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Mentale Verursachung - Positionen im 21. Jahrhundert

Subtitle: Wege der Entscheidungsfindung

Thesis (M.A.), 2008, 91 Pages
Author: M.A. phil. Susanne Müller
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2008
Pages: 91
Grade: 1,8
Bibliography: ~ 66  Entries
Language: German
Archive No.: V117068
ISBN (E-book): 978-3-640-18942-7
ISBN (Book): 978-3-640-18962-5
File size: 3702 KB

Abstract

Wir sind Teil einer physischen Welt, erleben uns aber gleichzeitig als seelischgeistige Wesen mit Wahrnehmungen, Wünschen und Absichten. Diese aus einer scheinbar privilegierten Innenperspektive heraus wahrgenommenen Zustände nennt man mentale oder geistige Zustände. Mentale Zustände sind auf Dinge, Sachverhalte und Ereignisse gerichtet und haben einen Inhalt1: Sie sind intentional. Diese Intentionalität mentaler Zustände scheint physischen Zuständen nicht eigen zu sein: Steine, Herzen, Bäume oder Atome haben keine Wünsche, Absichten, Wahrnehmungen oder Gedanken, die sich auf bestimmte Dinge beziehen. Mit unserem Gefühl bzw. der starken Intuition, körperliche von mentalen Zuständen unterscheiden zu können, haben wir einen guten Grund zu folgender Annahme: (1) Mentale Zustände scheinen prinzipiell anderer Art zu sein, als physische Zustände. Wir bewegen uns in dieser physischen Welt und interagieren mit ihr in einer unendlich mannigfaltigen Art und Weise. Als Teil dieser Welt sind wir von ihr abhängig, insofern wir atmen, essen und in ihr leben. Doch wir nehmen auch verändernd auf diese Welt Einfluss, formen sie nach unseren Vorstellungen. Was wir erleben, ist folglich eine reichhaltige, wechselseitige kausale Beziehung von mentalen und physischen Zuständen. Mentale Zustände sind oft unmittelbar körperlich beobachtbar: wenn ich aufgrund einer Erinnerung lächle oder vor Schmerz schreie. Mentale Ereignisse können unmittelbar Ursache unseres Verhaltens sein und motiviert so eine weitere Annahme: (2) Mentale Zustände beeinflussen unser Verhalten und physische Zustände rufen, unter anderem, bewusste Erlebnisse hervor. Diese beiden Annahmen werden uns täglich bestätigt und sind daher für uns selbstverständlich. Die Naturwissenschaften zeichnen nun, unterstützt von empirischen Belegen, ein ganz anderes Bild. Sie konfrontieren unser Selbstverständnis mit folgender These: (3) Menschliches Verhalten ist ein gehirngesteuertes, kausal lückenloses physisches Geschehen. Die Welt und damit der Mensch als Teil von ihr sei kausal komplett geschlossen. Welches physische Ereignis in der Welt wir auch betrachten, wir werden immer auf ein weiteres physisches Ereignis als Ursache stoßen und niemals den Bereich des Physischen verlassen müssen. Für mentale oder nicht-physische Ursachen ist in dieser Kette kein Platz.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität zu Berlin

FB Philosophie und Geisteswissenschaften

Institut für Philosophie

Mentale Verursachung ­

Positionen im 21. Jahrhundert

- Wege der Entscheidungsfindung

Magisterarbeit

Susanne Müller

15. Juni 2008

 


1 Einleitung 3

1.1 Problem- und Fragestellung 3

1.2 Material 6

1.3 Ablauf 6

2 Mentale Verursachung 8

2.1 Was ist mental/physisch? Zum Begriff des Mentalen 8

2.2 Interaktion zwischen mentalen und physischen Zuständen 12

3 Argumente des Materialismus 16

3.1 Grundannahmen des Materialismus 17

3.2 Identitätstheorien 18

3.2.1 Psychophysische Identitätstheorie 19

3.2.2 Einwände gegen die Identitätstheorie 23

3.3 Funktionalismus 30

3.3.1 Psycho-funktionale Identitätstheorie 30

3.3.2 Einwände gegen den Funktionalismus 34

3.4 Quälende Qualia 40

3.5 Fazit: Nicht-reduktiver Materialismus 44

4 Sprachanalytische Argumente 48

4.1 Das Argument zur Kategorienverwechslung 49

4.2 Dualismus der Vokabulare 56

4.3 Zuschreibungen und soziale Konstruktion 59

4.4 Fazit 67

5 Die Entscheidung 69

5.1 Voraussetzungen objektiver Theorien 70

5.2 Leistungsfähigkeit von Theorien 75

5.3 Fazit 80

6 Schluss 84

7 Literaturverzeichnis 87

2

 


