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Die Unterstützung der SWAPO von Namibia durch die DDR in den Jahren 1975 bis 1989

Magisterarbeit, 2002, 88 Seiten
Autor: Sascha Wisotzki
Fach: Afrikawissenschaften

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 88
Note: 2,1
Literaturverzeichnis: ~ 135  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V117046
ISBN (E-Book): 978-3-640-18941-0
ISBN (Buch): 978-3-640-18922-9
Dateigröße: 397 KB

Zusammenfassung / Abstract

Mit dem afrikanischen Sprichwort ,Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras’ titelte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen Artikel, der die Stellvertreterkriege, die für die USA und die UdSSR in Afrika geführt wurden, behandelte. Einer der Austragungsorte dieser „Elefantenkämpfe“ war Namibia. Nach einer etwa dreissigjährigen Auseinandersetzung um den Status des Landes fanden nach erbitterten Kämpfen, die sowohl mit militärischen Mitteln als auch auf dem diplomatischen Parkett geführt wurden, am 11. November 1989 Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung statt. Vordergründig war der Streit von der Republik Südafrika, um genau zu sein, von der Regierung, die die etwa fünf Millionen zählende weisse Minderheit vertrat und das Gebiet Namibias als 5. Provinz dem südafrikanischen Staatsgebiet eingliedern wollte, und der South West African People’s Organization of Namibia (SWAPO), die das Ziel hatte, einen unabhängigen Staat Namibia zu gründen, geführt worden. In die Auseinandersetzung war auch Ostdeutschland verwickelt. Die DDR unterstützte die SWAPO bei ihren Bemühungen die Macht in Namibia zu erringen. Sie lieferte der Unabhängigkeitsbewegung neben zivilen Hilfsgütern auch Waffen und paramilitärische Ausrüstung. Es arbeiteten aber auch Lehrer und Facharbeiter in den Lagern der SWAPO in Angola und Sambia, Kranke und Verletzte wurden in Ost-Berlin behandelt und ziviles und militärisches Personal in der DDR ausgebildet. Die Diplomaten der DDR vertraten die Ziele der SWAPO vor der UNO, und ostdeutsche Politiker empfingen Abgesandte der Organisation in Berlin. Über den gesamten Umfang dieser Zusammenarbeit gibt es bis heute keine genauen Erkenntnisse. Die Führung der DDR gab z.B. die genaue Zahl der militärischen Berater nie bekannt und leugnete die Anwesenheit von Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) bei der SWAPO. Über die Ziele der DDR im südlichen Afrika wurde nur offizielles oder offiziöses bekannt. Ähnlich verhielt es sich bei der Einschätzung der Situation der SWAPO und ihrer militärischen und politischen Chancen in Namibia, die Macht mit Hilfe von Wahlen oder aufgrund eines militärischen Sieges zu gewinnen.


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin

Institut für Afrika- und Asienwissenschaften

Seminar für Afrikawissenschaften

Magisterarbeit vorgelegt von:

Sascha Wisotzki

Juni 2002

Die Unterstützung der SWAPO of Namibia
durch die DDR in den Jahren 1975 bis 1989

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3
Die Akten der Staatssicherheit der DDR 10
Zur Terminologie 13
1975-1978: Von der Unabhängigkeit Angolas bis zur Verabschiedung der UN-Resolution 435 17
1978-1985: Das Scheitern der Verhandlungen in Genf bis zur ,,Pax Pretoriana" und zu dem Wandel in der UdSSR 31
1985-1989: Der Weg zur Unabhängigkeit Namibias 49
Welche Ziele verfolgte die DDR in Namibia? 59
Zusammenfassung 66
Nachwort 68
Wer ist wer? 70
Abkürzungen 73
Bibliographie
Bücher und Artikel 76
Veröffentlichte Quellen 81
Unveröffentlichte Quellen 84
Danksagung 87

2

 


Einleitung

Mit dem afrikanischen Sprichwort ,Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras′ titelte das Nachrichtenmagazin ,,Der Spiegel"1 einen Artikel, der die Stellvertreterkriege, die für die USA und die UdSSR in Afrika geführt wurden, behandelte. Einer der Austragungsorte dieser ,,Elefantenkämpfe" war Namibia. Nach einer etwa dreissigjährigen Auseinandersetzung um den Status des Landes fanden nach erbitterten Kämpfen, die sowohl mit militärischen Mitteln als auch auf dem diplomatischen Parkett geführt wurden, am 11. November 1989 Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung statt. Vordergründig war der Streit von der Republik Südafrika, um genau zu sein, von der Regierung, die die etwa fünf Millionen zählende weisse Minderheit vertrat und das Gebiet Namibias als 5. Provinz dem südafrikanischen Staatsgebiet eingliedern wollte, und der South West African People′s Organization of Namibia (SWAPO), die das Ziel hatte, einen unabhängigen Staat Namibia zu gründen, geführt worden.

