Autor: Judith Dominguez
Fach: Soziologie - Alter
Details
Institut: Universitäres Institut für Alter und Generationen und Universitäres Institut Kurt Bösch (INAG und IUKB)
Tags: Autonomiebedürfnisse, Frauen, Männern, Vergleich, Universitäres, Nachdiplomstudium, Gerontolgie
Jahr: 2007
Seiten: 7
Note: "keine"
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 65 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18465-1
Volltext (computergeneriert)
Autonomie und Geschlecht
Judith Dominguez
Einleitung
Der Autonomie alter Menschen in Alters- und Pflegeheimen wird heute grosse
Bedeutung beigemessen. Die persönliche Autonomie nimmt in der aktuellen
Diskussion Bezug zur Menschenwürde. Eingriffe in die Freiheit zur
Selbstbestimmung sind demnach grundsätzliche Verletzungen der menschlichen
Würde.1 In fast jedem Leitbild wird Selbstbestimmung als gewährleistet beschrieben
und in Publikationen werden immer wieder Missstände und Mängel angeprangert.
Allgemein geht man offenbar davon aus, dass der Heimeintritt mit einer Aufgabe der
Selbstbestimmung und Einschränkung einer eigenständigen Lebensführung
einhergeht.2
Die Bedeutung des Themas Autonomie alter Menschen in Institutionen ist im
Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Wandel zu betrachten. Man spricht von
einer individualisierten Gesellschaft, in der die unpersönlichen Systeme der
institutionellen und professionellen Hilfe dem Einzelnen zu wenig Chancen bietet
seine persönlichen Autonomiebedürfnisse zur Geltung zu bringen.3
Im Jahre 2000 lebten 20.5% der über 80 Jährigen und 58.4 % der über 95 Jährigen
in sozio-medizinischen Einrichtungen.4 Der Anteil Frauen in institutionellen
Wohneinrichtungen ist in allen Altersgruppen höher als bei den Männern. Während
nur jeder Siebte über 80 jährige Mann in einem Alters- und Pflegeheim wohnt, ist
dies bei Frauen mehr als jede Vierte.5 Das heisst, heute leben in Alters- und
Pflegeheimen vorwiegend hochaltrige Frauen.
Viele der heute Hochaltrigen waren verheiratet, der Anteil lediger und geschiedener
ist in dieser Kohorte gering. Die Geburtenrate betrug im Jahre 1950 fast 2.5.6 Von
den über 65 Jährigen Männern leben nur 17% in einem Einpersonenhaushalt, bei
den Frauen hingegen sind es 42%.7 Für die über 80 Jährigen sind diese Zahlen
sicherlich noch höher.
Die Mugsla Studie ging der Frage nach Autonomie in Heimen nach und kam zum
Schluss, dass die Handlungsspielräume von Heimbewohnern eher gering
einzuschätzen sind. Allerdings wurden in dieser Studien vorwiegend Pflegende und
nicht Bewohnende befragt.8
Welche Autonomiebedürfnisse haben die heute hochaltrige Menschen? Ist ein
Geschlechtsunterschied erkennbar? Und mit welchen Veränderungen ist in Zukunft
zu rechnen?
Autonomie
Der Begriff Autonomie ist aus den griechischen Wörtern autos selbst und nomos
Gesetzt abgeleitet. Demnach bedeutet Autonomie die Möglichkeit, für sich selbst
eigene Gesetzte aufzustellen und das Recht, nach diesen zu leben. Doch Autonomie
ist alles andere als ein eindeutiger Begriff. Darunter wird unter anderem
Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Freiheit, Wahlmöglichkeiten, Selbständigkeit,
Individualität, Kreativität und Emanzipation verstanden.10 Jeder dieser
Autonomiebegriffe ist wiederum nicht eindeutig. Unter Selbständigkeit beispielsweise
kann im Kontext des Themas die körperliche Selbstpflege im Gegensatz zur
Abhängigkeit von Pflegeleistungen, die Fähigkeit eigenverantwortlich zu handeln im
Gegensatz zur Notwendigkeit einer Bevormundung bzw. der Unterstützung durch
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Gerontologie in Vechta)
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Vertrauenspersonen oder auch die vorhandene Ressource in einer bestimmten
Situation zwischen zwei angebotenen Alternativen wählen zu können, verstanden
werden. In diesen Definitionen wird Autonomie als Eigenschaft wahrgenommen.