1 Einleitung

1.1 Problem- und Fragestellung

Wir sind Teil einer physischen Welt, erleben uns aber gleichzeitig als seelischgeistige Wesen mit Wahrnehmungen, Wünschen und Absichten. Diese aus einer

scheinbar privilegierten Innenperspektive heraus wahrgenommenen Zustände nennt man mentale oder geistige Zustände. Mentale Zustände sind auf Dinge, Sachverhalte und Ereignisse gerichtet und haben einen Inhalt1: Sie sind intentional. Diese Intentionalität mentaler Zustände scheint physischen Zuständen nicht eigen zu sein: Steine, Herzen, Bäume oder Atome haben keine Wünsche, Absichten, Wahrnehmungen oder Gedanken, die sich auf bestimmte Dinge beziehen. Mit unserem Gefühl bzw. der starken Intuition, körperliche von mentalen Zuständen unterscheiden zu können, haben wir einen guten Grund zu folgender Annahme:

(1) Mentale Zustände scheinen prinzipiell anderer Art zu sein, als physische Zustände.

Wir bewegen uns in dieser physischen Welt und interagieren mit ihr in einer unendlich mannigfaltigen Art und Weise. Als Teil dieser Welt sind wir von ihr abhängig, insofern wir atmen, essen und in ihr leben. Doch wir nehmen auch verändernd auf diese Welt Einfluss, formen sie nach unseren Vorstellungen. Was wir erleben, ist folglich eine reichhaltige, wechselseitige kausale Beziehung von mentalen und physischen Zuständen. Mentale Zustände sind oft unmittelbar körperlich beobachtbar: wenn ich aufgrund einer Erinnerung lächle oder vor Schmerz schreie. Mentale Ereignisse können unmittelbar Ursache unseres Verhaltens sein und motiviert so eine weitere Annahme:

(2) Mentale Zustände beeinflussen unser Verhalten und physische Zustände rufen, unter anderem, bewusste Erlebnisse hervor. Diese beiden Annahmen werden uns täglich bestätigt und sind daher für uns selbstverständlich. Die Naturwissenschaften zeichnen nun, unterstützt von

1 Das trifft nicht für alle mentalen Zustände zu. Stimmungen werden ebenfalls zu den mentalen Zuständen gezählt, weisen aber nicht eine derartige Gerichtetheit auf. Sie sind vielmehr diffus und unspezifisch.

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empirischen Belegen, ein ganz anderes Bild. Sie konfrontieren unser Selbstverständnis mit folgender These:

(3) Menschliches Verhalten ist ein gehirngesteuertes, kausal lückenloses physisches Geschehen.

Die Welt und damit der Mensch als Teil von ihr sei kausal komplett geschlossen. Welches physische Ereignis in der Welt wir auch betrachten, wir werden immer auf ein weiteres physisches Ereignis als Ursache stoßen und niemals den Bereich des Physischen verlassen müssen. Für mentale oder nicht-physische Ursachen ist in dieser Kette kein Platz. Sie haben keinen explikativen Charakter und erfüllen keine kausale Rolle. Die Alltagserfahrung macht uns aber glauben, dass mentale Zustände von Gehirnaktivitäten abhängen und wir meinen zu wissen, einen Willen, Wunsch oder eine Absicht zu haben.

