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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 56 Pages
Authors: Wafa Sturmann - Ben Omrane, Lotte Marie Feiser
Subject: Communications: Interpersonal Communication
Details
Institution/College: RWTH Aachen University (Germanistisches Institut )
Tags: Einfluss, Modalität, Systeme, Verarbeitungsprozesse, Lautsprache, Gebärdensprache, Vergleich, Sprache, Denken
Year: 2006
Pages: 56
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-17396-9
File size: 1098 KB
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Abstract
In dieser Arbeit möchten wir auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgrund der unterschiedlichen Modalität von Laut- und Gebärdensprachen eingehen, indem wir zuerst die Merkmale der verschiedenen Sprachsysteme erläutern und anschließend auf die kognitiven Verarbeitungsprozesse eingehen. Hierzu ist es sicherlich hilfreich, wenn kurz darauf eingegangen wird, wo sich das Sprachzentrum im Gehirn befindet und ob es dort zwischen den beiden Sprachen Unterschiede gibt. Als weiteren interessanten Punkt wollen wir die unterschiedlichen Sprachstörungen ansprechen, die sich bei Schädigungen des Gehirns sowohl auf die Gebärden- als auch auf die Lautsprache auswirken. Hierbei scheint es wichtig zu sein, zu unterscheiden, welche Sprachfehler aufgrund welcher verletzten Region auftreten. Abschließend wollen wir kurz auf einige Punkte aufmerksam machen, die in der Literatur nicht eindeutig zu sein scheinen und eine zusammenfassende Stellungsnahme ergänzen. [...]
Excerpt (computer-generated)
Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Deutsche Philologie
Hauptseminar: Sprache und Denken
Wintersemester 2005/06
Der Einfluss der Modalität linguistischer Systeme auf kognitive
Verarbeitungsprozesse
- Lautsprache und Gebärdensprache im Vergleich -
Vorgelegt von:
Wafa Ben Omrane
Magisterstudium:
Hauptfach Kommunikationswissenschaften,
Nebenfächer Psychologie, Geografie
und:
Lotte Marie Feiser
Magisterstudium:
Hauptfach Kommunikatonswissenschaften,
Nebenfächer Psychologie, Soziologie
GLIEDERUNG
I
Einleitung
3
II
Merkmale der beiden Sprachen
3
II.1
Lautsprache
4
II.1.1 Phonologie
4
II.1.2 Morphologie
6
II.1.3 Syntax
7
II.1.4 Semantik
10
II.1.5 Pragmatik
11
II.2.1 Gebärdensprache
13
II.2.1 ,,Phonologie"
13
II.2.2 Morphologie
15
II.2.3 Syntax
17
II.2.4 Semantik
20
II.2.5 Pragmatik
26
III
Lokalisierung der Sprachzentren
28
(Von Lautsprache und Gebärdensprache)
IV
Die kognitiven Verarbeitungsprozesse im Vergleich
31
V
Sprachstörungen bei Verletzungen der Hemisphären
40
(Bei Lautsprache und Gebärdensprache)
VI
Schlussbemerkung
51
VII
Literaturverzeichnis
52
VIII
Abbildungsverzeichnis
54
2
I
Einleitung
In dieser Arbeit möchten wir auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgrund der
unterschiedlichen Modalität von Laut- und Gebärdensprachen eingehen, indem wir
zuerst die Merkmale der verschiedenen Sprachsysteme erläutern und anschließend
auf die kognitiven Verarbeitungsprozesse eingehen. Hierzu ist es sicherlich hilfreich,
wenn kurz darauf eingegangen wird, wo sich das Sprachzentrum im Gehirn befindet
und ob es dort zwischen den beiden Sprachen Unterschiede gibt.
Als weiteren interessanten Punkt wollen wir die unterschiedlichen Sprachstörungen
ansprechen, die sich bei Schädigungen des Gehirns sowohl auf die Gebärden- als
auch auf die Lautsprache auswirken. Hierbei scheint es wichtig zu sein, zu
unterscheiden, welche Sprachfehler aufgrund welcher verletzten Region auftreten.
Abschließend wollen wir kurz auf einige Punkte aufmerksam machen, die in der
Literatur nicht eindeutig zu sein scheinen und eine zusammenfassende Stellungs-
nahme ergänzen.
II
Merkmale der beiden Sprachen
In dem ersten Abschnitt unserer Arbeit wollen wir die Grundstrukturen von Laut- und
Gebärdensprache skizzieren, um einen Einblick in diese beiden Sprachsysteme zu
geben.
Allgemein soll Sprache hierbei ,,als konventionelles Zeichensystem definiert werden,
dessen Elemente eine bestimmte Struktur aufweisen, nach bestimmten Regeln
miteinander verknüpft werden und im Sinne der symbolischen Interaktion der
zwischenmenschlichen und intrapersonellen Verständigung dienen" (Wisch 1990:
21).
