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Bietet die Rational-Choice-Theorie im Bezug auf das Wahlparadoxon überzeugende Lösungsansätze?

Termpaper, 2006, 16 Pages
Author: Elke Vetter
Subject: Politics - Methods, Research

Details

Event: Proseminar: Rational Choice-Ansätze in der Politikwissenschaft
Institution/College: University of Stuttgart
Tags: Bietet, Rational-Choice-Theorie, Bezug, Wahlparadoxon, Lösungsansätze, Proseminar, Rational, Choice-Ansätze, Politikwissenschaft
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V115882
ISBN (E-book): 978-3-640-17447-8
ISBN (Book): 978-3-640-27809-1
File size: 88 KB

Abstract

Rational Choice hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einem wichtigen Forschungsprogramm entwickelt. Die Übernahme von Annahmen aus der Ökonomie macht es auch den Sozialwissenschaften möglich, mit einfachen und sparsamen Modellen und unter Einbeziehung individueller Handlungen Makro- Phänomene zu erklären. Die Verknüpfung von Rational-Choice-Grundannahmen mit der traditionellen Politik-wissenschaft führte zur neuen Forschungsrichtung der Ökonomischen Theorie der Politik, auch Public Choice genannt. Mit diesem Programm wird es möglich, politische Prozesse mit Hilfe wirtschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden zu verstehen, zu erklären und zu prognostizieren (vgl. Braun 1999: 53). Anthony Downs hat mit seinem bereits 1957 erschienenen Werk „An Economic Theory Of Democracy“ einen Grundstein für die Schule der ökonomischen Theorie der Politik gelegt. In dem Buch analysiert Downs die in einer Demokratie wesentlichen Akteure und erklärt ihr Verhalten und somit die Existenz der Demokratie auf der Grundlage des aus der Ökonomie bekannten Homo Oeconomicus. Durch den methodologischen Individualismus wird es möglich, Makro-Phänomene in der Politik durch das Handeln rationaler, nutzenmaximierender Akteure zu erklären. Bei der Erklärung der Wahlbeteiligung stößt Downs allerdings auf ein Problem. Da es sich bei der Wahl einer Regierung um ein Kollektivgut handelt, ist es für rationale Akteure im ökonomischen Sinne nicht rational, sich an der Bereitstellung des Gutes, also an der Wahl, zu beteiligen. Die empirische Wirklichkeit zeigt aber mit relativ hohen Wahlbeteiligungsquoten ein ganz anderes Bild auf. Dieser Widerspruch ist in der Literatur als Downs’sches Wahlparadoxon bekannt. [...]


Excerpt (computer-generated)

Bietet die Rational-Choice-Theorie im Bezug auf
das Wahlparadoxon überzeugende
Lösungsansätze?

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG 3
2. DER RATIONALE WÄHLER BEI DOWNS 4
3. DAS WAHLPARADOXON 5
4. LÖSUNGSANSÄTZE 7
4.1 Erweiterung der Modellannahmen 7
4.1.1 Der langfristige Nutzen der Wahlbeteiligung 7
4.1.2 Psychische Gratifikation 8
4.1.3 Neubewertung der Kosten des Wählens 9
4.2 Spieltheoretische Lösungsversuche 10
4.2.1 Wählen als Katz-und-Maus-Spiel 10
4.2.2 Minimizing Maximum Regret 11
4.3 Einschränkung des Geltungsbereichs 12
5. ZUSAMMENFASSUNG 12
LITERATURVERZEICHNIS 14

2

 


1. EINLEITUNG

Rational Choice hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einem wichtigen Forschungsprogramm entwickelt. Die Übernahme von Annahmen aus der Ökonomie macht es auch den Sozialwissenschaften möglich, mit einfachen und sparsamen Modellen und unter Einbeziehung individueller Handlungen Makro-Phänomene zu erklären. Die Verknüpfung von Rational-Choice-Grundannahmen mit der traditionellen Politik-wissenschaft führte zur neuen Forschungsrichtung der Ökonomischen Theorie der Politik, auch Public Choice genannt. Mit diesem Programm wird es möglich, politische Prozesse mit Hilfe wirtschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden zu verstehen, zu erklären und zu prognostizieren (vgl. Braun 1999: 53).

