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Diploma Thesis, 2008, 237 Pages
Author: Mag. (Phil) Theresa Dann
Subject: Art - Painting
Details
Tags: Kunst, Malerei, Leben, Robert, Zeppel-Sperl
Year: 2008
Pages: 237
Grade: 2
Bibliography: ~ 177 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-18595-5
ISBN (Book): 978-3-640-18796-6
File size: 10155 KB
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Abstract
Die Arbeiten Robert Zeppel-Sperls1 erweckten erstmals Aufmerksamkeit, als Otto Breicha diese gemeinsam mit denen von Wolfgang Herzig2, Martha Jungwirth3, Kurt Kocherscheidt4, Peter Pongratz5 und Franz Ringel6 unter dem Titel „Wirklichkeiten“ 1968 in der Wiener Secession der Öffentlichkeit zugänglich machte. Von Robert Zeppel-Sperls Schaffen vor besagtem Jahr gibt es so gut wie keine Informationen. Bekannt ist nur, dass er mit 17 Jahren beschloss Maler zu werden und laut Literatur zwischen 1962 und 1968 in Wien an der Akademie der Künste bei Prof. Christian Martin, Prof. Max Melcher und Prof. Max Weiler studierte.7 Otto Breicha, der Verfasser der einzigen beiden erschienen Publikationen über Robert Zeppel-Sperl, beschrieb das Werk des Künstlers als eine Mischung aus Pop, Phantasmagorie, Naivität und Realistik. Er nannte als typische Gestaltungsmerkmale seiner Bilder den Bild-im-Bild Stil, übereinandergestapelte Bildbühnen, systematische Unordnung sowie Erotik und interpretierte die „vollgestopften“ Bilder als Zeugnis eines ausgeprägten Ideenreichtums, als Novum, das den Ausweg aus der bisherigen Malerei garantieren sollte.8 Robert Zeppel-Sperl sprach in einem Interview, in der ihm typischen, durchaus direkten Art und Weise, von seinen Vorbildern: „Angefangen habe ich in der Art der Wiener Schule, da war am leichtesten anzuschließen. Dann habe ich mich immer mehr mit dem eigentlichen Surrealismus auseinandergesetzt, aber auch mit den eher expressionistischen Sachen. Die ‚Erleuchtung‘ kam mir aber vom Maler Antes. Er hat damals auf der Biennale in Venedig einen großen Preis gekriegt. Und ich bekam einen Katalog in die Hand und dachte mir: In diese Richtung kann es auch weitergehen. … Ich habe mich dann ziemlich mit Beckmann und Nolde auseinandergesetzt.
Excerpt (computer-generated)
DIPLOMARBEIT
Titel der Diplomarbeit
,,Robert Zeppel-Sperl"
Verfasserin
Theresa Dann
angestrebter akademischer Grad
Magistra der Philosophie (Mag. Phil.)
Wien, im April 2008
Studienkennzahl lt. Studienblatt:
A 315
Studienrichtung lt. Studienblatt:
Kunstgeschichte
Danksagung
Ich möchte an dieser Stelle meinen Eltern, Edith und Klaus Dann, danken, die mir immer geraten haben, das zu tun was mir Freude macht und die mich auch finanziell immer unterstützt haben. Darüber hinaus danke ich Frau Prof. Dr. Martina Pippal für die Übernahme meines Diplomarbeitsthemas. Ich danke meinen Interview- und Gesprächspartnern Helga Hauser, Elfriede Jelinek, Groll Serafin, Marianne Zeppel-Sperl und einem Sammler, der leider ungenannt bleiben möchte für ihre Zeit, ihre Geduld und ihre individuellen Ideen und Anregungen zum Leben und Schaffen Robert Zeppel-Sperls. Außerdem danke ich meiner Schwester Flora Dann und meiner Cousine Alice Wittmann für ihre Unterstützung bei den Interviews, ihr habt mir geholfen den Überblick zu bewahren. Großen Dank schulde ich den Korrekturleserinnen meiner Arbeit: meiner Mutter Edith, meiner Tante Margit Indra sowie meiner Cousine Ingrid Indra. Großer Dank gebührt auch meinem Freund Rudolf für alles.