In die Auseinandersetzung war auch Ostdeutschland verwickelt. Die DDR unterstützte die SWAPO bei ihren Bemühungen die Macht in Namibia zu erringen. Sie lieferte der Unabhängigkeitsbewegung neben zivilen Hilfsgütern auch Waffen und paramilitärische Ausrüstung. Es arbeiteten aber auch Lehrer und Facharbeiter in den Lagern der SWAPO in Angola und Sambia, Kranke und Verletzte wurden in Ost-Berlin behandelt und ziviles und militärisches Personal in der DDR ausgebildet. Die Diplomaten der DDR vertraten die Ziele der SWAPO vor der UNO, und ostdeutsche Politiker empfingen Abgesandte der Organisation in Berlin. Über den gesamten Umfang dieser Zusammenarbeit gibt es bis heute keine genauen Erkenntnisse. Die Führung der DDR gab z.B. die genaue Zahl der militärischen Berater nie bekannt und leugnete die Anwesenheit von Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) bei der SWAPO. Über die Ziele der DDR im südlichen Afrika wurde nur offizielles oder offiziöses bekannt. Ähnlich verhielt es sich bei der Einschätzung der Situation der SWAPO und ihrer militärischen und politischen Chancen in Namibia, die Macht mit Hilfe von Wahlen oder aufgrund eines militärischen Sieges zu gewinnen. Nie wurde an dem afrikanischen Partner öffentlich Kritik geübt oder seine Siegeschancen öffentlich negativ beurteilt. Genauso wurde die Selbstlosigkeit der Unterstützung betont und auf die unentgeltlichen Solidaritätslieferungen hingewiesen.

Das wesentliche Interesse dieser Arbeit richtet sich daher auf drei Hauptaspekte: In welchem Umfang und mit welchen Mitteln unterstützte die DDR die SWAPO? Das Problem bei der Beantwortung dieser Frage ist, dass Hilfe, die in den Bereich der

1 Spiegel, 1976 S.124.

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humanitären Unterstützung fiel, in den Veröffentlichungen der DDR stärker herausgestellt wurde als z. B. die militärische oder geheimdienstliche Zusammenarbeit. Ziel bei der Beantwortung dieser Frage ist aber, nicht jede einzelne Lieferung zu katalogisieren, sondern eine Beziehung zwischen Lieferumfang und der Reaktion auf politische Ereignisse herzustellen.

Wie wurden die Situation und die Siegeschancen der SWAPO von der DDR eingeschätzt?

Alle offiziellen Verlautbarungen der DDR und der SWAPO liessen keinen Zweifel daran, dass die SWAPO auf dem Wege war, die Macht entweder mit politischen oder militärischen Mitteln zu erringen, um in Namibia einen sozialistischen Staat zu errichten. Jede Äusserung, die daran Zweifel aufkommen liess, wurde als imperialistische Propaganda bezeichnet. Das Aktenmaterial des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) zeigt eine wesentlich differenziertere Sichtweise der DDR-Führung, als es ihre Statements tun.

Welche Ziele verfolgte die DDR mit der Unterstützung der SWAPO in Namibia?

Solidarität und internationalistische Hilfe waren die Schlagworte, mit denen ostdeutsche Politiker die Hilfsleistung der DDR an die SWAPO beschrieben. Eigennützige Motive wurden nie als Gründe der Unterstützung angegeben. Akten, die die Pläne über die anvisierten Beziehung zwischen der DDR und einem unabhängigen Namibia offen legen, sind mir nicht bekannt. Es ist aber möglich, anhand der Beziehungen zwischen der DDR und anderen afrikanischen Staaten, Rückschlüsse auf die ostdeutsche Vorstellung zu Namibia zu ziehen.

Die Forschung zur Aussenpolitik der DDR in Afrika, die sich heute auf einen grossen Aktenbestand des Herrschaftsapparates von Partei und Staat stützen kann, steckt auch über zehn Jahren nach dem Ende der DDR noch in den Anfängen. Ein grosser Teil der Akten der DDR sind noch nicht in wissenschaftlichen Arbeiten ausgewertet worden. In den Archiven des MfS liegen unzählige Dokumente, die noch nicht erfasst worden sind, weil sie zum Teil, im wahrsten Sinne des Wortes, zerrissen worden sind und mühsam wieder zusammengefügt werden müssen. Nicht nur deswegen besteht hier noch ein grosser Forschungsbedarf, sondern auch, weil viele der verantwortlichen Akteure noch selber Zeugnis abgeben können, um das Bild von der Aussenpolitik der DDR zu vervollständigen.