Anthony Downs hat mit seinem bereits 1957 erschienenen Werk ,,An Economic Theory Of Democracy" einen Grundstein für die Schule der ökonomischen Theorie der Politik gelegt. In dem Buch analysiert Downs die in einer Demokratie wesentlichen Akteure und erklärt ihr Verhalten und somit die Existenz der Demokratie auf der Grundlage des aus der Ökonomie bekannten Homo Oeconomicus. Durch den methodologischen Individualismus wird es möglich, Makro-Phänomene in der Politik durch das Handeln rationaler, nutzenmaximierender Akteure zu erklären.

Bei der Erklärung der Wahlbeteiligung stößt Downs allerdings auf ein Problem. Da es sich bei der Wahl einer Regierung um ein Kollektivgut handelt, ist es für rationale Akteure im ökonomischen Sinne nicht rational, sich an der Bereitstellung des Gutes, also an der Wahl, zu beteiligen. Die empirische Wirklichkeit zeigt aber mit relativ hohen Wahlbeteiligungsquoten ein ganz anderes Bild auf. Dieser Widerspruch ist in der Literatur als Downs′sches Wahlparadoxon bekannt.

Welche Bedeutung dem Wahlparadoxon in der Folgezeit zukam ­ und immer noch zukommt ­ ist schon allein an den zahlreichen Werken verschiedenster Autoren zu erkennen, die sich mit dem Wahlparadoxon beschäftigt haben. Downs selbst und viele nach ihm haben mehr oder weniger erfolgreich versucht, der Auflösung des Paradoxons näher zu kommen.

Wenn Downs bei der Konstruktion seines Modells nur ein Fehler unterlaufen ist, müsste das Problem durch Ummodellierung zu lösen sein, ohne dass der Kern der Rational-Choice-Theorie verletzt wird. Sollte dies nicht möglich sein, könnte das Wahlparadoxon ernsthafte Konsequenzen für das gesamte Forschungsprogramm

3

 


Rational Choice haben. Wenn Rational Choice nämlich die Wahlbeteiligung ­ ein überaus bedeutendes Makro-Phänomen der Politik ­ nicht erklären kann, kann es auch seinen allgemeinen Geltungsanspruch für politische Phänomene nicht halten. In dieser Hausarbeit werde ich mich mit den verschiedenen Versuchen beschäftigen, die sich über die Jahre mit der Auflösung des Wahlparadoxon befasst haben. Dazu werde ich zunächst wichtige Grundannahmen Downs′ zum rationalen Wähler erläutern und anschließend das Wahlparadoxon darstellen. Im zweiten Teil werde ich einige Lösungsansätze vorstellen und kritisch analysieren, ob und inwieweit sie in der Lage sind, das Wahlparadoxon aufzulösen. Dabei werde ich mich, um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen, auf einige wenige konzentrieren. Bei meiner Auswahl habe ich mich auf die meiner Meinung nach wichtigsten und auch in der Literatur meist zitierten Lösungsansätze beschränkt. Abschließend werde ich die Ergebnisse der Analyse der Auflösungsversuche kurz zusammenfassen.

2. DER RATIONALE WÄHLER BEI DOWNS

Nach Anthony Downs besteht der demokratische Prozess im Wesentlichen aus zwei Komponenten: den Parteien, die versuchen, möglichst viele Wählerstimmen auf sich zu vereinen, und den Wählern, die nach rationalen Gesichtspunkten beurteilen, ob, und wenn ja wen, sie wählen. Die Wähler wollen den Nutzen, den sie von der zukünftigen Regierung erwarten, maximieren. Rationalität bezieht sich hierbei ausschließlich auf die Mittelwahl, nicht auf die Ziele selbst (vgl. Downs 1968: 4ff). Um überhaupt zu Aussagen über den rationalen Wähler zu kommen, schränkt Downs den Zielbereich auf wirtschaftliche und politische Ziele ein: ,,Wenn es rational ist, sich aus Prestigegründen an einer Wahl zu beteiligen, warum ist dann nicht auch rational zu wählen, um seinem Arbeitgeber oder seiner Freundin eine Freude zu machen? Bald wird dann jedes beliebige Verhalten rational, weil ja jeder Akt ein Mittel zur Erreichung irgendeines Zwecks ist, dem der Handelnde einen Wert zuschreibt. Um dieser sterilen Schlussfolgerung zu entgehen, haben wir nur Handlungen, die auf rein politische oder ökonomische Zwecke gerichtet sind, als rational betrachtet" (Downs 1968: 271).

4

 



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