Seite 2
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 5
1.1. Forschungsfrage, Herangehensweise und Zielsetzung 7
2. DAS SCHAFFENSUMFELD VON ROBERT ZEPPEL-SPERL 8
2.1. Die 1960er Jahre 8
2.2. Die Kunst der 1960er Jahre in Österreich 11
2.2.1. Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus 12
2.2.2. Die Abstrakten 14
2.2.3. Der Wiener Aktionismus 17
2.2.4. Art brut 20
3. DIE WERKE ROBERT ZEPPEL-SPERLS 22
3.1. Die Zeit an der Akademie 23
3.1.1. Die Werke von 1962 bis 1965 23
3.1.1.1. Beeinflussung 27
3.1.1.1.1. Beeinflussung durch Herbert Boeckl 27
3.1.1.1.2. Beeinflussung durch die Professoren Maximilian Melcher und Max Weiler 30
3.1.1.1.3. Beeinflussung durch die Wiener Schule des Phantastischen Realismus 33
3.1.2. Die Werke von 1966 bis 1968 35
3.1.2.1. Beeinflussung 39
3.1.2.1.1. Beeinflussung durch die Expressionisten und ihr Umfeld 40
3.1.2.1.2. Beeinflussung durch den Surrealismus 50
3.1.2.1.3. Beeinflussung durch Georges Braque und Heinrich Campendonk 55
3.1.2.1.4. Beeinflussung durch Horst Antes 58
3.1.2.1.5. Beeinflussung durch die Romantiker 62
3.1.2.1.6. Beeinflussung durch die Mitglieder der Wirklichkeiten 66
3.1.3. Die Zeit an der Akademie: Die Eigenständigkeit des Werkes 71
3.1.4. Motive aus der Akademiezeit 72
3.1.4.1. Die menschliche Figur 72
3.1.4.2. Das Motiv der Frau 73
3.1.4.3. Das Motiv der mystischen Wesen 79
3.1.4.4. Selbstbildnisse 80
3.1.4.5. Tiermotive 81
3.1.5. Stil in der akademischen Phase 81
3.1.5.1. Flächigkeit und Bild-im-Bild 82
3.1.5.2. Die Kolorierung 82
3.2. Die Zeit in Venedig von 1969 bis 1976 83
3.2.1. Die Werke von 1969 bis 1976 83
3.2.2. Die stilistischen Veränderungen in Venedig 89
3.2.3. Die Motive in Venedig 90
3.2.3.1. Die Frau 90
3.2.3.2. Tiermotiv 92
3.2.3.3. Selbstbildnis 92
3.3. Die Zeit ab dem ersten Amerikabesuch von 1977 bis 1988 93
3.3.1. Die Werke von 1977 bis 1988 94
3.3.2. Die stilistischen Veränderungen in der Zeit von 1977 bis 1988 99
3.3.3. Die motivischen Veränderungen in der Zeit von 1977 bis 1988 100
3.3.3.1. Die Frau 100
3.3.3.2. Selbstdarstellung 100
3.3.3.3. Der Mann 101
3.3.3.4. Die Bilderwand 101
Seite 3
3.4. Die Zeit ab der ersten Balireise von 1989 bis 2005 102
3.4.1. Das Werk von 1989 bis 2005 103
3.4.2. Die stilistischen Veränderungen in der Zeit von 1989 bis 2005 108
3.4.2.1. Die Kolorierung 108
3.4.2.2. Der Einsatz der Décalcomanie 109
3.4.3. Die motivischen Veränderungen von 1989 bis 2005: 110
4. NAIVE TENDENZEN IM WERK ROBERT ZEPPEL-SPERLS 111
5. RESÜMEE 119
6. BIOGRAFIE 126
7. INTERVIEWS 137
