Autor: Birgit Schröer
Fach: Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Details
Jahr: 2008
Seiten: 15
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 115 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-18486-6
ISBN (Buch): 978-3-640-18497-2
Zusammenfassung / Abstract
Global rückt die Suche nach einer gerechten Ordnung immer mehr ins Zentrum der politischen Philosophie. Vor allem seit der in den 80ziger Jahren aufgetauchten Liberalismus-Kommunitarismus Debatte stellt sich dabei zunehmend die Frage eines gerechten Umgangs der Bürger untereinander. Zur theoretischen Reife gelangte der Zusammenhang zwischen sozialen und politischen Formen des bürgerlichen Zusammenlebens bereits in den Werken von Aristoteles. Anthropologische Annahmen außerhalb des Nationalstaates als Grundlage der Gemeinschaft, die Politisierung des Selbst und die Problematisierung von Gerechtigkeit, bilden die Grundlage eines Theorievergleichs zwischen Aristoteles, dem Liberalismus und dem Kommunitarismus. Im Mittelpunkt stehen dabei die zentralen aristotelischen Begriffe des Staates, des Menschen und der Gerechtigkeit und es wird untersucht, inwieweit sich diese Begriffe in den Theorien des Liberalismus und Kommunitarismus wieder finden.
Textauszug (computergeneriert)
Aristotelische Theorien in neuzeitlichen und
modernen Theorien
Gliederung
1. Einleitung: Anlass, Relevanz, Auffassung des Themas 3
2. Die Aristotelische Lehre 3
2.1
Der Staat bei Aristoteles 3
2.2
Der Mensch bei Aristoteles 4
2.3
Die Gerechtigkeit bei Aristoteles 5
3. Der
Liberalismus 5
3.1
Der Staat im Liberalismus 6
3.2
Der Mensch im Liberalismus 6
3.3
Die Gerechtigkeit im Liberalismus 7
4. Der
Kommunitarismus 8
4.1
Gemeinschaft vs. Gesellschaft im Kommunitarismus 8
4.2
Der Mensch im Kommunitarismus 9
5. Der Theorievergleich: Die Begriffe 10
5.1
Die Methoden der einzelnen Denkschulen 11
5.2
Der Sinn des Staates 12
5.3
Das Menschenbild in den drei Theorien 12
6. Fazit 13
Literatur 14
2
1.
Einleitung: Anlass, Relevanz, Auffassung des Themas
Global rückt die Suche nach einer gerechten Ordnung immer mehr ins Zentrum der
politischen Philosophie. Vor allem seit der in den 80ziger Jahren aufgetauchten Liberalismus-
Kommunitarismus Debatte stellt sich dabei zunehmend die Frage eines gerechten Umgangs
der Bürger untereinander. Zur theoretischen Reife gelangte der Zusammenhang zwischen
sozialen und politischen Formen des bürgerlichen Zusammenlebens bereits in den Werken
von Aristoteles. Anthropologische Annahmen außerhalb des Nationalstaates als Grundlage
der Gemeinschaft, die Politisierung des Selbst und die Problematisierung von Gerechtigkeit,
bilden die Grundlage eines Theorievergleichs zwischen Aristoteles, dem Liberalismus und
dem Kommunitarismus. Im Mittelpunkt stehen dabei die zentralen aristotelischen Begriffe
des Staates, des Menschen und der Gerechtigkeit und es wird untersucht, inwieweit sich diese
Begriffe in den Theorien des Liberalismus und Kommunitarismus wieder finden.
2.
Die Aristotelische Lehre
Aristoteles wurde 384 in Stageira auf der Insel Chalkidike geboren. Er schloss sich der
Akademie Platons an, wurde nach dessen Tod jedoch nicht sein Nachfolger sondern gründete
seine eigene Schule (Peripatos). Aristoteles ist der Begründer der exakten Wissenschaften. Er
unterscheidet dabei zwischen der Theoria, die auf Wahrheit abzielt, der Praxis, die aus dem
gemeinsamen Tun besteht und der Poiosis, die sich auf das Werk bezieht. Ähnlich wie Platon
unterscheidet er zwischen verschiedenen Verfassungsformen, entwirft jedoch ein
differenzierteres Bild des Menschen als tugendhaftes Wesen. Der Menschen erwirbt dabei
nicht die Tugenden durch Geburt, sondern sie entstehen durch das tätige Leben.