Baltes und Wahl versuchten die Autonomie als prozessuales Wechselspiel mit der
Sicherheit zu beschreiben, das heisst, sie gehen davon aus, dass ein Patient
zwischen Autonomie- und Sicherheitsbedürfnissen hin und her schwankt.11
Ein andere Weg sich dem Begriff Autonomie anzunähern wird besonders im Umfeld
der Psychiatrie vorgeschlagen. In diesem Kontext ist Autonomie als Gegenteil von
Zwang eine Kernfrage, denn seelische Störungen selbst beeinträchtigen die
Autonomie des Betroffenen und in der Psychiatrie werden oft Behandlungen
notwendig, die mit einer Beschränkung der Autonomie verbunden sind, wie
beispielsweise die Zwangseinweisungen.12
Lensing beschreibt die Autonomie als ein ,,Zustand, in dem der alte Mensch sich in
der Lage sieht, seine Lebensziele durch den Gebrauch eigener
Verhaltenskompetenzen und Ressourcen zu erreichen. Autonomie bedeutet
demnach, Entscheidungen unabhängig und eigenständig treffen sowie das eigene
Leben aktiv beeinflussen und gestalten zu können." 13
In den folgenden Ausführungen, werde ich mich auf die Autonomie im Sinne von
Entscheidungsspielräumen bei der Wahl zwischen verschiedener Alternativen
beschränken.
Autonomiebedürfnisse
In der gerontologischen und pflegewissenschaftlichen Literatur wird unter anderem
die Interpretation der Autonomie alter und kranker Menschen mit den Begriffen der
(Mit)Entscheidung, (Mit)Bestimmung oder der Wahlfreiheit umschrieben. Verbunden
mit diesem Autonomiebegriff ist auch die Voraussetzung der Ausübung der
Autonome wie die Fähigkeit, die Macht oder Erlaubnis den Entscheidungsspielraum
nutzen zu können.14 In Forschungskonzepten zum Thema Autonomie in Alters- und
Pflegeheimen werden zum Beispiel folgende Bereiche untersucht15:
· Selbst- oder Mitbestimmung des Tagesablaufes wie flexible Essenszeiten,
individuelle Zeiten für das Aufstehen bzw. zu Bette gehen oder Gestaltung der
Freizeit und Aktivitäten
· Selbst- oder Mitbestimmung im Wohnbereich wie die Einrichtung des privaten
Wohnbereiches, die Achtung der Privatsphäre oder die Mitgestaltung der
öffentlichen Räumlichkeiten
· Selbst- oder Mitbestimmung bei den angebotenen Dienstleistungen vor allem
der Pflege und Betreuung
· Mitsprache und Mitbestimmung, welche die gesamte Institution betreffen wie
das Vorhandenseins eines Bewohnerrates, regelmässige Versammlungen mit
der Heimleitung
Der wesentliche Faktor für die Entscheidung sich in einem Alters- und Pflegeheim
anzumelden, ist die Sicherheit bei Bedarf Hilfe zu erhalten. Die Selbstbestimmung
spielt für diese Personengruppe eine grosse Rolle. Mehr als 40% derjenigen älteren
Menschen, die sich bereits in einem Alters- und Pflegeheim angemeldet haben, sind
der Meinung, dass man im Heim nichts mehr selber entscheiden kann. Ungefähr
70% geben in der gleichen Befragung an, dass es für sie sehr wichtig ist, die
Teilnahme an Aktivitäten selber wählen zu können, hingegen sind nur gerade 20%
sehr interessiert an der Mitbestimmung bei der Menueauswahl und ungefähr weitere
50% bezeichnen dieses Autonomiebedürfnis als eher wichtig. 80% wollen die
Zimmereinrichtung selber bestimmen, 70% möchten ihre eigenen Möbel mitnehmen,
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aber nur etwa 40% erwarten, dass sie vom Personal in der Selbständigkeit
unterstützt werden.16.