7.1. Interview mit Helga Hauser, 29.01.2007 137
7.2. Interview mit Marianne Zeppel-Sperl, 26.04.2007 143
7.3. Interview mit Elfriede Jelinek, 22.06.2007 147
BIBLIOGRAFIE 150
ABBILDUNGSNACHWEIS 163
ABBILDUNGEN 173
Seite 4
1. EINLEITUNG
Die Arbeiten Robert Zeppel-Sperls1 erweckten erstmals Aufmerksamkeit, als Otto Breicha diese gemeinsam mit denen von Wolfgang Herzig2, Martha Jungwirth3, Kurt Kocherscheidt4, Peter Pongratz5 und Franz Ringel6 unter dem Titel ,,Wirklichkeiten" 1968 in der Wiener Secession der Öffentlichkeit zugänglich machte. Von Robert Zeppel-Sperls Schaffen vor besagtem Jahr gibt es so gut wie keine Informationen. Bekannt ist nur, dass er mit 17 Jahren beschloss Maler zu werden und laut Literatur zwischen 1962 und 1968 in Wien an der Akademie der Künste bei Prof. Christian Martin, Prof. Max Melcher und Prof. Max Weiler studierte.7 Otto Breicha, der Verfasser der einzigen beiden erschienen Publikationen über Robert Zeppel-Sperl, beschrieb das Werk des Künstlers als eine Mischung aus Pop, Phantasmagorie, Naivität und Realistik. Er nannte als typische Gestaltungsmerkmale seiner Bilder den Bild-im-Bild Stil, übereinandergestapelte Bildbühnen, systematische Unordnung sowie Erotik und interpretierte die ,,vollgestopften" Bilder als Zeugnis eines ausgeprägten Ideenreichtums, als Novum, das den Ausweg aus der bisherigen Malerei garantieren sollte.8
Robert Zeppel-Sperl sprach in einem Interview, in der ihm typischen, durchaus direkten Art und Weise, von seinen Vorbildern: ,,Angefangen habe ich in der Art der Wiener Schule, da war am leichtesten anzuschließen. Dann habe ich mich immer mehr mit dem eigentlichen Surrealismus auseinandergesetzt, aber auch mit den eher expressionistischen Sachen. Die ,Erleuchtung` kam mir aber vom Maler Antes. Er hat damals auf der Biennale in Venedig einen großen Preis gekriegt. Und ich bekam einen Katalog in die Hand und dachte mir: In diese Richtung kann es auch weitergehen. ...
Ich habe mich dann ziemlich mit Beckmann und Nolde auseinandergesetzt. Auch
1 O. Breicha, Robert Zeppel-Sperl. Eine Monographie, Salzburg 1993/ O. Breicha, Robert Zeppel-Sperl als bibliophile Monographie und schönes Bilderbuch, Wien 1978.
2 Wolfgang Herzig, Herzig mit Gedichten von Wolfgang Bauer, Wien 1995.
3 Museum Moderner Kunst, Stiftung Wörlen (Hg.), Martha Jungwirth. ,,Malfluchten", Passau 1999.
4 Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaften (Hg.), Kurt Kappa Kocherscheidt Werkverzeichnis. Malerei und Holzarbeiten 1966-1992, Wien 2006.
