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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1998, 28 Pages
Author: Jana Kullick
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: Technical University of Chemnitz (Germanistische Sprachwissenschaft)
Tags: Wortbildung, Neue Medien
Year: 1998
Pages: 28
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17784-9
File size: 284 KB
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Excerpt (computer-generated)
Funktionale Wortbildungsanalyse
- Ad-Hoc-Wortbildung in Texten zur Aneignung von Computermedien
von Jana Haase
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einführung: Struktureller
vs. Funktionaler Zugriff 4
2 Das Material 7
3 Allgemeine Tendenzen der WNB
im Kontext von Computermedien 7
4 Spezifizierende Klassifikation
zur Herstellung ′eindeutiger′ Referenz 8
4.1 Anaphorische Pronominalisierung 8
4.2 Kataphorische Pronominalisierung 10
4.3 Visuelle Pronominalisierung 12
4.4 Zusammenfassung 13
5 Benennung mittels Analogie,
Metapher und ′Platzhalter′ 14
5.1 Funktions-analoge Übertragungen 14
5.2 Metaphern 16
5.3 ′Platzhalter′ und Wortfindungsprozesse 21
6 Zusammenfassung mittels
′Dummy-compounds′ 23
7 Zusammenfassung 24
8 Transkriptsiglen 25
9 Literatur 27
Einführung: Struktureller vs. Funktionaler Zugriff
Wortbildungen können zum einen danach analysiert werden, nach welchen Regularitäten bereits lexikalisierte Wortbildungsprodukte gebildet wurden. Zum anderen besteht aber auch die Möglichkeit, Wortneubildungen als nicht lexikalisierte Einheiten im Text zu untersuchen. Dies hat den Vorteil, textspezifische Wortbildungsverfahren, die sonst durch den Prozeß der Lexikalisierung bereits verblaßt sind, anhand der semantischen Strukturen im Vor- oder Nachtext verdeutlichen zu können und auf ihre kommunikativen Funktionen zu hinterfragen. Dies ist nach MATUSSEK (1994, 13) in Abgrenzung zur strukturellen Beschreibung (bzw. als Ergänzung zu dieser) von Wortbildung zu betrachten. Die Wortbildungsanalyse bereits lexikalisierter Lexeme in Texten ist aus dieser (funktionalen) Perspektive demnach lediglich als ein Phänomen der "Wort-Wahl" und nicht der "Wort-Bildung" (HOHENHAUS 1996, 259) beschreibbar.
Wortneubildungen (im Text) sind allerdings im Gegensatz zu der eher ko- und kontextfreien Betrachtung lexikalisierter WBK nur im Zusammenhang zur sonstigen Diskursorganisation angemessen zu beschreiben, da sie in deren Strukturen eingebettet sind:
"Wortneubildungen sind (…) Produkte eines Sprechers oder Schreibers, der sich damit an die Adresse eines Hörers oder Lesers richtet. Der Sprecher macht sich dabei dem Hörer nur dann verständlich, wenn er sich im Akt der individuellen Wortneubildung an die Bauelemente und Baugesetze hält, die in der Sprachgemeinschaft kollektiv verwendet werden" (MATUSSEK 1994, 9).
Und "damit der Bildungsprozeß nachvollzogen werden kann, [müssen] diese Wortneubildungen im Zusammenhang mit ihrem Entstehungskontext behandelt [werden], da der Verlauf des Textprozesses belegbaren Aufschluß über den Bildungsprozeß eines neuen komplexen Lexems geben kann" (Matussek 1994, 32).
Neben der besonderen Berücksichtigung des diskurs-strukturellen Zusammenhangs, ist aus semantisch-konzeptueller Perspektive eine Einschränkung der Wortbildungsanalyse auf den ersten Ableitungsschritt vom Basislexem zur erweiterten Bildung notwendig (vgl. RICKHEIT 1993, 46). Dies hat seine Ursache in der Interferenz lexikalischer und struktureller (morphologischer) Wortbildungsprozesse. So ist zwar strukturell eine Ableitungshierarchie nach dem Prinzip der Analyse in unmittelbare Konstituenten bis hin zu den nicht-ableitbaren Einheiten, den Basismorphemen, möglich (vgl. FLEISCHER / BARZ 1995, 45ff.). Allerdings ist eine derartige Herangehensweise für die Beschreibung der funktionalen Aspekte von Wortneubildungen unfruchtbar, da jeweils nur die semantischen Strukturen der unmittelbaren Konstituenten der ersten Hierarchieebene Eingang in die Neubildung finden, die es zu beschreiben gilt:
"Das heißt, die aus morphologischer Perspektive zweifelsfrei vorhandene Rekursivität der Stämme wird in semantischer Hinsicht durch verschiedene Lexikalisierungsprozesse unterbrochen. Wenn die Wortstrukturbeschreibung eine geeignete Grundlage der Semantikkonstruktion darstellen soll, muß sie in Abstimmung mit den einschlägigen lexikologischen Informationen erfolgen" (RICKHEIT 1993, 45; eigene Hervorhebung).
Für eine funktionale Beschreibung von Wortneubildungen erscheint es demnach sinnvoll zu sein, das den Sprechern zur Verfügung stehende lexikologische Wissen (zumindest den Teil, der in Vor- und Nachtext seinen Niederschlag findet) zu reflektieren und weniger die Wortbildungsprozesse zu berücksichtigen, die bereits als integrierter Bestandteil einer Konstituente zu verstehen sind. Das heißt z.B., daß ein Kompositum wie Autogaragenbesitzer semantisch lediglich als Bildung aus Autogarage und Besitzer zu analysieren wäre. Hingegen erscheint eine Integration der Präfigierung des Verbstammes sitz- als semantisch irrelevant: Die "Bedeutungsveränderung, die mit der Präfigierung von sitzen assoziiert ist, [ist demnach, J.H.] vorauszusetzen, aber nicht mehr zu rekonstruieren, wenn es darum geht, die semantische Struktur von Besitzer auf der Grundlage von Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung zu erklären" (RICKHEIT 1993, 45). Aus Perspektive der Wortneubildung ist also anzumerken, daß eine Strukturanalyse der unmittelbaren Konstituenten ein Verständnis des komplexen Lexems voraussetzt und somit als irrelevant für WNB im Text betrachtet werden kann (vgl. RICKHEIT 1993, 41).
Des weiteren ist zu berücksichtigen (vgl. MATUSSEK 1994, 19), daß Wortneubildungen zwar aus Elementen der langue gebildet sind, aber in einem Text nur (und zwar ausschließlich) als Element der parole existieren, da nur für lexikalisierte WBK gilt, daß sie als reproduzierbare, stabile Einheiten im Lexikon gespeichert sind. So definiert SCHIPPAN beispielsweise:
[...]
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