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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Stephan Kilter
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Ältere deutsche Philologie)
Tags: Spätmittelalterliche, Pilgerfahrtserzählungen, Beispiel, Felix, Fabris, Evagatorum, Natur-, Landschaftsbeschreibungen, Mittelalter, Frühen, Neuzeit
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-18686-0
File size: 275 KB
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Abstract
Das ebenso kostspielige wie gefährliche Wagnis in Franken, Sachsen, Bavaria oder vielleicht sogar in Frankreich oder Flandern begonnen, unter Anstrengungen über die Alpen bis nach Norditalien gezogen und dort in Venedig eingeschifft. Wochenlang Wind - nicht selten Sturm – Wetter und Piraten getrotzt und das Mittelmeer überquert, um dann innerhalb weniger Tage die heiligen Stätten in Jerusalem zu besichtigen. Für nicht Wenige endeten diese Strapazen mit dem Tod oder finanziellen Ruin. So oder ähnlich muss es sich damals abgespielt haben, damals, zur Zeit der spätmittelalterlichen Pilgerfahrten. Die vielfach vorhandenen und oftmals sehr detaillierten Erlebnisberichte lassen uns zumindest darauf schließen – auch wenn so mancher Autor, wie man heutzutage weiß, gar nicht im heiligen Land gewesen ist, sondern sein Wissen aus anderen Quellen übernahm oder „recycelte“. Dennoch ist es interessant, einen Blick auf die Pilgerfahrtsliteratur der damaligen Zeit zu werfen, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, da religiöse Animositäten des „Abendlandes“ mit dem „Morgenland“ mehr denn je im Zentrum vieler kultureller wie politischer Betrachtungen stehen. In dieser Seminararbeit soll es nun darum gehen, nach einem Überblick über die Pilgerfahrtsliteratur der damaligen Zeit, in dem auch - des besseren Verständnisses halber - der Ablauf einer solchen Pilgerfahrt skizziert und auf unterstützend wirkende bildliche Darstellungsmöglichkeiten hingewiesen werden soll, das Evagatorum von Felix Fabri, als wohl bedeutendste Schilderung zu diesem Thema, stellvertretend näher vorzustellen. Auf die Person Felix Fabris soll dabei ebenso eingegangen werden, wie auch auf literarische Vorbilder und Ähnlichkeiten zu anderen Werken hinzuweisen. Fabris Stil, seine Sprache und die sich in seinem Werk widerspiegelnde epochengeschichtliche Stellung zwischen Spätmit-telalter und Renaissance darf dabei nicht ausgeklammert werden, stellt die Verfasser dieser Arbeit jedoch vor ein Problem: Die verwendeten Primärtexte liegen größtenteils lediglich in lateinischer Sprache vor; mittelhochdeutsche Pilgerfahrtstexte existieren zwar, besitzen aber einen deutlich geringeren Anspruch und sind deshalb weniger ergiebig als das Evagatorum Fabris. Aus diesem Grunde stützen wir uns in erster Linie auf - leider teils unvollständige - deutsche Übersetzungen zu Fabris Werk, in der Hoffnung, dass die wissenschaftliche Qualität dieser Arbeit nicht darunter leiden möge…
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
WS 2002 / 2003
HS : Natur- und Landschaftsbeschreibungen im Mittelalter u. in der Frühen Neuzeit
Spätmittelalterliche Pilgerfahrtserzählungen
am Beispiel von Felix Fabris Evagatorum
Vorgelegt von : Stephan Kilter
Gliederung
I. Einleitung 3
II. Pilgerfahrten 4
1. Allgemeines Motive, Umstände, Wege 4
2. Autoren und Erzählstile 6
3. Bildliche Umsetzung, Medien der Zeit 8
III. Zur Person Felix Fabris 12
IV. Das Evagatorum 14
1. Das Werk Aufbau und Inhalt 14
2. Literarische Vorbilder, Sprache & Stil 17
3. Gottesglaube oder Neugier 18
V. Literaturverzeichnis 21
2
I. Einleitung
Das ebenso kostspielige wie gefährliche Wagnis in Franken, Sachsen, Bavaria oder vielleicht sogar in Frankreich oder Flandern begonnen, unter Anstrengungen über die Alpen bis nach Norditalien gezogen und dort in Venedig eingeschifft. Wochenlang Wind - nicht selten Sturm Wetter und Piraten getrotzt und das Mittelmeer überquert, um dann innerhalb weniger Tage die heiligen Stätten in Jerusalem zu besichtigen. Für nicht Wenige endeten diese Strapazen mit dem Tod oder finanziellen Ruin. So oder ähnlich muss es sich damals abgespielt haben, damals, zur Zeit der spätmittelalterlichen Pilgerfahrten. Die vielfach vorhandenen und oftmals sehr detaillierten Erlebnisberichte lassen uns zumindest darauf schließen auch wenn so mancher Autor, wie man heutzutage weiß, gar nicht im heiligen Land gewesen ist, sondern sein Wissen aus anderen Quellen übernahm oder ,,recycelte". Dennoch ist es interessant, einen Blick auf die Pilgerfahrtsliteratur der damaligen Zeit zu werfen, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, da religiöse Animositäten des ,,Abendlandes" mit dem ,,Morgenland" mehr denn je im Zentrum vieler kultureller wie politischer Betrachtungen stehen.
