Das Konzept der Kerninflationsrate close Bitte warten


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Veranstaltung: Volkswirtschaftliches Hauptseminar Monetäre Ökonomik
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Wirtschaftswissenschaft)
Tags: Konzept, Kerninflationsrate, Volkswirtschaftliches, Hauptseminar, Monetäre
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 7  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 194 KB
Archivnummer: V116472
ISBN (E-Book): 978-3-640-18641-9
ISBN (Buch): 978-3-640-18825-3

Zusammenfassung / Abstract

Eines der wichtigsten Ziele der heutigen Geldpolitik der Zentralbanken liegt in der Sicherung der Geldwertstabilität. Schwierigkeiten bereitet dabei die Unterscheidung zwischen einer Preisschwankung mit transistenten oder persistenten Charakter1. Das Hauptaugenmerk liegt zumeist auf langfristigen Betrachtungen der Preisveränderungen. In Deutschland wird dies häufig anhand der Veränderungen des Preisindex der Lebenshaltung untersucht. Jedoch kann dieser Index, wie auch ähnliche Inflationsraten in anderen Ländern, durch kurzfristige Schwankungen der Komponenten des Warenkorbs, differieren. Ziel einer vorausschauenden Geldpolitik muss es jedoch sein den „generellen Preistrend, also die persistente Komponente der Teuerung“ zu betrachten2. Aus diesem Grund nimmt die Bedeutung der so genannten Kerninflationsraten immer weiter zu, da bei ihrer Berechnung derartige Volatilitäten nicht berücksichtigt werden. Sie bilden damit die grundlegende Preistendenz ab3, da sie frei von transitorischen Bewegungen sind, also nicht von temporären Schocks beeinträchtigt werden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die grundlegenden Konzepte der Berechnung der Kerninflationsraten detailliert zu erläutern. Dabei wird sowohl auf die statistischen Methoden, als auch auf Alternativen auf Basis der ökonomischen Theorie eingegangen. Zu Beginn werden wir die Anforderungen und Eigenschaften von Kerninflationsraten erklären. Anschließend werden die transitorischen Preisbewegungen und deren Einfluss auf die Preise geschildert. Kapitel 4 befasst sich mit den möglichen Berechnungsarten der Kerninflation mit jeweils einer kurzen, anschaulichen Berechnung. Darauf folgend werden wir die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflationsrate miteinander vergleichen. Wir schließen die Arbeit mit einer abrundenden Zusammenfassung und einem kurzen Ausblick ab. Die Kapitel 1 bis einschließlich 4.1.3. verfasste Sebastian Bretzner, Tobias Schneyer fertigte die folgenden Kapitel 4.2. bis 6. an.

Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Institut für Wirtschaftswissenschaft

Volkswirtschaftliches Hauptseminar

Monetäre Ökonomik

Sommersemester 2006

Thema:

Das Konzept der Kerninflationsrate

Sebastian Bretzner

Studiengang: Mathematik und Wirtschaftswissenschaften

Lehramt Gymnasium

Tobias Schneyer

Studiengang: Mathematik und Wirtschaftswissenschaften

Lehramt Gymnasium


. Inhaltsverzeichnis:

. Inhaltsverzeichnis

II

1. Einleitung und Hinführung zum Thema

III

2. Definitionen und Eigenschaften der Kerninflationsraten

IV

3. Transitorische Bewegungen und Einflüsse auf Preise

V

4. Ansätze zur Berechnung der Kerninflationsraten

VI

4.1. Statistische Methoden

VII

4.1.1. Ausschluss volatiler Komponenten

VII

4.1.2. Verwendung modifizierter Gewichte

IX

4.1.3. Getrimmte Mittelwerte

XI

4.2. Alternative Methoden auf Basis der

ökonomischen Theorie

XIV

4.2.1. Strukturel er VAR-Ansatz

XIV

4.2.2. P* - Ansatz

XVII

5. Vergleichende Darstel ung der verschiedenen

Berechnungsarten der Kerninflationsrate

XX

6. Zusammenfassung und abschließender Ausblick

XXII

II. Literaturverzeichnis

XXV

II


1.Einleitung und Hinführung zum Thema

Eines der wichtigsten Ziele der heutigen Geldpolitik der Zentralbanken liegt in der

