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Diploma Thesis, 2007, 85 Pages
Author: Romy Powils
Subject: Romance Languages - Portuguese Studies
Details
Tags: Untersuchung, Identität, Brasilien
Year: 2007
Pages: 85
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 45 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-17713-4
File size: 392 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Thema, zu dem es noch nicht sehr viel Literatur gibt, da zum Thema Ethnizität und schwarze Identität in Brasilien noch nicht sehr viel geforscht wurde. Seit rund 100 Jahren gibt es Forschungen über die afrobrasilianische Kultur und über die Rassenbeziehungen in Brasilien, mit denen sich Gerichtsmediziner, Psychologen, Anthropologen, Historiker, Soziologen, Politologen und Pädagogen unter unterschiedlichen Blickwinkeln beschäftigt haben.
Excerpt (computer-generated)
,,A invenção de ser negro"
Die Untersuchung einer schwarzen Identität als
ethnische Identität in Brasilien heute
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades einer
Diplom-Translatorin
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Institut für Romanistik
Eingereicht von: Romy Powils
Tag der Abgabe: 18.12.2007
Kurzbeschreibung
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit einer möglichen schwarzen Identität der afrobrasilianischen Bevölkerung und untersucht, ob man diese als ethnische Identität bezeichnen könnte. Anhand verschiedener Studien wurde herausgearbeitet, inwiefern die afrobrasilianische Bevölkerung eine kulturell bedingte kollektive Identität besitzt, die auf einer gemeinsamen Geschichte, einem gemeinsamen Ursprung, gemeinsamen kulturellen Merkmalen und Symbolen beruht, und ob sie sich mit ihrer staatlich definierten ethnischen Gruppe identifiziert und versucht, sich von anderen Gruppen abzugrenzen.
Es hat sich herausgestellt, dass das Kriterium in Bezug auf den gemeinsamen Ursprung und die gemeinsame Geschichte auf al e Afrobrasilianer zutrifft, auch wenn sich ein großer Teil dessen nicht bewusst ist bzw. nicht zu diesen Ursprüngen steht. Über gemeinsame kulturelle Merkmale und Symbole sowie über eine gemeinsame Identifizierung und Abgrenzung mit der Gruppe verfügt jedoch nur ein gewisser Teil der afrobrasilianischen Bevölkerung. Dazu gehören zum einen die Aktivisten und Militanten aus kulturellen und politischen Schwarzenbewegungen, die den als ,,typisch schwarz", und teilweise auch ,,typisch afrikanisch", bezeichneten Aktivitäten nachgehen. Zum anderen gibt es eine neue schwarze Identität in der afrobrasilianischen Jugendkultur, die traditionelle Merkmale der brasilianischen Schwarzenkultur mit neuen Formen der modernen Jugendkultur der schwarzen Jugendlichen weltweit vermischt und sich an deren Vorbildern orientiert.
Diese Arbeit beweist folglich, dass es eine ethnische Identität der Schwarzen in Brasilien gibt, jedoch nur unter einem geringen Teil, der sich selbstbewusst als negro bezeichnet.
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INHALTSVERZEICHNIS
Kurzbeschreibung
Inhaltsverzeichnis
0.
Vorwort
1.
Einleitung
1.1
Forschungsstand
1.2
Vorgehensweise
2.
Das Problem des Bestimmens der Hautfarbe und
der ethnischen Zugehörigkeit im Zuge der Quotenregelung
3. Definitorische Ansätze zu ethnischer Gruppe,
Minderheit und Identität
3.1
Ethnisch
3.2
Ethnische Gruppe
3.3
Ethnische Minderheit
3.4
Ethnische Identität
3.4.1 Selbstbestimmung
3.4.2 Toleranz
3.4.3 Unterstützung
3.4.4 Selbstwertgefühl
3.4.5 Identitätssymbole
3.5
Zusammenfassende Definition
4. Gemeinsame Geschichte/ gemeinsamer Ursprung
4.1
Die Sklaverei
3
4.1.1 Quilombos
4.2 Nach Abschaffung der Sklaverei
4.2.1 Das Branqueamento-Prinzip
4.2.2 Frente Negra Brasileira
4.3 Vargas-Diktatur
4.4 1940er bis 90er Jahre zwischen Militärdiktatur und Redemokratisierungsprozess