Auch möchte ich nicht verschweigen, dass ich ein starkes persönliches Interesse an Namibia habe. Ich lebte zwischen 1976 und 1978 als elf- bis dreizehnjähriger in Windhoek, weil mein Vater an der staatlichen deutschen Schule als Lehrer arbeitete. Ich war in dem Alter nicht politisch interessiert, aber in der Rückschau fällt mir auf, dass wir die Situation in Namibia zum Teil anders erlebt haben, als es in der Fachliteratur beschrieben wird, wobei ich mir bewusst

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bin, dass es sich bei unseren Beobachtungen immer nur um kleinste Ausschnitte handelte und dass das Verhalten aller durch unsere Anwesenheit beeinflusst wurde.

Um die oben beschriebenen Fragestellungen zu beantworten, standen mir neben einer umfangreichen Sekundärliteratur auch viele veröffentlichte und unveröffentlichte Quellen zur Verfügung. Wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema können in drei Gruppen eingeteilt werden:

1. Die DDR-Literatur zu dem Thema aus der Zeit vor 1989. Sie hatte das Manko, dass den meisten ostdeutschen Wissenschaftlern die Analysen der bedeutendsten Einrichtungen Ostdeutschlands zur aussenpolitischen Forschung, dem ,,Institut für internationale Politik und Wirtschaft" in Ost-Berlin sowie dem ,,Institut für internationale Beziehungen" (Institut IB) des Ministeriums für Staatssicherheit in Potsdam, nicht zur Verfügung standen. Aufgabe des Instituts IB war die ,,Herausbildung eines differenzierten, wissenschaftlich begründeten Feindbildes" und die ,,systematische Informations- und Dokumentationstätigkeit, unter anderem auch zu Fragen der neokolonialen Strategie des Imperialismus im subsaharischen Afrika".2 So waren die ostdeutschen Wissenschaftler bei ihren Forschungen auf die wenige westdeutsche wissenschaftliche Literatur, die in der DDR vorhanden war, angewiesen. Hinzu kam, dass wissenschaftliche Veröffentlichungen zu aussenpolitischen Themen in der DDR, wenn sie kritische Töne anschlugen, zu diplomatischen Verstimmungen führen konnten und daher tabu waren.3

2. Es existiert eine umfangreiche Literatur zum Thema SWAPO und DDR aus Westdeutschland, aber auch aus dem englischsprachigen Raum. Sie ist zum Teil durch den Kalten Krieg geprägt und ergreift oft unreflektiert und mit mangelhafter Quellenkritik Partei für die eine oder andere Seite. Als typisches Beispiel sei hier nur die Darstellung von Becker (1988) erwähnt. Der Autor ergreift grundsätzlich Partei für die Organisationen oder Regierungen, die sich selbst als sozialistisch oder progressiv bezeichnen. Aber trotz der mangelhaften Quellenkritik enthält die Arbeit interessante Details, die aber zum Teil schwach belegt sind. Für die Gegenseite, der kritiklosen Unterstützung der Politik der RSA, ist Tronje (1983) ein typisches Beispiel. Auch er erwähnt wissenswerte Einzelheiten, die aber unzureichend belegt sind, und mit Quellen, die einer kritischen Prüfung nicht Stand hielten.

Ähnliche Probleme lassen sich auch bei seriösen Wissenschaftlern finden. So gibt z.B. Walter Michler Südafrika die Schuld für 25060 Todesopfer wegen der finanziellen Belastung, die Tansania dadurch entstanden seien, weil es die ,,Frontstaaten" militärisch gegen Südafrika

2 Kunkel, 1983 S.3.
3 Heyden van der, 1993 S.43.

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und seine Verbündeten unterstützte und daher weniger Geld für die eigene Gesundheitsfürsorge zur Verfügung gehabt habe.4

Dagegen heben sich die Publikation wie von Ansprenger (1984), Winrow (1990) oder Post (1982) ab. Sie sind sorgfältig recherchiert und bewahren meistens eine wissenschaftliche Distanz. Nur bei Fragen, die das Engagement der DDR in Afrika betreffen, sind alle Publikationen vor 1990 auf Spekulationen angewiesen, da es über die DDR und aus der DDR keine verlässlichen Daten gab. Die Daten über den Umfang der ostdeutschen Hilfe in Afrika aus offiziellen westlichen Quellen spiegeln auch eher die politische Zielsetzung der westlichen Regierungen wider als den wahren Umfang der Unterstützungsleistungen.