5 U. Storch (Hg.), Peter Pongratz. Soulpainting 1962-1997, Wien 1997.
6 Gerwald Sonnberger (Red.), Franz Ringel. Die Reise nach Petuschki, Wien 1999.
7 In seiner Akte an der Universität für bildende Kunst ist Robert Zeppel-Sperl bis 1972 als Student vermerkt.
8 Vg. O. Breicha (Hg.), Wirklichkeiten. Aspekte einer Gruppierung, Graz 1988, S. 162.
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Braque war für mich der Komposition und der farbigen Autonomie seiner Bilder wegen wichtig."9
Dass seine Bilder naiv seien, wurde von Zeppel-Sperl stets als Vorwurf verstanden, den er nicht ohne Widerstand hinnehmen wollte. So antwortete er etwa in einem Interview auf die von Peter Matejka gestellte Frage, ob er etwas Besonderes auf dem Herzen habe, dass er die ,,Protokolle"-Leser wissen lassen wolle, folgendermaßen: ,,ich bin hier als relativ naiver maler verschrien, dass man mir mit so einer etikettierung unrecht tut. (schreit) ICH BIN ÜBERHAUPT NICHT NAIV! ich halte auch meine malerei nicht für naiv, sie ist nur nicht sehr direkt, nicht sehr übersetzt, nicht so sehr durch den intellekt kontrolliert."10
Obwohl das Werk Zeppel-Sperls als sehr einheitlich angesehen wird und er sich ganz offensichtlich nicht von vorherrschenden Kunstströmungen drängen ließ, lässt sich doch die eine oder andere Veränderung feststellen. Zu Beginn waren seine Werke noch von den Phantastischen Realisten beeinflusst. Die einheitliche Farbtonigkeit seiner Bilder führte Otto Breicha auf Zeppel-Sperls bräunlich-gebeiztes Zimmer in der Franzesgasse zurück.11 Der Bild-im-Bild Stil, der sowohl auf Comicstrips als auch auf mittelalterliche Wandmalereien zurückgeht, wurde von Zeppel-Sperl ab 1966 in seine Malerei aufgenommen und in zahlreichen Variationen zur Perfektion getrieben. Ein Jahr später kam dann die Wende ins Poppige und Farbenfrohe.12
Laut Otto Breicha begannen mit dem Umzug nach Venedig 1969 Zeppel-Sperls Bilder überlegter zu werden. Er malte nicht mehr rein intuitiv, sondern fertigte zunächst Skizzen seiner Werke an, so zum Beispiel für seine Auftragsarbeit ,,Die Schlacht" von 1972 (Abb.1). Seine Auseinandersetzung mit Werken der Renaissance in Venedig hatte eine noch üppigere Ausgestaltung seiner Bilder zur Folge, sie wurden fantasievoller und das Ornament dominierte die Gemälde. Ebenso malte er nun genauer und verstärkte die Bildräumlichkeit.13 Rolf Schmücking hingegen schrieb, dass Venedig Zeppel-Sperl nur insofern beeinflusste, als die Bildmotive fröhlicher und unbekümmerter wirkten.14
9 Zit. R. Zeppel-Sperl, Ich war einfach überrascht. Vier Fragen an Robert Zeppel-Sperl, in: O. Breicha, Wirklichkeiten. Aspekte einer Gruppierung, Graz 1988, S. 164.
10 Zit.: R. Zeppel-Sperl, Der Künstler ist der Pausentrottel der Politik, in: O. Breicha (Hg.), Protokolle 74/2, Wien 1974, S. 91.
11 Robert Zeppel-Sperl selbst sprach davon, dass die Arbeiten von Georges Braque für die Farbigkeit seiner Bilder wichtig waren. Siehe dazu das Kapitel 3.1.2.1.3. ,,Beeinflussung durch Georges Braque und Heinrich Campendonk".
12 Vg. A. Rotter, Die Künstlergruppe ,,Wirklichkeiten". Ein Beitrag zur österreichischen Kunstgeschichte der sechziger Jahre, Wien 2002, S. 48.
13 Vg. O. Breicha (Hg.), Robert Zeppel-Sperl. Eine Monographie, Salzburg 1993, S. 85-95.
14 Tatsächlich verzichtete Robert Zeppel-Sperl in der ,,venezianischen Phase" auf die Darstellung von Monstren und mystischen Wesen. Man kann jedoch nicht ohne weiteres davon sprechen, dass die
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Beginnend in den 1980er Jahren bemerkt Schmücking eine strengere Bildgestaltung im Werk von Zeppel-Sperl und eine noch farbigere nach dem Umzug nach Bali.15 Ein weiterer neuer Schritt in seiner Malerei wurde ebenfalls ab den 1980er Jahren deutlich. Seine Bilder waren nun nicht mehr so kleinteilig, die Bild-im-Bild Gestaltung verschwand allmählich, um Zeppel-Sperls Motiven mehr Platz einzuräumen. Otto Breicha erkannte darin die Möglichkeit, ein Thema mit verschiedenen Bildern abzutasten.16
1.1. Forschungsfrage, Herangehensweise und Zielsetzung
