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Spaniens langer Weg aus der Diktatur zur Demokratie

Termpaper, 2003, 25 Pages
Author: Magister Andre Goda
Subject: Politics - International Politics - Region: Western Europe

Details

Event: Entwicklungstrends westeuropäischer Parteiensysteme im Vergleich
Institution/College: University of Osnabrück (Fachbereich Sozialwissenschaften)
Tags: Spaniens, Diktatur, Demokratie, Entwicklungstrends, Parteiensysteme, Vergleich
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V115231
ISBN (E-book): 978-3-640-16925-2
ISBN (Book): 978-3-640-17209-2
File size: 156 KB

Abstract

In der folgenden Arbeit versuche ich Spaniens langen Weg von der Diktatur zur Demokratie herauszustellen. Für mich ist dieses Thema sehr interessant, da Spanien eine relativ junge, aber sehr gefestigte Demokratie ist, bei der es sich um eine parlamentarische Monarchie handelt. Bevor ich mich jedoch mit dem eigentlichen Thema, dem Übergang von der Diktatur zur Demokratie, auseinandersetze, halte ich es für sinnvoll die zentralen Begriffe „Diktatur“ und „Demokratie“ zu erläutern, um zu veranschaulichen, dass die wesentlichen Merkmale der beiden Begriffe auf das Spanien unter Franco und das Spanien heute zutreffen. Im ersten Teil werde ich zunächst einen kurzen Rückblick auf die jüngere Geschichte Spaniens geben, dabei werde ich mich in erster Linie auf die 2. Republik sowie auf den spanischen Bürgerkrieg konzentrieren. Im Hauptteil meiner Arbeit beziehe ich mich zum einen auf die Ausprägungen des Franco-Regimes und zum anderen auf den Demokratisierungsprozess in Spanien nach seinem Tode 1975. Für mich stehen dabei folgende Fragen im Vordergrund: 1. Wie gelang Franco an die Macht? 2. Wie entwickelte sich die franquistische Diktatur und was waren ihre Grundzüge? 3. Welche Rolle spielte der König im Demokratisierungsprozess? 4. Wie wurde die Demokratie eingeleitet und letztendlich umgesetzt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit und ich versuche sie anhand einschlägiger Literatur aufzuarbeiten. Im Resümee stelle ich noch einmal die wichtigsten Punkte meiner Arbeit dar und versuche einen abschließenden Überblick über die weitere Zukunft Spaniens zu vermitteln.


Excerpt (computer-generated)

Universität Osnabrück

Fachbereich: Sozialwissenschaften

Wintersemester 2002/2003

Veranstaltung:
1.105 Entwicklungstrends westeuropäischer Parteiensysteme im Vergleich

Hausarbeit: ,,Spaniens langer Weg
aus der Diktatur zur Demokratie"

Vorgelegt von:
Andre Goda
Abgabedatum: 30.04.2003

 


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einleitung 3

1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung 3

1.2 Begriffsdefinition ,,Diktatur" 4

1.3 Begriffsdefinition ,,Demokratie" 5

2. Kurzer Rückblick auf die Geschichte Spaniens 6

2.1 Die 2. Republik von 1931 ­ 36 6

2.2 Der spanische Bürgerkrieg von 1936 ­39 8

2.3 Die franquistische Diktatur 1939 ­ 75 10

3. Der Demokratisierungsprozess in Spanien 12

3.1 Die Rolle des Königs 12

3.2 Erste Reformen unter Navarro und der folgende politische Wandel unter Suárez 14

3.3 Eine neue Ära der Demokratie unter Gonzáles 19

4. Resümee und Ausblick auf die Entwicklung bis heute 21

5. Literaturverzeichnis 24

2

 


1. Einleitung

1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung

,,Dieses Land, das einem weiten Publikum durch seine phantastischen Strände und jede Menge Sonnenschein, durch Flamenco-Musik und Stierkämpfe, bekannt ist, hat in Wirklichkeit viel mehr zu bieten...Es gibt monumentale Städte zu bewundern, mit uralten Denkmälern ebenso wie mit futuristischer Architektur, und Landstriche, die völlig unterschiedlich voneinander sind, geographisch, klimatisch, ja sogar in ihrer Persönlichkeit..."1

.