Alle drei Thesen halten wir für wahr und doch sie sind nicht miteinander vereinbar: Wenn (3) wahr ist, dann kann es keine von physischen Phänomenen verschiedenen Phänomene geben und diese hätten auch keine kausale Kraft. Eine Interaktion wäre unmöglich. Doch (3) ist eine gut begründete, empirisch abgesicherte These, die wir ebenfalls nicht aufzugeben bereit sind. Halten wir aber an den ersten beiden Thesen fest, so kann die Annahme der physischen Geschlossenheit der Welt nicht wahr sein. Wir stecken in einem Trilemma, welches in dieser präzisen Form erstmals Peter Bieri beschrieben hat (vgl. Bieri, 1993, S. 5). Da wir alle drei Thesen aufrecht erhalten wollen, macht dieses Trilemma das Problem der mentalen Verursachung aus: Wie gelingt es mentalen Zuständen, physische Zustände und somit Verhalten hervorzurufen, wenn zugleich wahr ist, dass dieses lückenlos physisch verursacht ist?

Die Frage der mentalen Verursachung ist eines der zentralen Probleme in der Philosophie des Geistes. Seit langer Zeit versuchen Philosophen, eine Antwort auf diese Frage zu formulieren, was zu einer unübersichtlichen Menge an Theorien geführt hat. Auch wenn dualistische Theorien nicht mehr ernsthaft in der aktuellen Debatte vertreten werden, so gibt es noch immer eine Vielzahl konkurrierender Ansätze. Der Trend der Diskussionen hin zu materialistischen Theorien scheint unumgänglich, da die Naturwissenschaften in den letzten Jahrzehnten große

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Erfolge in der Untersuchung der Geist-Gehirn-Korrelation feiern konnten. Naturwissenschaftler sind überzeugt, das Gehirn prinzipiell entschlüsseln zu können und Philosophen rechtfertigen damit die Überzeugung, die Antwort auf die Frage der mentalen Verursachung läge in diesem Bereich.

In kaum einem anderen Gebiet der Philosophie wurde in den letzten Jahrzehnten so heftig diskutiert, wie in der Philosophie des Geistes. Die aktuelle Debatte weist eine große Variation materialistischer Theorien, einige sprachanalytische Ansätze auf und einige weitere Vorschläge, die mitunter recht abwegig und kontraintuitiv erscheinen. Obwohl das Diskussionsfeld so stark und weiträumig bearbeitet

worden ist, sind kaum neue und keine endgültigen Ergebnisse zu finden.

Dabei ist es für unser Selbstverständnis von großer Bedeutung, die Frage und überhaupt die Existenz der mentalen Verursachung zu klären. Wir brauchen die mentale Verursachung, wenn wir Menschen freiwilliges Handeln und daher einen Willen, Absichten und Gedanken unterstellen wollen. Müssten wir die Idee der mentalen Verursachung zur Illusion erklären, so ginge ebenfalls unsere moralische Praxis und unser Rechtssystem unter. Abgesehen davon, dass wir uns eine derartige Täuschung unserer Intuition nicht eingestehen könnten, würden auch ganze Wissenschaftszweige wie die Psychologie in große Schwierigkeiten geraten. Alle ihre Theorien bauen auf der Idee einer Interaktion von mentalen und physischen Zuständen auf: der mentalen Verursachung. Es gibt also ausreichende Gründe, die eine weitere Suche nach Erklärungen motivieren.

Ziel der vorliegenden Untersuchung kann nicht sein, für die eine oder andere Theorie zu argumentieren und somit nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Die Stagnation in der Debatte ist Anlass für mich diese auf einer Metaebene zu betrachten. Es sieht nicht so aus, als wären die Philosophen am Ende der Theorienfindung, doch augenscheinlich können sie sich nicht auf eine Theorie einigen. Immer wieder werden neue Lösungen angegriffen und verworfen. Es stellt sich die Frage: Was macht das Problem der mentalen Verursachung zu einem so kontrovers diskutierten Problem? Warum stehen sich die Lösungsansätze so unvereinbar gegenüber? Ziel der Arbeit ist somit, über eine Untersuchung der Debatte zur mentalen Verursachung jene Gründe zu identifizieren, die einer Lösung hinderlich im Wege stehen.