In dieser Seminararbeit soll es nun darum gehen, nach einem Überblick über die Pilgerfahrtsliteratur der damaligen Zeit, in dem auch - des besseren Verständnisses halber - der Ablauf einer solchen Pilgerfahrt skizziert und auf unterstützend wirkende bildliche Darstellungsmöglichkeiten hingewiesen werden soll, das Evagatorum von Felix Fabri, als wohl bedeutendste Schilderung zu diesem Thema, stellvertretend näher vorzustellen. Auf die Person Felix Fabris soll dabei ebenso eingegangen werden, wie auch auf literarische Vorbilder und Ähnlichkeiten zu anderen Werken hinzuweisen. Fabris Stil, seine Sprache und die sich in seinem Werk widerspiegelnde epochengeschichtliche Stellung zwischen Spätmittelalter und Renaissance darf dabei nicht ausgeklammert werden, stellt die Verfasser dieser Arbeit jedoch vor ein Problem: Die verwendeten Primärtexte liegen größtenteils lediglich in lateinischer Sprache vor; mittelhochdeutsche Pilgerfahrtstexte existieren zwar, besitzen aber einen deutlich geringeren Anspruch und sind deshalb weniger ergiebig als das Evagatorum Fabris. Aus diesem Grunde stützen wir uns in erster Linie auf - leider teils unvollständige - deutsche Übersetzungen zu Fabris Werk, in der Hoffnung, dass die wissenschaftliche Qualität dieser Arbeit nicht darunter leiden möge...
3
II. Pilgerfahrten
1. Allgemeines Motive, Umstände, Wege
Pilger (8-15Jh.) das lateinische Wort, bezeichnete die nach Rom wallfahrenden Ausländer und bedeutet eigentlich ,,der Fremde".1
Spätestens seit Auffindung des Heiligen Grabes (326 n.Chr.), zu Beginn des vierten Jahrhunderts durch Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, pilgerten Christen aus dem Abendland in den Orient, um mit eigenen Augen die Orte, an denen Jesus lebte und predigte, gekreuzigt und begraben wurde, von den Toten auferstand und zum Himmel fuhr, zu sehen.2
Im Christentum, wie auch in den anderen Religionen, bedeutet ,,peregrinatio religiosa" das fromme Unterwegssein zu einem besonders heilsmächtigen Ort. Nach dem Apostel Paulus (der zweite Brief des Paulus an die Korinther 5,6) befindet sich der gläubige Christ zeitlebens auf einer Pilgerfahrt. Es existieren folgende drei Pilgerstätten, die als besonders heilig gelten, bzw. auch schon seinerzeit galten:
1.Jerusalem ( der sogenannte ,,Urpilgerort")3, wo sich das Grab Christi befindet.
2.Santiago de Compostela, wo der Apostel Jacobus der Ältere begraben ist.
3.Rom, wo sich vermutlich das Grab des Apostelfürsten Petrus befindet.
