Autor: Sebastian Bretzner
Fach: Wirtschaft - Volkswirtschaftslehre
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Wirtschaftswissenschaft)
Tags: Konzept, Kerninflationsrate, Volkswirtschaftliches, Hauptseminar, Monetäre
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 194 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18641-9
ISBN (Buch): 978-3-640-18825-3
Zusammenfassung / Abstract
Eines der wichtigsten Ziele der heutigen Geldpolitik der Zentralbanken liegt in der Sicherung der Geldwertstabilität. Schwierigkeiten bereitet dabei die Unterscheidung zwischen einer Preisschwankung mit transistenten oder persistenten Charakter1. Das Hauptaugenmerk liegt zumeist auf langfristigen Betrachtungen der Preisveränderungen. In Deutschland wird dies häufig anhand der Veränderungen des Preisindex der Lebenshaltung untersucht. Jedoch kann dieser Index, wie auch ähnliche Inflationsraten in anderen Ländern, durch kurzfristige Schwankungen der Komponenten des Warenkorbs, differieren. Ziel einer vorausschauenden Geldpolitik muss es jedoch sein den „generellen Preistrend, also die persistente Komponente der Teuerung“ zu betrachten2. Aus diesem Grund nimmt die Bedeutung der so genannten Kerninflationsraten immer weiter zu, da bei ihrer Berechnung derartige Volatilitäten nicht berücksichtigt werden. Sie bilden damit die grundlegende Preistendenz ab3, da sie frei von transitorischen Bewegungen sind, also nicht von temporären Schocks beeinträchtigt werden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die grundlegenden Konzepte der Berechnung der Kerninflationsraten detailliert zu erläutern. Dabei wird sowohl auf die statistischen Methoden, als auch auf Alternativen auf Basis der ökonomischen Theorie eingegangen. Zu Beginn werden wir die Anforderungen und Eigenschaften von Kerninflationsraten erklären. Anschließend werden die transitorischen Preisbewegungen und deren Einfluss auf die Preise geschildert. Kapitel 4 befasst sich mit den möglichen Berechnungsarten der Kerninflation mit jeweils einer kurzen, anschaulichen Berechnung. Darauf folgend werden wir die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflationsrate miteinander vergleichen. Wir schließen die Arbeit mit einer abrundenden Zusammenfassung und einem kurzen Ausblick ab. Die Kapitel 1 bis einschließlich 4.1.3. verfasste Sebastian Bretzner, Tobias Schneyer fertigte die folgenden Kapitel 4.2. bis 6. an.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Wirtschaftswissenschaft
Volkswirtschaftliches Hauptseminar
Monetäre Ökonomik
Sommersemester 2006
Thema:
Das Konzept der Kerninflationsrate
Sebastian Bretzner
Studiengang: Mathematik und Wirtschaftswissenschaften
Lehramt Gymnasium
Tobias Schneyer
Studiengang: Mathematik und Wirtschaftswissenschaften
Lehramt Gymnasium
. Inhaltsverzeichnis:
. Inhaltsverzeichnis
II
1. Einleitung und Hinführung zum Thema
III
2. Definitionen und Eigenschaften der Kerninflationsraten
IV
3. Transitorische Bewegungen und Einflüsse auf Preise
V
4. Ansätze zur Berechnung der Kerninflationsraten
VI
4.1. Statistische Methoden
VII
4.1.1. Ausschluss volatiler Komponenten
VII
4.1.2. Verwendung modifizierter Gewichte
IX
4.1.3. Getrimmte Mittelwerte
XI
4.2. Alternative Methoden auf Basis der
ökonomischen Theorie
XIV
4.2.1. Strukturel er VAR-Ansatz
XIV
4.2.2. P* - Ansatz
XVII
5. Vergleichende Darstel ung der verschiedenen
Berechnungsarten der Kerninflationsrate
XX
6. Zusammenfassung und abschließender Ausblick
XXII
II. Literaturverzeichnis
XXV
II
1.Einleitung und Hinführung zum Thema
Eines der wichtigsten Ziele der heutigen Geldpolitik der Zentralbanken liegt in der
Sicherung der Geldwertstabilität. Schwierigkeiten bereitet dabei die Unterscheidung
zwischen einer Preisschwankung mit transistenten oder persistenten Charakter1. Das
Hauptaugenmerk liegt zumeist auf langfristigen Betrachtungen der Preisveränderungen.
In Deutschland wird dies häufig anhand der Veränderungen des Preisindex der
Lebenshaltung untersucht. Jedoch kann dieser Index, wie auch ähnliche Inflationsraten
in anderen Ländern, durch kurzfristige Schwankungen der Komponenten des
Warenkorbs, differieren. Ziel einer vorausschauenden Geldpolitik muss es jedoch sein
den ,,generel en Preistrend, also die persistente Komponente der Teuerung" zu
betrachten2. Aus diesem Grund nimmt die Bedeutung der so genannten
Kerninflationsraten immer weiter zu, da bei ihrer Berechnung derartige Volatilitäten nicht
berücksichtigt werden. Sie bilden damit die grundlegende Preistendenz ab3, da sie frei
von transitorischen Bewegungen sind, also nicht von temporären Schocks beeinträchtigt
werden.
