Energie – „Schmierstoff“ der Weltpolitik ? close Bitte warten


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Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 31
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 246 KB
Archivnummer: V116749
ISBN (E-Book): 978-3-640-18521-4
ISBN (Buch): 978-3-640-18526-9

Zusammenfassung / Abstract

Nachdem ich im ersten Kapitel kurz vier Aspekte der Energiepolitik skizziere, möchte ich mich im zweiten Kapitel einer Analyse der weltweiten energiepolitischen Konfliktlinien widmen. Dabei ist der erste Schwerpunkt dieses Kapitels die Abhängigkeit der Industrienationen von Energieimporten bei einem global steigenden Energieverbrauch. Der zweite Schwerpunkt liegt auf einer Darstellung der Folgen von steigender Abhängigkeit und steigendem Energieverbrauch. Vor allem im Zusammenhang mit dem Ölfördermaximum erscheint die Suche nachhaltiger Lösungsansätze, die dem konfliktträchtigen Problem eines steigenden Energieverbrauchs entgegen treten, angezeigt. Einer dieser Ansätze liegt in der Steigerung der Energieeffizienz und ein weiterer in dem Ausbau der regenerativen Energiegewinnung. Auf diese Lösungsansätze möchte ich im dritten Kapitel eingehen.

Textauszug (computergeneriert)

Konrad Gähler

Hauptseminararbeit

Energie ­ ,,Schmierstoff" der Weltpolitik ?


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

3

Kapitel 1: Energiepolitik

1.1

Wirtschaftlichkeit

5

1.2

Versorgungssicherheit

6

1.3

Umweltverträglichkeit

7

1.4

Sozialverträglichkeit

und

Akzeptanz

8

Kapitel 2: Folgen des wachsenden Energieverbrauchs

2.1

Überblick

9

2.2 Abhängigkeit von unsicheren Rohölpreisen und politischer Willkür .

.

9

2.2.1 Naturkatastrophen als Faktor der

Energieunsicherheit . . . 10

2.2.2 Die strategische Komponente der

Versorgungssicherheit

. . . 10

2.2.3 Ausblick: Verteilung fossiler Energieträger

in

Zukunft . . . 12

2.3 Unsichere Liefersituation bei steigender

globaler

Nachfrage

. . . 13

2.4 Ausrichtung der AP nach Energie-strategischen Gesichtspunkten

.

.

15

2.5

Klimawandel,

Umweltprobleme

16

Kapitel 3: Lösungsansätze

3.1 Zwei Ziele: Unabhängigkeit und Klimaschutz .

.

.

.

.

18

3.2

Klimaschutz 19

3.3 Neue Energieträger für eine zukunftsfähige und krisensichere Wirtschaft

.

20

3.4 Steigerung der Energieeffizienz

und

Energiesparen

22

3.5

Politische

Durchsetzung

24

Fazit

26

Literatur

27

2


Die dauerhafte Sicherstellung ausreichender Mengen von Energie ist eine unverzichtbare

Grundlage für die Sicherung des Wohlstands und der Stabilität von Wirtschaftssystemen.

Schon weit vor der Energieproduktion heutigen Ausmaßes war die Nutzung von Energie ein

zentrales Element menschlichen Lebens und Wirtschaftens. Die Energienutzung durch den

Menschen begann etwa vor 500.000 Jahren, als erstmals Feuer entzündet wurde. Seitdem

stieg die Bedeutung der Energie für die Menschheit in einem immer stärkeren Maße an. Ob

als Segelschiff auf dem Nil 4000 Jahre vor Christus, als Wasserschöpfrad im China des 7.

Jahrhunderts vor Christus oder als Windmühle im Flandern des 12. Jahrhunderts: die

Geschichte der Menschheit war immer eng verbunden mit der Entwicklung verschiedener

Formen der Energiegewinnung.1

Bis weit in die Mitte des 19. Jahrhundert hinein war die Nutzung von Energie allerdings an

feste Standorte gebunden, da bis dahin das Wasserrad die dominierende Energiequelle

darstellte. So waren wasserreiche Gebiete gleichzeitig blühende Zentren von Industrie und

Wirtschaft. Für das enorme Wirtschaftswachstum der Industrialisierung allerdings war ein

technologischer Sprung von regenerativen hin zu fossilen Energieträgern notwendig. Die

Erzeugung von Energie durch die Verbrennung von Kohle in Dampfmaschinen ermöglichte

die Energienutzung fernab von windreichen Gegenden oder Wasserläufen und erhöhte

gleichzeitig die Leistungsfähigkeit von Industrie und Bergbau. Somit löste sich die

