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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Julia Kulewatz
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Erfurt (Universität)
Tags: Gestalt, Ophelia, Zerrspiegel, Hamlets, Literaturwissenschaft/BA-, Anglistik, Text-, Stage-, Screen“
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-17766-0
ISBN (Book): 978-3-640-17772-1
File size: 257 KB
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Abstract
William Shakespeares Meisterwerk ist die Tragödie um einen dänischen Königssohn, der der Melancholie verfallen ist und den es nach Rache dürstet. Es ist überaus ungewöhnlich, wie sich das ganze Drama auf die Schlüsselfigur des Hamlets hin organisiert. Ophelia fungiert als Zerrspiegel jener Schlüsselfigur. Der moralischen Problematik und dem daraus resultierenden inneren Konflikt des Kronprinzen, wird der Weg geebnet, selbst die eigene Vernunft in Frage zu stellen. Hamlet ist das figurale Zentrum des Dramas, um ihn herum ordnen sich alle Figuren, Horatio wird zum idealisierten moralischen Spiegelbild des Prinzen, Ophelia zu seinem zerstörten Zerrbild. Für diese Entwicklungen und Wandlungen ist die Suche nach Wahrheit und die Bedeutung der Vernunft, für diese, von enormer Wichtigkeit. Die Begegnung mit dem Wahnhaften scheint unvermeidbar und ist ebenso bedeutsam für die Liebesbeziehung von Hamlet und Ophelia, der ich mich in meinen Ausführungen ausführlich widmen werde. Außerdem werde ich beleuchten, inwieweit Shakespeare Vernunft und Wahnsinn miteinander verwoben hat, um Wirklichkeit zu verhüllen, um diese in einen transzendenten Moment, in der Innerlichkeit Hamlets in Frage zu stellen. Diesen Prozess erlebt vor allem Hamlet und doch hat er enorme Auswirkungen auf die Figuren um ihn, besonders für die ihn liebende Ophelia, deren Emotionalität und geistige Verfassung an die Handlungen des Prinzen gebunden sind. Ich werde versuchen, die Begriffs- und Werteverschiebungen, die sich in Hamlet vollziehen, transparenter erscheinen zu lassen und die Konsequenzen für den Verlauf des Dramas zu erörtern. Anhand der tragischen Gestalt Ophelias will ich den in ihm klaffenden Zusammenbruch, die Vermischung seiner beiden Sphären, der wirklichen und der unwirklichen, darlegen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Erfurt
Veranstaltungstyp:
BA Literaturwissenschaft/BA Anglistik
Seminar:
,,Hamlet: Text Stage Screen"
Semester:
Sommersemester 2008
Titel der Hausarbeit:
William Shakespeares Hamlet:
,,Die tragische Gestalt der Ophelia
als Zerrspiegel Hamlets"
Abgabe:
23.08.08
Verfasserin: Julia Kulewatz
Studiengang: Kulturwissenschaften:
Haupt:
Literaturwissenschaft
Neben:
Philosophie Semesterzahl:
4
Art des Leistungsnachweises: selbstständige schriftliche Arbeit
Leistungspunkte: 9
Inhaltsverzeichnis
William Shakespeares Hamlet:
Die tragische Gestalt der Ophelia als Zerrspiegel Hamlets"
Gliederung
4
Prolog
5
1. Hamlet Zwischen Schein und Sein, oder:
"For in that sleep of death what dreams may come?"
7
1.1
Die Vorlagen
7
1.2
Getrieben im Zwielicht einer Geistererscheinung
8
1.3
Nature und Fortune
10
1.4
Hamlet gefangen zwischen Schein und Sein:
13
,,To be or not to be that is the question"
2. ,,La femme fragile":
Ophelia weibliches Zerrbild Hamlets oder Frau ohne Eigenschaften?
16
2.1
Ophelia: Zwischen Lieben und Leiden
16
2.2
Keusch unzüchtige Ophelia: Entsexualisierte Unschuld zerrütteter Geist 18
3. Von Wahrheit und Wahnsinn: Die Tragik einer gescheiterten Liebe
20
Epilog
22
Literaturverzeichnis
23
4
Prolog
Als ich für meine Hausarbeit die Wahl hatte zwischen ,,Text, Stage und Screen", entschied ich mich als Studentin der Literaturwissenschaft für den Text, um diesen nach Möglichkeit mit eigenen interpretatorischen Ansätzen zu beleuchten. William Shakespeares Meisterwerk ist die Tragödie um einen dänischen Königssohn, der der Melancholie verfallen ist und den es nach Rache dürstet. Er ist ein Prinz, der sich von einem durchaus zwielichtigen Geist ,,zur Rache aufgerufen"1 fühlt. Diese Rache wird Schuld über ihn kommen lassen, aufgrund widriger Umstände, deren Urheber keineswegs der Prinz ist, aber deren er sich entledigen wird. Es ist überaus ungewöhnlich, wie sich das ganze Drama auf die Schlüsselfigur des Hamlets hin organisiert, diese Feststellung ist ebenso bezeichnend wie auffällig. Somit werde ich nicht umhin kommen, mich ebenso eingehendst mit Hamlet, wie Ophelia zu befassen, denn ich muss erst den Spiegel betrachten, bevor ich mich dem Zerrbild widmen kann. Die lange Untätigkeit des Prinzen, sein Zaudern, und die Passivität,2 die von ihm auszugehen scheint, eröffnen dem Rezipienten interpretatorische