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Thesis (M.A.), 2003, 121 Pages
Author: Claudia Schneider
Subject: History - Miscellaneous
Details
Tags: Ende, Legende, Wehrmacht, Reaktionen, Ausstellung, Vernichtungskrieg, Verbrechen, Wehrmacht
Year: 2003
Pages: 121
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17762-7
File size: 318 KB
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Excerpt (computer-generated)
Carl von Ossietzky
Universität Oldenburg
Magisterstudiengang:
Geschichte / Germanistik / Soziologie
Magisterarbeit
Ende der Legende der "sauberen Wehrmacht"?
Reaktionen auf die Ausstellung: "Vernichtungskrieg.
Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944."
vorgelegt von
Claudia Schneider
10. Februar 2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
1.1 Forschungsgegenstand ... 5
1.2 Forschungsstand und Quellenlage ... 7
2. Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" ... 11
2.1 Konzeption ... 11
2.2 Kontext ... 13
3. Die Wehrmacht in der historischen Forschung ... 16
4. Die Legende der "sauberen Wehrmacht" ... 21
4.1 Was besagt sie? ... 21
4.2 Die Entstehung der Legende ... 21
4.3 Die Konsolidierung des Mythos in den 50er Jahren ... 25
4.4 Das Bild der Wehrmacht in der Gesellschaft ... 29
4.5 Fazit ... 32
5. Ende eines Mythos? Reaktionen auf die Ausstellung "Vernichtungskrieg" ... 34
5.1 Die deutsche Gesellschaft: "Die Schuld ist wieder näher gerückt" ... 34
5.1.1 Die Erinnerung der Kriegsteilnehmer ... 34
5.1.1.1 Wo sind die Täter? ... 35
5.1.1.2 Bewahrung des positiven Selbstbildes ... 37
5.1.1.3 Befürworter der Ausstellung ... 38
5.1.1.4 Rechtfertigungsstrategien und Abwehrmechanismen ehemaliger Soldaten ... 39
5.1.1.5 "... das nicht sein kann, was nicht sein darf" ... 42
5.1.2 Die Generation der Söhne und Töchter ... 44
5.1.2.1 Wunsch nach Gewißheit ... 44
5.1.2.2 Die Schrecken der Bilder ... 46
5.1.2.3 Das Schweigen als Schuld der Väter ... 47
5.1.2.4 Persönliche Schuld der Kinder des "Dritten Reiches"? ... 49
5.1.2.5 Die Folgen der Verdrängung ... 49
5.1.3 Der Umgang der Enkel mit der jüngsten Geschichte ... 51
5.1.4 Fazit ... 54
5.2 Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ... 56
5.2.1 Die Funktion der Wehrmacht im Holocaust ... 56
5.2.2 Eine gespenstische Diskussion um Differenzierung ... 58
5.2.3 Fazit ... 59
5.3 Die radikalen Gegner der Ausstellung: "Tribunal gegen deutsche Soldaten" ... 60
5.3.1 Erscheinungsformen des Protestes ... 60
5.3.1.1 Das Presseecho ... 61
5.3.1.2 Briefe ... 62
5.3.1.3 Demonstrationen ... 64
5.3.1.4 Anschläge ... 65
5.3.1.5 Klagen ... 65
5.3.2 Abwehrfront der Veteranenverbände ... 66
5.3.3 Die Sprecher der konservativen Opposition ... 68
5.3.3.1 Günther Gillessen ... 68
5.3.3.2 Rüdiger Proske ... 70
5.3.3.3 Helmut Schmidt ... 73
5.3.3.4 Alfred Dregger ... 74
5.3.4 Rechtsextremer Aufmarsch in München ... 74
5.3.5 Fazit ... 75
5.4 Der Konflikt um die offizielle politische Anerkennung der Ausstellung "Vernichtungskrieg" ... 77
5.4.1 Die Kontroverse in München ... 78
5.4.2 "Bremen ist nicht München" ... 81
5.4.3 Die Bundestagsdebatte ... 84
5.4.4 Fazit ... 87
5.5 Das Bild der Wehrmacht in der Bundeswehr ... 89
5.5.1 Neugründung oder Nachfolgeorganisation? ... 89
5.5.2 Die Traditionsdebatte ... 91
5.5.3 Die Resonanz der Bundeswehr auf die Ausstellung ... 93
5.5.4 Fazit ... 98
5.6 Die Rezeption in der Fachwelt ... 99
5.6.1 Die Ausstellung als Chance zur Aufklärung ... 99
5.6.2 Forderung nach Differenzierung ... 100
5.6.3 Eine neue Dimension der Kritik ... 103
5.6.4 Die Ergebnisse der Kommission ... 107
6. Bilanz ... 108
Literaturverzeichnis ... 110
Quellenverzeichnis ... 117
1. Einleitung
„Die Ausstellung will kein verspätetes und pauschales Urteil über eine ganze Generation ehemaliger Soldaten fällen. Sie will eine Debatte eröffnen über das – neben Auschwitz – barbarischste Kapitel der deutschen und Österreichischen Geschichte, den Vernichtungskrieg der Wehrmacht von 1941 bis 1944.“1
Dieses Ziel hat die Wanderausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ erreicht. Seit ihrer Eröffnung in Hamburg am 5. März 1995 weckte sie breites Interesse in der gesamten deutschen Gesellschaft und führte in den nächsten viereinhalb Jahren zu einer intensiven kontroversen Diskussion um die Frage nach dem Ausmaß der Beteiligung von Wehrmachtssoldaten an der systematischen Ermordung zahlloser sowjetischer Kriegsgefangener, Partisanen und Zivilisten während des Ostfeldzuges. Bereits im ersten Jahr erreichte sie für eine zeithistorische Ausstellung „überdurchschnittlich“2 hohe Besucherzahlen. In Hamburg (5.3.-14.4.1995) kamen 7.000 Leute, in Potsdam (27.6.-30.7.1995) 2.500 (in den neuen Bundesländern erregte die Debatte um die Rolle der Wehrmacht insgesamt weniger Aufmerksamkeit als in den anderen Ausstellungsorten) und in Stuttgart (10.9.-12.10.1995) verzeichnete die Ausstellung sogar 10.000 Besucher.3
Insgesamt sahen in 27 deutschen und 6 österreichischen Städten (in Hamburg gastierte die Ausstellung zweimal, vom 5.3.-14.4.1995 und vom 31.5.-11.7.1999) innerhalb von viereinhalb Jahren 860.000 Menschen „die zeitgeschichtliche Ausstellung in der Bundesrepublik mit der längsten Laufzeit und den höchsten Besucherzahlen“4.
