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Analyse eines interkulturellen Bibelgesprächs

Subtitle: Ein Bibelgespräch zwischen westafrikanischen Pfingstgemeindemitgliedern und deutschen Studenten der Universität Hamburg

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 25 Pages
Author: Janina Meinen
Subject: Theology - Comparative Religion Studies

Details

Event: Interkulturelle Bibellektüre
Institution/College: University of Hamburg
Tags: Analyse, Bibelgesprächs, Interkulturelle, Bibellektüre
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V115274
ISBN (E-book): 978-3-640-16854-5
ISBN (Book): 978-3-640-16864-4
File size: 152 KB

Abstract

Zum Abschluss des Semesters bietet es sich an, das Seminar Interkulturelle Bibellektüre rückblickend in Form einer Hausarbeit zu reflektieren und zu analysieren. Der Erkenntnisgewinn des Seminars, soll in einen größeren Zusammenhang gebracht werden und in dieser Arbeit zum Ausdruck kommen. Anhand der Seminarsitzung vom 4. Juni 2008, werden in dieser Hausarbeit Beobachtungen, Hypothesen und Analysen festgehalten. Außerdem soll die Hypothese, dass interkulturelle Bibelgespräche Transformationen von Identität bewirken, näher diskutiert werden. Während des Semesters hatten studentische Teilnehmer der Universität Hamburg die Gelegenheit viel über westafrikanische (hauptsächlich ghanaische) Bibelexegese zu lernen. Im Rahmen des Theologie Seminars Interkulturelle Bibellektüre von Dr. Kahl, wurde vierzehntägig die „Biblestudy“ der Central Faith Ministry e.V. besucht. Die Central Faith Ministry e.V., ist eine afrikanische charismatische Pfingstgemeinde in Stellingen, Hamburg, die hauptsächlich aus ghanaischen Mitgliedern besteht. Der interkulturelle Dialog bot den deutschen Studenten die Chance, sich mit der ghanaischen Kultur und dem Glauben der Ghanaer auseinander zu setzen. Umgekehrt, hatten auch die Afrikaner die Möglichkeit, die deutsche Kultur und Bibelexegese näher kennen zu lernen. Für beide Kulturen war es eine sehr interessante und spannende Begegnung, die beidseitig eine Erweiterung der Horizonte ermöglichte. Am Anfang des Semesters, wurden bereits die Bibelstellen von den Studenten ausgewählt, die in den einzelnen Biblestudies gelesen und interpretiert werden sollten. Die Biblestudy verlief prinzipiell immer nach dem gleichen Muster (siehe S.4 Biblestudy- Beschreibung). Es entwickelten sich vorwiegend sehr aufschlussreiche und lebhafte Diskussionen, in denen das kulturell typische Verhalten der Deutschen, sowie der Ghanaer widergespiegelt wurde.


Excerpt (computer-generated)

Universität Hamburg

Sommersemester 2008

BA-Studiengang (Amerikanistik/Ev. Theologie)

Hauptseminar: Interkulturelle Bibellektüre

Analyse eines interkulturellen Bibelgesprächs
Ein Bibelgespräch zwischen westafrikanischen
Pfingstgemeindemitgliedern und deutschen
Studenten der Universität Hamburg

Janina Meinen
6. Semester BA
Anglistik/Amerikanistik (HF), Ev. Theologie (NF)

 


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG 3
I.I Motivation der Hausarbeit 3
I.II Beschreibung des Seminars 3
II. KULTUR 4
II.I Kulturelle Exegese 6
III. BIBLESTUDY- BESCHREIBUNG 8
III.I Nachzeichnung des Bibelgesprächs 9
IV. ANALYSE DER BIBLESTUDY 17
V. ANALYSE DES SEMINARS ,,INTERKULTURELLE BIBELLEKTÜRE" 22
VI. RÜCKBEZUG AUF DIE HYPOTHESE: ,,INTERKULTURELLE BIBELGESPRÄCHE, ALS CHANCE AUF TRANSFORMATION VON IDENTITÄT" 23
LITERATURVERZEICHNIS 24

2

 


I. Einleitung

I.I Motivation der Hausarbeit

Zum Abschluss des Semesters bietet es sich an, das Seminar Interkulturelle Bibellektüre rückblickend in Form einer Hausarbeit zu reflektieren und zu analysieren. Der Erkenntnisgewinn des Seminars, soll in einen größeren Zusammenhang gebracht werden und in dieser Arbeit zum Ausdruck kommen. Anhand der Seminarsitzung vom 4. Juni 2008, werden in dieser Hausarbeit Beobachtungen, Hypothesen und Analysen festgehalten. Außerdem soll die Hypothese, dass interkulturelle Bibelgespräche Transformationen von Identität bewirken, näher diskutiert werden.