Sicherung der Geldwertstabilität. Schwierigkeiten bereitet dabei die Unterscheidung

zwischen einer Preisschwankung mit transistenten oder persistenten Charakter1. Das

Hauptaugenmerk liegt zumeist auf langfristigen Betrachtungen der Preisveränderungen.

In Deutschland wird dies häufig anhand der Veränderungen des Preisindex der

Lebenshaltung untersucht. Jedoch kann dieser Index, wie auch ähnliche Inflationsraten

in anderen Ländern, durch kurzfristige Schwankungen der Komponenten des

Warenkorbs, differieren. Ziel einer vorausschauenden Geldpolitik muss es jedoch sein

den ,,generel en Preistrend, also die persistente Komponente der Teuerung" zu

betrachten2. Aus diesem Grund nimmt die Bedeutung der so genannten

Kerninflationsraten immer weiter zu, da bei ihrer Berechnung derartige Volatilitäten nicht

berücksichtigt werden. Sie bilden damit die grundlegende Preistendenz ab3, da sie frei

von transitorischen Bewegungen sind, also nicht von temporären Schocks beeinträchtigt

werden.

Ziel dieser Arbeit sol es sein, die grundlegenden Konzepte der Berechnung der

Kerninflationsraten detail iert zu erläutern. Dabei wird sowohl auf die statistischen

Methoden, als auch auf Alternativen auf Basis der ökonomischen Theorie eingegangen.

Zu Beginn werden wir die Anforderungen und Eigenschaften von Kerninflationsraten

erklären. Anschließend werden die transitorischen Preisbewegungen und deren Einfluss

auf die Preise geschildert. Kapitel 4 befasst sich mit den möglichen Berechnungsarten

der Kerninflation mit jeweils einer kurzen, anschaulichen Berechnung. Darauf folgend

werden wir die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflationsrate miteinander

vergleichen. Wir schließen die Arbeit mit einer abrundenden Zusammenfassung und

einem kurzen Ausblick ab.

Die Kapitel 1 bis einschließlich 4.1.3. verfasste Sebastian Bretzner, Tobias Schneyer

fertigte die folgenden Kapitel 4.2. bis 6. an.

2. Definitionen und Eigenschaften von Kerninflationsraten

Zu Beginn ist klar zu machen, dass die Kerninflationsrate keine direkte

Beobachtungsgröße darstel t, sondern nur geschätzt werden kann. Zudem gibt es keine

al gemein akzeptierte Definition des Begriffs der Kerninflation. Die erste wichtige

1 Roger (1998), S. 5

2 Landau (2000), S. 1

3 D. Bank (2000), S.49

III


Definition stammt aus dem Jahr 1981 von Eckstein, der in der Kerninflation den

Preisanstieg sieht, der sich einstel t, wenn sich die Wirtschaft auf ihrem langfristigen

Wachstumspfad befindet. Bryan und Cecchetti (1994) verstehen darunter ,,die monetäre

Inflation, die aus der Veränderung der Geldmenge resultiert"4. Jedoch gibt es weitere,

teils ähnliche, teils abweichende Definitionsansätze, wie beispielsweise von Quah und

Vahey (1995)5, die die Kerninflationsrate als die Komponente der gemessenen Inflation

betrachten, die keinen mittel- oder langfristigen Einfluss auf den reel en Output hat. Dies

impliziert, dass Versorgungsengpässe zwar das kurzfristige Preisniveau betreffen, die

Inflationsrate jedoch nicht6. Auch deshalb sol en Angebotsschocks bei der Berechnung

ausgeklammert werden und weil dadurch die Kerninflationsrate die Inflation darstel t, die

von der Zentralbank kontrol iert werden kann. Jedoch stel t nicht nur die fehlende

Definition, sondern auch die unterschiedlichen Berechnungsarten der Kerninflation ein

Problem dar, wie im weiteren Verlauf der Arbeit noch gezeigt werden wird.

