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Hauptseminararbeit, 2006, 25 Seiten
Autor: Yvonne Konopka
Fach: Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Details
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Seminar für Romanische Philologie)
Tags: Bedeutung, Sprache, Marokko, Frankreich, Geschichte
Jahr: 2006
Seiten: 25
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-17025-8
ISBN (Buch): 978-3-640-17940-4
Dateigröße: 141 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Marokko liegt am äußersten Nord-Osten des Afrikanischen Kontinents. Es grenzt im Osten an Algerien, im Süden an Mauretanien, im Norden an das Mittelmeer und im Westen an den Atlantik. Die Oberfläche des Landes beträgt 710 850 km2, wobei die Wüste Sahara über die Hälfte der Oberfläche des Landes bedeckt. 1996 wurde die Zahl der Einwohner auf ca. 26 Millionen geschätzt. Davon sind ca. 50 000 Ausländer. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt ca. 2%. Die Bevölkerungsdichte liegt schätzungsweise bei 38 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dabei ist die Bevölkerung sehr ungleichmäßig verteilt. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten im Nord-Westen und im Zentrum des Landes. Die Lebenserwartung ist relativ gering und liegt bei 60 Jahren. Die Analphabetenquote liegt bei 52%. Marokko zählt neben Tunesien und Algerien zu den Ländern des Maghreb und ist Mitglied in der Arabischen Liga. Die Regierungsform des Landes ist eine konstitutionelle Monarchie. Der derzeitige König ist Mohammed VI. Die offizielle Sprache des Landes ist seit 1956 das Hocharabische. Die Staatsreligion ist der Islam. Von 1912 bis 1956 war Marokko französische Kolonie und die offizielle Sprache Marokkos war Französisch. Die Sprache wurde den Marokkanern auferlegt in war in allem Bereichen des öffentlichen Lebens, mit Ausnahme der Religion, präsent. Marokko ist seit 1981 Mitglied der Frankophonie. In dieser Hausarbeit möchte ich mit der Präsenz und Funktion des Französischen in Marokko nach 1956 beschäftigen. Das Französische und Arabische sind nicht nur in der grammatischen Struktur und Lexik grundverschieden, sondern die durch sie vermittelten Weltbilder sind ebenfalls völlig unterschiedlich. Deshalb werde ich mich mit der Bedeutung dieser „westlichen“ Sprache in einem islamischen Land und die damit verbundenen Konflikte auseinandersetzen. Hierzu werde ich zunächst die Einführung der französischen Sprache durch die Protektoratsmacht und die anschließende Umgang mit der Sprache anhand der Sprachpolitik, vor allem im Erziehungswesen, des unabhängigen Marokkos darstellen. Die Sprachpolitik eines Landes hat einen entscheidenden Einfluss auf die Verwendung von Sprachen, da sie unter anderem die in den Schulen zu lernendenden Fremdsprachen in Umfang und Intensität festlegt. Im Anschluss daran werde ich den Einfluss und die Funktion der französischen Sprache in den Bereichen der Wirtschaft, den Medien und der Literatur im heutigen Marokko vorstellen.
Textauszug (computergeneriert)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Etablierung der französischen Sprache in Marokko 3
3. Politik Marokkos nach 1956 7
3.1 Die Sprachpolitik 7
3.2 Außenpolitische Beziehungen 11
4. Wirtschaft 12
5. Medien 13
5.1 Presse 13
5.2 Radio 14
5. 3 Fernsehen 15
6. Literatur 16
7. Aktuelle sprachliche Situation in Marokko 18
8. Zusammenfassung und Ausblick 21
Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Marokko liegt am äußersten Nord-Osten des Afrikanischen Kontinents. Es grenzt im Osten an
Algerien, im Süden an Mauretanien, im Norden an das Mittelmeer und im Westen an den
Atlantik. Die Oberfläche des Landes beträgt 710 850 km2, wobei die Wüste Sahara über die
Hälfte der Oberfläche des Landes bedeckt. 1996 wurde die Zahl der Einwohner auf ca. 26
Millionen geschätzt. Davon sind ca. 50 000 Ausländer. Das jährliche Bevölkerungswachstum
beträgt ca. 2%. Die Bevölkerungsdichte liegt schätzungsweise bei 38 Einwohnern pro
Quadratkilometer. Dabei ist die Bevölkerung sehr ungleichmäßig verteilt. Über die Hälfte der
Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten im Nord-Westen und im Zentrum des Landes. Die
Lebenserwartung ist relativ gering und liegt bei 60 Jahren. Die Analphabetenquote liegt bei
52%.
