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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Evelyn Glose
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung)
Tags: Eigenschaften, Sprache, Sprachproduktion, Sprachperzeption, Versprecher, Fülllaut, Pause, flüssige Sprache, Konversation, Wiederholungen, Fehlstart, unflüssige Sprache
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 3 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-18966-3
ISBN (Book): 978-3-640-18976-2
File size: 250 KB
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Abstract
„In conversation – the prototypical form of language use – fluent speech is rare” (Clark & Tree 2002: 73). Vor diesem Hintergrund ist es interessant, die so alltäglichen Redeflussstörungen (z.B. gefüllte und ungefüllte Pausen, Wiederholungen, Fehlstarts) näher zu betrachten. Sie betreffen ein Drittel aller Äußerungen in natürlicher Konversation (vgl. Shriberg 2001: 153) und können somit Erkenntnisse über Prozesse der menschlichen Sprachproduktion liefern. Fehler in der Sprechausführung verweisen auf kognitiv fehlerhafte Vorgänge auf semantischer (z.B. inhaltlicher Versprecher), phonetischer (z.B. falscher Laut) oder syntaktischer (z.B. grammatikalischer Fehler) Ebene, während Verzögerungen auf kognitive Anstrengung, beispielsweise bei komplexen Äußerungen, schließen lassen. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit den Arten und Eigenheiten von Redeflussstörungen im Allgemeinen. Hierbei nehmen die akustischen Charakteristika und damit die perzeptive Wirkung einen großen Abschnitt ein: Wie unterscheiden sich Redeflussstörungen akustisch von fließender Rede? Verstehen Hörer, ob es sich um eine Redeflussstörung handelt? Inwiefern wird dieses Verständnis durch akustische Eigenheiten gefördert? Der zweite Teil der Arbeit widmet sich einer bestimmten Redeflussstörung, der gefüllten Pause, mit den englischen Füll-Lauten uh und um. Clark und Tree (2002) betrachten uh und um nicht einfach als Automatismus, der sich bei Hesitationen des Sprechers zeigt, sondern als normale englische Wörter, über deren Einsatz jeder Sprecher selbst entscheiden kann. Sie gehen von einem zweikanaligen Sprachproduktionsmodell aus, bei dem Sprecher beide Spuren, eine Haupt- und eine Nebenspur, parallel planen. Die Hauptspur enthält den Inhalt der Äußerung, während der zweite Kanal für die Performanz, d.h. die Sprechausführung, zuständig ist. Füll-Laute sowie einige andere Redeflussstörungen ordnen Clark und Tree als Mitteilungen auf dem zweiten Kanal ein: Sie geben Informationen bekannt, welche die Ausführung, nicht den Inhalt betreffen (vgl. Clark & Tree 2002: 105f.). Ob, welche und wieviele Informationen der Sprecher bezüglich der Performanz geben möchte, liegt in seinem Ermessen. Mit dieser Betrachtungsweise – uh und um gehören dem englischen Lexikon an – distanzieren sich Clark und Tree deutlich von einigen anderen Autoren, die die Füll-Laute lediglich als Performanzfehler bezeichneten und sie deshalb nicht in ihre Studien integrierten (vgl. Clark & Tree 2002: 74).
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung
Sommersemester 2007
Hauptseminar: Sprachproduktion, Sprachperzeption und Versprecher
Eigenschaften unflüssiger Sprache
vorgelegt von
Evelyn Glose
Romanische Philologie (HF),
Kommunikationswissenschaften (NF),
Phonetik (NF)
6. Fachsemester
Gliederung
1. Einleitung 3
2. Arten von Redeflussstörungen 4
3. Die Sprechumgebung von Redeflussstörungen 5
4. Akustische Eigenheiten von Redeflussstörungen 7
4.1 Akustische Effekte im Reparandum 8
4.2 Akustische Effekte in der Bearbeitungsphase 9
4.3 Akustische Effekte in der Reparaturphase 9
5. Die Füll-Laute uh und um des Englischen 10
5.1 Drei Auffassungen von uh und um 10
5.2 Grundbedeutungen von uh und um 11
5.3 Implizierte Bedeutungen von uh und um 14
5.4 Uh und um als Teil des englischen Sprachsystems 15
5.5 Die selektive Kontrolle von Sprechern über uh und um 15
5.6 Wie formulieren Sprecher uh und um innerhalb einer Äußerung? 16
5.7 Zusammenfassung 17
6. Zusammenfassung 18
7. Bibliographie 19
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1. Einleitung
,,In conversation the prototypical form of language use fluent speech is rare" (Clark & Tree 2002: 73). Vor diesem Hintergrund ist es interessant, die so alltäglichen Redeflussstörungen1 (z.B. gefüllte und ungefüllte Pausen, Wiederholungen, Fehlstarts) näher zu betrachten. Sie betreffen ein Drittel aller Äußerungen in natürlicher Konversation (vgl. Shriberg 2001: 153) und können somit Erkenntnisse über Prozesse der menschlichen Sprachproduktion liefern. Fehler in der Sprechausführung verweisen auf kognitiv fehlerhafte Vorgänge auf semantischer (z.B. inhaltlicher Versprecher), phonetischer (z.B. falscher Laut) oder syntaktischer (z.B. grammatikalischer Fehler) Ebene, während Verzögerungen auf kognitive Anstrengung, beispielsweise bei komplexen Äußerungen, schließen lassen.