Viele Touristen fahren aus diesen Gründen jedes Jahr nach Spanien, doch ist der großen Masse oft nicht bekannt, mit welchem politischen Schwierigkeiten Spanien jahrzehntelang zu kämpfen hatte, vor allem unter der fast 40 Jahre andauernden Diktatur Francos. In der folgenden Arbeit versuche ich Spaniens langen Weg von der Diktatur zur Demokratie herauszustellen. Für mich ist dieses Thema sehr interessant, da Spanien eine relativ junge, aber sehr gefestigte Demokratie ist, bei der es sich um eine parlamentarische Monarchie handelt. Bevor ich mich jedoch mit dem eigentlichen Thema, dem Übergang von der Diktatur zur Demokratie, auseinandersetze, halte ich es für sinnvoll die zentralen Begriffe ,,Diktatur" und ,,Demokratie" zu erläutern, um zu veranschaulichen, dass die wesentlichen Merkmale der beiden Begriffe auf das Spanien unter Franco und das Spanien heute zutreffen. Im ersten Teil werde ich zunächst einen kurzen Rückblick auf die jüngere Geschichte Spaniens geben, dabei werde ich mich in erster Linie auf die 2. Republik sowie auf den spanischen Bürgerkrieg konzentrieren. Im Hauptteil meiner Arbeit beziehe ich mich zum einen auf die Ausprägungen des Franco-Regimes und zum anderen auf den Demokratisierungsprozess in Spanien nach seinem Tode 1975. Für mich stehen dabei folgende Fragen im Vordergrund:

1 Vgl. www.red2000.com/spain/primer/2index.html vom 4.3.2003

3

 


1. Wie gelang Franco an die Macht?

2. Wie entwickelte sich die franquistische Diktatur und was waren ihre Grundzüge?

3. Welche Rolle spielte der König im Demokratisierungsprozess?

4. Wie wurde die Demokratie eingeleitet und letztendlich umgesetzt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit und ich versuche sie anhand einschlägiger Literatur aufzuarbeiten.

Im Resümee stelle ich noch einmal die wichtigsten Punkte meiner Arbeit dar und versuche einen abschließenden Überblick über die weitere Zukunft Spaniens zu vermitteln.

1.2 Begriffsdefinition ,,Diktatur"

,,Herrschaft einer Person, Gruppe, Partei oder Klasse, die die Macht im Staat monopolisiert hat und sie uneingeschränkt (oder ohne große Einschränkung) ausübt. 1. ... 2. Im Gegensatz zum liberalen ,,Verfassungsstaat der Neuzeit" (C.J. Friedrich) ist die moderne D. insbes. von folgendenden Strukturmerkmalen gekennzeichnet: (1) die ,,Monopolisierung der Staatsgewalt" (Heller) und damit die Beseitigung der horizontalen wie vertikal/föderalen Gewaltenteilung und Machtdiffusion, (2) die Abschaffung der Opposition, die (völlige oder weitgehende) des gesellschaftl. und polit. Pluralismus, der Pressefreiheit, und damit die Aufhebung der Kontrolle polit. Herrschaft, (3) die Ersetzung des Rechtsstaates durch den Polizeistaat und damit den Verlust von Habeas-corpus Rechten, ohne due process und unabhängige Gerichtsbarkeit..."2

.

Die franquistische Diktatur konzentrierte alle gerade genannten Merkmale des Begriffs ,,Diktatur" in sich. Der Franquismus war geprägt durch die Ablehnung des allgemeinen Wahlrechts; Ablehnung der traditionellen Gewaltenteilung ,,im Sinne Montesquieus"3; außerordentliche Vollmachten des ,,Caudillo"4; Freiheiten der Rede, Versammlung und Vereinigung nur innerhalb eng abgesteckter Grenzen; Einführung

2 Vgl. Schultze, Rainer-Olaf : Diktatur, in: Dieter Nohlen (Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, 2. Aufl. 2002, München: C.H. Beck 2001, S. 65.
3 Vgl. Maier, Lothar: Spaniens Weg zur Demokratie, Band 5: Manfred Mols, Dieter Nohlen, Peter Waldmann (Hrsg.), Meisenheim am Glan: Hain, 1977,S. 6.
4 Vgl. ebd.