Wie Menschen ihre Autonomie erleben hängt mit der eigenen Biographie und den
persönlichen Interpretationsmustern zusammen.17
Autonomie und Geschlecht
Möglicherweise definieren heute hochaltrige Frauen den Begriff Autonomie anders
als ihre männlichen Zeitgenossen. Die soziale Konstruktion der
Geschlechtszugehörigkeit bedeutet, dass vieles (oder alles) durch gesellschaftliche
Normen und Erwartungen bestimmt wird. Dies trifft auch auf den Begriff der
persönlichen Autonomie zu, der in der feministischen Emanzipationsbewegung einen
besonders hohen Stellewert hatte. Die heute hochaltrigen Frauen sind in einer
Gesellschaft gross geworden, die den Frauen weniger Wahlmöglichkeiten zubilligte
als den gleichaltrigen Männern. So durften sich diese Frauen erst seit 1971 mit der
Einführung des Frauenstimmrechtes am politischen Leben beteiligen. Da waren
heute alte Frauen bereits zwischen 40 und 60 Jahre alt. In der Hochkonjunktur nach
dem zweiten Weltkrieg heirateten die heute alten Frauen früh und kümmerten sich
dank der guten Wirtschaftslage meist ausschliesslich um Haushalt und
Kindererziehung.18 Damit erübrigte sich die Möglichkeit Berufe, Bildung und
Arbeitsstellen zu wählen. In der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren hatten in der
Volkszählung 2000 die Männer viermal häufiger einen universitären Abschluss als
Frauen. Mehr als 50% der Frauen zwischen 25 und 64 Jahren verfügten im Jahre
1980 nur über einen obligatorischen Schulabschluss.19 Im Jahre 1988 wurde das
neue Eherecht eingeführt, das eine Gleichstellung der Frau in der Ehe erstmals
vorsah. Damit erhielten die Frauen beispielsweise das Recht, den gemeinsamen
Wohnort mitbestimmen zu dürfen. Den eigenen Wohnort selbst zu wählen gehört
heute mit zum Standard der persönlichen Autonomie und wird auch für die Wahl
eines Eintrittes in ein Alters- und Pflegeheim gefordert.
Damit ein autonomes Leben möglich ist, müssen einerseits Wahlmöglichkeiten
vorhanden sein, anderseits muss die Person aber auch aktiv werden und tatsächlich
wählen. Der Grad der Autonomie einer Person ist demnach an ihren Entscheidungen
und ihren Handlungen hinsichtlich dieser Entscheidungen ersichtlich. Erst wenn der
Mensch entsprechend seinen Wünschen und seinem Willen entscheidet und
tatsächlich wählt, lebt er autonom. Wählt der Mensch hingegen ohne sich zu
überlegen, ob dies tatsächlich seinen Wünschen und seinem Willen entspricht, ist er
nicht autonom Die Häufigkeit und Tiefe der Selbstreflexion betreffend eigener
Wünsche und das Handeln danach, sind von der durchlebten Sozialisation geprägt.20
Die Sozialisation heute alter Frauen und Männer in der Schweiz hat sich
genderspezifisch unterschieden. In der Regel erlernten die Männer einen Beruf und
übten bis zur Pensionierung eine Erwerbsarbeit aus. Die Frauen hingegen erlernten
weit weniger häufig einen Beruf und widmeten sich meist der Hausarbeit und
Kindererziehung. Diese Rollen wurden von der Gesellschaft im Allgemeinen auch
erwartet und Mütter, die neben her Geld verdienten waren entweder von ihren
Männern verlassen worden, arm oder Rabenmütter. Frauen, die nicht heirateten und
keine Kinder hatten, wurden abschätzig als alte Jungfern bezeichnet. Noch weniger
Angesehen waren ledige Frauen mit Kindern. Friedman geht deshalb davon aus,
dass Männer und Frauen unterschiedliche Vorstellungen von Autonomie haben.
Während Männer, auch Ehemänner und Väter, von Freiheit träumten, waren Frauen
finanziell und gesellschaftlich darauf angewiesen, dass ihre Männer diese Wünsche
nicht auslebten. Für Frauen war das familiär ungebundene Leben oder die
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Verwirklichung beruflicher Wünsche, die mit finanziellen Risiken verbunden waren,
keine anzustrebenden Ziele.