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit den Arten und Eigenheiten von Redeflussstörungen im Allgemeinen. Hierbei nehmen die akustischen Charakteristika und damit die perzeptive Wirkung einen großen Abschnitt ein: Wie unterscheiden sich Redeflussstörungen akustisch von fließender Rede? Verstehen Hörer, ob es sich um eine Redeflussstörung handelt? Inwiefern wird dieses Verständnis durch akustische Eigenheiten gefördert?
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich einer bestimmten Redeflussstörung, der gefüllten Pause, mit den englischen Füll-Lauten uh und um. Clark und Tree (2002) betrachten uh und um nicht einfach als Automatismus, der sich bei Hesitationen des Sprechers zeigt, sondern als normale englische Wörter, über deren Einsatz jeder Sprecher selbst entscheiden kann. Sie gehen von einem zweikanaligen Sprachproduktionsmodell aus, bei dem Sprecher beide Spuren, eine Haupt- und eine Nebenspur, parallel planen. Die Hauptspur enthält den Inhalt der Äußerung, während der zweite Kanal für die Performanz, d.h. die Sprechausführung, zuständig ist. Füll-Laute sowie einige andere Redeflussstörungen ordnen Clark und Tree als Mitteilungen auf dem zweiten Kanal ein: Sie geben Informationen bekannt, welche die Ausführung, nicht den Inhalt betreffen (vgl. Clark & Tree 2002: 105f.). Ob, welche und wieviele Informationen der Sprecher bezüglich der Performanz geben möchte, liegt in seinem Ermessen. Mit dieser Betrachtungsweise uh und um gehören dem englischen Lexikon an distanzieren sich Clark und Tree deutlich von einigen anderen Autoren, die die Füll-Laute lediglich als Performanzfehler bezeichneten und sie deshalb nicht in ihre Studien integrierten (vgl. Clark & Tree 2002: 74).
1 Der Begriff Redeflussstörung soll nicht im Sinne einer menschlichen Störung bzw. Krankheit verstanden werden. Er beschreibt lediglich Störfaktoren, die sich auf die flüssige Rede auswirken.
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2. Arten von Redeflussstörungen
Elizabeth Shriberg (2001: 155) führt in folgender Tabelle die Haupttypen von Redeflussstörungen auf:
Abb. 1: Arten von Redeflussstörungen mit Beispielen aus dem Switchboard-Korpus2. ,, " zeigt den Unterbrechungspunkt an. Quelle: Shriberg 2001: 155
Abgesehen von den gefüllten Pausen (engl. uh/um, dt. äh/ähm, frz. euh/em), die in Kapitel 5
näher betrachtet werden, können auch die ungefüllten Pausen zu den Redeflussstörungen
gezählt werden. Zwar handelt es sich hierbei nicht um eine akustische Störung, der Redefluss
ist aber dennoch kurzfristig unterbrochen.
Als Tilgung (Deletion) wird die Tatsache bezeichnet, dass ein Sprecher an
einem gewissen
Punkt seiner Rede abbricht und seine Aussage nochmal neu konzipiert. Da dies häufig zu
Beginn einer Äußerung geschieht, wird dieser Typ der Redeflussstörung bisweilen auch als
Fehlstart bezeichnet (vgl. Shriberg 2001: 155).
