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Subtitle: Hauptstrukturen des Untergangs der DDR
Essay, 2008, 12 Pages
Author: Christian Richter
Subject: History - Newer History, European Unification
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Geschichte)
Tags: Friedliche, Revolution, Rahmenbedingungen, Grundzüge, Dynamisierungen, Deutsche, Frage, Zeit, Kalten, Krieges, 1989, Wiedervereinigung
Year: 2008
Pages: 12
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-17748-6
ISBN (Book): 978-3-640-18076-9
File size: 86 KB
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Abstract
Am Anfang des Jahres 1989 hatte niemand ernsthaft daran geglaubt, dass sich die DDR am Ende desselben Jahres in der letzten Phase ihrer Auflösung befinden würde. Honecker hatte noch im Januar 1989 verkündet, dass „die Mauer noch 50 oder 100 Jahre“ (Mitter/Wolle 1993) stehen würde. Die 1949 gegründete DDR war ein totalitäres System dessen politischer Gestaltungsanspruch an vielen Stellen des Lebens seiner Bürger unbegrenzt erscheint. Die Lehren von Marx, Engels und Lenin waren die Grundlage für die Schaffung eines Systems, welches zwar innerhalb der Staaten des sozialistischen Ostblocks zu den modernsten und am weitesten entwickelten gehörte, aber in seinem Staatsvolk nur begrenzt Loyalität hervorrief. Der rasante Machtverfall der SED, der sich nach dem Oktober 1989 abzeichnete und innerhalb weniger Wochen zur Auflösung des Machtapparates in einer Revolution führte, war ein Zeichen für dieses fehlende Staatsgefühl. Diese Identifizierung mit dem sozialistischen Staat war niemals vollständig im Volk der DDR entstanden, sondern eher in eine Resignation und Abfindung mit den herrschenden Verhältnissen umgeschlagen. Als sich die Situation am Ende der 1980er Jahre zuspitzte und die Herrschaftslegitimation des SED-Regimes durch Unterdrückung (STASI, MfS), defizitäre Lage der Ökonomie, bekanntwerden des Wahlbetruges und Bürgerbewegung verloren ging, war der Staat DDR am Ende. (Vgl. Mitter/Wolle 1993) Die Friedliche Revolution 1989 ihre Rahmenbedingungen, Grundzüge und Dynamisieren sollen in diesem Essay den Schwerpunkt bilden. Bei den Rahmenbedingungen der friedlichen Revolution 1989 in der DDR sind meiner Meinung nach die Veränderungen in der außerstaatlichen Peripherie, die ökonomische Krise der DDR, die steigende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den bestehenden Verhältnissen und der Versuch des SED-Regimes, den Status quo zu erhalten, zu betrachten. Zudem muss die Bildung erster Oppositionsgruppen angesprochen werden. Die Grundzüge der Revolution 1989 bestehen in der anwachsenden Ausreisebewegung, der Massenflucht, des Massenprotestes und schließlich des Zusammenbruchs des SED-Regimes. Eine Dynamisierung erlebte der Untergang der DDR vor allem bei der Mobilisierung der Massen und der Fluchtwelle. Diese Punkte stellen in ihrer Gesamtheit die Friedliche Revolution 1989 in ihren Ursachen, ihrem Anlass, dem Verlauf und den Folgen dar. [...]
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Institut für Geschichte
Lehrstuhl für Zeitgeschichte
Essay
Die Friedliche Revolution 1989 in der
DDR Rahmenbedingungen,
Grundzüge und Dynamisierungen
(Hauptstrukturen des Untergangs der DDR)
Lehrveranstaltung: Einheit oder Freiheit. Die Deutsche Frage in der Zeit des Kalten Krieges
II: Demokratie und Diktatur in Deutschland 1949-1989
Semester: SS 2008
Von Christian Richter
Einleitung:
Am Anfang des Jahres 1989 hatte niemand ernsthaft daran geglaubt, dass sich die DDR am
Ende desselben Jahres in der letzten Phase ihrer Auflösung befinden würde. Honecker hatte
noch im Januar 1989 verkündet, dass ,,die Mauer noch 50 oder 100 Jahre" (Mitter/Wolle
1993) stehen würde. Die 1949 gegründete DDR war ein totalitäres System dessen politischer
Gestaltungsanspruch an vielen Stellen des Lebens seiner Bürger unbegrenzt erscheint. Die
Lehren von Marx, Engels und Lenin waren die Grundlage für die Schaffung eines Systems,
welches zwar innerhalb der Staaten des sozialistischen Ostblocks zu den modernsten und am
weitesten entwickelten gehörte, aber in seinem Staatsvolk nur begrenzt Loyalität hervorrief.
