Untertitel: Popkulturelle Unterhaltung im Kino als politische Arena
Autor: Mag. phil. Erwin Schotzger
Fach: Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Details
Jahr: 2006
Seiten: 160
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 80 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 6233 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-17514-7
ISBN (Buch): 978-3-640-17517-8
Eine DVD mit den Beispiel-Filmsequenzen liegt nicht bei!
Zusammenfassung / Abstract
Der Vergleich der Beatles mit Jesus Christus löste 1966 heftige Proteste in den USA aus. Die Beatles und ihr Sänger John Lennon sahen sich genötigt, eine Pressekonferenz in Chicago an den Anfang ihrer US-Tour zu stellen, um den aus dem Zusammenhang eines Interviews gerissenen Vergleich zu erklären und sich zu entschuldigen. Lennon sagte, er habe das Fernsehen gemeint bzw. die „Beatles“ wie sie von den Leuten gesehen werden. Er habe damit aus seiner eigenen Erfahrung sagen wollen, dass die „Beatles“ als Medienprodukt den Jugendlichen in England damals mehr bedeutet hätten als Jesus oder die Religion, so Lennon auf der Pressekonferenz. Seit dieser Aussage des Beatles-Sängers im Jahr 1966 ist – vor allem mit Blick auf die Populärkultur - vieles passiert. Lennon ist heute eine Ikone der Populärkultur, Rock- und Popmusik sind ebenso wenig verschwunden wie Religion und Christentum. Populärkultur ist heute jedoch allgegenwärtig. Die Beatles und andere „Popstars“ – wie sie heute genannt werden – waren 1966 wie auch das Fernsehen noch ein relativ neues Phänomen. Heute prägen das Fernsehen und Populärkultur (wovon Popmusik nur ein Teilbereich ist) den Lebensalltag in der Mediendemokratie. Medienprominenz vom Moderator über Schauspieler, Musiker, Politiker bis hin zu fiktiven Figuren besuchen uns täglich in unseren Wohnzimmern, kommunizieren mit uns via Radio, Internet oder Presse. Kritiker verweisen auf den zunehmend dominanten Unterhaltungscharakter der medial produzierten Öffentlichkeit („Unterhaltungsöffentlichkeit“). Dieser Trend zur Unterhaltung ist in den vergangenen Jahren zunehmend vor dem Hintergrund der Entpolitisierung diskutiert worden: der Entpolitisierung von Öffentlichkeit wie auch der Entpolitisierung von Politik selbst zur rein Effekt haschenden Show-Politik. Jugend und Unterhaltung waren in den vergangenen Jahren in der Diskussion um die zunehmende Politikverdrossenheit in modernen Mediengesellschaften meist der Sündenbock oder zumindest einer der üblichen Verdächtigen, wenn es darum ging, die Ursachen für diese Entwicklung zu ergründen.
Textauszug (computergeneriert)
,,Bigger than life"
Popkulturelle Unterhaltung im Kino als politische Arena
DIPLOMARBEIT
zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie
an der Fakultät für Sozialwissenschaften
der Universität Wien
Eingereicht von:
Erwin Schotzger
Institut für Politikwissenschaft
Universität Wien
Juni 2006
2
Für Tanja
3
Inhalt
1
Einleitung 6
1.1
Forschungsfragen 8
1.2
Thesen 9
2
Zum Politikbegriff 11
2.1
Traditioneller Politikbegriff 12
2.2
Entgrenzter Politikbegriff 14
2.3
Politik Kultur Politische Kultur 15
3
Politik- und Demokratiemodelle 19
3.1
Abschied von der Parteiendemokratie 19
3.1.1 Wandlung der Parteiendemokratie 21
3.1.1.1 Individualisierung 21
3.1.1.2 Mediatisierung 24
3.1.1.2.1 Beschleunigung 26
3.1.1.2.2 Distanzierung bzw. Entfremdung 28
3.1.1.2.3 Bildkultur 30
3.2
Deliberative Demokratie? 32
3.2.1 Das Modell der deliberativen Demokratie 32
3.2.2 Kritik am deliberativen Demokratiemodell 35