Substitutionen sind in der Regel Reparaturen vorangegangener Fehler bzw. Versprecher; das
ersetzende, neue Element wird oft durch die Wiederholung vorangegangener korrekter
Elemente angezeigt. Der Hörer wird damit einen Schritt von zwei bis drei Wörtern
zurückgeführt und hat dadurch die Möglichkeit und die Zeit, seine Aufmerksamkeit auf das
neue Element zu richten.
Einfügungen (Insertion) bestehen aus einem oder mehreren Lexemen, die nicht in direktem
Zusammenhang zum Inhalt der Rede stehen müssen und diesen auch nicht vorantreiben (z.B.
dt. ich mein′, weißt du, naja). Weißt du ist demnach nicht als Frage zum Inhalt zu verstehen
und ich mein′ gibt nicht zwingend die Meinung des Sprechers bzgl. des Themas wieder; es
sind vielmehr inhaltsleere Sprechhülsen, die im Kontext der Sprechplanung eingefügt werden
und zum Zweck haben, den Zuhörer zu binden (diskurspragmatischer Wert), während die
2 Der Switchboard-Korpus enthält ca. 3 Mio. englische Wörter aus über 2430 zehnminütigen, natürlichen Telefongesprächen zwischen knapp 500 Amerikanern. (vgl. Shriberg 2001: 154)
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Aussage geplant wird. Einfügungen müssen nicht zwingend als Störung im Redefluss gelten; ein weißt du oder ich mein′ zu Beginn eines Satzes wirkt sich nicht negativ auf den folgenden flüssigen Redeverlauf aus. Im oben genannten Beispiel kann die Insertion jedoch als Störung betrachtet werden, da sich der Sprecher unterbricht und zwischen die beiden zuletzt artikulierten Wörter ein weiteres einfügt. Die in der Tabelle zuletzt aufgeführte Redeflussstörung, der Versprecher, bezieht sich in diesem Fall auf einen Fehler in silbenfinaler Position: Ein eigentlich korrekter Frikativ wird durch einen Nasal substituiert. Versprecher sind aber nur dann Störungen im Redefluss, wenn der Sprecher seinen Fehler bemerkt, die Artikulation abbricht und sich verbessert. Werden Versprecher nicht bemerkt, findet auch kein Abbruch sowie keine Verbesserung und damit auch keine Störung im Redefluss statt.
3. Die Sprechumgebung von Redeflussstörungen
Elizabeth Shriberg (2001: 155-159) diskutiert in ihrem Artikel vier Faktoren der Sprechumgebung, die einen Einfluss auf Redeflussstörungen haben sollen: der Sprechkontext (mit wem spreche ich?), die Position der Redeflussstörung(en) in einer Äußerung, Sprecher-individuelle Unterschiede und geschlechtsbezogene Unterschiede. Sie bezieht sich dabei auf drei Korpora, die amerikanisch-englische Spontansprache aus verschiedenen Lebensbereichen beinhalten:
(1) Switchboard-Korpus: ca. 3 Mio. Wörter von knapp 500 Sprechern aus über 2430 zehnminütigen, natürlichen Telefongesprächen
(2) AMEX-Korpus: ca. 13.000 Wörter von 66 Sprechern aus natürlichen Telefongesprächen zwischen Angestellten eines Reisebüros und Kunden
(3) ATIS-Korpus: ca. 190.000 Wörter von 523 Sprechern aus Gesprächen von Mensch zu Computer (Luftverkehrsplanung)
Bezüglich des ersten Faktors (Sprechkontext) stellt Shriberg fest, dass in Konversationen zwischen Menschen signifikant mehr Redeflussstörungen auftreten als zwischen Mensch und Computer. Dies hängt damit zusammen, dass menschliche Kommunikation nicht in dem Sinne planbar ist, wie sie es zwischen Mensch und technischem Hilfsmittel ist: Menschliche Hörer reagieren schneller und unberechenbarer als Computer, sie stellen Rückfragen oder möchten das Wort an sich reißen, indem sie den Sprecher unterbrechen. Der Sprecher muss infolge dessen auch schneller reagieren, schneller planen und diskurspragmatische Mechanismen einsetzen, um das Wort zu behalten. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in Kommunikationssituationen von Mensch zu Mensch vor allem gefüllte Pausen,
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