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August Aichhorn - Psychoanalyse und Verwahrlosung

Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Sigrid Lang
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Event: Psychoanalyse in der psychosozialen Arbeit
Institution/College: University of Innsbruck (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: August, Aichhorn, Psychoanalyse, Verwahrlosung, Psychoanalyse, Arbeit
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 2
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V116969
ISBN (E-book): 978-3-640-18766-9
ISBN (Book): 978-3-640-18897-0
File size: 142 KB

Abstract

Inhalt: 1 Biographie, 2 Zu seiner Person, 3 Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung, 4 Einige psychoanalytische Begriffe, 5 Mögliche Ursachen der Verwahrlosung, 6 Der Erzieher - was er wissen sollte und wie er sich verhalten sollte, 7 Diskussion.


Excerpt (computer-generated)

Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck

WS 2005/06

August Aichhorn ­

Psychoanalyse und Verwahrlosung

Verfasserin:

Sigrid Lang

Vorgelegt im Rahmen der Lehrveranstaltung

,,Psychoanalyse in der psychosozialen Arbeit"

Terlan, 09.02.2006



Inhaltsverzeichnis

1 Biographie

2 Zu seiner Person

3 Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung

4 Einige psychoanalytische Begriffe

5 Mögliche Ursachen der Verwahrlosung

6 Der Erzieher - was er wissen sollte und wie er sich verhalten sollte

7 Diskussion

1


1 Biographie

August Aichhorn wurde im Juli 1878 in Wien geboren. Seine Vorfahren waren einfache

Bauern in Bayern. Im 12. Jahrhundert wurden sie von österreichischen Raubrittern entführt

um sie auf ihren eigenen Gütern anzusiedeln. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieben die

Nachkommen dieser Familie Bauern auf dem gleichen Stück Land, dann zog ein Mitglied der

Familie Aichhorn nach Wien. August Aichhorn war ein Urenkel dieses Familienmitgliedes.

Mit 20 Jahren wurde er Volksschullehrer in Wien. Im gleichen Jahr starb sein

Zwillingsbruder. Als 1907 militärische Erziehungsheime für Knaben in Wien eingeführt

wurden, verschrieb er sich dem Kampf dagegen. (vgl. Eissler 1951, S. 201 f.)

Er kämpfte erfolgreich ,,gegen die Strenge und Härte in [diesen] militärischen

Erziehungsheimen an." (Slacik) 1908 wurde er Vorstand eines Ausschusses, der

Erziehungsheime für Knaben organisieren sollte. Dadurch konnte er verhindern, dass sich das

Erziehungswesen auf militärischer Basis durchsetzen konnte. (vgl. Eissler 1951, S. 202)

,,Nach dem ersten Weltkrieg, von 1918-1922 leitete er die Anstalten Ober-Hollabrunn und St.

Andrä und praktizierte dort seine Vorstellung von moderner Pädagogik." (Slacik) ,,Er stellte

dort unter Beweis, dass Zwangserziehung in ´Besserungsanstalten´ keine positiven Erfolge

brachte." (Wikipedia) ,,In den Baracken eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers wurde in

aller Stille inmitten der Wirren des Kriegsendes und des gesellschaftlichen Umbruches [...]

eines der wichtigsten und erfolgreichsten Experimente in der Behandlung und Erziehung

delinquenter und verwahrloster Jugendlicher vorgenommen." (www.freud-institut.com) Über

viele seiner Beobachtungen aus dieser Zeit schrieb er in seinem Buch ,,Verwahrloste Jugend".

(vgl. Eissler 1951, S. 202)

Nach diesem Experiment leitete er Erziehungsstellen für die Wiener Stadtverwaltung, dann

wurde er Vorstand der Erziehungsberatungsstelle der Wiener Psychoanalytischen

Gesellschaft. Wie durch ein Wunder überlebten er und seine Familie den Nationalsozialismus.

Nach dieser Zeit wurde er zum Präsidenten der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, was

er bis zu seinem Tod 1949 auch blieb. (vgl. Eissler 1951, S. 203) 1922 war er dort

ordentliches Mitglied geworden. (vgl. www.freud-institut.com)

,,1947 wurde er Honorary Member der International Psycho-Analytical Association und auch

der Chicago Psychoanalytic Society, 1948 wurde ihm der Titel "Professor" [...] verliehen.

[...] Inmitten der Vorbereitungen zur Errichtung eines Institutes für Verwahrlostenforschung

in Wien starb August Aichhorn am 13.10.1949." (ebd.)

2


2 Zu seiner Person

August Aichhorn gilt heute als einer der Gründer der psychoanalytischen Pädagogik. (vgl.

Wikipedia) Er verknüpfte erfolgreich die Annahmen der Psychoanalyse mit Pädagogik. Oder

besser gesagt, er entwickelte eine Pädagogik, die er dann durch die Psychoanalyse theoretisch

untermauerte.

Er war ,,Grenzgänger zwischen Psychoanalyse und Pädagogik, Pionier, herausragende

Persönlichkeit und vor allem ´Mensch´ [...]. Sein Buch ´Verwahrloste Jugend´ ist ein

Klassiker der Sozialpädagogik und gilt heute noch als richtungsweisend." (Slacik)

Aichhorn sah sich selbst als Student und Schüler, nicht als Lehrer. (vgl. Eissler 1951, S. 203)

,,Er war ein hervorragender Lehrer, er handelte als ein Diener seiner Schüler. Seine Intuition

war beeindruckend, er war voller Interesse für die Menschen und liebte es, sie zu

beobachten." (Butzmann 1999)

Außerdem besaß er die Fähigkeit sich mit seinen Patienten zu identifizieren, sie und ihre

Bedürfnisse zu verstehen. Als leidenschaftlicher Psychologe, der er war, gelang es ihm, das

Problem der Verwahrlosung und des Verbrechens von religiösen, ethischen und moralischen

Vorurteilen zu befreien und viele Menschen zu heilen, die alle anderen aufgegeben hatten.

(vgl. Eissler 1951, S. 204 f.)

,,Seine Fähigkeit Gespräche zu führen, war überragend, eine einzige Unterredung konnte

jahrelang positiv in einer Familie nachwirken, ihm gelang sogar die Heilung eines

Schizophrenen durch Gespräche. Er verbrachte täglich 16-17 Stunden mit seinen Klienten und

sagte dabei, daß ihm das Gefühl der Arbeit fremd sei. Er hatte Verständnis für die

Abenteuerlichkeit des Verbrechens, die Räuberromantik. Er war harmonisch, beherrscht und

ein lebensfroher Genießer." (Butzmann 1999)

Durch seine Pädagogik, seine Art, mit Menschen umzugehen, wurde er als Pädagoge und als

Psychoanalytiker unsterblich. Bis heute gilt er als führender Vertreter der psychoanalytischen

Pädagogik, der wertvolle Aussagen über die Psyche des Menschen machte.

3 Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung

In seinem 1925 erschienen Buch ,,Verwahrloste Jugend" beschreibt August Aichhorn, wie er

versucht die Grundannahmen der Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung anzuwenden.

Durch die psychoanalytische Theorie will er die Ursachen für Verwahrlosungserscheinungen

finden und die Verwahrlosung möglichst heilen. Seiner Meinung nach liefert die

Psychoanalyse nämlich wertvolle Aussagen für die Erziehungsberatung und auch für die

3



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