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Zunächst werde ich die zwei zentralen Theoriekomplexe aus der Debatte herausgreifen, um die jeweiligen Erklärungen zu untersuchen, ob die Schwierigkeiten der einzelnen Theorien nur vorläufig sind oder von prinzipieller Art. Nach dem Ausbreiten der beiden Komplexe soll nicht eine Entscheidung gefällt, sondern die Ebene der Betrachtung gewechselt werden. Dazu wird die Wissenschaftstheorie aufgerufen. Am Ende steht die generelle Frage: Warum entscheiden wir uns für die eine oder andere Theorie?

1.2 Material

Zur Aufarbeitung der Leib-Seele-Debatte sollen zunächst die übergreifenden Einführungen2 von Peter Bieri und Ansgar Beckermann als auch jene von Michael Pauen, Dieter Teichert, Holm Tetens und Jaegwon Kim herangezogen werden. Insbesondere bei der Darstellung der materialistischen Theorien stütze ich mich auf die klaren Ausführungen von Ansgar Beckermann in seinem Werk ,,Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes" und Jaegwon Kim in ,,Philosophie des Geistes". Um die sprachanalytische Position zu erklären, beziehe ich mich zunächst auf das Argument zur Kategorienverwechslung von Gilbert Ryle, aufgeführt in seinem Buch ,,Der Begriff des Geistes". Die weiteren sprachanalytischen Argumente werde ich mit Texten von Holm Tetens, Peter Bieri und Kenneth Gergen stützen. Gergen ist vorwiegend in der Psychologie tätig. Mit seinem Buch ,,Konstruierte Wirklichkeiten" möchte ich die Ideen des sozialen Konstruktionismus in die philosophische Argumentation einbinden. Für die Beantwortung der Frage, nach den Gründen der Unauflösbarkeit der Problematik der mentalen Verursachung werde ich Texte zur Wissenschaftstheorie von Helmut Seiffert und Wolfgang Stegmüller heranziehen.

1.3 Ablauf

Die ersten Kapitel der Arbeit stehen unter der großen Frage der mentalen Verursachung. Nach Einführung in die Begrifflichkeiten werde ich die zwei

2 Peter Bieri, 1993; Ansgar Beckermann, 2001; Jeagwon Kim, 1998; Holm Tetens, 1994; Michael Pauen, 2001; Dieter Teichert, 2006

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Hauptvarianten des Materialismus vorführen und die Argumente, die für und jene, die gegen diese Theorien sprechen, darstellen (siehe Kap. 3).

Daraufhin werde ich als Alternative in Kapitel 4 die sprachanalytischen Vorschläge vorführen, die eine überraschende Wendung für das Problem der mentalen Verursachung bereithalten. Diese sprachanalytischen Argumente sind auf einer höheren Ebene angesiedelt. Sie handeln nicht mehr mit den Phänomenen in der Welt, sondern mit unserer sprachlichen Bezugnahme auf diese Phänomene. Sprachanalytiker sind davon überzeugt, die Frage der mentalen Verursachung ist eine falsch gestellte Frage, die auf irreführend formulierten Prämissen beruht. Trotz guter Erklärungsansätze tun sich auch hier Einwände auf, welche die Plausibilität der Theorien gefährden.

Da es sowohl für die eine als auch für die andere Theorie schwerwiegende Einwände gibt, die es letztlich schwer machen, Position zu beziehen, werde ich eine Metabetrachtung anstrengen, die genau diese unbefriedigende Situation in der Debatte untersuchen soll. Im 5. Kapitel werde ich daher die Voraussetzungen für objektive Theorien hinterfragen: Welche Gründe gibt es im Entscheidungsprozess, die eine oder die andere Theorie zu wählen?

Eine positive Wendung hin zu einer Lösung tut nicht Not. Letztlich laufen meine Betrachtungen auf eine wissenschaftskritische Betrachtung der Lösungen des Problems der mentalen Verursachung hinaus.

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2 Mentale Verursachung

Vor der Auseinandersetzung mit der Debatte um die Mentale Verursachung sollen hier die tragenden Begriffe der Mentalen und der Verursachung bzw. Interaktion geklärt und differenziert werden. Die mentalen Zustände werden klassifiziert und durch die Darstellung ihrer Merkmale der Unterscheid zu physischen Zuständen hervorgehoben. Dazu scheint zunächst eine ontologische Unterscheidung von mentalen und physischen Zuständen gerechtfertigt. Da wir alltäglich ein mannigfaltiges Zusammenspiel beider Zustandsgruppen erleben, ist es erforderlich, den Begriff der Interaktion genauer zu betrachten.