3
II.1 Lautsprache
Als erstes werden nun die strukturellen Grundlagen der Lautsprache erläutert, um
diese dann auch bei der Gebärdensprache zu untersuchen.
II.1.1 Phonologie
Wenn die Phonologie der Lautsprache betrachtet werden soll, muss streng
genommen auch die Phonetik berücksichtigt werden, da diese beiden Teilgebiete
sehr häufig miteinander verflochten sind. Die Phonologie betrachtet die kleinsten
bedeutungsunterscheidenden Einheiten, aus denen sich Sprache zusammensetzt. In
der Phonetik geht es um die Umsetzung dieser abstrakten Einheiten in die Form von
konkreten Äußerungen. Hier soll kurz erwähnt werden, dass die Phonetik in drei
Teilgebiete unterteilt werden kann: 1. die auditive Phonetik, die sich ,,mit der
Rezeption und Analyse sprachlicher Zeichen durch Ohr, Nervenbahnen und Gehirn"
befasst (Wisch: 22), also mit der Wahrnehmung von Lautsprache. 2. die akustische
Phonetik, für die ,,die Laute in ihren physikalischen Eigenschaften wie Intensität,
Frequenz und Dauer im Vordergrund" stehen (Wisch: 22), d.h. das erzeugte Produkt
des Sprechapparats. Und 3. die artikulatorische Phonetik, die ,,die physiologischen
und aerodynamischen Gegebenheiten, die bei der Produktion von Lautsprache eine
Rolle spielen", untersucht (Willi in Linke 2001: 402).
Die Phonologie beschäftigt sich hingegen mit den Lauten, die von einem Sprecher
einer bestimmten Sprache geäußert werden, und untersucht diese als Elemente des
Lautsystems. Das Phoneminventar besteht aus Phonemen von Konsonanten und
Vokalphonemen. Die klassifizierende Darstellung der Vokale wird in der Form des
Vokalvierecks (Abb.1) realisiert:
Abb.1
4
Hierbei sind folgende Anordnungsmerkmale gegeben: Die Stellung und die Höhe der
Zunge, die Rundung der Lippen und die Länge des Vokals, wobei die Höhe der
Zunge mit der Mundöffnung korrespondiert (geöffneter Mund tiefe Zunge, z.B. bei
[a]; ,,geschlossener" Mund hohe Zunge, z.B. bei [i]). Generell wurde festgestellt,
dass bei Vokalen der Mundraum eigentlich immer offen ist, so dass die Luft
ungehindert durch den Kanal des Ansatzrohrs strömen und so einen ,,satten" Laut
hervorbringen kann. Vorn, zentral und hinten zeigt, an, wo im Mundraum der
jeweilige Vokal artikuliert wird; das [i] wird als höchster und geschlossener Vokal
bezeichnet, das [a] als tiefster und offener Vokal bezeichnet.
Die klassifizierende Darstellung der Konsonanten geschieht durch Artikulationsort
und Artikulatoren. Die anatomisch bedingte Grundstruktur soll kurz durch die
folgende Abbildung 2 gezeigt werden:
Abb.2
W i c h t i g i s t a l s o , w o d e r
konsonantische Laut erzeugt wird
und welche Artikulatoren an der Produktion beteiligt sind. So ist zum Beispiel der
Konsonant [p] ein bilabialer Laut (1), der von der Unterlippe (dem Artikulator) an der
Oberlippe (der Artikulations-stelle) erzeugt wird. Hingegen wäre der Laut [k] ein
5
velarer Laut (8), der vom Zungenrücken, dem Dorsum (Artikulator) am weichen
Gaumen (Artikulationstelle) produziert wird. Allgemein müssen die Artikulatoren bei
der Produktion von Konsonanten eine Enge oder einen Verschluss im Ansatzrohr
bewerkstelligen.
Das Phoneminventar wird ,,durch Segmentierung von Äußerungen" bestimmt (Wisch:
22, Willi: 427), wobei die Funktion der kleinsten bedeutungsunterscheidenden Laute
besonders bei Minimalpaaranalysen zur Geltung kommt. Durch Veränderung jeweils
nur eines Lauts wechselt dadurch zugleich die Wortbedeutung (vgl. Wisch: 25). Zum
Beispiel die Wortreihe Band Hand Wand Land Sand, bei der sich immer nur
ein Konsonant ändert oder, auf Vokalphoneme bezogen, die Wortreihe Tür Tor
Tier Teer.
Wisch weist nun darauf hin, dass Sprache eigentlich erst beginnt, wenn sich Laute
mit Bedeutung verbinden (Wisch: 25). Dieser Gesichtspunkt der Bedeutung wird in
dem Bereich der Morphologie deutlicher.