Metaebenen. Der moralischen Problematik und dem daraus resultierenden inneren Konflikt des Kronprinzen, wird der Weg geebnet, selbst die eigene Vernunft in Frage zu stellen. Diese Problematik, die die Wertvorstellungen und des Prinzen Vernunft ins Wanken bringt, beginnt für Hamlet mit der Begegnung des Geistes, auch mit dieser, für den Verlauf des Stückes überaus wichtigen Begegnung, werde ich mich noch ausführlich auseinandersetzten. Hamlet ist das figurale Zentrum des Dramas, um ihn herum ordnen sich alle Figuren, Horatio wird zum idealisierten moralischen Spiegelbild des Prinzen, Ophelia zu seinem zerstörten Zerrbild. Für diese Entwicklungen und Wandlungen ist die Suche nach Wahrheit und die Bedeutung der Vernunft, für diese, von enormer Wichtigkeit. Die Begegnung mit dem Wahnhaften scheint unvermeidbar und ist ebenso bedeutsam für die Liebesbeziehung von Hamlet und Ophelia, der ich mich in meinen Ausführungen ausführlich widmen werde. Außerdem werde ich beleuchten, inwieweit Shakespeare Vernunft und Wahnsinn miteinander verwoben hat, um Wirklichkeit zu verhüllen, um diese in einen transzendenten Moment, in der Innerlichkeit Hamlets in Frage zu stellen. Diesen Prozess erlebt vor allem Hamlet und doch hat er enorme Auswirkungen auf die Figuren um ihn, besonders für die ihn liebende Ophelia, deren Emotionalität und geistige Verfassung an
1 Vgl. Schabert, I.: ,,Shakespeare Handbuch", S. 600
2 Ebd. Vgl. S. 612
5
die Handlungen des Prinzen gebunden sind. Ich werde versuchen, die Begriffs und Werteverschiebungen, die sich in Hamlet vollziehen, transparenter erscheinen zu lassen und die Konsequenzen für den Verlauf des Dramas zu erörtern. Ebenso wird das innere Drama, der tragische Moment in Hamlet selbst voranschreiten. Anhand der tragischen Gestalt Ophelias will ich den in ihm klaffenden Zusammenbruch, die Vermischung seiner beiden Sphären, der wirklichen und der unwirklichen, darlegen. In diesem Sinne möchte ich meine Einführung mit den Worten Ophelias beenden, die es gewiss ,,blumiger" auszudrücken vermag, als ich es je könnte:
"There′s rosemary, that′s for remembrance.
Pray you, love, remember.
And there′s pansies, that′s for thoughts.
There′s fennel for you, and columbines.
There′s rue for you, and here′s some for me.
We may call it herb of grace o′ Sundays.
Oh, you must wear your rue with a difference.
There′s a daisy. I would give you some violets,
but they withered all when my father died.
They say he made a good end."
Ophelia
Hamlet Prince of Denmark
Act IV Scene V ,,To be or not to be, that is the question!
6
1. Hamlet Zwischen Schein und Sein, oder:
"For in that sleep of death what dreams may come?"
1.1 Die Vorlagen
Dem problematischen Charakter des Hamlet liegt die Historia Danica des Saxo Grammaticus
zu Grunde. Ein alter nordischer Sagenstoff, der Ende des 12. Jahrhunderts aufgezeichnet
wurde. Die Sage behandelt die Geschichte des Dänenprinzen Amleth, der die Ermordung
seines Vaters an dessen Mörder, seinem Oheim rächen wird. Dieser Sage hat der Dichter
William Shakespeare bereits wichtige Elemente, die in seiner hier zu behandelnden Tragödie
Verwendung finden, entnommen.3 Motive wie Brudermord, Inzest, gespielter Wahnsinn, die
zeitweilige Melancholie und Untätigkeit des Helden, die Benutzung eines Mädchens, um
diesen zu ködern, all dies taucht bereits im Amleth des Saxo Grammaticus auf. Allerdings
führt Amleth seine Rache aus und wird König von Dänemark, was den Stoff natürlich um einige hoch ästhetische und zugleich tragische Momente erleichtert. Das elisabethanische
Zeitalter wird dem Hamlet Stoff noch das Motiv des Ehebruches vor dem Brudermord einverleiben. In dieser Vision, die in den Histoires Tragiques des Belleforest zu finden ist, wird
Hamlet bereits sterben.4 Beide Quellen hat der größte Dichter des elisabethanischen Hofes
mit Sicherheit gekannt und genutzt, doch eine weitere Quelle, eine typische Rachetragödie
nach dem Muster des Seneca, vollendet schließlich den Ur Hamlet Shakespeares und verleiht ihm bis heute unübertroffene Dramatik. Der Rache fordernde Geist des Vaters tritt auf
und auch das Schauspiel, das Spiel im Spiel ist in ihr enthalten.5 Shakespeares große Leistung
besteht darin, die verschiedenen Quellen, den Ur Hamlet Stoff, zu einer furiosen Tragödie
vereint zu haben, die ihres gleichen sucht. Den schemenhaften Handlungsreichtum, mit dem
seine literarischen Vorgänger ihren Helden umgaben, ordnete er seiner Vorstellung des
Hamlets, als faszinierende und überaus komplexe Zentralfigur seines Dramas, zu.
3 Vgl. Schabert, I.: ,,Shakespeare Handbuch", S. 600
4 Ebd. Vgl. S. 601
5 Ebd. Vgl. S. 601 f
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