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Subtitle: Die Handelskammer zu Köln als Beispiel für die Entwicklung der institutionellen Selbstverwaltung des Wirtschaftsbürgertums zwischen 1815 und 1870
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Martin Zickert
Subject: Economics / Business : Economic and Social History
Details
Institution/College: University of Göttingen (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Tags: Stadt, Bürgertum, Jahrhundert, Entwicklungslinien, Wirkungszusammenhänge, Wirtschaftsbürgertum, Jahrhundert, Genese, Sozialstruktur, Kultur
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 3,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-18750-8
ISBN (Book): 978-3-640-18888-8
File size: 124 KB
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Abstract
Im Laufe des 19. Jh. kam es durch politische, wirtschaftliche und technologische Veränderungen zu gesellschaftlichen Umwälzungen von bis dahin nicht da gewesener und ungeahnter Reichweite. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Themenkomplex ,Stadt und Bürgertum im 19. Jh.’ mit dem Schwerpunkt der Ausdifferenzierung und Entwicklung der wirtschaftsbürgerlichen Selbstverwaltung am Beispiel der Handelskammer zu Köln zwischen 1815 und 1870. Hauptziel dieser Arbeit ist, die These von der Entstehung und Festigung wirtschaftsbürgerlicher Selbstverwaltung hin zu wirtschaftsbürgerlicher Herrschaft im Laufe des 19. Jh. zu untermauern. Hierzu gilt es, die Wirkungszusammenhänge zwischen (wirtschafts-) bürgerlicher Selbstverwaltung und der Politik zu verdeutlichen. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit besteht allerdings auch darin, die Problematik des Themenkomplexes ,Stadt und Bürgertum im 19. Jh.’ zu umreißen und herauszustellen. Werden im zweiten Kapitel zunächst eine Einordnung des Themas in den zeithistorischen Kontext sowie die Klärung einiger begrifflicher Grundlagen erfolgen, so wird im weiteren Verlauf dieses Kapitels die oben beschriebene Problematik aufgefasst und diskutiert. Darauf aufbauend folgt eine Beschreibung der historischen Entwicklung der Stadt Köln. Im Anschluss daran wird versucht, das Wirtschaftsbürgertum Kölns als soziale Formation zu charakterisieren, bevor dann im dritten Kapitel der Aufbau sowie die Festigung der bürgerlichen Selbstverwaltung am Beispiel der Handelskammer aufgegriffen werden. Entwicklungslinien und Wirkungszusammenhänge im Hinblick auf die Handelskammer als Institution der Selbstverwaltung und die Politik sollen unter Einschluss obiger These diskutiert und veranschaulicht werden. Den Abschluss bildet das vierte Kapitel, in dem die Ergebnisse dieser Arbeit nochmals knapp zusammengefasst und Parallelen zur Gegenwart hergestellt werden. [...]