Energienutzung von Vorbedingungen, wie dem Vorhandensein von Wind oder Wasser und

dem Vorhandensein von Holz, welches ein dauerhaftes Problem der regenerativen Energien

war.2

Der systematische Aufbau der Stromversorgung ermöglichte eine immer breitere Versorgung

mit elektrischer Energie, sodass schon nach dem Ersten Weltkrieg begonnen wurde,

elektrischen Strom neben industriellen Anwendungen sogar zum Heizen einzusetzen. Die

Verteilung von elektrischer Energie über Hochspannungsleitungen wiederum machte den Bau

von Großkraftwerken zur Stromerzeugung wirtschaftlich und war damit ein bedeutender

Schritt für eine Wende der Energieversorgung weg von dezentralen (und meist regenerativen)

Lösungen hin zu fossil befeuerten Großkraftwerken. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte dann

auf Basis der Hochspannungsnetze die Elektrifizierung des Alltagslebens ein. Immer stärker

1 Ich beziehe mich hier, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf: Reiche, Danyel: Geschichte der Energie. In:

Reiche, Danyel (Hrsg.): Grundlagen der Energiepolitik. Frankfurt am Main, 2005, S.11-36.

2 Die Verbrennung immer größerer Holzmengen für eine immer energieintensivere Industrie forcierte den

Kahlschlag der Wälder schon im Mittelalter. Holzknappheit durch Energienutzung führte schon im England des

16. Jahrhunderts zu einer ernsthaften Energiekrise, die zur Umstellung auf Steinkohle führte.

3


wurden neben der Industrie auch private Haushalte durch die Verwendung von elektrischen

Haushaltsgeräten in den Strommarkt eingebunden. Dies ging sogar so weit, dass elektrische

Geräte von der Elektrizitätswirtschaft an die Kunden verschenkt wurden.

Mit dem Aufkommen der Automobilität, ihrer Steigerung zu einem Massenphänomen und

dem dafür anwachsenden Bedarf an Benzin wuchs die Ölfördermenge bis in die 1970er Jahre

exponentiell an (siehe Abb. 1). Schon nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem durch den

steigenden Verbrauch im Verkehrssektor, war der Anteil des Erdöls als Energieträger höher

als der der Kohle.3 Eine folgenreiche Eigenheit des beginnenden fossilen Energiezeitalters ist

die Umkehrung von Angebot und Nachfrage: Energierohstoffe und Energie waren nicht mehr

knapp, teuer und zu sparen. Die Kapazitäten der Kraftwerke wurden ständig erweitert und

auch die Kapazität neu entdeckter Ölfelder überschritt die Fördermengen von Erdöl lange

Zeit. Dadurch entwickelte sich in der westlichen Welt eine ,,planmäßige Stromverschwen-

dung"4, begründet auf niedrigen Energiepreisen, steigenden Ölfördermengen und immer

weiter steigendem Energieverbrauch.

Abb. 1: Ölfunde von 1930 bis 2050 und Förderung bis 2001. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rohöl

3 Picard, Klaus: Die Zukunft des Energieträgers Erdöl. In: Schwanhold, Ernst / Kummer, Beate (Hrsg.) :

Nachhaltige Energiepolitik. Bad Honnef, 2006, S.69.

4 Reiche, Danyel: Geschichte der Energie, S 17.

4


Im Herbst des Jahres 1973 zeigte sich mit den Ölpreisschocks jedoch sehr plötzlich die

Kehrseite des fossilen Energieverbrauchs: die Internationalisierung der Energiemärkte.

Erstmals wurde den Industrienationen die Abhängigkeit ihres Wirtschaftssystems vom Faktor

Energie in größerem Ausmaß bewusst. Damals konsumierten weniger als 25% der Welt-

bevölkerung in den Staaten der OECD etwa 70% der weltweit gehandelten Energieträger,

während Afrika, der Nahe Osten, Asien und Lateinamerika zusammen mit einem Anteil von

70% der Weltbevölkerung lediglich ein Sechstel der Energie verbrauchten.5 Folge dieser

Internationalisierung der Energiemärkte ist auch, dass die Industriestaaten abhängig von

Energierohstoffen sind, auf die sie zu einem großen Teil keinen direkten Zugriff haben. Im

Gegensatz zum regenerativen Energiezeitalter, in dem Energie lokal gewonnen wurde

(Wasser, Wind, Biomasse), ist die Versorgung mit Energie in der (post-) industriellen

Gesellschaft kein privates, allein wirtschaftliches oder lokales Problem mehr, sondern ein

bedeutendes und konfliktträchtiges Element internationaler Politik. Eine weitere Folge der

Verbrennung fossiler Energien ist die schwere Zerstörung der Erdatmosphäre, deren Schutz

ebenso eine globale Herausforderung der Menschheit darstellt. Energie ist der Schmierstoff

der Weltpolitik.