3.2.2.1 Ungleichheit und diskursive Macht 35
3.2.2.2 Diskursbegriff 37
3.2.2.3 Privilegierung der Vernunft als Grundlage politischer Entscheidung 40
3.2.3 Exkurs: Fragwürdiger Gegensatz Vernunft/ Emotion 42
3.2.3.1 Vernunft - Gefühl 43
3.2.3.2 Gefühle als Faktoren der Urteilsbildung 47
3.2.4 Zwischenresümee 50
3.3
Mediendemokratie 51
3.3.1 Massenmediale Öffentlichkeit 52
3.3.2 Inszenierungspotenzial als Zugangskriterium 54
3.3.3 Komplexitätsreduktion 56
3.3.3.1 Symbolisierung und Personalisierung 56
3.3.3.1.1 Personalisierung 58
3.3.3.2 Unterhaltungsöffentlichkeit 62
4
3.3.3.2.1 Rezeption von Unterhaltung 66
3.3.3.2.2 Identitätsbezug von Unterhaltung 67
3.3.3.2.3 Fiktionale Unterhaltung und Realität 69
4
Populärkultur und populäre Urteilskraft 71
4.1
Populärkultur, Bedeutung und Widerstand 71
4.2
Politik und Populärkultur 74
4.3
Populäre Urteilskraft 75
5
Popkulturelle Unterhaltung im Kino als politische Arena 79
5.1
Fragestellung und Methode 79
5.2
Politische Diskurse im Kino am Beispiel der Neoliberalismus-Debatte 81
5.2.1 Zum Begriff Neoliberalismus 83
5.2.2 Diskursiver Kontext 86
5.3
Filmanalysen 89
5.3.1 Fiktionaler Film 89
5.3.2 Zum Film ,,Fight Club" 90
5.3.2.1 Inhalt 90
5.3.2.2 Medienreaktionen 91
5.3.2.3 Hintergrund und Entstehung 92
5.3.3 Zum Film ,,Die fetten Jahre sind vorbei" 93
5.3.3.1 Inhalt 93
5.3.3.2 Hintergrund und Entstehung 95
5.3.3.3 Medienreaktionen 97
5.3.4 Identität und der Wert des Menschen 98
5.3.4.1 Fight Club: Ikea-Nestbautrieb und Selbsthilfegruppen (DVD Szene 1) 100
5.3.4.2 Fight Club: Formel zum Wert des Menschen (DVD Szene 2) 102
5.3.4.3 Fight Club: Sinnstiftung und Vereinfachung im Fight Club (DVD Szene 4) 104
5.3.4.4 Die fetten Jahre: Private Revolten als Identitätsprojekte (DVD Szene 7) 105
5.3.4.5 Die fetten Jahre: Erdrückende Ungleichheit (DVD Szene 8) 107
5.3.5 Demontage neoliberaler Rhetorik und Metaphern 110
5.3.5.1 Fight Club: Besprechungsszene (DVD Szene 3) 111
5.3.5.2 Fight Club: Leere Versprechungen (DVD Szene 5) 112
5.3.5.3 Die fetten Jahre sind vorbei: Semiotischer Gegenangriff 114
5.3.5.4 Moralische Demontage des Systems 115
5.3.6 Rebellion und Widerstand im Film als Indikator einer Politisierung 118
5.3.6.1 Rebellion der Widersprüche 118
5
5.3.6.2 Widerstand und Gewalt 120
5.3.7 Dokumentarfilm 122
5.3.8 Fahrenheit 9/11 125
5.3.8.1 Inhalt 125
5.3.8.2 Zur Person Michael Moore 126
5.3.8.3 Medien und diskursiver Kontext 126
5.3.8.4 Filmanalyse Fahrenheit 9/11 129
5.3.8.4.2 Konstruktion einer kohärenten Geschichte 132
5.3.8.4.3 Inszenierte Emotionalität 134
5.3.8.4.4 Dramaturgie des Bildes 135
5.3.8.4.5 Mediensozialisation und Verschwörungstheorien 137
5.3.8.5 Michael Moore und die Folgen 139
5.4
Politisches Interesse und Aktivität im Modus der Unterhaltung 142
6
Befunde zu Fragestellung und Thesen 146
6.1.1 Forschungsfrage 1: Kann Unterhaltung politische Informationen vermitteln? 146
6.1.2 Forschungsfrage 2: Kann Unterhaltung politische Diskurse beeinflussen? 146
6.1.3 Forschungsfrage 3: Findet eine Politisierung der Populärkultur statt, die Unterhaltung
zunehmend zu einer politischen Arena macht? 147
6.1.4 These 1: Neues Politikverständnis jenseits des politisch-administrativen Systems 148
6.1.5 These 2: Politisierung der Populärkultur durch die Diskrepanz zwischen politisch verkündeter
und alltäglicher Realität 149
7
Resümee: Unterhaltung und Politik 150
8
Literatur 153
8.1
Verwendete Abkürzungen 158
8.2
Bildernachweis 159
6
1 Einleitung
"We′re more popular than Jesus now; I don′t know which will go first - Rock ′n′ roll or
Christianity."