Ziel dieser Arbeit sol es sein, die grundlegenden Konzepte der Berechnung der
Kerninflationsraten detail iert zu erläutern. Dabei wird sowohl auf die statistischen
Methoden, als auch auf Alternativen auf Basis der ökonomischen Theorie eingegangen.
Zu Beginn werden wir die Anforderungen und Eigenschaften von Kerninflationsraten
erklären. Anschließend werden die transitorischen Preisbewegungen und deren Einfluss
auf die Preise geschildert. Kapitel 4 befasst sich mit den möglichen Berechnungsarten
der Kerninflation mit jeweils einer kurzen, anschaulichen Berechnung. Darauf folgend
werden wir die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflationsrate miteinander
vergleichen. Wir schließen die Arbeit mit einer abrundenden Zusammenfassung und
einem kurzen Ausblick ab.
Die Kapitel 1 bis einschließlich 4.1.3. verfasste Sebastian Bretzner, Tobias Schneyer
fertigte die folgenden Kapitel 4.2. bis 6. an.
2. Definitionen und Eigenschaften von Kerninflationsraten
Zu Beginn ist klar zu machen, dass die Kerninflationsrate keine direkte
Beobachtungsgröße darstel t, sondern nur geschätzt werden kann. Zudem gibt es keine
al gemein akzeptierte Definition des Begriffs der Kerninflation. Die erste wichtige
1 Roger (1998), S. 5
2 Landau (2000), S. 1
3 D. Bank (2000), S.49
III
Definition stammt aus dem Jahr 1981 von Eckstein, der in der Kerninflation den
Preisanstieg sieht, der sich einstel t, wenn sich die Wirtschaft auf ihrem langfristigen
Wachstumspfad befindet. Bryan und Cecchetti (1994) verstehen darunter ,,die monetäre
Inflation, die aus der Veränderung der Geldmenge resultiert"4. Jedoch gibt es weitere,
teils ähnliche, teils abweichende Definitionsansätze, wie beispielsweise von Quah und
Vahey (1995)5, die die Kerninflationsrate als die Komponente der gemessenen Inflation
betrachten, die keinen mittel- oder langfristigen Einfluss auf den reel en Output hat. Dies
impliziert, dass Versorgungsengpässe zwar das kurzfristige Preisniveau betreffen, die
Inflationsrate jedoch nicht6. Auch deshalb sol en Angebotsschocks bei der Berechnung
ausgeklammert werden und weil dadurch die Kerninflationsrate die Inflation darstel t, die
von der Zentralbank kontrol iert werden kann. Jedoch stel t nicht nur die fehlende
Definition, sondern auch die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflation ein
Problem dar, wie im weiteren Verlauf der Arbeit noch gezeigt werden wird.
Die Kerninflationsrate ist ein wirkvol es Mittel der Politik, wie auch Marianne Johnson
zeigt7. Sie kann erstens ein guter Indikator für die weitere Entwicklung der Inflation sein,
zweitens eine gute Messmethode der Inflation in empirischen Arbeiten und drittens ein
variables Ziel der monetären Politik.
Zu den Eigenschaften der Kerninflationsrate gehört zu al ererst die Mittelwerterhaltung,
d.h. dass ihr Mittelwert im Durchschnitt des Beobachtungszeitraumes der gemessenen
Inflation entsprechen sol . Damit sol gesichert werden, dass die Geldpolitik durch längere
Abweichungen von Inflation und Kernrate nicht falsch gesteuert wird, und dass die
Glaubwürdigkeit der Kerninflationsrate, aus demselben Grund, in der Bevölkerung nicht
leidet.
Von besonderer Wichtigkeit ist auch eine niedrige Volatilität der Rate, da transitorische
Bewegungen ausgeschlossen werden, was im folgenden Kapitel genauer erläutert wird.
Dadurch muss es zu geringeren Schwankungen kommen, als bei der gemessen Inflation,
da diese ,,ungefiltert" ist.
Weiter sol en bei früherer Kerninflationsraten keine Revisionen vorgenommen werden,
weil dadurch die Akzeptanz in der Öffentlichkeit leiden würde. Die Rate sol also ,,zeitlich
invariant gegenüber Veränderungen des Beobachtungszeitraum" sein.8
4 Landau (2000), S. 1
5 Apel, Jansson (1999), S. 3
6 Roger (1998), S. 2
7 Johnson (1999) S. 3 und S. 5
8 Landau (2000), S. 5
IV
Zudem sol te sie immer zeitgleich mit neuen Inflationsdaten veröffentlicht werden, da sie
sonst kein Hilfsmittel bei der Preisentwicklungsinterpretation ist.
Die letzte wichtige Eigenschaft der Kerninflation ist der Zusammenhang mit der
Inflationserwartung und der Unterschied zur gemessenen Inflation. Es wird, wie
nachfolgend noch genauer erläutert wird, nur der persistente Teil der Inflation betrachtet
und zum Beispiel Schocks eliminiert. Dadurch ist die Kerninflation ein besseres Mittel um
die Inflationserwartungen zu beschreiben, als die Inflationsrate selbst. Sie ist auch
wirkungsvol er als die gemessene Inflation, um die Effektivität der monetären Politik zu
bewerten9, z.B. bei dem Erreichen von Inflationszielen.