1.1 Forschungsgegenstand
In dieser Arbeit steht die Analyse der kontroversen Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg“ im Vordergrund. Auch die ausländische Presse hat über die Ausstellung ausführlich berichtet,5 doch löste sie mit Ausnahme von Österreich nirgendwo sonst eine derart intensive Debatte aus. Deshalb beschränkt sich die Untersuchung auf die deutschen Reaktionen.
Dabei geht es nicht darum zu entscheiden, ob und in welchem Ausmaß es Verbrechen in der Wehrmacht gegeben hat. Im Hinblick auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre kann heute kein seriöser Historiker bestreiten, daß sich Teile der Wehrmacht mitschuldig gemacht haben an den Verbrechen im Osten. Gleichzeitig gab es aber auch Soldaten, die erst nach dem Krieg von den Verbrechen erfahren haben. Es ist nicht Aufgabe dieser Arbeit, sich in den Prozentstreit um die Anzahl der „schuldigen“ Soldaten einzureihen. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, wie die deutsche Öffentlichkeit mit ihrer Vergangenheit umgeht und was die Ausstellung „Vernichtungskrieg“ zum gegenwärtigen Geschichtsbild und der Erinnerungskultur beigetragen hat.
Vom Hamburger Institut für Sozialforschung geplant als ein Bestandteil des Projekts „Angesichts dieses Jahrhunderts“, löste sich die Ausstellung bereits bei ihrer Eröffnung im März 1995 aus diesem Rahmen und entwickelte in der deutschen Öffentlichkeit eine Eigendynamik wie kaum ein Ausstellungsthema zuvor. Die Diskussion um die Frage nach der Beteiligung von Wehrmachtssoldaten am Vernichtungskrieg im Osten verlief anfangs überwiegend auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene, die hauptsächlich von der lokalen Presse aufgegriffen wurde. Von besonderem Interesse sind dabei die Reaktionen der Generationen innerhalb der Gesellschaft, die auf unterschiedlichste Weise von den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg geprägt wurden, deren Auswirkungen aber auch in der Enkelgeneration noch zu spüren sind. Wie gehen die ehemaligen Wehrmachtssoldaten damit um, nach 50 Jahren noch einmal mit den Kriegserlebnissen konfrontiert zu werden? Wie reagieren ihre Söhne und Töchter bei dem Gedanken, daß ihre Eltern möglicherweise bereits im Krieg von den Verbrechen gewußt haben oder daran beteiligt waren? Und wie steht die dritte Generation zur jüngsten deutschen Vergangenheit?
In diesem Zusammenhang muß zudem berücksichtigt werden, wie die jüdische Gesellschaft in Deutschland einer Ausstellung begegnet, die den Kreis der Täter noch um eine zusätzliche Gruppe erweitert hat.
Kritische Stimmen wurden in den ersten zwei Jahren der Präsentation vor allem in rechtsextremen Kreisen, in traditionellen Soldatenverbänden und der konservativen Opposition laut. Für die Gegner stellte die Ausstellung „Vernichtungskrieg“ weniger eine wissenschaftlich fundierte Veranschaulichung exemplarischer Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg dar, sondern sie sahen sie als eine pauschale Verunglimpfung aller deutschen Soldaten. Besonders konservative ehemalige Wehrmachtssoldaten fühlten sich von der Ausstellung provoziert. Sie begriffen sie als persönliche Diffamierung und attackierten in der Diskussion nun ihrerseits die Ausstellung und ihre Organisatoren auf schärfste. Die Argumentation der konservativen Gegner nutzten die Rechtsextremen zunehmend für die eigene Agitation. Dabei ist nicht so sehr ihre Kritik an sich interessant, sondern vielmehr, welche Ausmaße die Proteste der Rechten in Deutschland schließlich annahmen.
[...]
1 Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Ausstellungskatalog; Hamburg 1996, S. 7.
2 Greiner, Bernd: Bruch-Stücke. Sechs westdeutsche Beobachtungen nebst unfertigen Deutungen; in: Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.): Eine Ausstellung und ihre Folgen. Zur Rezeption der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“; Hamburg 1999, S. 18.
3 Naumann, Klaus: Wenn ein Tabu bricht. Die Wehrmachts-Ausstellung in der Bundesrepublik; in: Mittelweg 36, 1/1996, S. 13.
4 Heer, Hannes: Von der Schwierigkeit, einen Krieg zu beenden. Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“; in: Ders.: Tote Zonen. Die deutsche Wehrmacht an der Ostfront; Hamburg 1999, S. 288-289.
5 Vgl. dazu Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944; in: Mittelweg 36, 3/1995, S. 87.
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