Excerpt (computer-generated)
Sommersemester 2006
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hauptseminar:
,,Wirtschaftsbürgertum im 19. Jahrhundert: Genese, Sozialstruktur und Kultur"
Stadt und Bürgertum im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien und
Wirkungszusammenhänge die Handelskammer zu Köln als Beispiel für
die Entwicklung der institutionellen Selbstverwaltung des
Wirtschaftsbürgertums zwischen 1815 und 1870
Vorgelegt von:
Martin Zickert
Studienfach: Wirtschaftspädagogik
I
Semester:
8. Fachsemester
Abgabedatum: 02.10.2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3
2. Grundlagen
3
2.1 Zur Einordnung des Themas in den zeithistorischen Kontext
4
2.1.1 Die Industrialisierung
4
2.1.2 Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum
5
2.2 Zur Problematik des Themenkomplexes ,Stadt und Bürgertum
im 19. Jahrhundert′
6
2.3 Die Stadt Köln im 19. Jahrhundert
8
2.3.1 Köln gegen Ende der reichsstädtischen Zeit
8
2.3.2 Die französische Besatzungszeit von 1794 bis 1814
9
2.3.3 Die Zeit unter der preußischen Herrschaft 1815 bis 1870
10
2.4 Das Wirtschaftsbürgertum Kölns im 19. Jahrhundert
Versuch einer Charakterisierung
13
3. Aufbau und Festigung der bürgerlichen Selbstverwaltung
Entwicklungslinien und Wirkungszusammenhänge am Beispiel der Handelskammer zu Köln
16
3.1 Die Entwicklung der Handelskammer zu Köln
zwischen 1815 und 1870 ein Abriss der wichtigsten Etappen auf dem Weg zur institutionellen Selbstverwaltung
17
3.2. Selbstverwaltung und politischer Einfluss
20
4. Resümee
22
Literaturverzeichnis
24
3
1. Einleitung
Im Laufe des 19. Jh. kam es durch politische, wirtschaftliche und technologische
Veränderungen zu gesellschaftlichen Umwälzungen von bis dahin nicht da gewesener
und ungeahnter Reichweite.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Themenkomplex ,Stadt und Bürgertum
im 19. Jh.′ mit dem Schwerpunkt der Ausdifferenzierung und Entwicklung der
wirtschaftsbürgerlichen Selbstverwaltung am Beispiel der Handelskammer zu Köln
zwischen 1815 und 1870.
Hauptziel dieser Arbeit ist, die These von der Entstehung und Festigung
wirtschaftsbürgerlicher Selbstverwaltung hin zu wirtschaftsbürgerlicher Herrschaft im
Laufe des 19. Jh. zu untermauern. Hierzu gilt es, die Wirkungszusammenhänge
zwischen (wirtschafts-) bürgerlicher Selbstverwaltung und der Politik zu verdeutlichen.
Ein weiteres Ziel dieser Arbeit besteht allerdings auch darin, die Problematik des
Themenkomplexes ,Stadt und Bürgertum im 19. Jh.′ zu umreißen und herauszustellen.
Werden im zweiten Kapitel zunächst eine Einordnung des Themas in den
zeithistorischen Kontext sowie die Klärung einiger begrifflicher Grundlagen erfolgen, so
wird im weiteren Verlauf dieses Kapitels die oben beschriebene Problematik aufgefasst
und diskutiert. Darauf aufbauend folgt eine Beschreibung der historischen Entwicklung
der Stadt Köln. Im Anschluss daran wird versucht, das Wirtschaftsbürgertum Kölns als
soziale Formation zu charakterisieren, bevor dann im dritten Kapitel der Aufbau sowie
die Festigung der bürgerlichen Selbstverwaltung am Beispiel der Handelskammer
aufgegriffen werden. Entwicklungslinien und Wirkungszusammenhänge im Hinblick auf
die Handelskammer als Institution der Selbstverwaltung und die Politik sollen unter
Einschluss obiger These diskutiert und veranschaulicht werden.
Den Abschluss bildet das vierte Kapitel, in dem die Ergebnisse dieser Arbeit nochmals
knapp zusammengefasst und Parallelen zur Gegenwart hergestellt werden.
2. Grundlagen
Das folgende Kapitel wird sich mit grundlegendem, zur Themenerschließung wichtigem
Basiswissen auseinandersetzen und soll somit als Fundament für die darauf folgenden
Ausführungen dienen.
4
2.1 Zur Einordnung des Themas in den zeithistorischen Kontext
Zur differenzierten Bearbeitung der Kerninhalte dieser Hausarbeit, muss zunächst
einmal eine Einordnung in einen zeithistorischen Kontext erfolgen, da sonst wichtige
Interdependenzen noch aufzuzeigender Entwicklungslinien nicht klar ersichtlich
werden. Im Mittelpunkt des Betrachtungszeitraumes von 1815 bis 1870 steht die
Industrialisierung, die im Folgeabschnitt genauer betrachtet werden wird.
Weiterhin ist insbesondere im Hinblick auf Städte wie Köln der Urbanisierung sowie
dem Bevölkerungswachstum eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Auch hier soll
in den Folgeabschnitten eine genauere Betrachtung erfolgen.