Marokko zählt neben Tunesien und Algerien zu den Ländern des Maghreb und ist Mitglied in
der Arabischen Liga. Die Regierungsform des Landes ist eine konstitutionelle Monarchie. Der
derzeitige König ist Mohammed VI. Die offizielle Sprache des Landes ist seit 1956 das
Hocharabische. Die Staatsreligion ist der Islam.1
Von 1912 bis 1956 war Marokko französische Kolonie und die offizielle Sprache Marokkos
war Französisch. Die Sprache wurde den Marokkanern auferlegt in war in allem Bereichen
des öffentlichen Lebens, mit Ausnahme der Religion, präsent. Marokko ist seit 1981 Mitglied
der Frankophonie.2
In dieser Hausarbeit möchte ich mit der Präsenz und Funktion des Französischen in Marokko
nach 1956 beschäftigen. Das Französische und Arabische sind nicht nur in der grammatischen
Struktur und Lexik grundverschieden, sondern die durch sie vermittelten Weltbilder sind
ebenfalls völlig unterschiedlich. Deshalb werde ich mich mit der Bedeutung dieser
,,westlichen" Sprache in einem islamischen Land und die damit verbundenen Konflikte
auseinandersetzen. Hierzu werde ich zunächst die Einführung der französischen Sprache
durch die Protektoratsmacht und die anschließende Umgang mit der Sprache anhand der
Sprachpolitik, vor allem im Erziehungswesen, des unabhängigen Marokkos darstellen. Die
Sprachpolitik eines Landes hat einen entscheidenden Einfluss auf die Verwendung von
Sprachen, da sie unter anderem die in den Schulen zu lernendenden Fremdsprachen in
Umfang und Intensität festlegt.
Im Anschluss daran werde ich den Einfluss und die Funktion der französischen Sprache in
den Bereichen der Wirtschaft, den Medien und der Literatur im heutigen Marokko vorstellen.
1 Fouzia Benzakour et al. (2000; S.13-14)
2 Jürgen Erfurt (2005; S. 128)
2
2. Etablierung der französischen Sprache in Marokko
Die Sprache der Ureinwohner sind die Berbersprachen, die bis zur Arabisierung und
Islamisierung des Landes im 9. Jahrhundert, die einzige Sprache in Marokko waren. Die
Islamisierung führte zu einer Teilung des Landes in arabophone und berberophone Gebiete,
wobei die arabophonen den Städten und dem fruchtbaren Land, die berberophonen dem
Gebirge zugeordnet werden konnten.3
Marokko konnte sich lange gegen die Besetzung des Landes durch eine europäische
Kolonialmacht wehren. Mit der Besetzung Algeriens 1830 und Tunesiens rückte die
Bedrohung immer näher. Schließlich konnte auch Marokko aufgrund von inneren Unruhen
und zunehmender Staatsverschuldung bei den Europäern nicht mehr Stand halten.4
Am 30. März 1912 unterzeichnete der amtierende Sultan in Fès den Protektoratsvertrag mit
Frankreich, den ,,Vertrag von Fès", und Marokko verlor dadurch offiziell seine
Unabhängigkeit, was zu Protesten und Aufständen der marokkanischen Bevölkerung führte.
