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Der glückliche Sünder: Albert Camus - Der Mythos des Sisyphos - als Wende in der Rezeptionsgeschichte

Autor: Gesine Aufdermauer
Fach: Kulturwissenschaft

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Details

Veranstaltung: SE Faszination Antike
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Kulturwissenschaftliches Institut)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 19
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 86 KB
Archivnummer: V11549
ISBN (E-Book): 978-3-638-17679-8

Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin
Kulturwissenschaftliches Seminar
SS 2002

Der glückliche Sünder
Albert Camus` „Der Mythos des Sisyphos“
als Wende in der Rezeptionsgeschichte

Gesine Aufdermauer

 

 

INHALT:

1. Einleitung S. 3

2. Sisyphos, „der schlaueste unter den Männern“ S. 4
2.1 Bestrafung der Sünder oder Sinnbild des Lebens? Aspekte des Sisyphos in der Antike S. 5

3. „Das Leid bin ich, und ich bin Leid,“ Sisyphos im Mittelalter S. 6

4. Sisyphos vor Camus (18. bis 20. Jhd.) S. 7

5. Camus - Einordnung des Sisyphos in sein Werk S. 8
5.1 Das Absurde - Bindeglied zwischen Mensch und Welt S. 9
5.2 Der absurde Mensch S.11
5.3 Sisyphos- der Held des Absurden S.12

6. Abschließende Betrachtungen S. 15

7. Wenn der Stein einmal liegen bleibt... S. 16

8. Literaturverzeichnis S. 19

 

1.Einleitung


„Auch den Sisyphos sah ich, von schrecklicher Müh gefoltert, Einen schweren Marmor mit großer Gewalt fortheben. Angestemmt, arbeitet er stark mit Händen und Füßen, Ihn von der Au aufwälzend zum Berge. Doch glaubt er ihn jetzo Auf den Gipfel zu drehn, da mit einmal stürzte die Last um; Hurtig mit Donnergepolter entrollte der tückische Marmor. Und von vorn arbeitet er, angestemmt, dass der Angstschweiß Seinen Gliedern entfloss und Staub sein Antlitz umwölkte.“1

Sisyphos2, der Büßer, der in der Unterwelt seinen Kampf gegen den Stein führt, das ist das Bild, das uns vor Augen steht, wenn sein Name fällt. Wie fast alle mythischen Gestalten erfuhr auch Sisyphos über die Jahrhunderte eine Wandlung in der europäischen Rezeption. Sind auch die Autoren und Philosophen, die sich mit der Geschichte des Königs von Korinth auseinander setzten nicht so zahlreich, wie etwa die Odysseus-Rezeptionen, so finden sich doch in allen Jahrhunderten Beispiele für eine Beschäftigung mit Sisyphos. Sah man im Sisyphos in der Antike3 überwiegend ein Beispiel für die harten Strafen der Götter, so wandelte sich sein Dasein im Hades später zu einem Sinnbild für das Leben an sich. Doch schließlich behauptet Camus, dass wir uns diesen Menschen glücklich vorzustellen haben.4

Ziel soll es sein, ausgehend vom Originalmythos5 der Antike, den Weg zu Camus zu zeichnen. Anhand einiger Beispiele aus dem Mittelalter und der Neuzeit soll gezeigt werden, wie Sisyphos immer wieder umgewertet wurde, seine Geschichte stets neuen Deutungen unterlag, bis Camus eine völlige Neubewertung des Sisyphos-Mythos vornahm. Seiner Auseinandersetzung mit Sisyphos, eingebettet in die Philosophie des Absurden, gilt hier das Hauptinteresse. Ein kurzer Ausblick in die Sisyphos-Rezeption nach Camus dient noch einmal der Hervorhebung seiner Bedeutung, denn gerade nach Camus machten sich Autoren zunehmend daran, sich mit diesem Mythos auseinandersetzen, die Rezeptionen wurden zahlreicher und vielfältiger. Camus öffnete den Weg für einen freieren, fast spielerischen Umgang mit dem Mythos. Erst nach Camus kam die Frage auf, was geschähe, wenn Sisyphos` Stein eines Tages liegenbliebe...

