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Die keltische Religion in Irland und ihre Beeinflussung durch die Christianisierung

Diploma Thesis, 2007, 66 Pages
Author: DI. Mag. Dr. Robert Fischer
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2007
Pages: 66
Grade: gut
Bibliography: ~ 70  Entries
Language: German
Archive No.: V116915
ISBN (E-book): 978-3-640-19661-6
ISBN (Book): 978-3-640-20512-7
File size: 491 KB

Abstract

In der Zeit um Christi Geburt war für Irland, in seiner Entlegenheit die neue Nachbarschaft der Römer auf der britischen Insel, die bis dahin keinen angeseheneren Feind in Europa gehabt hatten als die Kelten, eine kritische Situation. Trotzdem war auch unter diesen Verhältnissen Güter- und Informationsaustausch möglich. Dadurch wurden die irischen Kelten mit den neuen geistigen Bewegungen jenseits ihrer Insel konfrontiert. Was von den Esse-nern, einer jüdischen Gemeinschaft mit ordensähnlichem Charakter und den Gnostikern aus dem Osten nach Westen drang, war ein Weltenmythos aus Apokalypse und einer vorderasiatischen Erlösungslehre, die zur Befreiung des Menschen aus seinem materiellen Gefängnis, mehr von der Erkenntnis, als vom Glauben ausging. Alles, was die Spätantike an religiöser Philosophie entließ, deutete über die Zeitenwende hinaus auf einen revolutionären Umbruch hin, der sich auf den britischen Inseln der Römer als seinem Medium bediente. Für die Iren muss sich damals schon ein entscheidender Anstoß zur Hinwendung zum Christen-tum vollzogen haben (Meyer-Sickendieck 1996, 40-43). Irland hatte sich während der römischen Okkupationszeit in Europa und Britannien, gemäß seiner nordwestlichen Randlage außerhalb des römischen Reiches unauffällig verhalten. Irland hat an der mit intellektueller Hemmungslosigkeit geführten Auseinandersetzung um die neue Religionslehre in den nachchristlichen Jahrhunderten nicht teilgenommen, sondern ihr von der Britannica Romania her ohne großes Aufhebens auf eigene Weise Zugang verschafft. Anders als auf dem Festland, wo sich wie in einer riesigen Arena ein anspruchsvolles Publikum zur Gala lateinischer Rhetorik traf, vernahm man hier in Irland kaum etwas von den Dissonanzen des dogmatischen Dialogs, sondern eher etwas vom anschwellenden Akkord christlichen Bekennertums. Bis die Informationen nach Irland kamen, waren alle pseudo-wissenschaftlichen Spitzfindigkeiten ausgeschieden. Übrig blieben die Grundzüge des Glaubens und seine ethische Substanz. Wenn auch erst die von Eusebius von Cäsarea (260 bis 339), Vater der Kirchengeschichte, geschriebene Chronik der Christenverfolgung der Nachwelt hinreichend über diese unruhige Epoche unterrichtete, haben sich mit Sicherheit auch schon zu seiner Zeit besonders drastische Einzelheiten selbständig gemacht und das Ohr der ungetauften Welt erreicht. Hiefür waren die raumgreifenden Bewegungen der ersten germanischen Völkerwanderung nicht ohne Bedeutung.


Excerpt (computer-generated)

Diplomarbeit

Titel der Diplomarbeit

Die keltische Religion in Irland und ihre Beeinflussung

durch die Christianisierung

Verfasser

Dipl.Ing. Dr. Robert Fischer

angestrebter akademischer Grad

Magister der Philosophie (Mag. phil.)

Wien, im Juni 2007

Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 057 327

Studienrichtung lt. Studienblatt: Individuelles Diplomstudium Sprachwissenschaft



Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Zielsetzung

und Fragestellung 4

3. Theorie

und Methodik 4

4. Christianisierung Irlands 6

4.1.

Ein Überblick 6

4.2. Der heilige Patrick und seine Mission in Irland 10

4.3. Die getrennte dogmatische Entwicklung des Christentums in Irland 12

5.