Damit war Frankreich bis zum 02. März 1956 Protektoratsmacht in Marokko. Der
französisch-spanische Vertrag vom 27. November 1912 teilte Marokko in zwei
Protektoratszonen. Spanien erhielt kleine Gebiete im Norden (um die Städte Ceuta, Tetouan
und Melilla) und im Süden Marokkos (Tekna).5
Die Politik Frankreichs in Marokko war eine Politik der Kontrolle, d.h. Frankreich zerstörte
nicht die vorhandenen Strukturen Marokkos, sondern ließ die Institutionen und Autoritäten
unter französischer Kontrolle auch weiterhin bestehen. Der Sultan blieb zwar das offizielle
Oberhaupt des Landes, hatte aber nur noch eine repräsentative Funktion. Frankreich
übernahm seine eigentlichen Funktionen. Der französische Generalpräsident ,,commissaire
résident général de la République Française au Maroc" war von 1912- 1925 Lyautey. Seine
Politik basierte auf dem Konzept der Traditionalisierung. Die sozialen und traditionellen
Hierarchien sollten erhalten bleiben. Die Rituale und islamischen Verbote sollten durch die
Gesetzgebung auch weiterhin geschützt werden und damit sollte für die Bevölkerung eine
Illusion von Kontinuität entstehen, die das Ziel hatte die Bevölkerung zu beruhigen.
Französisch wurde die offizielle Sprache in allen Verwaltungsstrukturen und politischen
Instanzen Marokkos und breitete sich schnell auf den gesamten modernen Sektor der
Industrie, des Handels und der Finanzen aus, die die Franzosen, aufgrund ihres
3 Vgl.: Fouzia Benzakour (2000 ; S.22)
4 Vgl. : ebd. S.30
5 Vgl.:Klaus Müller-Hohenstein/Herbert Popp (1990 ; S.52-53)
3
technologischen Fortschritts im Vergleich zu Marokko, modernisierten.6 Die französischen
Siedler ,,Colons" konnten Land zu Minimalpreisen kaufen und vereinnahmten entscheidende
Positionen in Verwaltung, Wirtschaft, Bankwesen, Handel und Politik. Eine Partizipation der
Marokkaner in diesen Bereichen erforderte somit Französischkenntnisse.
Die Einrichtung von Schulen diente zunächst in erster Linie der qualifizierten Schulbildung
der europäischen Siedler. So wurden französische Vorschulen ,,écoles maternelles",
Grundschulen ,,écoles primaires" und Sekundarschulen ,,collèges" und ,,lycées" eingerichtet.
Der Unterricht war von ähnlicher Qualität wie in Frankreich und auch die Inhalte blieben
gleich. Die Realität der in Marokko lebenden Kinder, die sich maßgeblich von der, der in
Frankreich lebenden Kinder unterschied, fand im Unterricht kaum Berücksichtigung.
Marokkanische Geschichte, Geographie, Zivilisation waren nicht im Lehrplan enthalten.
Arabisch konnte erst im Sekundarbereich neben Englisch als Fremdsprache gewählt werden.
Die französische Primarstufe ,,écoles primares" wurden auch von anderen europäischen
Nationen, vor allem Spaniern, von der jüdischen Bevölkerung Marokkos und später auch von
muslimischen Marokkanern, deren Eltern Teil der Elite Marokkos waren, besucht. Eine
französische Universität wurde nicht in Marokko eingerichtet.
Das traditionelle Schulsystem in Marokko, das auch während der Kolonialzeit existierte,
bestand aus drei aufeinander aufbauenden Schulformen: Koranschulen, Mederas/ Zaouias und
der Universität Quaraouiyine.7 Die Koranschulen wurden von Kindern im Alter von 6 13
Jahren besucht. Sie waren für Jungen verpflichtend. In ihnen fand der elementare
Religionsunterricht statt. Die Schüler lernten den Koran zu rezitieren und anhand dessen das
klassische Arabisch lesen und schreiben. Die Schüler waren nicht in Schulklassen eingeteilt,
sondern lernten alle zur gleichen Zeit im selben Raum. Der Besuch der Koranschulen waren
für Kinder aus bedürftigen Familien kostenlos. Die Bezahlung des Lehrers erfolgte durch die
Eltern zumeist in Naturalien. Die Koranschulen waren keine bestimmten Gebäude. Es
handelte sich meist um von der Gemeinde genutzte Räume oder Moscheen. Nach Beendigung
der Koranschule, die nicht an ein bestimmtes Alter gebunden war, konnten die Schüler die
,,Mederas" besuchen. Dort wurden islamische Wissenschaften und religiöses Recht gelehrt.