Die Kerninflationsrate ist ein wirkvol es Mittel der Politik, wie auch Marianne Johnson

zeigt7. Sie kann erstens ein guter Indikator für die weitere Entwicklung der Inflation sein,

zweitens eine gute Messmethode der Inflation in empirischen Arbeiten und drittens ein

variables Ziel der monetären Politik.

Zu den Eigenschaften der Kerninflationsrate gehört zu al ererst die Mittelwerterhaltung,

d.h. dass ihr Mittelwert im Durchschnitt des Beobachtungszeitraumes der gemessenen

Inflation entsprechen sol . Damit sol gesichert werden, dass die Geldpolitik durch längere

Abweichungen von Inflation und Kernrate nicht falsch gesteuert wird, und dass die

Glaubwürdigkeit der Kerninflationsrate, aus demselben Grund, in der Bevölkerung nicht

leidet.

Von besonderer Wichtigkeit ist auch eine niedrige Volatilität der Rate, da transitorische

Bewegungen ausgeschlossen werden, was im folgenden Kapitel genauer erläutert wird.

Dadurch muss es zu geringeren Schwankungen kommen, als bei der gemessen Inflation,

da diese ,,ungefiltert" ist.

Weiter sol en bei früherer Kerninflationsraten keine Revisionen vorgenommen werden,

weil dadurch die Akzeptanz in der Öffentlichkeit leiden würde. Die Rate sol also ,,zeitlich

invariant gegenüber Veränderungen des Beobachtungszeitraum" sein.8

4 Landau (2000), S. 1

5 Apel, Jansson (1999), S. 3

6 Roger (1998), S. 2

7 Johnson (1999) S. 3 und S. 5

8 Landau (2000), S. 5

IV


Zudem sol te sie immer zeitgleich mit neuen Inflationsdaten veröffentlicht werden, da sie

sonst kein Hilfsmittel bei der Preisentwicklungsinterpretation ist.

Die letzte wichtige Eigenschaft der Kerninflation ist der Zusammenhang mit der

Inflationserwartung und der Unterschied zur gemessenen Inflation. Es wird, wie

nachfolgend noch genauer erläutert wird, nur der persistente Teil der Inflation betrachtet

und zum Beispiel Schocks eliminiert. Dadurch ist die Kerninflation ein besseres Mittel um

die Inflationserwartungen zu beschreiben, als die Inflationsrate selbst. Sie ist auch

wirkungsvol er als die gemessene Inflation, um die Effektivität der monetären Politik zu

bewerten9, z.B. bei dem Erreichen von Inflationszielen.

3. Transitorische Bewegungen und Einflüsse auf Preise

Wie bereits schon erwähnt, wird bei der Berechnung der Kerninflationsrate nur der

persistente Teil der Inflation beachtet. Die so genannten transitorischen Preiseinflüsse

stehen zumeist nicht ,,im unmittelbaren Zusammenhang mit dem grundlegenden

Preisbildungsprozess"10, jedoch werden wir diese Bewegungen hier einmal genauer

betrachten, da sie in sehr vielfältiger Natur auftreten.

Bei saisonabhängigen Nahrungsmittel, wie Obst oder Gemüse zum Beispiel, kann es

aufgrund von verspäteten Ernten wegen schlechter Witterung zu ungewöhnlich starken

Preisschwankungen kommen, fal s das vorhandene Angebot die Nachfrage nicht

befriedigen kann. Dies führt dann, der Knappheit wegen, zu einer kurzzeitig steigenden

Teuerungsrate. Jedoch können diese Sondereinflüsse schnel wieder verschwinden. Sie

kehren sich in ihrer Wirkung um und haben damit auch kurzfristig keinen Einfluss auf die

Jahresteuerungsrate und das Preisniveau11. Diese Kategorie nennt man erratische

Preisstörungen.