Der rasante Machtverfall der SED, der sich nach dem Oktober 1989 abzeichnete und
innerhalb weniger Wochen zur Auflösung des Machtapparates in einer Revolution führte, war
ein Zeichen für dieses fehlende Staatsgefühl. Diese Identifizierung mit dem sozialistischen
Staat war niemals vollständig im Volk der DDR entstanden, sondern eher in eine Resignation
und Abfindung mit den herrschenden Verhältnissen umgeschlagen. Als sich die Situation am
Ende der 1980er Jahre zuspitzte und die Herrschaftslegitimation des SED-Regimes durch
Unterdrückung (STASI, MfS), defizitäre Lage der Ökonomie, bekanntwerden des
Wahlbetruges und Bürgerbewegung verloren ging, war der Staat DDR am Ende. (Vgl.
Mitter/Wolle 1993) Die Friedliche Revolution 1989 ihre Rahmenbedingungen, Grundzüge
und Dynamisieren sollen in diesem Essay den Schwerpunkt bilden.
Bei den Rahmenbedingungen der friedlichen Revolution 1989 in der DDR sind meiner
Meinung nach die Veränderungen in der außerstaatlichen Peripherie, die ökonomische Krise
der DDR, die steigende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den bestehenden Verhältnissen
und der Versuch des SED-Regimes, den Status quo zu erhalten, zu betrachten. Zudem muss
die Bildung erster Oppositionsgruppen angesprochen werden. Die Grundzüge der Revolution
1989 bestehen in der anwachsenden Ausreisebewegung, der Massenflucht, des
Massenprotestes und schließlich des Zusammenbruchs des SED-Regimes. Eine
Dynamisierung erlebte der Untergang der DDR vor allem bei der Mobilisierung der Massen
und der Fluchtwelle. Diese Punkte stellen in ihrer Gesamtheit die Friedliche Revolution 1989
in ihren Ursachen, ihrem Anlass, dem Verlauf und den Folgen dar. Bei der Betrachtung werde
ich mich aber auf einige exemplarische Beispiele beschränken, da der Rahmen dieser Arbeit
begrenzt ist. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, warum und wie es zur friedlichen
Revolution 1989 und zum Untergang der DDR kam?
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Als Literaturgrundlagen dienten mir bei der Vorbereitung die Publikation von Karsten
Timmer (2000) zu den Bürgerbewegungen in der DDR, sowie die Abhandlungen von
Mitter/Wolle (1993), Mählert (2004) und Pötzsch (1998) zur allgemeinen Geschichte der
Revolution von 1989.
Die Friedliche Revolution in der DDR 1989
Eine Revolution ist ein historischer Prozess, bei dem durch eine Massenmobilisierung ein
neues Verhältnis auf Dauer etabliert wird, welches zuvor vom alten Regime abgelehnt
und/oder bekämpft wurde.
Die marxistische Geschichtsschreibung hätte die 1989er Revolution aus ihrer
Geschichtsschreibung heraus aber als Konterrevolution bezeichnet. Die Marxisten sahen die
DDR und ihren Staatssozialismus als höher entwickeltere Gesellschaftsform an. Diese hatten
gesellschaftliche Entwicklungslinien formuliert, welche beginnend mit der Urgesellschaft
über den Feudalismus und Kapitalismus hin zum Sozialismus führen sollten, der dann zur
Vorbereitung für die ,,klassenlose Gesellschaft" des Kommunismus dienen sollte. Als sich der
Staatssozialismus in der Revolution 1989 wieder zum Kapitalismus wandelte, hätte das für
die Theorie des historischen bzw. dialektischen Materialismus eine Rückentwicklung
dargestellt. Der Untergang der DDR hätte sich somit in einer Konterrevolution vollzogen. Ich
schließe mich der Auffassung an, die Ereignisse des Jahres 1989 als Revolution zu betrachten,
da mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems zum Einen auch die marxistisch-
leninistische Geschichtsschreibung unterging (Brinks 1992) und zum Anderen die
Massenbewegung nicht aus Konterrevolutionären bestand wie es die SED-Führung im Jahre
1989 oft versuchte darzustellen. Ein Großteil der Protestbewegungen (Friedensbewegungen;
Neues Forum) forderte Veränderungen des Staates. Sie strebten mehr Freiheiten und
Demokratisierung an und hatten nicht das Ziel einen Untergang der DDR herbeizuführen.
Rahmenbedingungen
Die Rahmenbedingungen der friedlichen Revolution 1989 sind in strukturelle und politische
Voraussetzungen aufteilbar. Als strukturelle Rahmenbedingungen kann man zum Einen die
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