2.1.1 Die Industrialisierung
Die Industrialisierung, auch industrielle Revolution genannt, bezeichnet eine Phase
schneller technologischer, ökonomischer und sozialer Veränderungen, die etwa um
1785 in Großbritannien begann und mit zeitlicher Verzögerung auch in anderen
westeuropäischen Staaten Einzug hielt. Die Industrialisierung markiert den Übergang
von der Agrar- zur Industriegesellschaft.1
Wichtige Voraussetzungen der Industrialisierung waren hierbei die technische
Erneuerung des Produktionsapparates, eine gesteigerte Akkumulation liquiden Kapitals
sowie ein steigendes Arbeitsangebot. Als Vorreiter und Träger der industriellen
Revolution gelten besonders die Textilindustrie, die Eisenverarbeitung und der
Bergbau. Seit Mitte des 19. Jh. kam es durch die Industrialisierung besonders zu einer
starken Ausdehnung und Revolutionierung des Verkehrswesens und der
Verkehrsinfrastruktur sowie zur Entstehung schnell wachsender Industriegebiete. Das
Rheinland war eines dieser expandierenden Gebiete.2 Zu beachten ist hierbei der hohe
Stellenwert der Eisenbahn und des Dampfschiffes als Transportmittel, denen die
Erfindung der Dampfmaschine zugrunde lag. Hinsichtlich der Textilindustrie ist die
Erfindung des mechanischen Webstuhls zur Baumwollverarbeitung als Basisinnovation
anzusehen. Basisinnovationen sind Erfindungen, deren Einführung und Nutzung am
Markt zu bahnbrechenden Veränderungen und Wellen dynamischen Wachstums in der
Wirtschaft führten.
1 Brockhaus Taschenlexikon Weltgeschichte, Mannheim 2004, S. 452 f.
2 Ebd. S. 453.
5
Im Hinblick auf Basisinnovationen im Zuge der Industrialisierung bedient man sich in
der Wissenschaft auch der ,Theorie der langen Wellen′ nach Kondratieff.3 Dieser
Theorie zufolge zersplittert sich die Wirtschaftsgeschichte seit dem 19. Jh. in
insgesamt fünf von Basisinnovationen ausgelösten Phasen, wobei eine
Wellenbewegung auch Zyklus genannt etwa 50 bis 60 Jahre umfasst. Die
Basisinnovationen der jeweiligen Zyklen führten zunächst zu einer sprunghaften
wirtschaftlichen Entwicklung durch die durch sie ausgelöste Dynamik. Diese Dynamik
nimmt im Zeitverlauf wieder ab, und wird schließlich durch neue Innovationen wieder
vorangetrieben, was zu neuen Entwicklungsschüben in der Wirtschaft führt. Diese
Zyklen sollen auch maßgeblichen Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung der
Weltwirtschaft gehabt haben, wobei ein empirischer Nachweis bislang nicht erbracht
werden konnte. Der betrachtete Zeitraum von 1815 bis 1870 fällt in die ersten beiden
Zyklen der Theorie. Die bereits o.g. Basisinnovationen des ersten Zyklus (Textil- und
Eisenverarbeitung sowie Dampfkraft) werden im zweiten Zyklus durch den
Eisenbahnbau und die Stahlverarbeitung ergänzt bzw. abgelöst.4 Die angeführten
Basisinnovationen hatten auch eine signifikante Schlüsselfunktion für die
wirtschaftliche Entwicklung des Kölner Raumes, wie zu einem späteren Zeitpunkt noch
zu zeigen ist.
2.1.2 Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum
An dieser Stelle soll kurz auf die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum als
Parallelerscheinungen zur einsetzenden bzw. voranschreitenden Industrialisierung
eingegangen werden.