I.II Beschreibung des Seminars

Während des Semesters hatten studentische Teilnehmer der Universität Hamburg die Gelegenheit viel über westafrikanische (hauptsächlich ghanaische) Bibelexegese zu lernen. Im Rahmen des Theologie Seminars Interkulturelle Bibellektüre von Dr. Kahl, wurde vierzehntägig die ,,Biblestudy" der Central Faith Ministry e.V. besucht. Die Central Faith Ministry e.V., ist eine afrikanische charismatische Pfingstgemeinde in Stellingen, Hamburg, die hauptsächlich aus ghanaischen Mitgliedern besteht.

Der interkulturelle Dialog bot den deutschen Studenten die Chance, sich mit der ghanaischen Kultur und dem Glauben der Ghanaer auseinander zu setzen. Umgekehrt, hatten auch die Afrikaner die Möglichkeit, die deutsche Kultur und Bibelexegese näher kennen zu lernen. Für beide Kulturen war es eine sehr interessante und spannende Begegnung, die beidseitig eine Erweiterung der Horizonte ermöglichte.

Am Anfang des Semesters, wurden bereits die Bibelstellen von den Studenten ausgewählt, die in den einzelnen Biblestudies gelesen und interpretiert werden sollten. Die Biblestudy verlief prinzipiell immer nach dem gleichen Muster (siehe S.4 Biblestudy- Beschreibung).

Es entwickelten sich vorwiegend sehr aufschlussreiche und lebhafte Diskussionen, in denen das kulturell typische Verhalten der Deutschen, sowie der Ghanaer widergespiegelt wurde.

3

 


Während des Semesters war das zentrale Thema der unterschiedlichen Kulturen allgegenwärtig. Offensichtlich beeinflusst Kultur die Menschen in ihrer Art zu Glauben und bestimmt die Bibelexegese. Aber wie beeinflusst eine Kultur den Glauben und umgekehrt? Warum glauben die Ghanaer und viele andere afrikanische Christen in einer anderen Form als die Europäer? Was genau unterscheidet die Kulturen voneinander und was bedeutet Kultur?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, soll erst einmal der Begriff ,,Kultur" genauer untersucht werden.

II. Kultur

Der Begriff ,,Kultur" bietet keine einheitliche, klar formulierte Definition. Die Begriffsgeschichte ist komplex und interdisziplinär. Sie reicht von der Neuzeit, mit ersten Definitionsversuchen Kants, über Edward Burnett Tylors Erklärung, bis zur heutigen Zeit, mit zahlreichen alternativen Definitionen.

Kant definiert den Menschen als kulturschaffendes Wesen, das sich im Verhältnis zur Natur erfüllt. Für ihn sind Mensch und Kultur ein Endzweck der Natur. Der Endzweck ist mit der moralischen Fähigkeit des Menschen zum kategorischen Imperativ verbunden ist. ,,Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."1 Kant ist der Meinung, ein solches allgemeines Gesetz anzuerkennen bedeute, dass die Idee der Moralität auch zur Kultur gehöre.2

Kants Definition ist philosophisch und abstrakt. Sie setzt ein Grundverständnis seiner Überlegungen und Philosophien voraus. Außerdem liefert sie keine klare Vorstellung der Bedeutung des Begriffs.

Wilhelm von Humboldt schließt an Kants Definition an und bezieht den Gegensatz auf Äußeres und Inneres des Menschen mit ein. Laut Humboldt, seien Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit Momente der Kultur, während rein praktische und technische Dinge zum Gebiet der Zivilisation gehörten.3

1 Allgemeine Formel, Vgl.: GMS, Akademie-Ausgabe Kant Werke IV, S. 436, 30­437, 1.
2 Vgl.: Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur (Stand: 28.07.2008).
3 Vgl.: Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur (Stand: 01.08.2008).

4

 


http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur - cite_note-49Im 19. Jahrhundert entwarf der Historiker Friedrich Meinecke seine Definition von Kultur. Er sah in ihr ,,die kulturellen Gemeinsamkeiten, die eine Nation zusammenhalten, neben gemeinsamen ,,Kulturbesitz" (z. B. die Weimarer Klassik) vor allem religiöse Gemeinsamkeiten."4