Nachdem ich im ersten Kapitel kurz vier Aspekte der Energiepolitik skizziere, möchte ich

mich im zweiten Kapitel einer Analyse der weltweiten energiepolitischen Konfliktlinien

widmen. Dabei ist der erste Schwerpunkt dieses Kapitels die Abhängigkeit der Industrie-

nationen von Energieimporten bei einem global steigenden Energieverbrauch. Der zweite

Schwerpunkt liegt auf einer Darstellung der Folgen von steigender Abhängigkeit und

steigendem Energieverbrauch.

Vor allem im Zusammenhang mit dem Ölfördermaximum erscheint die Suche nachhaltiger

Lösungsansätze, die dem konfliktträchtigen Problem eines steigenden Energieverbrauchs

entgegen treten, angezeigt. Einer dieser Ansätze liegt in der Steigerung der Energieeffizienz

und ein weiterer in dem Ausbau der regenerativen Energiegewinnung. Auf diese

Lösungsansätze möchte ich im dritten Kapitel eingehen.

5 Ziesing, Hans-Joachim: Energie ­ von der Versorgungssicherung zum Klimaschutz. In: Opitz, Peter J. (Hrsg.):

Weltprobleme im 21. Jahrhundert. München, 2001, S.103.

5


Kapitel 1: Energiepolitik

1.1 Wirtschaftlichkeit

Für jedes Wirtschaftssystem ist eine erschwingliche Energieversorgung von eminenter

Bedeutung. Ziel der Energiepolitik muss es also unter anderem sein, angemessene Energie-

preise sicherzustellen, die das Wirtschaften kalkulierbarer machen und die Konkurrenz-

fähigkeit zu anderen Mitbewerbern ermöglichen.6 Diese Zielstellung wird durch Regu-

lierungsbehörden, Subventionen oder auch Preiskontrollen bewerkstelligt. Tritt die Wirt-

schaftlichkeit der Energie zu stark in den Vordergrund der Energiepolitik, kann dies Auswir-

kungen auf die weiteren Ziele, insbesondere auf die Umweltverträglichkeit, aber auch auf die

Versorgungssicherheit, haben.7 In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte die starke

Konzentration auf die Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung zu einer ,,planmäßigen

Verschwendung", die den Energieverbrauch rasant ansteigen lies und zu massiven

Umweltschäden führte (z.B. Smog, hoher Schwefelgehalt in der Luft).

1.2 Versorgungssicherheit

Der Grundsatz der Versorgungssicherheit umfasst zum einen den möglichst störungsfreien

Energiefluss und eine ausreichende Qualität der der Energieversorgung. Auch strategische

Aspekte spielen für die Versorgungssicherheit eine bedeutende Rolle. Im Fall von Energie-

importen ist es wichtig, nicht von einem einzelnen Energielieferanten abhängig zu sein,

sondern Energie aus verschiedenen Ländern zu beziehen, um die Abhängigkeit in Grenzen zu

halten und so wenig wie möglich erpressbar zu sein. Auch die unter wirtschaftlichen

Aspekten unrentable Förderung einheimischer Energieträger kann ein Weg sein, die Ver-

sorgungssicherheit zu steigern.8 Insbesondere nach den Ölpreisschocks der 1970er Jahre

gewann die Versorgungssicherheit vor allem zulasten der Wirtschaftlichkeit der Energie-

versorgung höhere Bedeutung. Kostspieligere Energieträger (Atomenergie, Kohle, Öl aus der

Nordsee) ersetzten einen Teil des aus den OPEC-Staaten importierten Erdöls. In der DDR

6 Laumanns, Ulrich: Determinanten der Energiepolitik. In: Reiche, Danyel (Hrsg.): Grundlagen der

Energiepolitik, Frankfurt a. M. 2005. S.279.

7 Durch zu geringe Investition in das Versorgungsnetz ist der Bestand des Netzes und damit die Versorgung als

Solche gefährdet. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür lieferte RWE im Winter 2005, als über 50 Jahre alte,

marode Hochspannungsmasten unter der Schneelast zusammenbrachen und 250.000 Menschen über Tage ohne

Strom auskommen mussten.

8 Die ,,Strategische Reserve" der Steinkohle hatte lange Zeit in Deutschland diese Rolle. Auch die

Erdölförderung in der Nordsee seit den Ölpreisschocks hatte zum Ziel, die Importabhängigkeit aus den OPEC-

Staaten zu verringern.

6


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