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Die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung und ihre Rolle im Prozeß der weiblichen Emanzipation im 19. Jahrhundert

Termpaper, 2002, 29 Pages
Author: Kadir Özdemir
Subject: History - Miscellaneous

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 29
Grade: 2
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V116922
ISBN (E-book): 978-3-640-18746-1
ISBN (Book): 978-3-640-18884-0
File size: 231 KB

Abstract

Im folgenden wird sich diese Hausarbeit mit den Entstehungsgründen und der Rolle der ersten bürgerlichen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert beschäftigen, wobei die proletarische Frauenbewegung immer wieder zum Vergleich und zur Abgrenzung herangezogen werden wird. Ferner soll hier nicht nur die Emanzipationsbestrebungen der Frauen beschrieben werden, sondern auch die Lebensverhältnisse und -chancen von Frauen und Mädchen im 19. Jahrhundert. Denn ohne dieses Wissen wären spezifische Forderungen, Haltungen und Einstellungen der Frauenbewegung nicht nachvollziehbar. Da das Fachgebiet Frauen- und Geschlechtergeschichte noch jung und relativ wenig erforscht ist, stammen die wichtigsten Untersuchungen zum Thema der Hausarbeit aus den späten achtziger und frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Es fällt auf, daß die überwiegende Literatur zu diesem Thema von weiblichen Autoren stammt. Einen guten Einstieg in dieses Thema bietet die Monographie von Ute Gerhard3. Dank der thematisch geordneten weiterführenden Literaturhinweise erleichtert sie dem Leser auch tiefergehende Studien. [...]


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Braunschweig

Historisches Seminar

Hauptseminar: Frauen im 19. Jahrhundert

Wintersemester 2001/02

Aus welchen Gründen entstand die bürgerliche

Frauenbewegung und welche Rolle spielte sie im

Prozeß der weiblichen Emanzipation im 19. Jahrhundert?

02.04.2002

Geschichte / Soziologie / germ. Linguistik, MA.

3. Fachsemester


INHALT

1. Einleitung 3
2. Frauen im Bürgertum des 19. Jahrhunderts 4
2.1 Ein bewegtes Jahrhundert 4
2.2 Kurzer Umriß der Lebensbedingungen und -chancen bürgerlicher Frauen 5
3. Die Entstehung der bürgerlichen Frauenbewegung 7
3.1 ,,Unsichtbarkeit" und Moralisierung der Hausarbeit 7
3.2 Die Anfänge der bürgerlichen Frauenbewegung 9
4. Die Bürgerliche Frauenbewegung ab 1871 unter dem Banner der ,,geistigen Mütterlichkeit" 16
5. Die bürgerliche vs. proletarische Frauenbewegung 19
6. Anspruch und Wirklichkeit: Der Kampf und die Errungenschaften der bürgerlichen Frauenbewegung 23
7. Fazit 26
8. Literaturverzeichnis 28

 


1. Einleitung

Das 19. Jahrhundert ist schon von seinen Zeitgenossen oft das ,,bürgerliche" Jahrhundert genannt worden. Aus dem freiheitlich gesinntem Bürgertum jener Zeit, dessen Fühlen und Denken von dem Gedankengut der französischen Revolution, des deutschen Idealismus und der Romantik geprägt war, ging eine bürgerliche Bewegung von Frauen hervor, aus der die ersten organisatorischen Zusammenschlüsse von Frauen entstanden.

Die Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland reichen bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück1. Die Frauen kämpften und kämpfen seitdem den langwierigen Kampf um ökonomische, politische, soziale und kulturelle Gleichberechtigung.

Die Frauenbewegung des 19. Jh. war so wenig wie die heutige ein monolithischer Block. Das Geflecht von Strömungen, die sich darin vereinigten und trennten, ist im Einzelnen noch zu erforschen. In aller Vorläufigkeit wird hier die deutsche Frauenbewegung in zwei Epochen aufgeteilt. Zunächst die erste Frauenbewegung von ihren Anfängen bis 1933. In dieser ersten Frauenbewegung gab es zwar viele Richtungen, aber im wesentlichen unterschieden sich zwei Hauptströmungen: die bürgerliche (die ältere) und die proletarische Frauenbewegung. Die zweite Epoche beginnt 1968 und hängt stark mit der Studentenbewegung dieser Zeit zusammen2.

Im folgenden wird sich diese Hausarbeit mit den Entstehungsgründen und der Rolle der ersten bürgerlichen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert beschäftigen, wobei die proletarische Frauenbewegung immer wieder zum Vergleich und zur Abgrenzung herangezogen werden wird. Ferner soll hier nicht nur die Emanzipationsbestrebungen der Frauen beschrieben werden, sondern auch die Lebensverhältnisse und

-chancen von Frauen und Mädchen im 19. Jahrhundert. Denn ohne dieses

1 Nave-Herz, R.: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Mainz 1986, S. 7.
2 Nave-Herz (1986), S. 45.

3

 


Wissen wären spezifische Forderungen, Haltungen und Einstellungen der Frauenbewegung nicht nachvollziehbar.

Da das Fachgebiet Frauen- und Geschlechtergeschichte noch jung und relativ wenig erforscht ist, stammen die wichtigsten Untersuchungen zum Thema der Hausarbeit aus den späten achtziger und frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Es fällt auf, daß die überwiegende Literatur zu diesem Thema von weiblichen Autoren stammt. Einen guten Einstieg in dieses Thema bietet die Monographie von Ute Gerhard3. Dank der thematisch geordneten weiterführenden Literaturhinweise erleichtert sie dem Leser auch tiefergehende Studien.