Im Jahre 1952 wurden beinah dreihundert verschiedene Definitionen von Kultur gezählt.5 Eine, im Internet auffindbare Begriffserklärung übersetzt den lateinischen Begriff ,,Cultura" folgendermaßen: ,,Pflege des Körpers, vornehmlich aber des Geistes; später in Zusammenhang mit dem Landbau: von colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprünglich etwa: emsig beschäftigt sein...im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik, der Bildenden Kunst, aber auch geistiger Gebilde wie etwa in der im Recht, in der Moral, der Religion, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Damit bezieht sich der Begriff der Kultur zum einen auf die Fähigkeit des einzelnen Menschen, auf geistiger und körperlicher Ebene gestaltend und hervorbringend die Welt und sich selbst zu verändern, als auch auf eine Gruppe von Menschen, beispielsweise ein Volk, und die von ihm überlieferten und ausgeübten Kulturleistungen und ­techniken."6

Edward Burnett Tylor erklärte 1871, ,,Kultur als ein komplexes Ganzes von Glaube, Kunst, Gesetz, Moral, Brauch und jeder anderen menschlichen Fähigkeit und Haltung."7

Diese Definition findet heutzutage Zustimmung der meisten Wissenschaftler. Die Komplexität der Kultur wird von Ethnologen in ihren einzelnen Teilgebieten untersucht, wie z.B. der Religions-, Wirtschafts-, Sozial-, Rechts-, Politik-, Kunst-, oder Verwandtschaftsethnologie, der Linguistik, oder der materiellen Kultur.

Für das Individuum ist Kultur identitätsstiftend. Kulturell geprägtes Handeln, verhilft den Individuen dazu, sich selbst zu erkennen und einer bestimmten Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig zu fühlen.

4 Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur (Stand: 01.08.2008).
5 Hirschber, Walter: Neues Wörterbuch der Völkerkunde: Berlin, Reimer, 1988, S.269.
6 Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur (Stand: 28.07.2008).
7 Tylor, Edward Burnett: The Origins of Culture, 2Bde. London, 1958.

5

 


,,Soziale Gruppen im kulturellen Leben geben dem Menschen eine Antwort auf die Frage, wer er im Vergleich zu den übrigen ist, sie bestimmen seine Identität.

Durch Gruppenbildung und der Form des Handelns in ihr bilden sich Gemeinschaften oder Gesellschaften, die sich gegen andere Gruppen abschließen, Mitglieder aufnehmen oder ausschließen. Diese Vorgänge bestimmen, unabhängig von den konkreten Inhalten, die Identität der Gruppe und des Einzelnen."8

Weitgehend besteht Einigkeit darüber, dass kulturelles Verhalten historisch entstanden, erlernt und überindividuell ist. Innerhalb der Kultur, herrscht jedoch keine absolute Einigkeit, man kann beispielsweise von ländlicher oder städtischer, von Jugend- oder Subkultur sprechen. 9

Die einzelnen Individuen begegnen sich in einer bereits vorherrschenden Kultur, die sich durch verschiedene Umweltfaktoren stetig fortentwickelt und verändert. Es vollzieht sich ein Kulturwandel. Dieser Wandel wird nicht zuletzt durch die Globalisierung extrem beschleunigt. Migrationen, Reisen, das Internet und der damit verbundene Informationsaustausch führen zu interkulturellen Begegnungen und zu Veränderungen der Kulturen.

II.I Kulturelle Exegese

Offensichtlich besteht eine Beziehung zwischen Glaube und Kultur. Ob nun der Glaube ein Teil der Kultur, oder die Kultur Teil des Glaubens ist, ist hypothetisch. Fest steht, der Glaube ist kulturell geprägt. Gleichzeitig beeinflusst der Glaube die Kultur. Es existiert eine wechselseitig beeinflussende Beziehung, die die Auslegung und Interpretation der Bibel prägt. ,,Alle Zugänge zur Bibel sind im weitesten Sinne kulturell geprägt." 10 Schon seit Beginn der Bibelrezeption besteht diese Korrelation. Die Zersplitterung des Christentums in Kleingruppen, entlang kultureller, ethnischer und konfessioneller Grenzen, ist seit der frühen Kirchengeschichte festzuhalten.11 ,,Der [...]

8 http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur.
9 Vgl. Beer, Bettina: Ethnos, Ethnie, Kultur. In: Bettina Beer, Hans Fischer (Hg): Ethnologie. Einführung und Überblick. Neufassung 2003, Dieter Reimer Verlag, Berlin. S. 53-72.
10 Kahl, Werner: Dialogisches Verstehen- Chancen einer interkulturellen Hermeneutik des Neuen Testaments, am Beispiel eines religionspädagogischen Projekts zu populären Bibellektüren, S. 111.
11Vgl. Hollenweger, Walter J:, Kultur und Evangelium, Das Thema der interkulturellen Theologie: Evangelische Mission: Jahrbuch 17, 1985, S. 56.

6

 



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