Die keltische Religion in Irland 12

5.1. Aussersprachliche

Befunde

in Form von Kultbildern 12

5.2. Lebor

Gabála Érenn 13

5.3. Die Bedeutung der Druiden in der keltisch-irischen Religion 15

5.3.1. Druiden, Barden und Filidh in der irischen Gesellschaft 17

5.3.2. Die Beeinflussung des Druidentums durch die Christianisierung ­ im Speziel-

len durch den heiligen Patrick 18

5.4. Die religiöse Überhöhung des Königtums in der keltisch-irischen Religion 21

5.5. Der

Kannibalismus in Irland 24

5.6. Die Kopfjagd und der Schädelkult in der irisch-keltischen Religion 25

5.7. Das Fasten ­ als magische Kraft in der irisch-keltischen Religion und im iri-

schen Christentum 26

5.8. Die Jenseitsvorstellungen in der irisch-keltischen Religion 27

5.8.1. Die Beeinflussung der Jenseitsvorstellungen durch das Christentum 28

5.9. Die Götter der irischen -keltisch Religion 29

5.9.1. Brigit 29

5.9.2. Lug 30

5.9.3. Nuadu 34

5.9.4. Lug und Nuadu, in der irischen und walisischen Literatur - ein Vergleich... 37

5.10. Die irisch-keltischen Feste und ihre Beeinflussung durch das Christentum 42

5.10.1.Samain ­ das Fest des 1. November 43

5.10.2.Imbolc ­ das Fest des 1. Februar 46

5.10.3.Beltaine ­ das Fest des 1. Mai ­das Sommer- und Lichtfest 49

5.10.4.Lugnasad ­ das Fest des Königs 50

5.10.5 Beeinflussung der "Hohen irisch-keltischen Feste" durch die

Christianisierung 54

6.0. Zusammenfassung 55

7.0. Schlussfolgerungen und Diskussion 57

8.0. Nachwort 61

9.0. Literaturverzeichnis 62

2


1. Einleitung

In der Zeit um Christi Geburt war für Irland, in seiner Entlegenheit die neue Nachbarschaft

der Römer auf der britischen Insel, die bis dahin keinen angeseheneren Feind in Europa

gehabt hatten als die Kelten, eine kritische Situation. Trotzdem war auch unter diesen Ver-

hältnissen Güter- und Informationsaustausch möglich. Dadurch wurden die irischen Kelten

mit den neuen geistigen Bewegungen jenseits ihrer Insel konfrontiert. Was von den Esse-

nern, einer jüdischen Gemeinschaft mit ordensähnlichem Charakter und den Gnostikern aus

dem Osten nach Westen drang, war ein Weltenmythos aus Apokalypse und einer vorderasi-

atischen Erlösungslehre, die zur Befreiung des Menschen aus seinem materiellen Gefäng-

nis, mehr von der Erkenntnis, als vom Glauben ausging. Alles, was die Spätantike an religi-

öser Philosophie entließ, deutete über die Zeitenwende hinaus auf einen revolutionären

Umbruch hin, der sich auf den britischen Inseln der Römer als seinem Medium bediente. Für

die Iren muss sich damals schon ein entscheidender Anstoß zur Hinwendung zum Christen-

tum vollzogen haben (Meyer-Sickendieck 1996, 40-43).

Irland hatte sich während der römischen Okkupationszeit in Europa und Britannien, gemäß

seiner nordwestlichen Randlage außerhalb des römischen Reiches unauffällig verhalten.

