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Erziehung und Rolle der Jüdischen Frau im Wilhelminischen Deutschland

Untertitel: Versuch einer Bestimmung
Autor: Philipp Strobl
Fach: Geschichte - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

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Details

Kategorie: Studienarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 15
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 86 KB
Archivnummer: V116597
ISBN (E-Book): 978-3-640-18519-1
ISBN (Buch): 978-3-640-18525-2

Zusammenfassung / Abstract

Gibt es so etwas wie ein Musterbeispiel für die typische jüdische Frau der Vorkriegszeit? Lassen sich bestimmte Charakteristika feststellen, anhand derer man große Gemeinsamkeiten ausmachen kann? Ist ihre Position beispielsweise mehr im häuslichen Bereich, als ordentliche Kindererzieherin und fleißige Mutter zu sehen, oder war sie großteils stärker im Berufsleben, in Kunst oder auch Kultur tätig? War ihr Leben stärker religionsverbunden, oder legte sie mehr wert auf weltliche Lebensführung? Diese Arbeit hat das Ziel, die Rolle der jüdischen Frau im Deutschland der Vorkriegszeit näher zu beleuchten. So viel sei vorab schon erwähnt, eine einheitliche Typisierung ist, wie in so vielen Bereichen des menschlichen Daseins ganz und gar nicht möglich. So zahlreich, wie diese ungefähr 300.000 Personen umfassende Gesellschaftsgruppe im damaligen Deutschland war, so unterschiedlich sind auch die weiblichen Positionen in deren jeweiligen Familien, sowie ihre persönlichen Einstellungen zu den unterschiedlichsten Fragen des Lebens. Was allerdings in dieser Arbeit bewerkstelligt werden kann, ist die Beleuchtung des Lebens einiger Vertreterinnen dieser Gesellschaftsgruppe anhand verschiedener Biographien. Dadurch können exemplarisch die Positionen einiger ausgewählter jüdischer Frauen innerhalb ihrer Familien aufgezeigt werden. Bei der Auswahl der Biographien habe ich versucht einen einigermaßen breiten Querschnitt durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten zu bieten, da es mir logisch erscheint, dass die Lebensführung im Hause eines wohlhabenden jüdischen Bankiers sicherlich eine andere war, als die der eher einfacheren jüdischen Viehhändlerfamilie. Ich habe meine Arbeit in fünf Kapitel geteilt. Zuerst möchte ich in einer kurzen Einleitung auf die großen Veränderungen in Ausbildung und Lebenswandel eingehen die das liberale Reformjudentum den jüdischen Mädchen und angehenden Frauen ab der Zeit der Aufklärung und besonders nach der Revolution von 1848 bescherte. In den Kapiteln zwei, drei und vier sollen anhand von Beispielen die Rollen unterschiedlicher jüdischer Frauen in ihren jeweiligen Familien beleuchtet werden. Das abschließende fünfte Kapitel wird dann schließlich der Analyse der wichtigsten neu gewonnenen Erkenntnisse dienen.

Textauszug (computergeneriert)

VU Jüdische Frauen und Mädchen

SS 2008

Erziehung und Rolle der Jüdischen Frau im Wilhelminischen Deutschland

Versuch einer Bestimmung

Arbeit vorgelegt von

Philipp Strobl


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: ______________________________________________________________ 3

II. eine Welt ändert sich ­ das liberale Reformjudentum und die neue Erziehung jüdischer

Mädchen: _________________________________________________________________ 4

III. Die jüdische Frau der Oberschicht des wilhelminischen Deutschlands: ____________ 6

IV. Die jüdische Frau der Mittelschicht des Wilhelminischen Deutschlands: ___________ 9

V. Die jüdische Frau der unteren Schichten des wilhelminischen Deutschlands: _______ 11

VI. Fazit:_________________________________________________________________ 12

VII. Literaturverzeichnis: ___________________________________________________ 14

2


I. Einleitung:

Gibt es so etwas wie ein Musterbeispiel für die typische jüdische Frau der Vorkriegszeit?

Lassen sich bestimmte Charakteristika feststellen, anhand derer man große Gemeinsamkeiten

ausmachen kann? Ist ihre Position beispielsweise mehr im häuslichen Bereich, als ordentliche

Kindererzieherin und fleißige Mutter zu sehen, oder war sie großteils stärker im Berufsleben,

in Kunst oder auch Kultur tätig? War ihr Leben stärker religionsverbunden, oder legte sie

mehr wert auf weltliche Lebensführung?