4

 


eines autarken Wirtschaftsmodells; Einführung eines Polizeistaates unter der Führung Francos. Franco setzte seine Politik konsequent und mit brutaler Härte durch, in den ersten Jahren seiner Diktatur wurden über 200.000 politische Gegner hingerichtet.5


1.3 Begriffsdefinition ,,Demokratie"

Der Demokratisierungsprozess Mitte der 70er Jahre und somit der politische Wandel in Spanien, der im weiteren Verlauf der Arbeit thematisiert wird, führte zur Erfüllung der spezifischen Merkmale einer ,,Demokratie", die wie folgt beschrieben werden:

,,Demokratie (D.) (von griech. demos = Volk und kratein = herrschen), Volksherrschaft, Herrschaft der Mehrheit, der Vielen, grenzt sich ab zu anderen Formen von Herrschaft bzw. anderen Staatsformen, u. a. der Monarchie oder Aristrokatie, des Autoritären Regimes oder der Diktatur..., d.h. in der D. geht die Herrschaft aus dem Volk hervor und wird durch Volk selbst und in seinem Interesse ausgeübt." 6

,,Die Demokratie im herkömmlichen Sinn wird durch das Vorhandensein einer Verfassung gekennzeichnet, die auf der Gewaltenteilung (Gewaltentrennung) beruht, die die Grundrechte gewährleistet und das allgemeine, gleiche, freie und geheime Wahlrecht sichert (Rechtsstaat). Das Volk als eigentlicher Träger der Staatsgewalt (Volkssouveränität) ist berufen, seinen Willen in Mehrheitsentscheidungen kundzutun, entweder unmittelbar (direkte Demokratie) oder durch Wahl der Volksvertretung (mittelbare, repräsentative Demokratie; heute gebräuchlichste Form). Die Volksvertretung beschließt die Gesetze und ist in den meisten Staaten an der Bildung der Regierung beteiligt (parlamentarische Demokratie)." 7

5 Vgl. Herzog, Werner: Spanien, 2 Aufl., München: C.H. Beck 1989, S. 61.
6 Vgl. Schultze, Rainer-Olaf : Diktatur, in: Dieter Nohlen (Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, 2. Aufl.
2002, München: C.H. Beck 2001, S. 51.
7 Vgl. www.brockhaus.de vom 11.3.2003

5

 


,,...Voraussetzung freiheitlicher Demokratie ist, dass die Minderheitsparteien als Opposition ungehindert zu Wort kommen, und dass ein Regierungswechsel mit friedlichen Mitteln gesichert ist." 8

2. Kurzer Rückblick auf die Geschichte Spaniens

2.1 Die 2. Republik von 1931 ­ 36

Spanien hatte schon vor der Ausrufung der 2. Republik am 14. April 1931 mit erheblichen Problemen zu kämpfen. In den Jahrzehnten zuvor war Spanien geprägt durch Armut, politischer Desorientierung und wirtschaftlichen Problemen, die vor allem auf die jahrhundertlange Einfuhr von billigen Kolonialwaren und der Aneignung großer Ländereien durch Adelige und dem erstarktem Handelsbürgertum zurückzuführen waren.9

Soziale Konflikte ließen sich nicht mehr hinauszögern, um 1900 konnten mehr als die Hälfte aller Spanier nicht lesen und schreiben und Zehntausende litten Hunger.10 Der spanische König Alfons XIII. versuchte zwar gegen die misslichen Zustände vorzugehen, doch vertraute er mehr auf die ,,paktierte Machtaufteilung der bürgerlichen Parteien"11, als dem erstarktem Proletariat und der Bauernschaft. Bis 1923 kam es zu vielen Regierungskrisen, woraufhin viele Spanier die Glaubwürdigkeit des Parlamentes anzweifelten. Die politische Rechte reagierte im Jahr 1923 mit einem Militärputsch unter General Miguel Primo de Rivera. Er führte mit Einverständnis des Königs eine Diktatur ein, in der alle politischen Parteien verboten wurden.

Rivera sorgte für die Beendigung des Marokkokrieges und ließ Strassen, Bewässerungsanlagen sowie öffentliche Gebäude bauen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 führte zum Ende der Diktatur und hinterließ horrende Schulden zur Lasten der Krone. Bürgerliche, Intellektuelle sowie das Militär

8 Vgl. ebd.
9 Vgl. Franz, Hans Werner: Klassenkämpfe in Spanien heute, Frankfurt/ Main: Verlag Marxistische Blätter GmbH 1975, S. 8.
10 Vgl. Herzog, Werner: Spanien, 2. Aufl., München: C.H. Beck 1989, S. 53.
11 Vgl. ebd.

6

 



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