2.1
Der Staat bei Aristoteles
Die antiken Denker (Platon, Aristoteles) haben im Rahmen der Polis erstmals diese politische
Form hinterfragt uns analysiert. Der Begriff ,,polis", von dem unser heutiger Begriff ,,Politik"
abstammt, bezeichnete das Gemeinwesen der Bürger, d. h. unseren heutigen Staat. Zentral in
Aristoteles Werk ist die dort zum ersten Mal eingeführte Trennung zwischen dem öffentlich
und dem privaten Leben: ,,Die Gemeinschaft der Menschen gliedert sich von der kleineren zur
größeren Gemeinschaft. Erst kommt das Haus mit der Familie, dann das Dorf, danach die
Polis, darüber der Staat und dann schließlich die ganze Welt." (Blum et. al., 1997: 38). Alle
wirtschaftlichen Belange wurden dabei der Hausgemeinschaft zugeordnet, die Politik umfasst
3
nur das politische Zusammenwirken der gleichgestellten Bürger. Die Polis bestand aus einer
Verfassung und den Ämtern und die Bürger dieser Ordnung hatten an der beratenden,
regierenden oder richterlichen Gewaltteil.
Die Politik gehört für Aristoteles zum Bereich der praktischen Philosophie und ist zugleich
eine Fortsetzung der Ethik. Ziel seiner Ethik ist, herauszufinden, was für den Menschen das
Gute ist. Das Gute ist dabei für den Menschen die Glückseligkeit. Diese Glückseligkeit ist
jedoch keine abstrakte Idee, sondern ergibt sich aus den richtigen Formen und Normen des
Zusammenlebens: ,,Die Polis verfolgt einen genuin-sittlichen Zweck: das gute Leben, das
gelungen- geglückte Dasein ihrer Mitglieder. Zweck der Polis ist es, den Menschen zu seiner
höchsten Verwirklichung zu bringen, zur Glückseligkeit." (Waschkuhn, 1998: 183).
Die beste Staatsform ist für ihn die, die dem Gemeinwohl dient und an der alle Bürger beim
politischen Partizipationsprozess beteiligt sind: ,,Aristoteles unterscheidet im dritten Buch
seiner Politica nach der Anzahl der Herrschenden zwischen Alleinherrschaft, der Herrschaft
weniger und der Herrschaft vieler. Neben dem quantitativen Kriterium führte er ein
qualitatives ein ob die Herrschaft dem Gemeinwohl oder dem Eigennutz der Herrschenden
diene." (Gallus et al., 2004: 25).Aristoteles unterscheidet dabei drei verschiedene
Staatesformen, die Monarchie, mit ihrer Entartung der Tyrannis, die Aristokratie mit ihrer
Entartung der Ochlogarchie und die Politie mit ihrer Entartung der Demokratie. Für ihn ist
nicht die Struktur des Staates verantwortlich für das menschliche bzw. politische Handeln,
sondern die Bürger müssen selbst spezifische Tugenden entwickeln, damit das
Zusammenleben funktioniert.
2.2
Der Mensch bei Aristoteles
Diese Tugenden sind für Aristoteles dabei keine Charaktereigenschaften, sondern sittliche
Grundhaltungen, die man durch praktisches Tun erwirbt. Motivationsgrundlage für die
Entwicklung dieser Tugenden ist das menschliche Streben nach Glück. Er nimmt dabei das
Gesamtspektrum alle möglichen Tugenden und bestimmt daraus das Mittelmaß zwischen
zwei Extremen als die Tugenden: Somit ist Tapferkeit das Mittelmaß zwischen den Extremen
Tollkühnheit und Feigheit, Freigebigkeit und Stolz als Mitte zwischen Geiz und
Verschwendung bzw. Eitelkeit und Kleinmut. Die Gerechtigkeit ist die Mitte zwischen
Unrecht tun und Unrechtleiden: ,,Aristoteles ist der Ansicht, dass bei allen Dingen die Mitte
das eigentlich lobenswerte ist, die Mitte ist das ethische Ideal dieses Denkers, denn für ihn
gilt: die Tugend liegt in der Mitte, in der Mitte nämlich zwischen zwei Extremen." (Blum et
al., 1997: 42). Der Mensch ist für ihn ein zoon politikon, d. h. ein politisches Wesen, das
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