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Beschreibt das amerikanische Konzept des "Melting Pot" eine echte Interkulturalität oder beschränkt sich dieses auf ein Beispiel für eine multikulturelle Gesellschaft?

Scholary Paper (Seminar), 2003, 21 Pages
Author: M.A. Sandra Dorschner
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V115384
ISBN (E-book): 978-3-640-16960-3
ISBN (Book): 978-3-640-17228-3
File size: 210 KB

Abstract

Die USA sind ein klassisches Einwandererland, in dem Angehörige verschiedener Kulturen und Religionen miteinander leben. Als eine multikulturelle Gesellschaft liefern sie ein Vorbild für andere moderne Gesellschaften, so z.B. Deutschland. Ein Begriff, der dieses Zusammenleben charakterisiert ist die Metapher des Melting Pot, die das Verschmelzen verschiedener Kulturen zu einer neuen symbolisiert. Diese entstandene Interkultur gilt als erstrebenswerte Gesellschaftsordnung und stellt einen Idealtyp multikulturellen Zusammenlebens dar. Ob es sich bei dem Melting Pot-Konzept jedoch um eine „echte“ Interkultur handelt, und ob ein Verschmelzen der Kulturen wirklich stattgefunden hat, soll in dieser Hausarbeit untersucht werden. Dabei werden zunächst die Begriffe Multikulturalität und Interkulturalität geklärt, bevor anschließend das Melting Pot-Konzept dargestellt und als Interkultur diskutiert wird. Abschließend soll die Frage betrachtet werden, ob dieses Konzept ohne weiteres auf andere moderne Gesellschaften übertragbar ist. 2.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich Schiller Universität Jena

Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation

SS 2003

PS Theorie Interkultureller Wirtschaftskommunikation

Beschreibt das amerikanische Konzept des ,,Melting Pot"
eine echte Interkulturalität oder beschränkt sich dieses auf
ein Beispiel für eine multikulturelle Gesellschaft?

Name: Sandra Dorschner
Studiengang: Anglistik/Amerikanistik (2. Semester)
Wirtschaftswissenschaften (2. Semester)
Interkulturelle Wirtschaftskommunikation (2. Semester)
Abgabedatum:
30. September 2003

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2
2. Begriffsklärungen 2
2.1 Multikulturalität 2
2.2 Interkulturalität 3
3. Das Konzept des ,,Melting Pot" 4
3.1 Der Begriff des ,,Melting Pot" 4
3.2 Historische Entwicklung 6
3.3 Die gegenwärtige Situation ­ ,,Beyond the Melting Pot" 9
4. Der ,,Melting Pot" als eine echte Interkultur? 10
5. Kann das Konzept des Melting Pot auf andere Gesellschaften übertragen werden? 15
6. Zusammenfassung 16
7. Anhang 17
7.1 Einwanderungszahlen des 19. und 20.Jahrhunderts 17
7.2 Bevölkerungsverteilung nach Abstammung am Beispiel New York 18
8. Literaturverzeichnis 19

 


2

1. Einleitung
Die USA sind ein klassisches Einwandererland, in dem Angehörige verschiedener Kulturen und Religionen miteinander leben. Als eine multikulturelle Gesellschaft liefern sie ein Vorbild für andere moderne Gesellschaften, so z.B. Deutschland. Ein Begriff, der dieses Zusammenleben charakterisiert ist die Metapher des Melting Pot, die das Verschmelzen verschiedener Kulturen zu einer neuen symbolisiert. Diese entstandene Interkultur gilt als erstrebenswerte Gesellschaftsordnung und stellt einen Idealtyp multikulturellen Zusammenlebens dar.
Ob es sich bei dem Melting Pot-Konzept jedoch um eine ,,echte" Interkultur handelt, und ob ein Verschmelzen der Kulturen wirklich stattgefunden hat, soll in dieser Hausarbeit untersucht werden.
Dabei werden zunächst die Begriffe Multikulturalität und Interkulturalität geklärt, bevor anschließend das Melting Pot-Konzept dargestellt und als Interkultur diskutiert wird. Abschließend soll die Frage betrachtet werden, ob dieses Konzept ohne weiteres auf andere moderne Gesellschaften übertragbar ist.
2. Begriffsklärungen
Zunächst sollen die Begriffe Multikulturalität und Interkulturalität geklärt werden.
2.1 Multikulturalität
Multikulturalität beschreibt in erster Linie eine soziale Organisationsstruktur, die sich durch das Zusammenleben mehrerer verschiedener Kulturen in einer Lebenswelt auszeichnet1. Wie sich das Zusammenleben innerhalb dieser Gruppe gestaltet, d.h. ob es bei einem