Dazu gibt es weitere, unzählige kleinere Pilgerstätten.
Die Motive zur Pilgerfahrt waren dabei durchaus verschiedener Natur: Zunächst ging es natürlich darum, das Heilige Grab Christi zu besuchen. Zu späterer Zeit war es vor allem der Wunsch nach Heilung von Krankheit, Gebrechen, Aussatz und die Bitte um Hilfe in blanker Not. Manche reisten auch in Erfüllung eines Gelübdes, nach Verurteilung zu einer Strafpilgerfahrt, oder als Stellvertreter für einen anderen. Im 12.Jahrhundert begegnet uns noch ein weiteres Phänomen, das als Motiv hinzutritt: der Ablasshandel.4 Dies bedeutet, dass Sünden auch durch gute Taten oder durch fromme Werke erlassen werden konnten - die zeitlichen Sündenstrafen, die der Mensch nach seinem Tode eventuell im Fegefeuer zu verbüßen gehabt hätte, konnten durch gute Taten und vor allem durch Pilgerfahrten abgelöst werden.
Die religiösen Motive der Reise schlossen dabei andere Komponenten keineswegs aus: die Bereitschaft Gefahren und Risiken auf sich zu nehmen, Abenteuerlust und Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen. Mit dem 12 Jahrhundert war das Pilgerwesen zur Massenbewegung geworden.
1 Kluge, Friedrich, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin/New York 2002, S.702-703.
2 Carls, Wieland (Hsg.), Felix Fabri. Die Sionpilger, Berlin 1999.
3 Lexikon des Mittelalters, München 1993, Bd.VI, S.2148.
4 Schmugge, Ludwig, Jerusalem, Rom und Santiago. Fernpilgerziele im Mittelalter, in: Matheus, Michael (Hsg.), Pilger und Wallfahrtsstätten in Mittelalter und Neuzeit, Stuttgart 1999, S.16.
4
In der Regel war der gewöhnliche Pilger in größeren Gruppen und zu Fuß unterwegs, bestenfalls mit einem Esel oder mit einem Boot zu Wasser. Die Pilgerfahrten dauerten lange, etwa sechs bis acht Monate. Natürlich bedeutete dies ein höchst gefährliches Unterfangen, setzte man sich doch den Naturgewalten nahezu schutzlos aus. Der Fernpilger bereitete sich sorgfältig auf die Reise vor, war sich keineswegs sicher, lebend zurückzukommen und machte deshalb oft schon vorher sein Testament. Im Spätmittelalter war es ein elitäres Phänomen nach Jerusalem zu pilgern. Nicht jeder konnte sich die Reise leisten. Die Gesamtkosten der Pilgerreise betrugen etwa 300 Gulden. Dies war ein Betrag, für den man damals ein Haus in einer bevorzugten Lage jeder größeren Schweizer Stadt hätte erwerben können.5
Zwischen 1350 und 1450 reisten besonders die Deutschen häufig als Pilger. Aber auch andere Nationalitäten waren ins heilige Land unterwegs: Engländer, Schotten, Polen, Ungarn, Italiener, darunter auch Frauen und Kinder, sowie Angehörige aller Stände, von Königen bis hin zu Bettlern.
Die Berichte dieser Pilgerfahrten waren von großer Bedeutung für die Literatur (Reiseliteratur) und Geistesgeschichte des Mittelalters. Es waren allerdings typische Situationen, von denen die Wallfahrer zu berichten wussten, zumeist die typische Stationen, den typischen Verlauf der Reise: von Venedig aus, entlang der dalmatinischen Küste, über Rhodos, Kandia, Cypern und Jaffa bis zu den heiligen Stätten und nach deren Besuch oft auf dem gleichen Wege wieder zurück.6
Städteansichten und das Schiffsleben, die Beschreibung der heiligen Stätten, Aufbruch und Heimkehr, das waren die typischen Bestandteile dieser Berichte.
5Ebd., S.26.
6 Sommerfeld, Martin, Die Reisebeschreibungen der deutschen Jerusalempilger im ausgehenden Mittelalter, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 2, 1924, S.818-819.
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