II.1.2 Morphologie
Aus dem Phoneminventar des Deutschen (ca. 40 Phoneme) lassen sich nahezu
unendlich viele Kombinationen bilden. ,,Für das Funktionieren einer Sprache sind
also in erster Linie die Phonemkombinationen wichtig, die eine bestimmte Bedeutung
transportieren (Morpheme)" (Wisch: 26). Die so genannten Morpheme bestehen
demnach aus einem oder mehreren Phonemen und haben eine bedeutungstragende
Funktion. Um die Morpheme zu analysieren, werden Segmentierung und
Gegenüberstellung von Minimalpaaren genutzt. Nach Wisch wird zwischen freien
und gebundenen Morphemen unterschieden (vgl. Wisch: 26): Freie Morpheme sind
zum einen lexikalische Morpheme mit einer eigenen Referenz wie z.B. ,,rot" oder
,,Streit". Zum anderen sind es deiktische Morpheme, die eine mittelbare Referenz
aufweisen wie z.B. ,,dein", ,,dies" oder ,,hier". Die gebundenen Morpheme sind im
Gegensatz zu den freien Morphemen unselbständig und haben eine kategoriale
Bedeutung. Dies sind auf der einen Seite die Flexionsmorpheme wie in ,,sag-en" oder
,,sag-ten", auf der anderen Seite die Wortbildungsmorpheme wie in ,,end-lich" oder
,,be-halten".
6
,,Die gebundenen Morpheme ermöglichen durch vielfache Kombinationen mit freien
Morphemen die Erzeugung [...] unendlich vieler neuer Bedeutungen" (Wisch: 27). So
kann auch formuliert werden, dass sich die Wortbildung im Deutschen durch
Verknüpfung der verschiedenen Morpheme vollzieht. Nach Wisch kann als weiterer
Aspekt der Morphologie die Klassifizierung von Wortarten (wie Verben, Substantiven,
Adjektiven) angesehen werden. Hierbei ist zu beachten, dass ,,die verschiedenen
Wortarten [...] im Rahmen einer systematischen Wortbildung auch ineinander
überführt werden" können (Wisch: 28). Beispiel für eine Umsetzung von Adjektiv zu
Substantiv wäre ,,hoch das Hoch" oder für eine syntaktische Konversion ,,neues
Denken etwas Neues". Außer diesen beiden Fällen gibt es weitere Strukturtypen
der Wortbildung wie z.B. die Neuprägungen (,,Autobus" ,,Bus"), die Kompositionen
(,,blitz-schnell") oder auch die Ableitungen (,,Er-zieh-ung", ,,Er-zieh-er"). So beschreibt
Wisch den kreativen Aspekt von Sprache folgendermaßen: ,,Eine jede Sprache lebt
davon, daß sie mit Hilfe endlicher Mittel immer wieder neue Sprachzeichen erzeugen
kann" (Wisch: 28).
Dies zeigt sich besonders auch, wie oben bereits dargestellt, in der
Flexionsmorphologie. Die Flexion (Beugung) beschreibt die formale Veränderung von
Wörtern zum Ausdruck grammatischer Kategorien und lässt sich in drei
Flexionstypen gliedern (vgl. Wisch: 28): 1. die Konjugation von Verben (sag-e, sag-
en, sag-te...), 2. die Deklination von Nomen (die Bäu-me, den Bäu-men, den Bäu-
men...) und 3. die Komparation von Adjektiven (Positiv: schön, Komparativ: schön-er,
Superlativ: am schön-sten). Bei diesen Beispielen lässt sich gut erkennen, dass
Bedeutungen aufgrund kleinster Änderungen hier im Ablaut wechseln können.
Um nun die unendlich vielen Kombinationen für die Kommunikation zu nutzen, muss
die nächste höhere Ebene in der Grammatik betrachtet werden der Satz. Hiermit
beschäftigt sich der Syntaxbereich, ,,der in hohem Maße durch morphologische
Prozesse, insbesondere das Mittel der Flexion, gesteuert wird" (Wisch: 29).
II.1.3 Syntax
Nachdem man aus Phonemen Morpheme gebildet hat, waren die Morpheme
Grundlage für die Wörter. Der Satz, als komplexe syntaktische Einheit, wird nun aus
Wörtern gebildet. Nach Wisch ist er ,,als kleinste[r] selbständige[r] und vollständige[r]
7
Teil sprachlicher Äußerungen" anzusehen (Wisch: 30). Als Zwischengröße zwischen
Wort und Satz lassen sich die Satzglieder ansiedeln: Dies sind das Subjekt (der
Handlungsträger), das Objekt (das Handlungsziel), das Prädikat (der
Handlungsvorgang, der verbale Satzkern), das Präpositionalobjekt (die adverbiale
Bestimmung) und das Attribut (die Beifügung) (vgl. Wisch: 30). So kann ein Satz z.B.
auf folgende Arten analysiert werden:
In der Konstituentengrammatik oder auch der Generativen Transformations-
grammatik kann der Satz in einer Stammbaumform dargestellt und zerlegt werden:
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