Da heute hochaltrige Frauen seltener als Männer ein eigenständiges Berufsleben
führten, definierten sie sich selbst eher über soziale Beziehungen, ganz besonders
über diejenige zum Ehepartner. So sprach man zum Beispiel noch vor wenigen
Jahren die Frau eines Arztes mit Frau Doktor an. Die soziale Anerkennung der
Frauen wurde in der Regel über den Status des Ehepartner definiert. Damit erhielt
die Wahl des Ehepartners eine hohe Bedeutung für die Frauen und sie waren
abhängig von den Autonomiewünschen und Handlungen des Ehepartners.
Die Biografie von Männer und Frauen unterschieden sich und somit sollten sich auch
die Autonomiebedürfnisse und wahrgenommenen Entscheidungsspielräume
unterscheiden.
In Alters- und Pflegeheimen sind für das Thema Autonomie vor allem vier Bereich
wichtig: Wohnen, Freizeit, Essen und Körperpflege.22 In diesem Projekt wird ein
Interviewleitfaden benutz, der zum Beispiel nach der Informationsstand und der
Wahlmöglichkeiten beim Essen fragt: ,,Wissen sie was es morgen zum Essen gibt?"
und haben sie die Möglichkeit zwischen verschiedenen Menues zu wählen?" Die
Antworten werden nicht nach Geschlecht ausgewertet. Im Hinblick auf die
unterschiedlichen Biografien von heute hochaltrigen Männern und Frauen, kann aber
ein Unterschied vermutete werden. Heute hochaltrige Männer haben wahrscheinlich
kaum je gewusst, was die Ehefrau am nächsten Tag kochen wird und darauf auch
keinen Einfluss genommen. Die hochaltrigen Frauen hingegen bestimmten über die
Menuewahl in der Regel selbst. Es ist deshalb anzunehmen, dass die heute
hochaltrigen Frauen im Bereich Essen über ein viel grösseres Autonomiebedürfnis
verfügen als ihre gleichaltrigen Männer. Dies ist in der Praxis auch tatsächlich
beobachtbar. Für Männer allerdings, die während ihrer Nachberuflichen Phase
Kochen zum Hobby machte, trifft dies nicht zu.
Ganz ähnlich verhält es sich mit der Dimension Körperpflege. Für die heute
hochaltrigen Männer ist es nichts ungewöhnliches, wenn andere die tägliche
Kleiderwahl übernehmen oder das Badewasser einlassen und alles für die
Körperpflege vorbereiten, haben das die heute hochaltrigen Frauen doch in der
Regel für ihre Ehemänner übernommen. Frauen hingegen sind sich gewohnt über
ihre eigene Körperpflege und Hygiene selbst zu bestimmen.
Das Freizeitangebot in Alters- und Pflegeheimen wird von Frauen viel stärker genutzt
als von den Männern (eigene Beobachtung). Dies mag einerseits mit dem einseitig
auf die Mehrzahl der weiblichen Heimbewohnenden ausgerichteten Angebote
zusammenhängen. Heute hochaltrige Männer können nicht handarbeiten und meist
auch weder malen noch kochen. An Ausflügen nehme Männer hingegen ebenso
gerne teil wie an Jassrunden. Vermutlich ist die selbstbestimmte Gestaltung der
Freizeit sowohl für Männer als auch Frauen wichtig, die Frauen aber beschäftigen
sich in der freien Zeit mehr eher im häuslichen Bereich als die Männer.
In den vorliegenden Studien wird die Dimension der Pflege von sozialen Kontakte
nicht aufgenommen, obwohl die Einsamkeit mitunter als wichtiger Grund für einen
Heimeintritt genannt wird (eigene Beobachtung). Die Verwitwung trifft Männer in der
Regel härter als Frauen, weil sie die Pflege von sozialen Kontakte zu den Kindern,
Verwandten und Bekannten ihren Ehefrauen überlassen haben.23 Bei Männern liegt
die Wiederverheiratungswahrscheinlichkeit fünf bis sechsmal höher als bei Frauen.