Irland hat an der mit intellektueller Hemmungslosigkeit geführten Auseinandersetzung um

die neue Religionslehre in den nachchristlichen Jahrhunderten nicht teilgenommen, sondern

ihr von der Britannica Romania her ohne großes Aufhebens auf eigene Weise Zugang ver-

schafft. Anders als auf dem Festland, wo sich wie in einer riesigen Arena ein anspruchsvol-

les Publikum zur Gala lateinischer Rhetorik traf, vernahm man hier in Irland kaum etwas von

den Dissonanzen des dogmatischen Dialogs, sondern eher etwas vom anschwellenden Ak-

kord christlichen Bekennertums. Bis die Informationen nach Irland kamen, waren alle pseu-

do-wissenschaftlichen Spitzfindigkeiten ausgeschieden. Übrig blieben die Grundzüge des

Glaubens und seine ethische Substanz. Wenn auch erst die von Eusebius von Cäsarea

(260 bis 339), Vater der Kirchengeschichte, geschriebene Chronik der Christenverfolgung

der Nachwelt hinreichend über diese unruhige Epoche unterrichtete, haben sich mit Sicher-

heit auch schon zu seiner Zeit besonders drastische Einzelheiten selbständig gemacht und

das Ohr der ungetauften Welt erreicht. Hiefür waren die raumgreifenden Bewegungen der

ersten germanischen Völkerwanderung nicht ohne Bedeutung. In diesem Zusammenhang

spielten die christlichen Soldaten, auf die Rom wegen der wachsenden Anfälligkeit seines

Imperiums nicht verzichten konnte und die für die neue Lehre besonders anfälligen Sklaven

bei der Verbreitung solcher Nachrichten eine wichtige Rolle. Sie erfuhren mehr, je häufiger

sie bei Truppenverschiebungen und der damit verbundenen Ortswechsel und Besetzung

ziviler Verwaltungsstellen ihren Standort wechselten. Im 2. Jahrhundert. breiteten sich dann

die Greuelberichte der Christenverfolgungen durch die römischen Gottkaiser aus. Im Jahr

303 setzte die letzte mit grausamer Systematik betriebene staatliche Christenverfolgung

unter Diokletian ein. In Britannien gab es fünf Gemeinden in welchen Christen hingerichtet

wurden. Diese Ereignisse, so nahe an der irischen Küste wirkten unter Umständen auf die

Iren alarmierend. Meyer-Sieckendick (1996, 47) gibt der Frage Ausdruck, ob nicht die Og-

ham Steine schon erste Hinweise auf christliche Einflüsse aufweisen, bevor die nach der

Christianisierung hinzugefügten Kreuze ihren heidnischen Charakter neutralisierten.

Im Jahre 380 wurde das Christentum die Staatsreligion im römischen Reich. Mehrfache

Gründe und Erscheinungsformen sind kennzeichnend für das Besondere des frühen iri-

schen Christentums. Die Ordnung der Stämme und Druiden hatte im Gegensatz zu den

Verhältnissen auf dem Festland keine Staatsreligion entstehen lassen, die durch einen

Machtkampf hätte abgelöst werden müssen. Das Druidentum nahm das Christentum mehr

oder weniger freundlich auf und ging eine Synthese ein. (Meyer-Sickendieck 1996, 51).

3


2. Zielsetzung und Fragestellung

In vorliegender Arbeit soll versucht werden, die vorchristliche Religion der Kelten in Irland,

hier als irisch-keltische Religion bezeichnet, wenn überhaupt möglich, zu vergegenwärtigen

und vom christlichen Einflussbereich gesondert zu betrachten. Dabei soll die Organisation

der damaligen Religion, die Priesterschaft, die Fest- und Opfertätigkeit und letztlich die Göt-

terwelt untersucht werden. Zu jeder vorchristlichen Darstellung soll aber auch die Beeinflus-

sung durch das Christentum gestellt werden. Als Ausgangsliteratur wurden die Arbeiten der

Keltologen Maier (2001), Birkhan (1997) und McCone (1990) herangezogen.