Das vorrangige Ziel dieser Arbeit ist es, einen Einblick in das malerische Schaffen Robert Zeppel-Sperls von 1964 bis 2005 zu geben, wobei der Schwerpunkt auf den frühen Arbeiten liegt, jenen Werken, die inklusive dem Jahr 1968 entstanden, dem Jahr, in dem die ,,Wirklichkeiten"-Ausstellung in der Secession stattfand. Um sich den frühen Arbeiten nähern zu können, wird es nötig sein, sowohl das soziale als auch das künstlerische Umfeld von Robert Zeppel-Sperl näher zu beleuchten, um sich im Anschluss daran die Frage nach den möglichen beeinflussenden Quellen zu stellen, die von seinen Lehrern des Studiums über spezifische Künstlerpersönlichkeiten bis hin zum Massenprodukt des Comics reichten. Da in den veröffentlichten Katalogen die frühesten Arbeiten aus dem Jahr 1966 stammen und selbst diese nur einen sehr geringen Einblick in die bedeutsamste Phase der künstlerischen Entwicklung geben können, war es von immenser Wichtigkeit, jene Sammlungen heranzuziehen, die zahlreiche Werke aus der Frühzeit Robert Zeppel-Sperls beinhalten. Die Sammlungen von Helga Hauser, Philipp Otto Breicha, Elfriede Jelinek und einem Sammler aus Tirol, der ungenannt bleiben möchte, machten eine ausführliche Werkbetrachtung erst möglich. Sie lieferten zum Teil bisher unbekannte Erkenntnisse über die künstlerische Entwicklung Robert Zeppel-Sperls, die im Laufe der Arbeit näher erörtert werden. Nachdem anhand dieser nun zahlreich vorliegenden frühen Werke die Eigenständigkeit des ,,akademischen" Werkblocks herausgearbeitet wird, stellt sich die Frage nach dem Stil und der typischen Motive jener Zeit. Das verbleibende, weitaus umfassendere Werk soll anhand von
Bildmotive fröhlicher wurden, da sich Robert Zeppel-Sperl zu dieser Zeit intensiv mit dem Thema der Schlacht und des Kampfes auseinandersetzte. Zusätzlich zu den motivischen Veränderungen gab es auch etliche stilistische Neuerungen im Werk Zeppel-Sperls in Venedig, die ausführlicher im Kapitel 3.2. ,,Die Zeit in Venedig" besprochen werden.
15 Vg. Hamburger Förderkreis Kunstausstellungsprojekte e.V. (Hg.), Robert Zeppel-Sperl. Bilder aus der Sammlung Großhaus und Glasskulpturen aus der Sammlung Berengo, Lamspringe 2000, S. 9-15. Weiters siehe dazu das Kapitel 3.4. ,,Die Zeit ab der ersten Balireise von 1989 bis 2005".
16 Vg. O. Breicha, Robert Zeppel-Sperl. Eine Monographie, Salzburg 1993, S. 125.
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stilistischen Unterschieden und Motivwechseln in Phasen unterteilt werden, um einen Eindruck der künstlerischen Entwicklung Robert Zeppel-Sperls zu ermöglichen. Dabei dienen die Reisen nach Venedig, Amerika und Bali als mögliche Impulsgeber für den Beginn einer neuen malerischen Phase. Abschließend gilt es zu klären, ob es sich bei den Werken Robert Zeppel-Sperls um naive Arbeiten handelt oder ob diese sich von jenen von Gyorgy Stefula17 oder Jan Balet18 unterscheiden.
Die von der Autorin der vorliegenden Arbeit geführten Interviews und Gespräche mit Marianne Zeppel-Sperl, Helga Hauser, Elfriede Jelinek, Philipp Otto Breicha und Herrn Serafin Groll ermöglichten einen intensiven und anschaulichen Einblick in das Leben und Schaffen von Robert Zeppel-Sperl, der ebenso in die vorliegende Arbeit eingeflossen ist.
2. Das Schaffensumfeld von Robert Zeppel-Sperl
Das nachfolgende Kapitel erfüllt im Wesentlichen zwei Funktionen im Rahmen dieser Arbeit. Zunächst werden anhand einer grundlegenden Betrachtung der gesellschaftlichen und kulturellen Begebenheiten der 1960er Jahre in Verbindung mit einer Analyse ausgewählter Werke Robert Zeppel-Sperls aus diesem Zeitraum die bestimmenden soziokulturellen Einflüsse, die sich im Werk des Künstlers wieder finden, herausgearbeitet. Unter diesen Gesichtspunkten folgt eine Betrachtung der zeitgenössischen Kunst der 1960er Jahre. Diese Untersuchung ermöglicht sowohl eine Identifizierung der Gemeinsamkeiten von Zeppel-Sperls Werk mit den gängigen Kunstrichtungen der 1960er Jahre als auch in weiterer Folge eine schärfere Abgrenzung zu diesen.