Diese Arbeit hat das Ziel, die Rolle der jüdischen Frau im Deutschland der Vorkriegszeit

näher zu beleuchten. So viel sei vorab schon erwähnt, eine einheitliche Typisierung ist, wie in

so vielen Bereichen des menschlichen Daseins ganz und gar nicht möglich. So zahlreich, wie

diese ungefähr 300.000 Personen umfassende Gesellschaftsgruppe im damaligen Deutschland

war, so unterschiedlich sind auch die weiblichen Positionen in deren jeweiligen Familien,

sowie ihre persönlichen Einstellungen zu den unterschiedlichsten Fragen des Lebens. Was

allerdings in dieser Arbeit bewerkstelligt werden kann, ist die Beleuchtung des Lebens einiger

Vertreterinnen dieser Gesellschaftsgruppe anhand verschiedener Biographien. Dadurch

können exemplarisch die Positionen einiger ausgewählter jüdischer Frauen innerhalb ihrer

Familien aufgezeigt werden. Bei der Auswahl der Biographien habe ich versucht einen

einigermaßen breiten Querschnitt durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten zu bieten,

da es mir logisch erscheint, dass die Lebensführung im Hause eines wohlhabenden jüdischen

Bankiers sicherlich eine andere war, als die der eher einfacheren jüdischen

Viehhändlerfamilie.

Ich habe meine Arbeit in fünf Kapitel geteilt. Zuerst möchte ich in einer kurzen Einleitung auf

die großen Veränderungen in Ausbildung und Lebenswandel eingehen die das liberale

Reformjudentum den jüdischen Mädchen und angehenden Frauen ab der Zeit der Aufklärung

und besonders nach der Revolution von 1848 bescherte. In den Kapiteln zwei, drei und vier

sollen anhand von Beispielen die Rollen unterschiedlicher jüdischer Frauen in ihren

jeweiligen Familien beleuchtet werden. Das abschließende fünfte Kapitel wird dann

schließlich der Analyse der wichtigsten neu gewonnenen Erkenntnisse dienen.

Bei meinen Recherchen habe ich mich vor allem auf Angaben in einem biographischen Werk

mit dem Namen ,,Jüdisches Leben in Deutschland" verlassen, dass von Frau Monika Richarz

3


herausgegeben wurde. Es ist in drei Bänden erschienen, die den Zeitraum von 1780 -1945

biographisch erfassen. Weitere Informationen bezog ich außerdem aus einem Werk ,,Zur

Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland". Hierin finden sich die Ergebnisse eines 1991

stattfindenden Symposiums zum Thema. Zusätzliche Biographien, oder vielmehr

biographische Erlebnisse kann man auch in Hilde Domins ,,Gesammelte autobiographische

Schriften" ausfindig machen.

II. eine Welt ändert sich ­ das liberale Reformjudentum und die neue Erziehung

jüdischer Mädchen:

Die Aufklärung und Emanzipation brachte ganz Europa große Veränderungen. Auch, oder

besser gesagt gerade auch die jüdischen Gemeinden erlebten in dieser Zeit mit dem liberalen

Reformjudentum einen Ruck, der einen Aufbruch, hin zu neuen Ideen und neuem

Gedankengut brachte. Die Grundsätze der Mädchenerziehung waren bislang im ethisch-

didaktischen Werk ,,Sefer Chassidim" geregelt, welches vom Rabbiner Jehuda Hechassid im

12. Jahrhundert in Regensburg verfasst worden war1. Mädchen sollten demnach in den

religiösen Hauptlehren, sowie im Gebet unterrichtet werden, was allerdings nicht unbedingt

in hebräischer Sprache stattfinden musste. Es war jedoch verboten, heranwachsende Mädchen

von einem jungen Mann unterrichten zu lassen, oder mit anderen Jungen zusammen in eine

Klasse zu geben2. Hauptziel dieser Erziehung war es, das Mädchen auf seine künftige

gesellschaftliche Rolle als Erzieherin und Mutter vorzubereiten3. Bis zum Ende des 18.

Jahrhunderts gab es also fast keinen formalen Unterricht für Mädchen, die Erziehung fand,

abgeschottet von der Welt im Elternhaus statt. Die Haskalah, die jüdische Aufklärung brachte

hier bahnbrechende Änderungen. Besonders in wohlhabenden jüdischen Familien wurde es

jetzt immer mehr Usus, die Töchter in allgemeinen Bereichen, in Sprachen und

gesellschaftlichen Umgangsformen zu schulen. Aus privaten Mitteln entstanden in immer

mehr Gemeinden Privatanstalten für die Erziehung besser situierter Töchter. Sie bildeten die

Vorläufer der späteren höheren Töchterschulen, die so viele der von mir in späteren Kapiteln

1

Eliav Mordechai, Die Mädchenerziehung im Zeitalter der Aufklärung und der Emanzipation, in: Julius

Carlebach (Hg.), Zur Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland, Berlin 1993, S.97-111; S.97.

2

Moritz Güdemann, Quellenschrift zur Geschichte des Unterrichts und der Erziehung bei den deutschen

Juden, Berlin 1891, S.13-14.

3

Eliav Mordechai, Die Mädchenerziehung im Zeitalter der Aufklärung und der Emanzipation, in: Julius

Carlebach (Hg.), Zur Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland, Berlin 1993, S.97-111; S.97.

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