: Nicolaus Hettler
Fach: Elektrotechnik
Details
Tags: Einstein, München, Polytechnischer Verein, Siemens, AEG, Beleuchtung
Jahr: 1996
Seiten: 213
Note: befriedigend
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-17655-2
Dateigröße: 2352 KB
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Die Elektrotechnische Firma J. Einstein u. Cie in München - 1876-1894
Doktorarbeit
von
Nicolaus Hettler
1996
Gliederung
1 Einleitung ... 1
2 Abgrenzung des Themas ... 3
3 Quellenlage ... 5
4 Die Elektrotechnik in Deutschland in der Zeit zwischen 1875 und 1895 ... 8
4.1 Eine Einführung ... 8
4.2 Die öffentliche Elektrizitätsversorgung in Bayern ... 13
4.3 Die Elektrotechnik in München ... 15
4.3.1 Der Arbeitsplatz München ... 15
4.3.2 Ausgewählte Münchner elektrotechnische Firmen und Büros ... 17
4.4 Der Stand des Beleuchtungswesens und der Telephonie im Jahre1880 ... 21
4.5 Die Lage der öffentlichen Beleuchtung im Jahre 1891 ... 28
4.6 Wechselstrom versus Gleichstrom in Bayern (bis 1894) ... 34
4.7 Die Entwicklung der städtischen Beleuchtung ... 38
5 Ausstellungen ... 41
5.1 Zur Geschichte der Elektrizitäts-Ausstellungen ... 41
5.2 Die Internationale Elektrizitätsausstellung im Glaspalast zu München 1882 ... 44
5.3 Technischer Abriß der von J.Einstein&Cie ausgestellten Systeme ... 51
5.3.1 Telephon nach dem System Paterson ... 51
5.3.2 Dynamo nach dem System Neumayer ... 52
5.3.3 Glühlampen nach dem System Swan ... 52
5.4 Die Frankfurter Internationale Elektrizitätsaustellung im Jahre 1891 ... 53
5.5 Technischer Abriß der von J.Einstein&Cie ausgestellten Systeme ... 62
5.5.1 Dynamomaschinen von J.Einstein&Cie ... 62
5.5.2 Die Nebenschluss-Bogenlampe von J.Einstein&Cie ... 66
5.5.3 Elektrizitätszähler der Firma J.Einstein&Cie ... 68
6 Vereine ... 70
6.1 Der Polytechnische Verein zu München ... 71
6.2 Die elektrotechnische Versuchsstation ... 75
7 Die Elektrotechnische Fabrik J.Einstein&Cie und ihre Vorgänger ... 83
7.1 Die Firma ... 83
7.2 Die Patente der Firma J.Einstein&Cie ... 110
7.2.1 Patente, die Bogenlampen betreffen: ... 111
7.2.2 Patente, die Meß- und Zähleinrichtungen betreffen: ... 113
7.3 Die in der Literatur beschriebenen Geräte ... 115
7.4 Anlagen auf dem Oktoberfest ... 120
8 Ausgewählte öffentliche Projekte der Firma J.Einstein&Cie ... 124
8.1 Vorgeschichte zur Münchner elektrischen Straßenbeleuchtung ... 124
8.2 Die Schwabinger Anlage ... 128
8.3 Technische Beschreibung der Anlage ... 136
8.3.1 Maschinentechnischer Teil der Analge ... 138
8.3.2 Elektrotechnischer Teil der Anlage ... 140
8.4 Die Erweiterung der Schwabinger Anlage ... 143
8.5 Das Projekt zur Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung in München ... 147
8.6 Die Pfarrkirchener Anlage ... 158
8.6.1 Technische Beschreibung der Anlage ... 165
8.7 Weitere Projekte ... 167
8.7.1 Schongau ... 167
8.7.2 Landsberg am Lech ... 169
8.7.3 Erding ... 171
8.7.4 Traunstein ... 173
8.7.5 Dachau ... 175
8.7.6 Zwiesel ... 177
9 Die Personen ... 179
9.1 Jakob Einstein ... 179
9.2 Hermann Einstein ... 182
10 Scheitern ... 184
11 Zusammenfassung ... 188
11.1 Neue Erkenntnisse für die Einstein Forschung ... 190
12 Literaturangaben ... 191
13 Anhang ... 196
1 Einleitung
Die Entdeckung und Nutzbarmachung einer neuen Technikart, die dazu noch zu einem bedeutenden eigenständigen Wirtschaftszweig wird, führt früher oder später zwangsläufig zu einer Beschreibung ihrer Entstehungsgeschichte. Dies gilt selbstverständlich auch für die Elektrotechnik.