Auf dem Land hatten die ,,Mederas" die Bezeichnung ,,Zaouias". Hier wurde zusätzlich noch
der Heiligenkult gelehrt. Nach dem Abschluss der ,,Mederas" bzw. ,,Zaouias" bestand die
Möglichkeit die Universität ,,Qaraouiyine" in Fès zu besuchen, die zwischen dem 9. und 14.
Jahrhundert die renommierteste Universität im gesamten arabisch-islamischen Raum war,
danach jedoch in ihrer Entwicklung stehen geblieben ist. An der ,,Qaraouiyine" konnten
6 Vgl. : Ulrich Mehlem (1989 ; S.37-40)
7 Vgl. : Fouzia Benzakour et al. (2000; S. 39)
4
religiöse Wissenschaften und Recht studiert werden, was den Zugang zu traditionellen
Berufen öffnete. Zu Beginn des Protektorats studierten dort ca. 500-600 Studenten. Die
meisten Kinder brachen allerdings nach Beendigung der Koranschulen, ihre Schullaufbahn
ab.8
Die französische Regierung entschloss sich in Marokko separate Schulen für die
marokkanische Bevölkerung zu gründen, um sie für die Ziele der Regierung auszubilden. Sie
rechtfertigte die Gründung der Schulen damit, dass das traditionelle Bildungswesen als
minderwertig ansahen, da die Religion im Mittelpunkt stand und Naturwissenschaften keine
Rolle spielten.9 Das Ziel der Schulen war eine Beibehaltung der sozialen und kulturellen
Unterschiede in der Bevölkerung. In den zwanziger Jahren wurden die ,,Ecoles des Fils et des
Filles des Notables", Grundschulen für die marokkanische Elite, die bis 1926
gebührenpflichtig waren, gegründet. Diese Schulen konnten nur von Kindern wohlhabender
Familien besucht werden. Ein weiteres Kriterium war die Loyalität zur Protektoratsherrschaft.
Im Anschluss konnten die Schüler dann die Sekundarschulen ,,collèges franco-musulman",
die seit 1914 in Marokko existierten, besuchen. An den Schulen wurde sowohl Französisch
als auch Arabisch unterrichtet, allerdings überwog der Unterricht auf französisch deutlich. Die
französische Sprache wurde dabei nicht in wie eine Fremdsprache unterrichtet, sondern wie
eine zweite Muttersprache. Das Ziel dieser Schulen war eine Ausbildung einer treuen Elite,
die der französischen Regierung in Marokko Halt geben sollte. Nach dem Abschluss des
collège, nach sechs Schuljahren, eröffnete dies den Zugang zu einer Verwaltungslaufbahn in
der öffentlichen oder privaten Verwaltung.10
Darüber hinaus wurden allgemeine Schulen gegründet, die allen Marokkanern zugänglich
waren. Die Unterrichtsinhalte wurden den Lebensverhältnissen angepasst. Die Schulen sollten
in den Städten dazu beitragen, die Schüler zu einfachen Arbeitern, kleinen Händlern und
Angestellten auszubilden. Auf dem Land standen vor allem Landwirtschaft sowie elementare
Rechenkenntnisse auf dem Lehrplan. Das Französische diente als Unterrichtssprache und
wurde überwiegend mündlich vermittelt. Dies sollte die Schüler zur Kommunikation mit den
,,Colons" befähigen und zur Verbreitung der Sprache beitragen. Des weiteren gab es in der
Stadt die ,,écoles populaires", eine Art von Berufsschule, die an die allgemeine Schule
anschloss und die die Schüler zu qualifizierten Handarbeitern ausbilden sollte.