3. Theorie und Methodik

Die einzige sich anbietende Art über das vorchristliche Irland zu schreiben ist dementspre-

chende Quellen heranzuziehen. Die Hinterlassenschaften, wie archäologische Funde, In-

schriften etc, welche auf die irisch-keltisch Religion hinweisen oder Auskunft darüber ge-

ben, sind sehr dünn gestreut. Maier (2001, 34) unterscheidet grundsätzlich folgende Quellen

der keltischen Religionsgeschichte

außersprachliche

literarische

epigrafische

Zeugnisse

Birkhan (1997) geht noch mehr ins Detail und unterscheidet zwischen:

indigenen

Texten

Nachrichten bei antiken Autoren

archäologischen Funden in Form indigener Bilder

anderen archäologischen Befunden

Etymologien und andere sprachwissenschaftlichen Argumenten

indogermanischen

Parallelen

inselkeltischen literarischen mittelalterlichen Quellen

späteren Brauchtum vor allem bei den Inselkelten und

neuzeitlichen Erzähltraditionen bei den Inselkelten.

Birkhan`s Einteilung lässt sich natürlich wunderbar in die drei Hauptgruppen von Maier ein-

gliedern. An dieser Stelle möchte ich kurz auf die einzelnen Quellengruppen eingehen und

der Frage nachgehen, welche dieser Quellen für die vorliegende Arbeit relevant sind. Unter

den außersprachlichen Quellen verstehen wir Bodenfunde, also unmittelbare Überreste, die

für die Erforschung der keltischen Religion von großem Wert sind. Literarische Zeugnisse

bezeichnet Maier (2001, 34) lediglich als Tradition und die epigrafischen Quellen tragen,

nach Maier`s Meinung den Charakter unmittelbarer Überbleibsel und liefern in ihrer sprachli-

chen Ausformungen wertvolle Interpretations-punkte. Konkret versteht Maier (2001, 34) un-

ter den außersprachlichen Quellen in der keltischen Religionsforschung:

Überreste kultischer, ritueller oder magischer Handlungen, hierher gehören auch die

von Birkhan (1997) erwähnten "indigenen Texte". Er versteht darunter alle Arten von

Aufzeichnungen in denen die Kelten zu uns sprechen. Also Inschriften auf schwer

oder leicht transportierbaren Objekten wie Fluchtafeln, Weihesteinen etc.)

Kultstätten, die ein unterschiedlich hohes Maß an baulicher Gestaltung erkennen

lassen

4


Produkte des Kunsthandwerkes, die kultischen, rituellen oder magischen Zwecken

dienten, zu ergänzen sind hier noch die von Birkhan (1997) als "indigene Bilder" be-

zeichneten Darstellungen. Gemeint sind damit Darstellungen mit oder nur mit knap-

pen Begleitinschriften. Vor allem die keltische Ornamentik wie Fischblasenstil, Pal-

metten oder Spiralen, Fratzen und Triskelen seien an dieser Stelle zu nennen

Gräber und die damit verbundenen Zeugnisse des Totenbrauchtums

Literarische Quellen sind nach Maier (2001, 40):

Nachrichten antiker Beobachter in griechischer und lateinischer Sprache

mittelalterliche Angaben zur Religion der vorchristlichen Zeit in lateinischer und iri-

scher Sprache, ergänzend dazu der Punkt Birkhan`s, den er als "späteres Brauch-

tum" bezeichnet

Keltische Mythen in irischen, kymrischen und altfranzösischen Literaturwerken, diese

beinhalten natürlich auch die von Birkhan bezeichneten inselkeltischen Quellen und

die neuzeitliche Volkstradition.

An dieser Stelle möchte ich die Punkte Maier`s noch durch solche von Birkhan (1997, 451-

455) ergänzen:

Etymologien, darunter versteht man die Suche nach der ursprünglichen Bedeutung

eines Wortes (Brikhan, 1997, 451)

Indogermanische Parallelen, hier sind vor allem die indogermanischen Dichterspra-

chen mit allen heldenepischen Literaturwerken relevant (Birkhan, 1997, 455).