Die Geburtsstunde dieser Branche wurde zunächst durch die Biographien ihrer großen Pioniere skizziert, so zum Beispiel durch die "Lebenserinnerungen" von Werner von Siemens, die 1893 erschienen. Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichten der großen Firmen, die sich auf dem deutschen und dem Weltmarkt durchsetzen konnten, wurden mit Akribie recherchiert. Dies ging zwangsläufig mit der Beschreibung des Umfeldes, also der gesamten Branche, einher.
So entstanden nach und nach die Firmengeschichten der Siemens AG, der AEG oder der BBC. Dagegen gerieten kleinere Firmen, die wenig erfolgreich waren oder von den Großen der Branche geschluckt wurden, schnell wieder in Vergessenheit. Es sei nur an die Kölner Helios oder die Firma Kummer aus Dresden erinnert.
Noch weniger oder gar keine Beachtung fanden bisher die kleinen mittelständischen Unternehmen, die ebenso ihren Teil zu der Entwicklungsgeschichte dieser neuen Technikform beigetragen haben, und deren heute nicht mehr so bekannte Forscher und Firmengründer versuchten, dem Beispiel Werner von Siemens´ zu folgen.
Denn zu Beginn der neuen Ära standen die meisten der Pioniere vor den gleichen Problemen. Eine sehr aussagekräftige Beschreibung dieser Epoche finden wir bei Heinrich Voigt, dem Mitinhaber der Firma Staudt&Voigt:
"Und so war es für viele damals der einzige Gedanke, der sie Tag und Nacht verfolgte, auch eine Dynamomaschine bauen zu können, gerade wie jetzt für die Erfindertätigkeit der jungen Leute das Flugzeug oder die Funkentelegraphie im Mittelpunkt des Interesses steht. Welcher Unterschied aber zwischen damals und heute! Während für die letztgenannten Probleme Literatur in Hülle und Fülle vorliegt, Material gegen Geld für alle Ansprüche zu haben ist, standen die Dynamo-Autodidakten gewissermaßen mit völlig leeren Händen da. Kaum, da[ß] man umsponnenen Kupferdraht kaufen konnte. Man wußte aber wenig oder nichts über Leitfähigkeit, und Widerstandsmessungen konnten die wenigsten machen, weil gerade diejenigen, die sich an das Problem heranwagten, nur Mechaniker und keine Physiker waren, die selbst, wenn sie ein Siemensches Torsionsgalvanometer gehabt hätten, kaum etwas damit anfangen konnten. Andere, leicht zu handhabende und direkte Ablesung ermöglichende Instrumente gab es aber noch nicht. Es hieß also probieren, und da haperte es schon bei den einfachsten Sachen, den Hilfsmaterialien. Womit sollte man die Kollektorlamellen gegenseitig isolieren, wenn man sie nicht mit Luftzwischenraum auf Holzzylindern aufschrauben wollte, von denen sie so gerne abflogen? Wie konnte man gelötete Drahtverbindungen im Inneren von Spulen oder an Abzweigungsstellen wieder gut isolieren? Isolierband im heutigen Sinne gab es noch nicht; man half sich mit Baumwollband, das an einem Wachsklumpen eingeschmiert wurde; so klebte es wenigstens. Und so war es mit allem. Überall mußte Pfadfinderarbeit geleistet werden, und wenn dann ein solches Wunderwerk wirklich soweit fertig war und nicht beim ersten Anlauf zu Schaden kam, sondern Strom gab, dann wußte man wieder nicht, wieviel es war; denn Strom- und Spannungsmesser gab es ja auch noch nicht; man war aber stolz und zufrieden, wenn man zwischen zwei Kohlespitzen einen Lichtbogen erzielte, was auch nur gelang, wenn zufällig eine genügende Spannung erzeugt werden konnte. War das nicht der Fall, dann mußte eben von vorn angefangen werden; wo aber den Hebel ansetzen?" [1]
Hier wurde viel Detailarbeit gerade von den kleinen und mittleren Unternehmen geleistet, später natürlich erst recht von den entstehenden Spezialfirmen, die wesentlich zu Vereinfachungen und zur Vereinheitlichung beitrugen.
Auch die Elektrotechnische Fabrik J.Einstein&Cie, die in der Zeit zwischen 1885 und 1894 in München ansässig war, trug ihren Teil zur Verbreitung der Elektrizität in Süddeutschland bei. Sie wurde 1876 ursprünglich als "Fabrik für Wasserförderungen und Centralheizung" gegründet. Spätestens seit dem Jahre 1882 befaßte sie sich auch mit der Elektrotechnik. Ein Beispiel, wie es vielfach in dieser Zeit zu finden ist. Die vorliegende Firmengeschichte soll einen Überblick über die "Morgenröte" der Elektrotechnik in Bayern vermitteln und gleichzeitig einen Teil des Umfeldes skizzieren, in dem Albert Einstein bis zu seinem 15ten Lebensjahr aufwuchs.