4.4.1 Movimento Negro Unificado
5. Gemeinsame kulturelle Merkmale und Symbole
5.1 ,,Typisch schwarze" Aktivitäten
5.1.1 Capoeira
5.1.2 Afoxé und Bloco Afro
5.1.3 Candomblé
5.1.4 Sambaschule
5.1.5 Schwarzenbewegung
5.2 Typisch afrikanisch?
5.3 Kulturel e Merkmale der afrobrasilianischen Jugendkultur
6. Gemeinsame Identifizierung und Abgrenzung
6.1 Bei Sansone
6.1.1 Die Eigenbezeichnung negro
6.1.2 Gemeinschaftsgefühl und ,,communidade negra"
6.2 Bei Ferreira
6.2.1 Estágio de submissão
6.2.2 Estágio de impacto
6.2.3 Estágio de militância
6.2.4 Estágio de articulação
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7. Zusammenfassung und Fazit
8. Literaturverzeichnis
9. Anlage
5
0. Vorwort
Mit dem Thema meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich gedanklich schon seit einigen Jahren.
Während meiner zahlreichen Brasilienaufenthalte seit 1999 habe ich die meiste Zeit in Salvador, der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia verbracht, wo der Großteil der Bevölkerung dunkelhäutig ist. Von Anfang an ist mir aufgefallen, dass die Menschen dort sehr unterschiedlich mit ihrem Schwarzsein umgehen. In den letzten Jahren habe ich v. a. bei Afrobrasilianern meiner Generation ein wachsendes Bewusstsein in Bezug auf ihr Schwarzsein beobachtet, was zunehmend mein Interesse geweckt hat.
Im Februar und März 2007 hatte ich während einer Exkursion der Humboldt-Universität nach Brasilien mit dem Thema ,,Afrikaforschung in Brasilien und Deutschland" die Möglichkeit, mich intensiv auf meine Arbeit vorzubereiten.
Ich hatte die Gelegenheit, verschiedenen Mitgliedern der brasilianischen Schwarzenbewegung und afrobrasilianischer Religionszentren in Vorbereitung auf mein Thema Fragen zu stellen, an Vorträgen teilzunehmen und Orte zu besuchen, die für Afrobrasilianer eine besondere geschichtliche Bedeutung besitzen.
Außerdem nutzte ich meinen Aufenthalt, um Gespräche mit verschiedenen jungen Afrobrasilianern zu führen und ihnen Fragen zu stellen, die ich vorher anhand eines Fragebogens ausgearbeitet hatte, um selbst ein besseres Verständnis von meinem Thema zu bekommen und dies zu konkretisieren.Deshalb möchte ich mich hiermit für die Organisation und das Engagement während der Exkursion bei Prof. Flora Veit Wild, Prof. Tiago de Oliveira Pinto und ganz besonders bei Prof. Ineke Phaf-Rheinberger für die zusätzliche Unterstützung bei der Findung meines Themas bedanken.
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1. Einleitung
Im Juli 2002 überraschte der US-amerikanische Präsident George W. Bush seinen damaligen brasilianischen Amtskollegen Fernando Henrique Cardoso mit der Frage ,,Do you have blacks, too?" Seine damalige Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice musste Bush daraufhin aufklären, dass in Brasilien doppelt so viele Schwarze leben wie in den USA.
Diese Anekdote ist exemplarisch. Jedoch besitzt Brasilien heute nach Nigeria die zweitgrößte schwarze Bevölkerung der Welt in absoluten Zahlen. Laut des letzten Zensus des Jahres 2000 sind von den rund 170 Millionen Einwohnern der Gesamtbevölkerung 76,5 Millionen Afrobrasilianer1. (Vgl. Schaeber, 2003, S. 15).
Da Brasilien nach außen oft als ein Land mit einer homogenen Bevölkerung dargestellt wird, wissen viele nicht, dass dort unterschiedliche ethnische Gruppen (siehe Kapitel 3.2) zusammenleben. Die Gründe dafür liegen darin, dass man sich auch innerhalb des Landes lange Zeit dessen nicht bewusst war oder sein wollte, dass es verschiedene ethnische Gruppen gibt. Brasilien hat sich jahrhundertelang auf das Prinzip der Rassendemokratie (siehe Kapitel 4.3) gestützt, dem zu Grunde liegt, dass alle Brasilianer nach Abschaffung der Sklaverei 1888 unabhängig von Rasse, Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit frei, in Harmonie und mit gleichen Rechten und Pflichten nebeneinander leben sollten. Man glaubte an eine ,,Vermischung der Rassen" und es war für lange Zeit Ziel, diese Vermischung mit verschiedenen Mitteln, die innerhalb der Arbeit noch erklärt werden, durchzusetzen.