Nachdem Irland von Rom nie erobert wurde, sind Nachrichten antiker Beobachter über das

vorchristliche Religionsgeschehen in Irland vernachlässigbar und erst die Berichte aus dem

Mittelalter haben hier Bedeutung. Viel wichtiger sind für uns an dieser Stelle die mittelalterli-

chen Quellen, die Angaben über die vorchristliche Zeit in Irland geben. Nur einige wenige

stammen tatsächlich aus der Epoche der Christianisierung, die meisten aus späterer Zeit.

Zu den wichtigsten Quellen dieser Gruppe gehören zunächst die hagiografischen Texte, die

von den Auseinandersetzungen der christlichen Glaubensvertreter mit ihrer heidnischen

Umgebung berichten. Eine wesentliche Rolle spielt diesbezüglich die lateinische Vita des

heiligen Patrick, auf die ich in dieser Arbeit noch mehrmals eingehen werde. Sie wurde um

670 AD von einem irischen Geistlichen namens Muichú geschrieben. Die älteste irische Le-

bensbeschreibung des heiligen Patrick, die "Vita tripartita", wurde erst um 900 AD zu Papier

gebracht. Patrick selbst verfasste in lateinischer Sprache die Confessio und den Brief an

Coroticus. Aus der Zeit des Muirchús stammt auch die älteste Lebensbeschreibung der hei-

ligen Brigit durch den geistlichen Cogitosus, die irische Parallelschrift Berthu Brigit stammt

als ältester hagiografischer Text aus dem 9. Jahrhundert. Etwa um 830 entstand, der 365

vierzeilige Strophen umfassende, Heiligenkalender des Oengus (Felire Oenguso), in dem

der Verfasser die christliche Gegenwart Irlands mit der heidnischen Vergangenheit konfron-

tiert (Maier, 2001, 42). Neben den Heiligenlegenden steht uns historisch erzählende Litera-

tur zur Verfügung. Die keltologische Forschung des 19. Jahrhunderts gliederte diese Quel-

lengruppe in Zyklen. Um Christi Geburt spielten nach mittelalterlicher Anschauung die Er-

zählungen des Ulsterzyklus. Heute wird dieser Zyklus als Spiegelbild der gesellschaftlichen,

kulturellen und politischen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausend nach

Christi Geburt angesehen. Früher wurde sie als eine ergiebige Quelle der vorchristlichen

irischen Kultur betrachtet (Maier, 2001, 42). Größte Bedeutung hat die umfangreichste Er-

zählung aus dem Ulsterzyklus, "Die Geschichte des Rinderraubs von Cualinge" (Táin Bó

Cuailnge. Daneben seien noch erwähnt, die Erzählungen von "Oengus" "Traumgesicht"

(Aislinge Oenguso), "Die Geburt CúChulainns" (Compert Chon Culainn), "Vom Cophur der

5


beiden Schweinehirten" (De chophur in da muccida), "Das Wegtreiben der Rinder Froechs"

(Táin Bó Froich), "Die Erzählung vom Schwein des Mac Da Thó" (Scéla mucce Meic Dathó)

und "Die Zerstörung der Halle Da Dergas" (Togail Bruidne Da Derga) (Maier, 2001, 42). In

der Zeit vor der Christianisierung spielen auch die Erzählungen des Finn- oder Ossianischen

Zyklus. Held ist dort Finn mac Cumaill, welcher Krieger und Seher war. Weitere Schilderun-

gen der vor- und frühchristlichen irischen Kultur findet man in den Erzählungen über die Kö-

nige Lugaid mac Con (Cath Maige Mucraine), Conn Cétchathach (Baile in Scáil), Cormac

mac Airt (Esnada Tige Buchet), Niall Noigiallach (Echtra mac n-Echach Muigmedóin), Mon-

gán mac Fiachna (Compert Mongáin) und Suibne mac Colmáin (Buile Suibne) (Maier 2001,

44). Eine ausführliche Geschichte Irlands von der Erschaffung der Welt bis ins 11. Jahrhun-

dert enthält das "Buch der Einnahme Irlands" (Lebor Gabála Érenn), welches biblische,

klassische und einheimische Überlieferungen miteinander verbindet . Ich gebe an späterer