3. Seit dem Ende der Blockkonfrontation und der Eingliederung der DDR in die BRD haben sich neue Möglichkeiten ergeben, das Verhältnis zwischen der DDR und der SWAPO zu beleuchten. Es steht den Wissenschaftlern jetzt ein grosser Aktenbestand aus dem Herrschaftsapparat der Partei und des Staates zu Verfügung. Dazu geben persönliche Erinnerungen massgeblicher Angehöriger der DDR-Führungen in Interviews und schriftlichen Erinnerungen Auskunft über ihre persönliche Sicht der Geschehnisse in der DDR. So sind umfassende Monographien zu der Aussenpolitik, beispielsweise Siebs (1998), und speziell zur Afrikapolitik der DDR, wie Döring (1999), erschienen, die sich beide auf breites Dokumentenmaterial aus dem Archiv der ,,Stiftung Parteien und Massenorganisationen der DDR" (SAPMO) beziehen. Döring nutzte zusätzlich noch das Archiv des Bundesbeautragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU).

Sehr wichtig waren auch die Veröffentlichungen seit 1991 von Wissenschaftlern der ehemaligen DDR. Schon 1991 erschien ein Aufsatz zur Afrikapolitik der DDR, Schleicher (1991), dem bald zwei Sammelbände folgten, van der Heyden (1993), Schleicher (1997). Wenn auch der erste Band gelegentlich nostalgisch verklärend anmutet, enthält der zweite Band eine detaillierte durch Dokumente und Zeitzeugen belegte Analyse der DDR-Afrikapolitik.

Zu dem langwierigen Prozess bis zur Unabhängigkeit Namibias gibt es unzählige Veröffentlichungen zu allen Detailfragen. Erwähnen möchte ich dabei die Aufsätze von Klaus von Ropp, die zum Teil als Sammelband erschienen sind, Ropp (1996). Er begleitete den Weg Namibias in die Unabhängigkeit und den Südafrikas aus der ,,weissen" Vorherrschaft heraus. Da er über Kontakte in die Sowjetunion verfügte und den Süden Afrikas über Jahre beobachtete, sind seine Aufsätze kenntnisreich und ausgesprochen informativ.

Auffallend ist aber, dass einmal die Zahl der Veröffentlichungen ab Mitte der 1980er Jahre stark zurückgeht und dass auch in den Publikationen zu der DDR-Afrikapolitik die Angaben

4 Michler, 1991 S.309-310.

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zu dieser Zeit auch weniger detailliert sind. Selbst bei meinen Recherchen im Archiv des BStU erhielt ich für die Jahre von 1985 bis 1988 kaum Dokumente.

Neben der Sekundärliteratur standen mir eine Reihe veröffentlichte Quellen zu Verfügung. So sind da einmal ausgewählte Dokumente und Berichte der Vereinten Nationen, die im ,,Yearbook of the United Nations" erschienen sind und die wichtigsten Resolutionen und Entscheidungsprozesse beinhalten. Desweiteren greife ich auf die Reihe ,,Dokumente zur Aussenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik" (DAP) zurück, in der viele Reden der Aussenminister und deren Stellvertreter vor der UNO veröffentlicht worden sind. Leider wurde das Erscheinen der DAP 1985 eingestellt. Ich werde mich daher für die Zeit von 1985 bis 1990 auf die ,,Aussenpolitische Korrespondenz", einer Veröffentlichung des MfAA berufen, die allerdings nicht so detailliert wie die DAP ist. Wichtige Verträge fanden sich oft in der Publikation ,,Europa Archiv". Auf die unveröffentlichten Quellen, den Dokumenten der Staatssicherheit und des MfAA werde ich in einem eigenen Kapitel eingehen.

Presseberichte zu dem Thema sind mit besonders grosser Vorsicht zu geniessen. Die Möglichkeit der Desinformation möchte ich an einem Beispiel zeigen. So berichteten im Juni und Juli 1978 verschiedene westliche Zeitungen über eine geplante Invasion Namibias durch sowjetische und ostdeutsche Truppen. Angeblich sollten zwischen 3500 und 5000 Mann der NVA daran beteiligt sein. Die Journalisten beriefen sie dabei auf den französischen Geheimdienst.5 Heute kann man mit Sicherheit sagen, dass diese Berichte nicht der Realität entsprachen und es sich dabei um gezielt gestreute Desinformationen handelte.6 So berichtete mir Dr. med. Joachim Birke, der 1978 am Zentralen Lazarett der NVA tätig war, dass in der Zeit keine tropenmedizinischen Untersuchungen, die vor einem solchen Einsatz nötig gewesen wären, im entsprechenden Umfang durchgeführt worden seien.7 Auch wenn es sicher ist, dass eine unbekannte Anzahl Militärberater in den verschiedenen afrikanischen Staaten stationiert war8, kann man heute sicher sein, dass keine realen Planungen der Hintergrund dieser Meldung waren.