2 Abgrenzung des Themas
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der "Elektrotechnischen Firma J.Einstein&Cie", die in der Zeit zwischen 1876 und 1894 in München unter verschiedenen Firmennamen und Adressen ansässig war. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um eine Firmengeschichte, die gleichzeitig ein Bild des Milieu zeichnet, in dem Albert Einstein seine Jugendjahre verbrachte. In diesem Zusammenhang werden Weg und Untergang einer Firma beleuchtet, die vom enormen Aufschwung der Elektrotechnik zu Ende des 19. Jahrhunderts profitierte und anfangs auf der Welle des Erfolges mitschwimmen konnte, schließlich aber, wie so viele andere auch, in dem sich schnell wandelnden Umfeld nicht überleben konnte.
Der Ansatz zu dieser Arbeit liegt schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Elektrotechnik, jedoch sollen die Umgebungsbedingungen, sofern sie ermittelt werden konnten, nicht außer acht gelassen werden.
Zwar war die Firma außer in Bayern, auch im Ausland - und hier besonders in Italien - tätig, diese Geschäfte werden jedoch nur erwähnt, sofern sie auch von Deutschland aus bewertbar sind. Eine genaue Betrachtung dieser Aktivitäten hätte den Rahmen der Arbeit gesprengt und soll daher hier nicht weiter in Erwägung gezogen werden. Dasselbe gilt für den weiteren Geschäftsverlauf nach der Umsiedlung nach Italien.
Die kleineren Geschäfte, z.B. mit einzelnen Generatoren oder sonstigen Installationen, können aufgrund der Quellenlage nicht in ihrer Vollständigkeit wiedergegeben werden. Ebenso die Geschäfte der frühen Jahre vor 1882, also vor dem Jahr, in dem die Firma das erste Mal in Verbindung mit der Elektrotechnik gebracht werden kann. Gesicherte Erkenntnisse über den Geschäftsverlauf liegen erst ab 1885 vor, dem Jahr, in dem das neue Fabrikgebäude in der Adlzreiterstrasse 14 bezogen werden konnte.
Dem umwälzenden technischen Wandel der damaligen Zeit und der damit verbundenen großtechnischen Nutzung und Verbreitung der Elektrizität werden einige Kapitel gewidmet. Hierbei wird deutlich wie stark die Firmen dem Zwang unterworfen waren, ständig auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Um dieser Anforderung gerecht zu werden, bedurfte es außer der entsprechenden Liquidität auch der ständigen Schulung von Mitarbeitern und Entwicklern. Zu solchen Schulungsinstitutionen können auch Fachvereine zählen, die durch Vorträge und Exkursionen ständig ein Bild vom aktuellen Stand der Technik geben.
Die Internationalen Messen - hier speziell München und Frankfurt - waren gute Spiegel für den Entwicklungsstand der Branche. Ihnen wird ein angemessener Platz in dieser Arbeit eingeräumt.
Einer der Schwerpunkte der Arbeit liegt in der Beschreibung der projektierten sowie der tatsächlich installierten Anlagen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen war die Einrichtung einer elektrischen Straßenbeleuchtung in einer Stadt oder Gemeinde zum damaligen Zeitpunkt sicherlich die anspruchsvollste Aufgabe auf dem Gebiet der "Starkstromtechnik".Zum zweiten ist davon auszugehen, daß die Dokumentation bei solchen Großprojekten noch eher erhalten ist als bei kleineren Privatinstallationen. Da viele kleine Beleuchtungsanlagen von privaten Auftraggebern initiiert wurden - auch solche, die später in die öffentliche Hand übergingen -, ist es gut möglich, daß etliche dieser kleinen Anlagen im gesamten Königreich Bayern von den Einsteins eingerichtet wurden. Jedoch ist hier die Quellenlage sehr schlecht. Es sind nur mehr die direkt von den Gemeinden angeforderten Angebote als Schriftstücke noch erhalten.
Somit kann insgesamt nur ein unvollständiges Bild der Firma J.Einstein&Cie wiedergegeben werden, und sicher bleiben manche Fragen unbeantwortet. Wesentliche Veränderungen im Bild der "Münchner Zeit" durch neu auftauchende Dokumente erscheinen jedoch unwahrscheinlich.
[...]
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