Eine weitere Art sind temporäre Preisschocks. Ein Beispiel dafür sind, um im Bereich der

Landwirtschaft zu bleiben, Missernten oder auch Ölpreissprünge, wie sie im Sommer des

Jahres 2005 zu sehen waren. Im Gegensatz zu der oben genannten Art, ist hier jedoch

eine längere Zeitperiode nötig, damit das gestiegene Preisniveau wieder auf seinen

vorherigen Stand zurückgeht, fal s das überhaupt geschieht.

Dies führt uns weiter zu den abrupten dauerhaften Preisänderungen, die auch das

Ausgabenbudget der Haushalte berühren. Oftmals handelt es sich hierbei um

Veränderung bei administrativen Preisen, wie z. B. Verkehrstarifen, oder Ähnlichem. Sie

9 Johnson (1999) S. 4

10 D. Bank (2000), S. 50

11 Landau (2000), S. 3

V


fal en meist sehr hoch aus und treten unregelmäßig auf. Folge davon ist ein sprunghafter

Anstieg des Preisniveaus und auch ein dauerhaft höheres Niveau. Der Einfluss auf

Jahresteuerung betrifft dabei hauptsächlich die ersten 12 Monate. Erfolgen keine

weiteren Preisanpassungen, dann kehrt die Rate auf ihren alten Stand zurück12. Werden

indirekte Steuern erhöht, wie Mehrwert- oder Ökosteuer, gibt es ähnliche Veränderungen

und auch Angebotsschocks können zwar einen permanenten Einfluss auf das

Preisniveau haben, nicht jedoch auf die Inflationsrate13.

Als Letzte hier genannte Preiseinflussgröße besteht die Gefahr der Verfestigung

vorübergehender Teuerungsimpulse. Dabei werden transitorische Bewegungen zu

permanenten Veränderungen der Inflation. Als Folge können so genannte

Zweitrundeneffekte auftreten, beispielsweise wenn die Forderung einer Anpassung der

Löhne an die gestiegene Inflation auch den Preistrend beeinflusst14.

Besonders in dieser letzten Art, aber auch generel ist es damit fundamental wichtig zu

unterscheiden, ob es sich bei einer Preisbewegung um eine mit transitorischen oder

persistenen Charakter handelt. Denn nur wenn dies richtig antizipiert wird kann die

Kerninflationsrate richtig berechnet werden und damit den zum Teil deutlichen

Unterschied zu der gemessenen Inflation herausstel en.

4. Ansätze zur Berechnung der Kerninflationsraten

Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um die Kerninflationsrate

zu berechnen. Sie sind auch von Land zu Land unterschiedlich.

Wynne zum Beispiel schlägt als eine Methode vor, die Auswirkung einer Veränderung

von indirekten Steuern auf die Inflationsrate zu messen. Diese Möglichkeit der

Kalkulation kann eventuel für die politische Ökonomie von Interesse sein, nicht jedoch

für die Zentralbanken15. Ebenso entfal en zeitreihenanalytische Verfahren, wie der so

genannte HP-Filter, da diese Ansätze mit hohen Problemen behaftet sind16. Wir werden

uns hier nur auf praktisch relevante Methoden beschränken. Statistische Methoden, als

auch alternative Berechnungsansätze, die auf der ökonomischen Theorie basieren,

werden nachfolgend detail iert erläutert werden. Zu jeder Möglichkeit der Kalkulation

werden kurz die Vor- und Nachteile genannt und abschließend wird ein kurzes Beispiel

12 Landau (2000), S. 4

13 Roger (1998), S. 2

14 D. Bank (2000), S. 52

15 Wynne (1999), S. 2

16 Landau (2000), S. 7

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