2. Frauen im Bürgertum des 19. Jahrhunderts

2.1 Ein bewegtes Jahrhundert

Die Frauen, deren Leben im folgenden genauer untersucht werden soll, gehörten dem Bürgertum an. Dieses begann im 19. Jahrhundert, ein neues Selbstbewußtsein zu entwickeln. Obwohl das Bürgertum eine ganz und gar nicht homogene Gruppe darstellte, gab es dennoch verbindende Elemente wie z. B. den Wunsch, Kapital zu akkumulieren, eine umfassende Bildung zu erwerben und auch politische Partizipation durchzusetzen. Aufklärungsgedanken und die Errungenschaften der Französischen Revolution ließen diese Klasse gegen die Restaurationspolitik des Wiener Kongresses rebellieren, doch der Deutsche Bund begegnete den Modernisierungsversuchen mit beharrlicher Ablehnung. Die Repressionspolitik und die ökonomischen Krisen (z. B. 1846 Hungerkrise, Ende 1847 frühindustrielle Wirtschaftskrise) führten zu Protesten und Aufständen, die schließlich 1848 in einer Revolution gipfelten.

Erst langsam etablierte sich ein Parteiensystem, dem vor allem Besitz- und Bildungsbürger angehörten. Mit der Berufung Otto von Bismarcks zum 3 Gerhard, U.: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Hamburg 1990. 4

 


preußischen Ministerpräsidenten 1862 begann ein intensives preußisches Hegemonialstreben und die Fixierung auf eine nationale Einigung. Um dieses Ziel durchzusetzen, wurden von 1864 bis 1870/71 mehrere Reichseinigungskriege geführt. 1871 kam es dann schließlich zur Gründung eines vereinten Deutschen Reiches.

In diesem Jahrhundert voller Krisen, Aufstände und Modernisierungsgedanken wollte sich das Bürgertum emanzipieren. Es kritisierte, daß bestimmte politische Ämter dem Adel vorbehalten waren und z. B. nur Adlige Offiziere werden durften und formulierte ihre Rechtsansprüche. Das Bürgertum entwickelte in jenem Jahrhundert ein stärkeres Selbstbewußtsein und wollte sich bewußt von der privilegierten Adelsklasse abheben. Bildung, Wohlanständigkeit, Standesmäßigkeit und geordnete Familienverhältnisse wurden zu typischen Kennzeichen des Bürgertums. Der Kampf um die Emanzipation des Bürgertums war ein Kampf sowohl der Männer als auch der Frauen, die Errungenschaften jedoch fielen fast nur zu Gunsten der Männer aus.

2.2 Kurzer Umriß der Lebensbedingungen und -chancen bürgerlicher Frauen

Die bürgerlichen Frauen hatten in ihrem häuslichen Zuständigkeitsbereich für die Verwirklichung der oben aufgeführten bürgerlichen Ideale zu sorgen. Von ihnen erwartete man, daß sie bei ihren Männern und der Familie auf ein gepflegtes Äußeres achteten, die Wohnung repräsentativ einrichteten und für ein ,,geregeltes Familienleben" sowie für ,,geordnete Häuslichkeit" sorgten. Das gesamte Leben sollte sich idealerweise nach dem Prinzip guter Bürgerlichkeit richten. Dies galt auch für die Erziehung der Kinder, wobei die erforderliche Mitgift für Töchter bzw. die Ausbildung der Söhne oft eine finanzielle Belastung darstellten.

5

 


Die Töchter aus bürgerlichen Familien wurden von Anfang an auf die Ehe und auf ihre Rolle als Ehefrau vorbereitet. Falls sich aber keine Heiratschance geboten hatte, blieb ihnen nur wenige Möglichkeiten ihren Lebensunterhalt selbst zu finanzieren. Sie konnten Gouvernante oder Gesellschafterin werden. Allerdings war nur geringer Bedarf an diesen Berufen da, denn nur wenige konnten sich diese leisten. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts konnten Frauen auch den Lehrerinnenberuf ergreifen, wobei sie aber zunächst nur als Hilfskraft für einen männlichen Kollegen eingestellt wurden4. Doch selbst diese Berufsmöglichkeit war überfüllt. Allein in Preußen war ihre Zahl zwischen 1825 - 1861 von 705 auf 7366 gestiegen und es gab Fälle, wobei sich auf eine Stelle 114 Bewerberinnen meldeten5.

Im 19. Jahrhundert kam es in vielen bürgerlichen Familien zu einer heimlichen Beschäftigung. Heimlich insofern, weil die weibliche Erwerbstätigkeit unvereinbar mit der standesgemäßen Lebensführung galt, andererseits gerade diese Lebensführung zu dem Beschäftigungszwang führte6. Für die Ausbildung der Söhne wurden große Summen geopfert. Die Ausbildung der Söhne war gesellschaftlich betont und damit finanziell sehr aufwendig. Außerdem wurden für die Töchter Geselligkeiten arrangiert, um ihnen die Chance einer ,,guten Partie" und damit ihre materielle Sicherheit zu gewährleisten. Die Ehen waren für die Töchter überwiegend Versorgungsinstitution, auch wenn eine Ehe aus Liebe durchaus nicht ausgeschlossen war. Da die Heiratsaussichten begrenzt waren, u. a. durch die wirtschaftliche Stellung der Familie, und das Ansehen einer unverheirateten Frau sehr gering war, mußte alles aufgewendet werden, um diesem Los zu entgehen. M. Twellmann schreibt dazu:

,,Oft herrschte echte Not in den Familien, der dann in der üblichen Weise durch Sparen und heimlich ausgeführte [...] Handarbeiten begegnet werden mußte - [...]

4 Nave-Herz, R.: Die Rolle des Lehrers, Neuwied 1977, S. 9ff.
5 Nave-Herz (1977), S. 13.
6 ebenda.

6

 



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