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Die Erzählstrategien in ausgewählten Romanen von Barry Unsworth

Thesis (M.A.), 2001, 77 Pages
Author: Constanze Cariers
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2001
Pages: 77
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V11592
ISBN (E-book): 978-3-638-17709-2

File size: 249 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Die Erzählstrategien in ausgewählten Romanen von
Barry Unsworth

Magisterarbeit
zur
Erlangung des Grades einer
Magistra Artium

vorgelegt der
philosophischen Fakultät
der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn

von

Constanze Cariers

Gliederung

1. Einleitung ... 4

2. Erzähltheoretische Grundlagen ... 5
2.1. Das Modell Stanzels ... 6
2.1.1. Person ... 10
2.1.2. Perspektive ... 11
2.1.3. Modus ... 14
2.2. Bestimmung der zu verwendenden erzähltheoretischen Begrifflichkeiten ... 16
2.2.1. Erzählsituationen und unreliable narration ... 16
2.2.2. Techniken der Bewußtseinsdarstellung ... 20

3. Barry Unsworth ... 21

4. Morality Play ... 22
4.1. Der Ich-Erzähler ... 23
4.2. Morality Play - ein Kriminalroman? ... 33
4.3. Konklusion ... 47

5. Stone Virgin ... 49
5.1. Die Erzählsituationen ... 50
5.1.1. Die Erzählsituation der ersten Zeitebene ... 50
5.1.2. Die Erzählsituation der zweiten Zeitebene ... 52
5.1.3. Die Erzählsituation der dritten Zeitebene ... 57
5.1.4. Die Erzählsituationen der drei Zeitebenen - ein Vergleich ... 59
5.2. Die thematischen Verbindungen zwischen den Handlungssträngen ... 62
5.2.1. Die Madonnenfigur und das Idealbild der Frau ... 62
5.2.2. Die Symbolik ... 67
5.3. Konklusion ... 71

6. Abschließende Betrachtung ... 72

Bibliographie 7... 6


1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei ausgewählten Romanen von Barry Unsworth, Morality Play und Stone Virgin. Ziel der Arbeit ist es, die angewendeten Erzählstrategien in diesen beiden Romanen zu untersuchen und diese abschließend mit denen der literarischen Strömungen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen. Auch versucht die Arbeit eine Antwort auf die Frage zu geben, warum Unsworths Romane trotz ihres offensichtlichen Erfolges von der Sekundärliteratur weitgehend vernachlässigt worden sind.1

Die Vorgehensweise ist folgende: Zunächst möchte ich die erzähltheoretische Grundlage darlegen, auf die sich die vorliegende Untersuchung stützt. Hier ist es vor allem das Modell Stanzels, das bei der Analyse Anwendung finden soll. Bei der Darlegung dieses Modells werde ich mich vor allem an Ganzmann anlehnen, der in seiner Arbeit über Katherine Mansfield und James Joyce eine präzise und kompakte Darstellung der Ideen Stanzels liefert.2 Im Anschluß möchte ich dann das Modell Stanzels ein wenig erweitern. Bei dieser Erweiterung möchte ich mich vor allem auf Nünning stützen, der besonders auch auf dem Gebiet der unreliable narration aufschlußreich tätig war3. Dieser erweiterte Begriffskatalog soll dann in der Untersuchung der beiden Romane Morality Play und Stone Virgin Anwendung finden. Zur Einführung der Besprechung der beiden Romane möchte ich zunächst einen kurzen Abriß über Unsworths Leben und Schaffen geben. Nach der Analyse der beiden Romane sollen in einer abschließenden Betrachtung die Erzählstrategien beider Romane kurz verglichen und dann eine Einordnung der Romane in die literarischen Strömungen versucht werden. Da jedoch das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit die Untersuchung der Erzählstrategien ist, soll diesem letzten Kapitel relativ wenig Platz eingeräumt werden.

2. Erzähltheoretische Grundlagen
Betrachten wir die zahlreichen Erzähltheorien, die in den letzten 25 Jahren entwickelt wurden, so müssen wir feststellen, daß weder eine einheitliche Terminologie noch eine Synthese der verschiedenen Theorien erarbeitet worden sind. Statt dessen treffen wir auf eine Vielzahl konkurrierender Modelle und Begriffe. Wichtige Namen sind hier Chatman (Story and Discourse (1989)), Booth (The Rhetoric of Fiction (1961)), Stanzel (Theorie des Erzählens (1979)) und Genette (Die Erzählung (1984)). Das Ziel, das alle diese Theoretiker verfolgen, gestaltet sich jedoch sehr ähnlich. Systematisch wird ein Modell entwickelt, mit dessen Hilfe Textstrukturen exakt beschrieben werden können, so daß hiermit die Grundlage für eine solide Erzähltextanalyse geschaffen wird. Ausgangspunkt für die Analyse der Strukturen narrativer Texte ist die Unterscheidung der verschiedenen Ebenen des Textes. Bei dieser Unterscheidung ergeben sich zwei Grundfragen: 1) Was wird erzählt? und 2) Wie wird erzählerisch vermittelt? Die erste Grundfrage (Was wird erzählt?) bezieht sich auf die story, d.h. auf die Ebene der fiktiven Geschichte, also auf die Verbindung der erzählten Ereignisse nach ihrem zeitlichen Ablauf. Die zweite Grundfrage (Wie wird erzählerisch vermittelt?) bezieht sich auf die Art und Weise der Vermittlung im Diskurs des Erzählens. Diese Ebene wird in vielen Modellen als discourse bezeichnet (Chatman 1978; Ludwig 1993). Der Bereich der story läßt sich nun weiter aufgliedern in Ereignisse (events) und Konstituenten der Fiktionswelt (existents), bei denen wiederum zwischen den Figuren (characters) und dem Schauplatz (setting) unterschieden wird4. Die Analyse der Ebene des discourse hingegen fragt nach dem Erzähler, der die fiktiven Ereignisse berichtet, und nach der Perspektive, aus der diese Ereignisse dargestellt werden.

Nünning merkt in seinem Aufsatz „Grundfragen der Erzähltextanalyse“ an, daß die meisten Modelle der Narrativik sich weniger mit der Frage nach dem was eines Erzähltextes beschäftigen, sondern vielmehr versuchen, in schematischer Form zu beschreiben, wie die Geschichte erzählt wird5.

[...]


1 So finden sie lediglich in einigen Veröffentlichungen Ansgar Nünnings (Der englische Roman des 20.Jahrhunderts, Von historischer Fiktion zur historiographischen Metafiktion, „Die Synthese aus Tradition und Innovation im englischen Roman der 1980er und 1990er Jahre“) Erwähnung. Susanne Bacher bespricht zwei seiner Romane im Kindlers Neuen Literatur Lexikon, und Peter Kemp veröffentlichte für den British Council eine vierseitige einführende Broschüre.

2 Ganzmann, Vorbereitung der Moderne, erster Teil

3 Nünning, Ansgar (Hg.), Unreliable Narration

4 vgl.: Nünning, „Grundfragen der Erzählanalyse”, S. 313

5 vgl.: ebd., S. 313

6 ebd., S. 314


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