In den zwanziger Jahren wurden ebenfalls separate Schulen für die berberophone
Bevölkerung gegründet. Die Schulen entstanden in ländlichen berberophonen Gebieten. Das
8 Vgl. : ebd.: S. 43
9 Vgl.: Martina Butzke-Rudzynski (1992 ; 70-72)
10 Vgl.:Fouzia Benzakour et al. (2000 ; S.44-46)
5
Ziel dieser Schule war die dauerhafte Trennung der Berber von den Arabern. An diesen
Schulen fand im Gegensatz zu den anderen Schulen kein Religionsunterricht statt. Die
französische Regierung gründete auch ,,collèges" für die Berber, die jedoch ohne Erfolg
blieben. Die berberophone Elite schickte ihre Kinder auf die ,,collèges franco-musulman".
Außerdem wurden zusätzlich Mädchenschulen eröffnet, in denen vor allem Hauswirtschaft
und Handarbeit unterrichtet wurden. Der Unterricht fand ausschließlich auf arabisch statt, da
die französische Regierung fürchtete sonst die Familien, für die die Bildung von Mädchen ein
brisantes Thema war, zu verärgern. Ab 1927 konnten Mädchen auch die öffentlichen Schulen
besuchen, wenn deren Eltern ausdrücklich darauf bestanden.11
1921 schlossen sich einflussreiche Personen der Elite zusammen, um die Koranschulen zu
reformieren. Es entstanden außerdem die sog. ,,freien Schulen", die auf große Zustimmung
bei der Bevölkerung trafen und zum Zentrum für Nationalisten wurden. In den freien Schulen
sowie in den Koranschulen war arabisch die einzige Unterrichtssprache. Sie übernahmen das
Modell der europäischen Staatsschule mit ihren Disziplinen und Methoden. Unterrichtsinhalte
waren jedoch die eigene Kultur und Landesgeschichte. Außerdem blieb die Religion auch
weiterhin ein zentraler Unterrichtsinhalt. 1935 wurde die Eröffnung von weiteren freien
Schulen von der französischen Regierung verboten und einige Schulen wurden geschlossen.12
Insgesamt trugen die französischen Schulen weniger zur Verbreitung der französischen
Sprache bei als erwartet, da nur ein geringer Teil der Kinder die Schule besuchte. Dennoch
prägte das durch Frankreich etablierte Schulsystem in Marokko das marokkanische
Schulsystem nach 1956 entscheidend.
Das 1930 erlassene Berbergesetz ,,Dahir berbère", das die Berber französischer
Rechtsprechung unterstellte und das Ziel hatte Berber und Araber noch deutlicher zu trennen,
löste den Widerstand der marokkanischen Bevölkerung gegen die Protektoratsherrschaft aus.
Es führte zu Protesten von Arabern und Berbern in allen Städten und erreichte sogar die
spanische Besatzungszone.13 1934 wurde dann die erste politische Partei ,,Comité d′Action
Marocain" gegründet. Sie forderten eine Reformierung des Protektoratssystems. 1937 wurde
dann die ,,Parti National" gegründet aus der dann die ,,Istiqlal-Partei" 1943 hervorging.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Aktionen vorübergehend unterbrochen. Die
,,Istiqlal-Partei" forderte nun die Unabhängigkeit Marokkos und die Anerkennung des Sultans
als Staatsoberhaupt. Die Partei wurde vom Sultan unterstützt und es kam zur Krise zwischen
dem Palast und der Protektoratsmacht. 1953 wurden Sultan Mohammed V und sein Sohn ins
11 Vgl. : Fouzia Benzakour et al. (2000; S. 46-49)
12 Vgl. : Martina Butzke-Rudzynski (1992; S.80) ; Ulrich Mehlem (1989; S.48)
13 Vgl. : Ulrich Mehlem (1989; S.39-43)
6
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