2.1. Die 1960er Jahre
,,Damals hat mich die Pop-Kultur (nicht so sehr die Pop-Art sondern überhaupt) sehr angeregt und mitgerissen: die Pop-Gruppen wie Rolling Stones und natürlich die Beatles mit ihrer Art und Weise, sich in den Medien zu präsentieren. Das hat mich damals ungemein fasziniert und ich habe versucht, das auf alle Fälle irgendwie in meine Bilder hineinzubringen."19
17 G. Stefula/D. Stefula, Stefulas Pardiese. Das Malereherpaar Gyorgy und Dorothea Stefula, München 1989.
18 E. Hindelang (Hg.), Jan Balet. Gemälde Zeichnungen Graphik, Sigmaringen, 1983.
19 Zit.: R. Zeppel-Sperl, Ich war einfach überrascht. Vier Fragen an Zeppel-Sperl, in: O. Breicha, Wirklichkeiten. Aspekte einer Gruppierung, Graz 1988, S. 164.
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Dieses Zitat zeugt von dem großen Interesse Robert Zeppel-Sperls an den Erneuerungen der 1960er Jahre. Die Pop-Kultur, die sich zu jener Zeit über die Mode, die Frisuren und die Musik definiert hatte, zog in seine Bilder ein. Am anschaulichsten bezeugt dies das Bild ,,Flowerpower" von 1966 (Abb. 2), das sich im Besitz von Elfriede Jelinek befindet. Vor quadriertem Grund fliegt eine eng verflochtene Gruppe, bestehend aus farbenfroh gekleideten Männern und nackten Musen, in Richtung des oberen linken Bildrandes. Allen voraus fliegt Robert Zeppel-Sperl selbst, der nach einer weiteren Blumenkette greift, obwohl bereits alle Anwesenden mit Blumen überhäuft sind. Sie lassen eine Gruppe ,Engerlingsherren`20 hinter sich, die vor einer Tafel stehen, auf der die Worte ,Schweine! Beatles! Pfui! Gammler! Arbeitsscheues Gesindel! Das het´s beim Hitler nicht geben! Zum Haare schneiden! Strawanzer! Stinker!` zu lesen sind. Mit großen Augen, offenem Mund und erhobenem Zeigefinger starren die Herren im Anzug den Hippies hinterher.
Mit diesem Bild sprach Robert Zeppel-Sperl die zentralen Themen der damaligen Jugendkultur an. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht der Zusammenhalt unter den Jugendlichen und deren Rebellion gegen die Welt der Erwachsenen. Werner Faulstich schreibt, dass die Studenten der 1960er Jahre jegliche Autorität ablehnten und materielle Werte sowie Pflicht- und Ordnungswerte durch Gefühlsbetontheit, Intuition, Naivität, Sprunghaftigkeit, Nähe zur Natur und Friedfertigkeit abgelöst wurden.21 All das kommt in dem Bild ,,Flowerpower" zur Geltung, in dem der Maler die Jugendlichen dicht aneinandergedrängt über die Erwachsenen hinweg fliegen lässt. Einerseits verdeutlichte er somit den Zusammenhalt unter den Jugendlichen, andererseits das Hinwegsetzen über die bürgerliche und kapitalistische Welt der Erwachsenen. Neben dem Thema des Zusammenhalts hielt Robert Zeppel-Sperl ein neues, gesellschaftliches Phänomen in seinem Bild fest, die Freizügigkeit der Frau. Es ist keineswegs unbeabsichtigt, dass die männlichen Darsteller des Bildes ,,Flowerpower" in farbenprächtige, üppig gemusterte Gewänder gehüllt sind und die Frauen allesamt nackt dargestellt wurden. Das Bildmotiv der durchwegs nackten Frauen ist vor allem vor dem Hintergrund der sexuellen Emanzipation der 1960er Jahre zu verstehen. Neuerungen wie das Aufkommen der Antibabypille und der damit einhergehenden Trennung zwischen Geschlechtsverkehr und der Zeugung von Kindern ermöglichten es, das Tabuthema der Sexualität nun öffentlich aufzubrechen. Diese neuartige ,,freie" Form
20 Zit.: E. Jelinek, Sergeant Pepper. Danke für die Blumen und die Nadelstiche, in: Profil, 17, 2005.
21 Vg. W. Faulstich, Aufschwung und Höhepunkte der Rockkultur, in: W. Faulstich, Die Kultur der
sechziger Jahre, München 2003, S. 298-299.