John Lennon
(in einem Interview mit dem London Evening Standard im Jahr 1966)
Der Vergleich der Beatles mit Jesus Christus löste 1966 heftige Proteste in den USA aus.
Die Beatles und ihr Sänger John Lennon sahen sich genötigt, eine Pressekonferenz in
Chicago an den Anfang ihrer US-Tour zu stellen, um den aus dem Zusammenhang eines
Interviews gerissenen Vergleich zu erklären und sich zu entschuldigen. Lennon sagte, er
habe das Fernsehen gemeint bzw. die ,,Beatles" wie sie von den Leuten gesehen werden.
Er habe damit aus seiner eigenen Erfahrung sagen wollen, dass die ,,Beatles" als
Medienprodukt den Jugendlichen in England damals mehr bedeutet hätten als Jesus oder
die Religion, so Lennon auf der Pressekonferenz. Seit dieser Aussage des Beatles-Sängers
im Jahr 1966 ist vor allem mit Blick auf die Populärkultur - vieles passiert. Lennon ist
heute eine Ikone der Populärkultur, Rock- und Popmusik sind ebenso wenig verschwunden
wie Religion und Christentum. Populärkultur ist heute jedoch allgegenwärtig. Die Beatles
und andere ,,Popstars" wie sie heute genannt werden waren 1966 wie auch das
Fernsehen noch ein relativ neues Phänomen. Heute prägen das Fernsehen und
Populärkultur (wovon Popmusik nur ein Teilbereich ist) den Lebensalltag in der
Mediendemokratie. Medienprominenz vom Moderator über Schauspieler, Musiker,
Politiker bis hin zu fiktiven Figuren besuchen uns täglich in unseren Wohnzimmern,
kommunizieren mit uns via Radio, Internet oder Presse. Kritiker verweisen auf den
zunehmend dominanten Unterhaltungscharakter der medial produzierten Öffentlichkeit
(,,Unterhaltungsöffentlichkeit"). Dieser Trend zur Unterhaltung ist in den vergangenen
Jahren zunehmend vor dem Hintergrund der Entpolitisierung diskutiert worden: der
Entpolitisierung von Öffentlichkeit wie auch der Entpolitisierung von Politik selbst zur
rein Effekt haschenden Show-Politik. Jugend und Unterhaltung waren in den vergangenen
Jahren in der Diskussion um die zunehmende Politikverdrossenheit in modernen
Mediengesellschaften meist der Sündenbock oder zumindest einer der üblichen
Verdächtigen, wenn es darum ging, die Ursachen für diese Entwicklung zu ergründen.
Jugend vor allem deshalb, weil das sinkende Interesse am politischen Geschehen in der
7
Demokratie zwar ein allgemeines Phänomen aller Alters- und Bevölkerungsgruppen ist,
aber das Desinteresse an Politik bei jungen Menschen am größten zu sein scheint und
dieser Trend offenbar auch als ein Blick in die Zukunft der Demokratie verstanden wird.