Stelle eine Kurzfassung der Lebor Gabála Érenn wieder:

Epigrafische Zeugnisse:

dabei handelt es sich überwiegend um Weiheinschriften für Götter und Göttinnen

und sind vereinzelt auch in anderen Texten wie kultische Kalender, sakralrechtliche

Bestimmungen, Grabinschriften und rituelle Verwünschungen bezeugt

man unterscheidet zwischen Inschriften in lateinischer Sprache, Inschriften in galli-

scher Sprache, Inschriften in keltiberischer Sprache und Inschriften in lepontischer

Sprache

Von Irland sind Ogam-Inschriften, meistens aus dem 5. und 6. Jahrhundert AD, bekannt. Sie

stellen frühe Zeugnisse aus dem Einflussbereich des Christentums in Irland dar. Generell

enthalten diese Ogam-Inschriften nur Personen- und Stammesnamen. "Ogam" ist ein

Schriftsystem, bei dem es sich um aufgemalte oder eingeritzte Striche handelte, die eine

senkrechte Linie durchkreuzen oder sie in unterschiedlichen Winkeln schnitten. Das Ogam-

Alphabet hatte zwanzig Buchstaben. Das Ogam-Alphabet basierte auf Konsonanten- und

Vokalgruppen und war von der lateinischen Schrift inspiriert. Steine mit Ogam-Inschriften

wurden in ganz Irland gefunden, besonders viele im Süden und waren vom 3.Jahrhundert

bis zum 8. Jahrhundert in Mode. Viele davon sind Grabsteine. In den irischen Sagen ist

auch von Inschriften aus Holz die Rede, manchmal auch in Verbindung mit Druiden (Green

1998, 67ff).

Die literarischen Quellen machen bei weitem den umfangreichsten Bereich der irischen reli-

gionsgeschichtlich relevanten Grundlagen aus. Archäologische und epigrafische Quellen

sind nur sehr spärlich vorhanden.

Das Problem der gesamten literarischen Quellenkunde ist, und das darf man nicht außer

Acht lassen, dass die Texte von christlichen Mönchen im irischen Frühmittelalter geschrie-

ben wurden und es daher nicht klar ist wie weit die irisch- keltische Religion von der christli-

chen überdeckt ist.

4. Die Christianisierung in Irland

4.1 ein Überblick

Bevor ich in die irisch-keltische Religion einsteige möchte ich einen kurzen Überblick über

die Christianisierung Irlands geben, um ein möglichst genaues Bild der damaligen Situation

darzustellen. Die Christianisierung Irlands wird von Padberg (1998, 65) auch als irischer

Sonderweg bezeichnet. Durch Chlodwigs Bekehrung zum Christentum konnte das römische

Christentum im Kerngebiet Westeuropas Fuß fassen, allmählich wurden die Franken christi-

anisiert und der Polytheismus geriet immer mehr ins Abseits. Nordwestlich des alten Limes

wurde noch immer Odin verehrt. Die Franken versuchten die Alemannen und die Baiern zu

6


bekehren. Um die heidnischen Nachbarn in England, Friesland und Sachsen kümmerte sich

aber niemand. So mussten andere aktiv werden, nämlich die Iren und die Angelsachsen.

Vom westlichen Rand Europas kommend trieben sie vor allem im 7. Jahrhundert die Christi-

anisierung des Kontinents voran. Bevor sie diese zukunftsträchtigen Aufgaben in Angriff

nahmen, mussten sie aber selbst das Evangelium kennen lernen. (Meyer-Sickendieck,

1996, 37). Irland lag damals am Rande der Welt. Von den Römern nicht erobert, war Irland

von der antiken Welt ziemlich unberührt geblieben. Die Iren wurde zu einer Zeit Christen, als

ihre britischen Nachbarn von heidnischen Invasoren bedrängt wurden. Die genauen Abläufe

des religiösen Wandels auf Irland, lassen sich nur unvollständig nachvollziehen. Das

scheinbar einzige richtige Datum der irischen Missions-geschichte ist eine Nachricht des