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der Sexualität war nun überall anzutreffen. Frauen formierten sich zu Frauengruppen, gründeten Aktionsräte, Frauenzeitschriften und Frauenjahrbücher, lebten in Kommunen, in denen ,,die freie Liebe" praktiziert wurde und begannen als Zeichen ihres Bekenntnisses zur eigenen Sexualität, transparente Blusen zu tragen sowie Miniröcke und Oben-ohne-Badeanzüge. Das neue Selbstverständnis der Frau mag als ausschlaggebender Impuls dafür herangezogen werden, warum Robert Zeppel-Sperl die Frauen in seinen Bildern beinahe ausnahmslos nackt malte. Elfriede Jelinek meint dazu in einem Interview: ,,Also, es war natürlich der Beginn der Sexualität der Frau und daher war das natürlich die Art, sie zu zeigen."22 Grundsätzlich liegt es jedoch nahe, und ein Rückblick in die Kunstgeschichte macht dies deutlich, dass der männliche Maler großes Interesse daran hat, die Frau nackt zu zeigen. Robert Zeppel-Sperl erläuterte in einem Interview: ,,Ich hab ein einfaches poetisches Weltbild und ich bild mir ein die Welt besteht aus Frauen, Landschaft, Dämonen und solchen Sachen. [...] Wenn ich eine Frau mache, also male, dann interessiert mich eigentlich eine reelle Frau überhaupt nicht, ich versuch ein Idealbild von einer Frau zu malen, und genauso ist es mit der Landschaft oder dem Stillleben, die existieren auch nicht."23
Die männlichen Figuren tragen in ,,Flowerpower" zeitgenössische Hippiemode in knallbunten Farben und diversen Mustern sowie langes Haar und Bart. Ein weiteres Bild zeugt von Robert Zeppel-Sperls modischem, aber auch musikalischem Interesse. Die Arbeit ,,Selbstbildnis als Trenck der Pandur" (Abb. 3), die 1967 entstand, zeigt den Maler in einer Fantasieuniform im Stil der Sergeant-Pepper-Uniformen, die von den Beatles getragen wurden. Elfriede Jelinek hielt fest, dass sich Zeppel-Sperl im wahren Leben ebenso wie seine Vorbilder, die Beatles, kleidete: ,,Und er hat seine k&k Uniformjacke getragen, und er hat sich schöne Orden gemacht, aus Holz, mit einem kleinen bunten Stoffdreieck dran, damit man sie sich auch ordentlich anstecken konnte."24 Die Beatles selbst wurden in dem Bild ,,Gastmahl" 1967 (Abb. 4), in einem kleinen Bild-im-Bild auf der Höhe des Selbstporträts von Robert Zeppel-Sperl gezeigt.
Aber nicht nur die Musik und die Mode der Beatles beeindruckten den jungen Künstler. Den Film ,,Yellow Submarine" des Grafikers Heinz Edelmann, der 1968 in die Kinos kam, hat Zeppel-Sperl ,,sich x-Mal angeschaut. Und so was hat ihn sehr beeinflusst."25 Hier traten die Trickfiguren der Beatles ebenfalls in historisierenden Fantasieuniformen
22 Interview der Autorin mit Elfriede Jelinek, 22.06.2007.
23 Zit.: R. Zeppel-Sperl in: W. Glaube, Die Welt des Malers Robert Zeppel-Sperl, Wien 09.12.1997.
24 Zit.: E. Jelinek, Sergeant Pepper. Danke für die Blumen und die Nadelstiche, in: Profil, 17, 2005.
25 Interview der Autorin mit Helga Hauser, 29.01.2007.
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