Unter Urbanisierung versteht man die Ausbreitung städtischer Lebens- und
Siedlungsformen in ländlichen Gebieten.5 Besonders die Verlagerung des Wirkungs-
und Lebensraumes in die Städte hatte zufolge, dass deren Bevölkerungsdichte
innerhalb kurzer Zeit rapide zunahm oder deren räumliche Ausdehnung durch die
Eingemeindung umliegender Gebiete größer wurde. Kurz soll hier auch das allgemein
verstärkte Bevölkerungswachstum, hauptsächlich verursacht durch neue medizinische
Errungenschaften und verbesserte Hygiene, im Laufe des 19. Jh. erwähnt werden,
dass durch eine schneller steigende Geburtenrate im Gegensatz zu einer relativ
stabilen, später sinkenden Sterberate die Säuglingssterblichkeit nahm in Laufe der
3 Berghoff, H., Moderne Unternehmensgeschichte, Paderborn 2004, S. 36 f.
4 Ebd. S. 37
5 Gabler Wirtschaftslexikon, 15. Aufl., Wiesbaden 2000, S.3196.
6
Industrialisierung signifikant ab verursacht wurde.6 Als eine Konsequenz aus
Urbanisierung und Bevölkerungswachstum kam es zu sozialen Problemen in den
Städten und der Notwendigkeit, den städtischen Verwaltungsapparat zunehmend
auszubauen und zu professionalisieren. Diese Professionalisierung hatte auch
Auswirkungen auf die wirtschaftliche Selbstverwaltung in den großen Metropolen.
2.2 Zur Problematik des Themenkomplexes ,Stadt und
Bürgertum im 19. Jahrhundert′
Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit dem Themenkomplex ,Stadt und
Bürgertum im 19. Jh.′ sowie der damit verbundenen Problematik. Es soll aufgezeigt
werden, inwiefern eine präzise Abgrenzung der sozialen Formation ,Bürgertum′ im
Zusammenhang mit der Stadt im 19. Jh. überhaupt möglich ist.
Eine der Grundfragen der modernen Sozialgeschichte beschäftigt sich damit, von
welchen sozialen Formationen die Impulse für die gewaltigen Modernisierungs- und
Veränderungsprozesse in der europäischen Gesellschaft in wirtschaftlicher,
gesellschaftlicher, kultureller und auch politischer Hinsicht seit dem 18. Jh. ausgingen.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Kernfrage verfolgte in diesem
Zusammenhang Gall, indem er ,das Bürgertum′ als eine der häufigsten
Sammelantworten sozialwissenschaftlicher Diskussionen auf die o.g. Grundfrage in
einem Forschungsprojekt ab 1988 aufgriff und die Entwicklung und Ausdifferenzierung
des Bürgertums vor dem Hintergrund einer möglichen Verbindung zur Stadt
untersuchte.7 Eines der Hauptprobleme dabei bestand darin, dass es zwar diverse
Differenzierungen in Bezug auf den Begriff ,Bürgertum′ oder auch ,Bürgerlichkeit′
gegeben hat, und Bürgerlichkeit sowie die sog. ,bürgerlichen Werte′ im Sinne
gesellschaftlicher Leitbilder als Synonyme für die Modernisierung und die
fortschrittliche Entwicklung der Gesellschaft standen, eine klar fassbare ,soziale Einheit
Bürgertum′ und dessen definitorische Abgrenzung jedoch nicht vorgenommen wurde.
Die Forschergruppe um Gall konzentrierte sich in ihrem Projekt darauf, eine nach
Möglichkeit besonders präzise Abgrenzung der sozialen Einheit Bürgertum bzw.
einzelner stadttypenspezifischer Einheiten des Bürgertums zu erarbeiten, indem die
jeweiligen Entwicklungslinien unter Beachtung des begrenzenden Einflusses [...]
6 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Bevölkerung. Fakten Trends Ursachen Erwartungen Die wichtigsten Fragen, Sonderheft der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, 2. Aufl., Wiesbaden 2004, S. 9 ff.
7 Gall, Lothar, Stadt und Bürgertum im Übergang von der traditionalen zur modernen Gesellschaft, in: ders. (Hg.), Stadt und Bürgertum im Übergang von der traditionalen zur ständischen Gesellschaft, München 1993, S. 1-12.
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