Das Fokussieren dieser Diskussion auf ,,die Jugend" mag auch mit der größeren
Unterhaltungsaffinität jüngerer Altersgruppen zu tun haben. Jedenfalls ist das Verhältnis
der ,,Jugend", was auch immer darunter zu verstehen ist, immer wieder im Fokus des
Interesses, wenn es um Politik- und Parteienverdrossenheit geht. Die Ursachen für die
zunehmende Distanzierung der Bürger, insbesondere der Jugendlichen und jungen
Erwachsenen, von der Politik wurde in den vergangenen Jahren unter anderem vor dem
Hintergrund von Spaß- und Erlebnisgesellschaft diskutiert. Dabei ist der Aspekt der
Unterhaltung zunehmend ins Rampenlicht der Betrachtung gerückt. Politik müsse nicht
mehr überzeugen, sondern unterhalten. Der Jugend (Stichwort: Spaßgeneration) wurde von
verschiedenen Seiten attestiert, unpolitisch und hauptsächlich an popkultureller
Unterhaltung interessiert zu sein. Dieser Logik folgend hat auch Politik Unterhaltung als
ein Instrument politischer Kommunikation erkannt und in den vergangenen Jahren
verstärkt genutzt. Dieser in der Mediendemokratie nahe liegende Schritt in die Arena
popkultureller Unterhaltung brachte der Politik die Kritik der Entpolitisierung (Stichwort:
Show-Politik) ein: Der Fokus auf Inszenierung und Symbolik gehe zu Lasten der
Vermittlung von Inhalten.
Politik betritt also eine Arena der massenmedialen Sinnstiftung, in der andere Regeln
herrschen als auf der traditionellen Bühne der Politik. Gleichzeitig stellt sich gerade in den
vergangenen Jahren heraus, dass der als eher unpolitisch gesehene Bereich popkultureller
Unterhaltung sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Polarisierung wieder zunehmend
politisiert. Das ist sicherlich kein gänzlich neues Phänomen (man denke nur an die 1970er-
Jahre), aber angesichts der Betonung der ,,Entpolitisierung" im Zuge der Spaßgesellschaft
in den 1990er-Jahren und in Verbindung mit der zunehmenden Nutzung der Unterhaltung
als Instrument politischer Kommunikation durchaus eine interessante Entwicklung, die
eine detaillierte Betrachtung verdient. Dabei stellt sich heraus, dass es nur sehr wenige
Erhebungen zum Einfluss popkultureller Unterhaltung auf Politikwahrnehmung,
Meinungsbildung und politische Diskurse gibt. Fundiertes Datenmaterial gibt es über die
Rezeption von explizit politischen Inhalten im dominierenden Massenmedium Fernsehen,
8
beispielsweise über TV-Nachrichten und Reportagen. Erst in der jüngsten Vergangenheit
sind (zumindest im deutschsprachigen Raum) Untersuchungen über die Rezeption von
Unterhaltungsformaten wie Daily Soaps, Talkshows und TV-Serien hinzugekommen.
Insbesondere die Untersuchungen von Andreas Dörner sind hier zu erwähnen (Dörner
2000, 2001).
In meiner Arbeit möchte ich politische Diskurse in Form von Medienunterhaltung
untersuchen und der Frage nachgehen, ob diese politischen Diskurse im
Unterhaltungsformat
relevante
Auswirkungen
auf
allgemeine
Prozesse
der
Meinungsbildung und Entscheidungsfindung haben können. Im ersten Kapitel werde ich
zunächst den der Arbeit zugrunde liegenden Politikbegriff beschreiben, den ich im
wesentlichen von Ulrich Beck, Studien zum Politikverständnis von Jugendlichen sowie
den Cultural Studies ableite. Im theoretischen Abschnitt stehen Politik- und
Demokratiemodelle im Zentrum. Beginnend bei der traditionellen Parteiendemokratie
werde ich politische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse skizzieren, die dieses
Modell obsolet erscheinen lassen. Über eine Kritik des Modells der deliberativen
Demokratie soll herausgearbeitet werden, dass eine zunehmende Emotionalisierung der
Politik auch zu einer Politisierung der Populärkultur führt bzw. führen kann. Die
Dichotomien Vernunft/Emotion und Information/Unterhaltung werden in Frage gestellt
und die immer fließender werdenden Grenzen dieser scheinbaren Gegensätze anhand der
Konzepte der Mediendemokratie und der Populärkultur dargestellt. Im filmanalytischen
Teil der Arbeit will ich an drei Beispielen aus dem Bereich des populären Kinos zeigen,
wie Medienunterhaltung Menschen einerseits ermöglicht aktiv politisch Stellung zu
beziehen und andererseits Sinnstiftungen von politischer Relevanz anbietet.