Als Grund wird an erster Stelle der Wunsch nach Geselligkeit, versorgt und umsorgt
werden genannt und nicht die Liebe oder Zuneigung. Frauen hingegen wollen weit
seltener ihre durch den Partnerverlust erworbene Selbständigkeit durch eine
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Wiederverheiratung aufgeben.24 Auch diese Resultaten lassen auf ein
unterschiedliches Autonomiebedürfnis von alten Frauen und Männern schliessen.
Institutionalisierte Mitsprache und Mitbestimmung zum Beispiel in einem
Bewohnerrat wird nur sehr zurückhaltend in Anspruch genommen. Vermutlich sind
hier die Männer entsprechend ihren Biografien eher bereit teilzunehmen und
mitzusprechen.
Diese wenigen Beispiele zeigen, dass ein Geschlechtsunterschied in der
Wahrnehmung der Autonomie anzunehmen ist und in zukünftigen
Forschungsansätze mitberücksichtigt werden sollte.
Zukünftige Autonomiebedürfnisse
Neben den Unterschieden zwischen den Geschlechtern ist sicherlich auch die
Kohorte von ausschlaggebender Bedeutung. Der gesellschaftliche Wandel hin zu
einer Individualisierung stellt die institutionelle Alterspflege vor grosse
Herausforderungen auf die sich die Alters- und Pflegeheime vorbereiten sollten. In 10
bis 20 Jahren wird eine Generation ins höhere Alter kommen, die ganz andere
Autonomiebedürfnisse als die jetzigen Hochaltrigen haben werden. Während die
heute in Alters- und Pflegeheimen lebenden Menschen in der Regel gewohnt waren
einmal die Woche zu baden oder duschen, wird in Zukunft ein viel höherer
Pflegebedarf eingefordert werden. Während heute hochaltrige Menschen vor allem in
ländlichen Gebieten keine Scheu haben Kleider verstorbener Mitbewohnenden
auszuwählen und diese gern annehmen, ist dies für die nachfolgenden Generationen
unvorstellbar.
Die Essgewohnheiten haben sich ebenfalls stark verändert und die Unterschiede
innerhalb der Kohorte hat sicherlich stark zugenommen. Sind die meisten heute in
Heimen lebenden Hochbetagten mit traditionellen Essgewohnheiten gross geworden,
werden die zukünftigen Bewohnenden höhere Ansprüche zur Geltung bringen und
eine grössere Menueauswahl verlangen. Während die einen auf gesunde Ernähung
achteten, vielleicht gar vegetarisch lebten, werden andere exotische Speisen
bevorzugen. Während heute in Alters- und Pflegeheimen Meeresfrüchte oder
vegetarische Speisen fast nur von den Mitarbeitenden bestellt werden, wird dies in
naher Zukunft die Regel für alle werden.
Die Individualisierung wird sich auch in der Freizeitgestaltung zeigen. Die unzähligen
heute üblichen Hobbyrichtungen hat es für die heute Hochbetagten so noch nicht
gegeben. Während heute morgens die Zeitung und abends meist fern gesehen wird,
werden in Zukunft eine Reihe verschiedener Medien zur Verfügung stehen müssen.
Soweit einige wenige Beispiele für die zukünftige Entwicklung. Es ist anzunehmen,
dass Männer und Frauen der nachfolgenden Generationen sich weit weniger in ihren
Autonomiebedürfnissen unterscheiden werden, als dies heute der Fall ist. Frauen
haben gelernt ihre eigenen Wünsche vermehrt zu äussern und Wahlmöglichkeiten
für sich in Anspruch zu nehmen. Die Individualisierung hat wahrscheinlich eine
grössere Diversität innerhalb der Geschlechter zur Folge als diese zwischen den
Geschlechtern.
Wie sich die Autonomiebedürfnisse verändern, sollte in Studien erforscht werden,
damit Grundlagen geschaffen werden für sinnvolle Anpassungen in der stationären
Alterspflege.
J.Dominguez, Vertiefungsarbeit Gerontologie Nr. 4 (Trinationale ForschungsStudienwoche
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5
Literatur
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Verlag
24. dito
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