Ich habe versucht, mit Hilfe der beschriebenen Literatur eine chronologische Abfolge der Beziehung zwischen der DDR und der SWAPO in dem Zeitraum von 1975 und 1989 zu beschreiben. Die Beziehung in einer reinen Chronologie zu fassen, wäre aber den komplizierten und miteinander stark verwobenen Aktionen und Reaktionen aller Beteiligten nicht gerecht geworden. Auch waren viele Ereignisse im südlichen Afrika nicht verständlich ohne

5Welt, 29.06.1978; Deutsche-Wochenzeitung, 07.07.1978; Herald Tribune, 24.07.1978; NZZ, 24.10.1978
6 Winrow, 1990 S.135-136.
7 Engel, 1998 S.373. Brief von Dr. med. Joachim Birke 05.09.2000.
8 Winrow, 1990 S.134-144.

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Berücksichtigung des Interesses der UdSSR und der USA. Aber nicht nur die Grossmächte beeinflussten die Geschehnisse, auch kleinere Staaten und Organisationen wirkten auf die DDR und die SWAPO und auch auf die grossen Mitspieler ein. Da ich aber keine umfassende Geschichte des südlichen Afrikas schreiben konnte, habe ich die für das Verständnis wichtigen Ereignisse möglichst kurz zusammengefasst.

Mein besonderes Interesse galt dem Vergleich zwischen der bisher bekannten Literatur und den unveröffentlichten Quellen der BStU. Inwieweit liessen sich die bisherigen Erkenntnisse durch die Einschätzung der Staatssicherheit bestätigen oder widerlegen? Dieser Vergleich war leider nicht immer durchgängig möglich, da der Aktenbestand lückenhaft ist und zudem mir nur selektiv ausgehändigt worden ist.

Als im Jahre 1975 das Nachbarland Namibias, Angola, selbständig wurde, eröffneten sich für die SWAPO neue Operationsmöglichkeiten, und die DDR intensivierte ihre Unterstützung der Organisation. Das ist der Grund, warum ich mit meiner Untersuchung in diesem Jahr einsetzte.

Das erste Kapitel des Hauptteils meiner Arbeit umfasst den Zeitraum von 1975 bis 1978. In diese Zeit fiel neben der schon erwähnten Unabhängigkeit Angolas auch das Urteil des Internationalen Gerichtshofes von Den Haag, dass der RSA das Recht, Namibia weiter zu verwalten, absprach. Im Jahre 1978 deutete alles darauf hin, dass Namibia in absehbarer Zeit die staatliche Unabhängigkeit erreichen werde.

Im zweiten Kapitel behandele ich die Zeit von 1978 bis 1985. Die Verhandlungen in Genf, bei der die Modalitäten der Umsetzung der UN-Resolution 453 festgelegt werden sollten, scheiterten. In der US-Regierung kam es zu einem Wechsel, der die Position der Republik Südafrika (RSA) stärkte. Die ökonomische und militärische Macht der RSA war so gross, dass sie in der Lage war, ihren Nachbarländern ihren Willen aufzuzwingen, was von Klaus von Ropp als ,,Pax Pretoriana"9 bezeichnet wurde. Die Verhandlungen um Namibia waren festgefahren.

Erst mit den veränderten Verhältnissen in der Sowjetunion und dem Machtantritt Gorbatschows kamen die Gespräche um Namibia wieder in den Fluss. Die Ereignisse von 1985 bis zur Unabhängigkeit Namibias 1989 ist das Thema des dritten Kapitels. Nach schweren Kämpfen in Angola zwischen der Armee Südafrikas und ihren Verbündeten und der Armee Angolas und ihren Unterstützern fanden die opponierenden Parteien zurück an den Verhandlungstisch und einigten sich auf einen Weg zur Unabhängigkeit Namibias.

9 Ropp, 1984

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Im letzten Kapitel möchte ich die Ziele der DDR in Namibia, die sie mit der Unterstützung der SWAPO verfolgte, untersuchen.

Dem Hauptteil der Arbeit stellte ich zwei kurze Kapitel voran, die den Gebrauch bestimmter Wörter wie Terrorist oder Freiheitskämpfer sowie die Besonderheiten der Akten aus dem Archiv des BStU und des MfAA thematisieren.

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