1.1 Forschungsfragen
Ziel meiner Arbeit ist nicht die Untersuchung von ,,Politainment", die bereits im
gleichnamigen Buch von Dörner in hervorragender Weise vorliegt. Das
Forschungsinteresse meiner Arbeit gilt der anderen Seite, nämlich der Populärkultur wie
sie aus Produktionen der Unterhaltungsindustrie und der Rezeption der Konsumenten
entsteht. Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob Unterhaltung eigentlich politische
9
Informationen vermitteln kann, die auch eine Relevanz für die alltägliche politische
Meinungsbildung und Entscheidungsfindung der Menschen hat? Die nächste Frage liegt
nahe: Wenn Unterhaltung politisch relevante Informationen vermittelt, wie wirken sich
diese Informationen auf politische Prozesse in der Demokratie aus? Hat die Darstellung
von Politik im Kino (und darüber hinaus generell in Unterhaltungsformaten) Einfluss auf
die Meinungen und Bilder, die sich Menschen von Politik machen? Kann popkulturelle
Medienunterhaltung politische Diskurse beeinflussen, ihnen einen Drall in die eine oder
andere Richtung geben? Diesen Fragen möchte ich am Beispiel von drei populären
Kinofilmen (,,Fight Club", ,,Die fetten Jahre sind vorbei", Fahrenheit 9/11") nachgehen.
Die Analyse und Interpretation dieser Filme soll zudem auch die Rolle der popkulturellen
Medienunterhaltung als politische Arena aus der Sicht von Produzenten und Rezipienten
näher beleuchten und die These von der Politisierung der Populärkultur untersuchen. An
dieser Politisierung der Populärkultur interessiert mich vor allem der politische Widerstand
bzw. die Artikulation abweichender politischer Meinungen angesichts einer wachsenden
gesellschaftlichen Polarisierung bei gleichzeitig immer monolithischer wirkender
Programmatik der politischen Eliten.
1.2 Thesen
Diesen drei Forschungsfragen liegen Thesen zugrunde, die sich in zwei Bereiche gliedern
lassen. Der erste Bereich bezieht sich auf den Politikbegriff, der zweite auf den Einfluss
der Populärkultur auf politische Diskurse in der Mediendemokratie. Im ersten Bereich
vertrete ich die These, dass politisches Interesse und politische Aktivität heute nicht mehr
nach traditionellen Merkmalen klassifiziert werden können, die sich am politisch-
administrativen System orientieren (,,dem als politisch Etikettierten", Ulrich Beck). Die
Orientierung des Lebensalltages der Menschen an Spaß, Unterhaltung und persönlichem
Nutzen stellt demnach keinen Widerspruch zu politischem Interesse und politischer
Aktivität dar.
Die zweite These geht von einer zunehmenden Politisierung im Unterhaltungssektor aus.
Popkulturelle Medienunterhaltung wird demnach vor dem Hintergrund gesellschaftlicher
Polarisierung zu einer politischen Arena. Das soll am Beispiel des neoliberalen Diskurses
in den genannten Kinofilmen untersucht werden. Verstärkt wird dieser Trend durch den
10
deliberativen Anspruch neoliberaler Reformpolitik, die den Kriterien einer populären
Urteilskraft nicht entspricht und daher zu Desinteresse am politisch-administrativen
System führt, nicht aber am Politischen. Populäre Urteilskraft baut auf Alltagsrelevanz,
Sinnstiftung und Vergnügen (pleasure) auf. Politisches Interesse und politische Aktivität
kann daher auch in Form von popkultureller Medienunterhaltung stattfinden, die mitunter
eher der alltäglich erlebten Realität der Menschen entspricht als die von der traditionellen
Politik verkündete Realität.
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