Chronisten Prosper Tiro von Aquitanien (390-463). Nachdem im Jahre 431 ein gewisser

Palladius von Papst Coelestin (422-432) als Bischof zu den an Christus glaubenden Iren

geschickt worden ist. Wie das Christentum vor Palladius, im 4. Jahrhundert, nach Irland

kam ist nicht klar. Meyer-Sickendiek (1996, 38) schreibt in ihrem Buch, dass die Ausbreitung

des Christentums vor Palladius durch die Emigration großer Volksgruppen eine wichtige

Rolle spielte. Nach dem Sieg Caesars über Gallien im Jahre 58 BC hatten keltische Aus-

wanderer in großer Zahl die römisch besetzten Gebiete in Richtung Britannien und Irland auf

dem Seeweg verlassen. Nachdem die neue Glaubenslehre sich nicht nur in Rom, sondern

auch in anderen Städten Italiens etabliert hatte, setzten schon zu Ende des 2. Jahrhunderts

die Flüchtlingsströme wieder ein, weil der römische Kaiser Decius eine drastische Christen-

verfolgung durchführte (Meyer-Sickendieck 1996, 38-39). Abgelöst wurde Palladius dann

von Patrick, der sehr erfolgreich die Christianisierung weiterführte und zum Landesheiligen

wurde.

Patrick kam etwa 385 AD in Taburniae (Grafschaft Cumberland, Nordwestengland) als Sohn
eines Legionärs und späteren Diakons namens Calpornius zur Welt. Schon sein Großvater
Potius war Priester gewesen und die Familie scheint einen hohen Stellenwert innerhalb der
römischen Gemeinde gehabt zu haben.

Während eines groß angelegten Überfalls der Iren (Scoten) an Britanniens Westküste geriet
der sechzehnjährige Patrick in Gefangenschaft und wurde als Sklave verkauft. Er diente
sechs Jahre als Hirte bei einem keltischen Häuptling in der späteren Grafschaft Antrim.
Letztendlich gelang ihm die Flucht und er fand eine Schiffsüberfahrt zurück nach England.
In seinen Träumen manifestierte sich seine Bestimmung zur Christianisierung Irlands. Er
studierte im Kloster St. Honorat auf den Lerins-Inseln (bei Cannes, Südfrankreich), danach
bei Germanus in Auxerre in Burgund. Obwohl seine Bildung und sein Schriftstil als nicht
ausreichend empfunden wurden ­ die prägenden Jahre hatte er ja auf der Weide verbracht
­ ernannte man ihn 432 AD zum Nachfolger des ersten irischen Bischofes Palladius.
Er begann im Westen und Norden der Insel zu predigen. Er rief die Menschen mit Pauken-
schlägen herbei. Interessanterweise genoss er sehr schnell die Unterstützung der örtlichen
Kleinkönige, die sich vom Christentum eine straffe Organisation und damit leichtere Regier-
barkeit der wilden Iren versprachen. Da Patrick während seiner Gefangenschaft die gälische
Sprache gut gelernt hatte, konnte er seine Predigten in der Landessprache halten. Überdies
scheint er begabt und realitätsnah gelehrt zu haben. Als Beispiel sei hier die Erklärung der
Dreifaltigkeit an Hand eines dreiblättrigen Kleeblatts erwähnt. Das dreiblättrige Kleeblatt
wurde später zum Symbol Irlands. All das dürfte es den Iren erleichtert haben den neuen
Glauben anzunehmen. Die größte Herausforderung bei der Christianisierung Irlands waren
für Patrick die Druiden, welche ihn zu vernichten versuchten. Er trat aber immer wieder im
direkten Wettstreit gegen sie an. Ab 444 AD teilte Patrick die Insel in Diözesen ein. Als de-
ren Oberhäupter setzte er alte Freunde und Gefährten, die er schon aus Gallien kannte, ein.
Er selbst baute seine Bischofskirche in Armagh, am Sitz des Hochkönigs, übrigens auch
heute noch das religiöse Zentrum Irlands. Dort starb Patrick 461 AD.