2. Sisyphos, „de r schlaueste unter den Männern“6

Viele Geschichten ranken sich um das Leben des Königs von Korinth, als der Sisyphos in der Antike zunächst bekannt war. Gerade seine Schlauheit und Lebenslust wurde von Geschichtsschreibern anhand zahlreicher Beispiele betont. Eine Beschreibung des Charakters des Königs finden wir in den Genealogien Pherekydes,7 der von seiner zweimaligen Überlistung des Todes berichtet. Zeus entführt Aigina, die Tochter des Flussgottes Asopos. Sisyphos beobachtet den Raub, verrät Zeus, und erhält als Belohnung Wasser für seine Stadt. Der erzürnte Zeus schickt Thanatos, den Tod. Sisyphos „aber merkte, dass der Tod herankam und band ihn mit starken Fesseln. So kam es, dass niemand mehr starb auf der Erde.“8 Schließlich entsendet Zeus Ares, um Thanatos zu befreien und den aufmüpfigen Sisyphos in die Unterwelt zu bringen. Dieser folgt scheinbar willig, doch trägt er seiner Frau auf, die geforderten Grabspenden zu unterlassen. Nach einiger Zeit hört Hades von diesem Frevel und schickt Sisyphos erneut nach Korinth, um seine Frau zurechtzuweisen. Einmal wieder unter den Lebenden, weigert sich Sisyphos beharrlich in die Unterwelt zurückzukehren, bis er schließlich im hohen Alter stirbt. „Aus diesem Grund zwang ihn Hades dazu, einen Felsblock zu rollen, damit er nicht noch einmal weglaufen könne.“9

Pherekydes sieht den Grund für die Bestrafung durch die Götter in Sisyphos` Weigerung, ihrem Willen zu folgen und zu sterben. Auch stellt er eine Verbindung zwischen der Tat und der Strafe her, Sisyphos wird durch den Stein am Weglaufen gehindert, sein Wunsch nach einem Wiederaufstieg in die Welt der Lebenden muss er so in alle Ewigkeiten symbolisch wiederholen, doch den Gipfel, das ewige Leben, wird für ihn unerreichbar bleiben. Auch wenn antike Geschichtsschreiber noch andere Gründe für die Strafe des Sisyphos nennen10, überzeugt Pherekydes Begründung, da sie eine direkte Verbindung zwischen Sünde und Strafe herstellt. Sisyphos Weigerung, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren, stellt eine Vergehen direkt gegen die Götter dar.

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1 Homer, Odyssee, XI. Gesang, Z. 593-600 (aus: Homer, Ilias. Odyssee. Insel Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1990, S.659)
2 Aus den vielen möglichen Schreibweisen wurde diese genutzt, da sie sich im Grossteil der Literatur findet. Andere Schreibweisen innerhalb von Quellen wurden aber beibehalten
3  als Antike wird hier die Zeit v. 6.Jhd. v.Chr. bis zum 6.Jhd.n.Chr. bezeichnet, eine weitere Unterscheidung in römische und griechische Antike ist für das Thema irrelevant
4  Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos, S.16o, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2001
5  vgl. Brockhaus: griech. Mythos: Wort Rede, Erzählung, Fabel, die Erzählung von Göttern, Heroen u.a. Gestalten und Geschehnissen aus vorgeschichtlicher Zeit 6  Homer, Ilias, XI.Gesang, Z.53-54, S.119 („Ephyra heißt die Stadt in der rossenährenden Argos,/Wo einst Sisyphos war, der schlaueste unter den Männern, Sisyphos, Äolos` Sohn.“), aus: Homer, Ilias. Odyssee, Insel Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1990
7  griechischer Geschichtsschreiber u. Philosoph, um 500 v.Chr.
8  Pherekydes, Genealogien, Fragment 118, zitiert aus: Bernd Seidensticker, Antje Wessels, Mythos Sisyphos, Reclam Verlag Leipzig, 2001, S.17
9  Pherekydes, Genealogien, Fragment 118, in: Mythos Sisyphos, S.17
10  Sergius berichtet, dass Sisyphos die Pläne der Götter ausplauderte, andere sehen den Grund für seine Bestrafung in einem Mord

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