Wie nun wird das Lesen gelehrt?

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Details
Untertitel : Fremdsprachliche Lesedidaktik im Spannungsfeld zwischen Lesetheorie und unterrichtlicher Praxis – am Beispiel DaF
Autor: Daniel Künstler
Fach: Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Veranstaltung: Lesedidaktik
Institution/Hochschule: Universität Trier (Deutsch als Fremdsprache)
Jahr: 2008
Seiten: 19
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 23 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 120 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18528-3
ISBN (Buch): 978-3-640-18537-5
Zusammenfassung / Abstract
In der vorliegenden Hausarbeit zum Seminar „Lesedidaktik“ sollen die folgenden Fragen erörtert werden: In wie weit zeigt sich die Lesedidaktik DaF durch die in der Leseforschung diskutierten lesetheoretischen Modelle zum muttersprachlichen Lesen beeinflusst und inwiefern erscheinen direkte lesedidaktische Ableitungen von spekulative Modellen des L1-Lesens für den L2-Leseunterricht überhaupt sinnvoll? Es soll im ersten Teil anhand der Darstellung einiger gängiger theoretischer Lesemodelle gezeigt werden, dass die lesetheoretische Forschung beim Beschreiben des hochkomplexen Leseprozesses in der Muttersprache zu vielen verschiedenen und oft widersprüchlichen empirischen Ergebnissen und Konzeptualisierungen kommt, und diese daher als eher spekulativ angesehen werden können. Im zweiten Teil werden auf die „specifica differentia“ des fremdsprachlichen Lesens eingegangen. Danach im abschließenden dritten Teil soll aufgezeigt werden, dass zwischen den Modellen der Lesetheorie und den Anforderungen der Lesedidaktik DaF eine erhebliche Diskrepanz besteht. Die sich daraus ergebende Frage nach der Relevanz der Lesetheorie für die DaF-Lesedidaktik soll abschließend exemplarisch anhand eines Vergleichs zweier bekannter und einflussreicher Didaktisierungsversuche aus dem Bereich DaF von Gerard Westhoff und Madline Lutjeharms diskutiert werden.
Textauszug (computergeneriert)
Wie wird nun das Lesen gelehrt?
Fremdsprachliche Lesedidaktik im Spannungsfeld zwi-
schen Lesetheorie und unterrichtlicher Praxis am Bei-
spiel DaF
Seminararbeit im Rahmen des Proseminars
,,Lesedidaktik"
Im Fach ,,Deutsch als Fremdsprache"
an der Universität Trier
vorgelegt von
Daniel Künstler
Trier, September 2008
Einleitung 3
1 Lesetheorie 3
1.1 Leseprozessmodelle 4
1.1.1 Bottom-up-Modell 5
1.1.2 Top-down-Modell 5
1.1.3 Interaktive
Modelle 6
1.1.4 Modulares vs. konnektionistisches Modell 7
2
Lesen in der Fremdsprache 8
2.1
Unterschiede im Forschungsstand L1 und Ln 8
2.2
Der fremdsprachige Leser 8
2.2.1 Zwei Hypothesen über den L2-Leser 9
2.2.1.1 Sprachliche
Schwellenhypothese 9
2.2.1.2 Sprachliche
Interdependenzhypothese 9
2.3
Eigendynamik des fremdsprachlichen Lesens 9
3
Diskrepanz zwischen Leseforschung und Lesedidaktik 10
3.1
Lesedidaktische Relevanz der Lesetheorie 10
3.2 Zwei
unterschiedliche
lesedidaktische Ansätze? Gerard Westhoff vs.
Madeline Lutjeharms 12
4 Schlussbetrachtung 15
5 Literaturnachweis 16
2
Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit zum Proseminar ,,Lesedidaktik" sollen die folgenden
Fragen erörtert werden: In wie weit zeigt sich die Lesedidaktik DaF durch die in der
Leseforschung diskutierten lesetheoretischen Modelle zum muttersprachlichen Lesen
beeinflusst und inwiefern erscheinen direkte lesedidaktische Ableitungen von spekulati-
ve Modellen des L1-Lesens für den L2-Leseunterricht überhaupt sinnvoll?
Es soll im ersten Teil anhand der Darstellung einiger gängiger theoretischer Lese-
modelle gezeigt werden, dass die lesetheoretische Forschung beim Beschreiben des
hochkomplexen Leseprozesses in der Muttersprache zu vielen verschiedenen und oft
widersprüchlichen empirischen Ergebnissen und Konzeptualisierungen kommt, und
diese daher als eher spekulativ angesehen werden können. Im zweiten Teil werden auf
die ,,specifica differentia" des fremdsprachlichen Lesens eingegangen. Danach im ab-
schließenden dritten Teil soll aufgezeigt werden, dass zwischen den Modellen der Le-
setheorie und den Anforderungen der Lesedidaktik DaF eine erhebliche Diskrepanz
besteht. Die sich daraus ergebende Frage nach der Relevanz der Lesetheorie für die
DaF-Lesedidaktik soll abschließend exemplarisch anhand eines Vergleichs zweier be-
kannter und einflussreicher Didaktisierungsversuche aus dem Bereich DaF von Gerard
Westhoff und Madline Lutjeharms diskutiert werden.