1 Die deutsche Bezeichnung Afrobrasilianer werde ich am häufigsten in meiner Arbeit benutzen, wenn ich mich auf die dunkelhäutige afrikanisch-stämmige Bevölkerung Brasiliens beziehe, da sie am wertfreisten ist und überwiegend in der deutschen Literatur zu finden ist. Schwarz, Schwarzsein, Schwarze(r) benutze ich einerseits sowohl als Übersetzung für den Begriffe negro, der Ausdruck eines neuen schwarzen Bewusstseins geworden ist und nicht als abwertend gilt, als auch für den Begriff preto, der in den meisten Statistiken für die Angabe der Hautfarbe schwarz benutzt wird, sowie wenn ich mich auf dunkelhäutige afrikanisch-stämmige Menschen weltweit beziehe.
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Dass es jedoch nicht in dem gewünschten Maße zu dieser Vermischung in Bezug auf die Gleichstellung al er Gruppen gekommen ist und diese heutzutage oft als ein Mythos dargestellt wird, beweist u.a. die Tatsache, dass 2003 Quotengesetze für verschiedene ethnische Gruppen in Brasilien eingeführt worden sind.
Anhand der folgenden Darstellung des IGBE (Brasilianisches Bundesamt für Statistik und Geographie) von 1996 sieht man, dass die Einkommensverteilung zwischen der weißen und der schwarzen Bevölkerung sehr unterschiedlich ist. Dies stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass keine Gleichheit unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen herrscht und dass man heute schwarz und weiß trennt, wenn es um die Darstellung von solchen Statistiken geht, auch wenn sich die brasilianischen Schwarzen weder in ihrer Selbsteinschätzung als eine ethnische Minderheit (siehe Kapitel 3.3) sehen, noch von weißen Brasilianern als diese angesehen werden. (Vgl. Schaeber, 2003, S. 16)Monatliches Durchschnittseinkommen in Reais (R$) nach Geschlecht und Hautfarbe:
[Tabelle]
Quelle: Nascimento, 2007, S. 43/ IGBE 1996
In der Verfassung wird zum ersten Mal 1988 von einem ,,ethnischen Pluralismus" im Land gesprochen. Im Paragraphen VII der Verfassung wird eine plurikulturelle Gesellschaft anerkannt, deren verschiedene Volksgruppen, Indigene und Afrobrasilianer es zu schützen gilt. Außerdem wird der Ausdruck ,,nationale ethnische Segmente" benutzt, der implizit eine ethnische Vielfalt anerkennt, v. a. gegenüber den Indianern, denen ein ganzes Kapitel gewidmet ist. (Vgl. d′Adesky, 2001, S. 187) Die Aufnahme dieses Artikels in die Verfassung ist zum großen Teil zurückzuführen auf die Bemühungen der indianischen und Schwarzenbewegungen Brasiliens, die u.a. für die Anerkennung ihrer Wurzeln kämpfen.
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Ob dieses Denken jedoch auch innerhalb der Bevölkerung eingesetzt hat, d. h. ob speziell Afrobrasilianer sich selbst als ethnische Gruppe bezeichnen würden und sich mit dieser auch identifizieren und es eine ,,schwarze Identität" gibt, wird in dieser Arbeit untersucht.
Dieses Thema ist von hoher aktueller Relevanz, weil durch die Einführung der Quotengesetze das Nachdenken über ethnische Zugehörigkeit innerhalb der Bevölkerung in Gang gesetzt wurde, was bei einigen Menschen ein neues Bewusstsein geweckt hat.
Es ist schwierig, in einer so heterogenen Gesellschaft wie Brasilien die Rasse als fundamentales Element für die Identität und das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe zu sehen, so wie es in der Forschung bisher immer versucht wurde. Denn durch die Vermischungen von europäischen, indianischen und afrikanischen Genen sind so viele unterschiedliche Erscheinungstypen entstanden, dass es kaum möglich ist, diese einer bestimmten Rasse zuzuordnen. (Vgl. d′Adesky, 2001, S. 49)
Aus diesem Grund widmet sich diese Arbeit der Untersuchung nach einer ethnischen Identität, die über die Rasse hinausgeht bzw. sie nur als ein mögliches Merkmal für die Herausbildung einer kollektiven Identität ansieht. Es wird untersucht, ob sich innerhalb der dunkelhäutigen Bevölkerung Brasiliens die Herausbildung einer ethnischen Identität festmachen lässt, die sie wiederum zu einer ethnischen Gruppe, als die sie vom Gesetz erfasst wird, werden lässt.
1.1 Forschungsstand
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Thema, zu dem es noch nicht sehr viel Literatur gibt, da zum Thema Ethnizität und schwarze Identität in Brasilien noch nicht sehr viel geforscht wurde. Seit rund 100 Jahren gibt es Forschungen über die afrobrasilianische Kultur und über die
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