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Seine Attribute sind:

Mitra, Kreuzstab; Schlangen ­ weil er der Legende nach alles giftige Getier von der Insel
Irland vertrieb. Deshalb ist dies auch das Symbol für die Ausrottung des Heidentums.
Das Kleeblatt ­ weil er die Wesensgleichheit der drei göttlichen Personen Vater, Sohn und
heiliger Geist mit Hilfe eines Kleeblattes erklärte;
Flammen ­ er soll mit seinem Stab ein Loch in die Erde gestoßen haben, aus dem das Höl-
lenfeuer emporschlug mit welchem er seine Zuhörer zur Buße und Reue bewegte;
Schafe und Kühe ­ Symbole für Irland und sein Amt als Oberhirte der irischen Gläubigen
(Quelle: Lexikon der Heiligen 2006, 333-335).

Insgesamt kann man die Christianisierung Irlands als einen lange andauernden Prozess

annehmen. Außerdem nahm in Irland die christliche Kirche einen wesentlich anderen Ent-

wicklungsweg als auf dem Kontinent. An dieser Stelle möchte ich

Kriterien anführen welche die christliche Kirche in Irland zu etwas Besonderem machte:

eine Herausbildung einer beachtlichen Kultur, deren Buchkunst bis heute Bewunde-

rung hervorruft

eine besondere Organisationsstruktur

die Gemeinden waren nach dem Ordnungsgefüge der irischen Stämme in einzelne

Klosterverbände und deren Gründungsheiligen zugeordnet

die Äbte und nicht die Bischöfe waren die Glaubenshelden, denn auf Grund ihres as-

ketischen Lebens galten sie als bessere Wundermänner oder Heilsmittler

die irische Kirche stellt sich somit als Konföderation von Mönchsgemein-schaften dar

die in den Klöstern praktizierte Buße

das Konzept der Peregrinatio

Alle Sünden mussten gebeichtet werden und in Bußbüchern, einer neuen Gattung, wurde

aufgelistet, welche Kompensationsleistung der Christ dafür zu leisten hatte. Entscheidend

war dabei, dass die Buße als Strafe und nicht als bessernde oder heilende Aufgabe ver-

standen wurde. Es wurde nicht nach der Intention gefragt, nein, nach der Tat und damit tra-

ten die äußeren Werke und Leistungen in den Vordergrund. Es kam nicht auf die ethische

Besserung an, sondern auf den Tarifausgleich. Man konnte sich sogar von der Bußleistung

freikaufen indem man einen Stellvertreter für die eigenen Sünden büßen ließ. Folglich folgte

auf die Tat die Buße, nach der Reue wurde nicht gefragt. Etwa tausend Jahre später bildete

dann die Ablasshandlung den Schlusspunkt dieser Entwicklung. Damit zusammenhängend

enstand die Peregrinatio (Angenendt, 1982, 55ff.). Zu den Bußstrafen konnte die Verban-

nung aus dem Stamm oder noch extremer von der Insel gehören. Irische Mönche begannen

nun als asketische Draufgabe solchen Verlust der Heimat freiwillig auf sich zu nehmen. Vor-

bild dabei war Abraham, der auf Gottes Ruf hin Verwandtschaft und Vaterland verlassen

hatte (Gen. 12,1). Die irischen Mönche taten dies zum eigenen Seelenheil. Nebenbei ver-

kündeten sie in der Fremde das Evangelium und so wurde der "irisch- christliche Sonder-

weg" ein entscheidender Anstoß für die weitere Christianisier-ung Kontinentaleuropas (An-

genendt, 1982, 58). Ich möchte an dieser Stelle aber erwähnen, dass es auch andere Mei-

nungen zur irischen Kirche und ihrer Stellung im Christentum gibt und dort nicht von einem

irischen Sonderweg gesprochen wird.

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