1 Lesetheorie
Die Beschäftigung mit den Prozessen des Lesens und allgemein den Mechanismen so-
wie Abhängigkeiten der menschlichen Sprachverarbeitung reicht zurück ins 19. Jahr-
hundert, wo die psychologischen Grundlagen geschaffen wurden, auf welchen eine neu-
ere Welle der Erforschung von Sprache entstehen konnte. Diese neue Welle wuchs ge-
gen Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, als man einen interdisziplinären Brü-
ckenschlag zwischen Psychologie und Linguistik wagte: die Geburtsstunde der Psycho-
linguistik (vgl. Rickheit/Strohner 1993). Der Anfangsphase dieser jungen Disziplin,
welche zunächst behavioristisch geprägt und deren didaktischen Konsequenzen sich
nicht nur im Fremdsprachenunterricht niederschlugen, folgte in den 70er Jahren die
,,kognitive Wende", als man zunehmend erkannte, dass beim Prozess des Lesens weit
mehr geschieht als die reine Zuordnung von Gesprochenem zu Gedrucktem (Ehlers
1998). Mehr und mehr wurden komplexere kognitive Aktivitäten und Abläufe beim
3
Lesen vermutet, was sich in der Lesetheoriebildung bis heute durch die Kreation immer
komplexerer Modelle des Leseverstehens äußert. Diese Modelle versuchen theoretische
Konzeptionen vom Leser und dem Lesen darzustellen, die den stets neuen Enthüllungen
des kognitiven (und darüber hinaus des kommunikativen) Ausmaßes der Sprachverar-
beitung gerecht werden. Lesen kann somit nicht mehr von einem singulären Fach unter-
sucht werden, sondern fordert eine interdisziplinäre Forschungszusammenarbeit sowie
regen Informationsaustausch; so wie es dann schließlich Ende der 80er Jahre in der
kognitiven Linguistik realisiert wurde: ein Zweig der Kognitiven Wissenschaften, wo
alle an der menschlichen Informationsverarbeitung interessierten wissenschaftlichen
Bereiche kooperieren und seither gemeinsam dem Geheimnis Lesen auf der Spur sind.
1.1 Leseprozessmodelle
Die im Laufe der dreißigjährigen, modernen Leseforschung entstandenen diversen Mo-
delle zum Leseverlauf beschreiben und fokussieren jeweils nur Aspekte des hochkom-
plexen Lesevorgangs. Deshalb ist es oft irreführend von dem Leseprozess zu sprechen,
da es sich beim Lesen nicht um ,,einen" Prozess handelt, sondern um das Zusammen-
spiel verschiedener, vielleicht unzähliger Teilprozesse auf unterschiedlichen hierarchi-
schen Ebenen. Auch darf man nicht dringt man tiefer in die Sprachrezeptionsfor-
schung ein von dem Lesen an sich reden, sondern muss nach leser-, text-, leseziel-,
situations- und umweltbedingten Leseartvariationen und somit von unterschiedlichen
Phänomenen des Lesens ausgehen. Wahrscheinlich aus Erfurcht vor den damals neu
aufkommenden Erkenntnissen über die Komplexität des Lesen in den 70er Jahren und
den wohl vermuteten noch nicht erschlossenen Tiefen menschlicher Kognition ,,yet to
reveal", äußerten Gibson und Levin 1976:
"A skilled reader is very selective. [...] He doesn′t read in the pure sense of per-
forming a unique process composed of decoding and comprehending, he thinks, he
remembers (often he forgets, quite deliberately), and he constantly relates what his
eye is dwelling on to what came before, what will come next, and to his own ex-
perience. In other words, there is no single reading process."(Gibson/Levin 1976,
438)
"No single model will serve to describe the reading process, because there are as
many reading processes as there are people who read, things to be read, and goals
to be served. Reading is as varied and adaptive an activity as perceiving, remem-
bering, or thinking, since in fact it includes all these activities. "(ibid, 454)
Selbst neuere in der Fachwelt diskutierte Modelle können immer noch nicht den An-
spruch hegen, der Realität der ablaufenden Aktivitäten und Interdependenzen beim Le-
se- bzw. Textverstehen gerecht zu werden. Daher werden im folgenden nur die gängi-
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