3. Transitorische Bewegungen und Einflüsse auf Preise
Wie bereits schon erwähnt, wird bei der Berechnung der Kerninflationsrate nur der
persistente Teil der Inflation beachtet. Die so genannten transitorischen Preiseinflüsse
stehen zumeist nicht ,,im unmittelbaren Zusammenhang mit dem grundlegenden
Preisbildungsprozess"10, jedoch werden wir diese Bewegungen hier einmal genauer
betrachten, da sie in sehr vielfältiger Natur auftreten.
Bei saisonabhängigen Nahrungsmittel, wie Obst oder Gemüse zum Beispiel, kann es
aufgrund von verspäteten Ernten wegen schlechter Witterung zu ungewöhnlich starken
Preisschwankungen kommen, fal s das vorhandene Angebot die Nachfrage nicht
befriedigen kann. Dies führt dann, der Knappheit wegen, zu einer kurzzeitig steigenden
Teuerungsrate. Jedoch können diese Sondereinflüsse schnel wieder verschwinden. Sie
kehren sich in ihrer Wirkung um und haben damit auch kurzfristig keinen Einfluss auf die
Jahresteuerungsrate und das Preisniveau11. Diese Kategorie nennt man erratische
Preisstörungen.
Eine weitere Art sind temporäre Preisschocks. Ein Beispiel dafür sind, um im Bereich der
Landwirtschaft zu bleiben, Missernten oder auch Ölpreissprünge, wie sie im Sommer des
Jahres 2005 zu sehen waren. Im Gegensatz zu der oben genannten Art, ist hier jedoch
eine längere Zeitperiode nötig, damit das gestiegene Preisniveau wieder auf seinen
vorherigen Stand zurückgeht, fal s das überhaupt geschieht.
Dies führt uns weiter zu den abrupten dauerhaften Preisänderungen, die auch das
Ausgabenbudget der Haushalte berühren. Oftmals handelt es sich hierbei um
Veränderung bei administrativen Preisen, wie z. B. Verkehrstarifen, oder Ähnlichem. Sie
9 Johnson (1999) S. 4
10 D. Bank (2000), S. 50
11 Landau (2000), S. 3
V
fal en meist sehr hoch aus und treten unregelmäßig auf. Folge davon ist ein sprunghafter
Anstieg des Preisniveaus und auch ein dauerhaft höheres Niveau. Der Einfluss auf
Jahresteuerung betrifft dabei hauptsächlich die ersten 12 Monate. Erfolgen keine
weiteren Preisanpassungen, dann kehrt die Rate auf ihren alten Stand zurück12. Werden
indirekte Steuern erhöht, wie Mehrwert- oder Ökosteuer, gibt es ähnliche Veränderungen
und auch Angebotsschocks können zwar einen permanenten Einfluss auf das
Preisniveau haben, nicht jedoch auf die Inflationsrate13.
Als Letzte hier genannte Preiseinflussgröße besteht die Gefahr der Verfestigung
vorübergehender Teuerungsimpulse. Dabei werden transitorische Bewegungen zu
permanenten Veränderungen der Inflation. Als Folge können so genannte
Zweitrundeneffekte auftreten, beispielsweise wenn die Forderung einer Anpassung der
Löhne an die gestiegene Inflation auch den Preistrend beeinflusst14.
Besonders in dieser letzten Art, aber auch generel ist es damit fundamental wichtig zu
unterscheiden, ob es sich bei einer Preisbewegung um eine mit transitorischen oder
persistenen Charakter handelt. Denn nur wenn dies richtig antizipiert wird kann die
Kerninflationsrate richtig berechnet werden und damit den zum Teil deutlichen
Unterschied zu der gemessenen Inflation herausstel en.
4. Ansätze zur Berechnung der Kerninflationsraten
Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um die Kerninflationsrate
zu berechnen. Sie sind auch von Land zu Land unterschiedlich.
Wynne zum Beispiel schlägt als eine Methode vor, die Auswirkung einer Veränderung
von indirekten Steuern auf die Inflationsrate zu messen. Diese Möglichkeit der
Kalkulation kann eventuel für die politische Ökonomie von Interesse sein, nicht jedoch
für die Zentralbanken15. Ebenso entfal en zeitreihenanalytische Verfahren, wie der so
genannte HP-Filter, da diese Ansätze mit hohen Problemen behaftet sind16. Wir werden
uns hier nur auf praktisch relevante Methoden beschränken. Statistische Methoden, als
auch alternative Berechnungsansätze, die auf der ökonomischen Theorie basieren,
werden nachfolgend detail iert erläutert werden. Zu jeder Möglichkeit der Kalkulation
werden kurz die Vor- und Nachteile genannt und abschließend wird ein kurzes Beispiel
12 Landau (2000), S. 4
13 Roger (1998), S. 2
14 D. Bank (2000), S. 52
15 Wynne (1999), S. 2
16 Landau (2000), S. 7
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