1 Vgl. Jürgen Bolten, Interkulturelle Kompetenz (Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2001) 66.

 


3

Nebeneinander der Kulturen bleibt oder deren Mitglieder miteinander agieren, hängt von der Bereitschaft zur Interaktion der einzelnen Beteiligten ab.
Bolten unterscheidet dabei drei Formen der Multikulturalität, die sich aufgrund verschieden stark ausgeprägter Interaktion der Gruppen ergeben.2 Multikulturalität I ist dabei von einem starken ,,Integrationszwang" bestimmt, d.h. kulturelle Unterschiede werden nicht zugelassen. Multikulturalität existiert in diesem Fall nur bevölkerungsstatistisch und sie ist ,,unecht".
Multikulturalität II kennzeichnet eine ,,echte" Multikulturalität. Ethnische Gruppen agieren miteinander, behalten sich aber ihre kulturelle Identität, mit anderen Worten, es handelt sich um ,,friedliche Koexistenz". Idealtypischen Charakter besitzt indes die Multikulturalität III, bei der Interaktion zwischen den Kulturen stattfindet. Identitätsstiftende Räume werden allmählich aufgegeben. Interkulturelle Prozesse laufen ab, bei denen neue Gedanken, Pläne und Handlungen erzeugt werden. Der Übergang vom Neben- zum Miteinander wird vollzogen.
2.2 Interkulturalität
Bolten definiert Interkulturalität als ,,den Prozess und die Dynamik des Zusammenlebens"3 innerhalb einer Multikultur. Interkulturalität findet dann statt, wenn Angehörige verschiedener Lebenswelten aufeinander treffen und miteinander agieren. Eine Interkultur ist das entstehende Produkt dieses Aushandlungsprozesses, also eine Zwischenwelt, die von Merkmalen beider Kulturen bestimmt ist und keiner der beiden beteiligten vollkommen entspricht. Der Ablauf solcher Prozesse und das Resultat sind nicht vorhersehbar und ereignen sich immer wieder neu, abhängig von den beteiligten Personen. Es bilden sich Synergien, die ohne deren Interaktion nicht entstanden wären.4

2 Siehe dazu und zu den nachfolgenden Ausführungen: Bolten, 66-69.
3 Bolten, 66.
4 Siehe Bolten, 18.

 


4

3. Das Konzept des ,,Melting Pot"
In diesem Kapitel werden Grundüberlegungen zum Melting Pot-Konzept dargelegt. Zunächst wird der Begriff des Melting Pot definiert, anschließend werden historische Entwicklungen und gegenwärtige Tendenzen der amerikanischen Immigrationsdebatte skizziert.
3.1 Der Begriff des ,,Melting Pot"
Zunächst soll der Begriff des Melting Pot geklärt werden, bevor die historische Entwicklung näher betrachtet wird. Der Begriff des Melting Pot hat in Großbritannien als Metapher für ,,any process involving basic change"5, also Prozesse mit grundlegenden Wandel, eine lange Tradition. Das Oxford English Dictionary definiert den Begriff in diesem Zusammenhang als ,,often fig. with reference to thorough remodelling of institutions, etc."6.
Als Symbol für das Vermischen verschiedener Kulturen wird der Begriff seit dem 20. Jahrhundert und in den USA fast ausschließlich in Verbindung mit ,,racial and ethnic mixture"7 verwendet. Vorgänger für die symbolische Benutzung ist der französisch-stämmige amerikanische Schriftsteller Michel-Guillaume Jean de Crèvecoeur (J. Hector St. John de Crèvecoeur), der in dem dritten der Letters from an American Farmer (1782) die amerikanische Nation als eine Verschmelzung einzelner Völker zu einer neuen sieht: ,,Here individuals of all nations are melted into a new race of men, whose labours and posterity will one day cause great changes in the world."8. Schon damals besteht die amerikanische Bevölkerung aus verschiedenen, damals noch hauptsächlich europäischen Kulturen:

5 Vgl. Philip Gleason, Speaking of Diversity: Language and Ethnicity in Twentieth-Century America (Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1992) 35.
6 "melting", Oxford English Dictionary Band 9 (Oxford: Claendon Press, ²1989) 590.
7 John J. Miller, The Unmaking of Americans: How Multiculturalism Has Undermined the Assimilation Ethic (New York [u.a.]: Free Press, 1998) 61.
8 Peter Freese (Hg), From Melting Pot to Multiculturalism: E Pluribus Unum? (München: Langenscheidt-Longman, 1994) 5.

 



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