2.1 Was ist mental/physisch? Zum Begriff des Mentalen.

Ungenau und irreführend ist es, von ,,Geist" zu reden: Wer hat einen Geist bzw. wer ist derjenige, der ihn hat und was genau hat er? Ist jeder Mensch ein Geist? Was ist dann der Körper? Geist zu haben, ist nicht wie blaue Augen oder Sommersprossen zu haben bzw. etwas, auf das man zeigen könnte. Das Konzept vom Geist als einer Substanz im Körper wirft zu viele Schwierigkeiten und Rätsel auf, als dass es eindeutige Antworten erbringt. Eine solche dualistische Theorie könnte logisch durchaus tragbar sein, doch sie ist empirisch schlicht falsch, glaubt man der Neurowissenschaft. Entfällt die Idee einer geistigen Substanz zur Erklärung des Geistes, bleibt die Frage, worin der ,,Besitz von Geist" besteht.

Jaegwon Kim macht folgenden Vorschlag:

,,Von etwas zu sagen, dass es einen Geist hat, heißt, es als eine gewisse Art von Ding zu klassifizieren, das zu gewissen charakteristischen Arten von Verhaltensweisen und Funktionen imstande ist (Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken usw.)" (Kim, 1998, S. 6) .

Indem wir den globalen Begriff des Geistes vermeiden, ist es weniger irreführend von mentalen Eigenschaften oder Zuständen zu sprechen. Diese Terminologie soll in der Arbeit beibehalten und im Folgenden zunächst differenziert werden. Der Begriff des Mentalen umfasst keineswegs eine homogene Gruppe von Zuständen oder Eigenschaften. Unsere mentale Welt ist außerordentlich vielfältig, vielschichtig, komplex und daher mitunter unübersichtlich: Wir befinden uns in Stimmungen, empfinden Gefühle verschiedenster Intensität und Färbung, wir haben Gedanken, Träume und Wünsche, wir unterscheiden Farben und Formen,

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wir haben kognitive Fähigkeiten und vieles mehr. All diese Dinge sind miteinander verwoben und machen uns als Charaktere und letztlich als Personen aus. Kim (1998) kategorisiert die Vielfalt mentaler Zustände wie folgt:

a) Phänomenale Zustände

als Sinneswahrnehmungen und Empfindungen fühlen sich für uns auf eine ganz bestimmte Art und Weise an. So haben wir eine ganz spezifische Empfindung beim Schmecken von Schokolade, beim Geruch von Chlor, beim Hören eines Presslufthammers, beim Betasten von Sandpapier oder beim Anblick eines Lavendelfeldes. Es fühlt sich auch ganz speziell an, in diesem Körper zu stecken und von Zeit zu Zeit Schmerzen zu empfinden. Es fühlt sich zudem nur für mich auf diese ganz bestimmte Art und Weise an. Auch wenn ich mich noch so sehr in jemanden hineinversetze, so wird alles, was ich fühle, immer nur meine Empfindung sein. Diesen qualitativen Charakter der Wahrnehmung nennt man auch phänomenale Wahrnehmung oder Qualia. Ich nehme sie aus einer privilegierten Ich-Perspektive exklusiv wahr.


b) Intentionale Zustände

als unsere Gedanken, Wünsche, Glauben oder Überzeugungen haben einen Inhalt, eine Bedeutung und sind folglich auf Dinge, Ereignisse oder Sachverhalte gerichtet. Ich denke über eine Theorie nach, glaube an den freien Willen, wünsche mir etwas mehr Zeit oder meine, dass die Bild-Zeitung argumentativ zu wünschen übrig lässt. Die Begriffe ,,Wünsche", ,,Meinen", ,,Gedanken" usw. ergäben keinen Sinn, wären mentale Zustände nicht intentional.

Diese Intentionalität scheint typisch physischen Zuständen nicht eigen zu sein. Zudem scheint es auch keinen speziellen phänomenalen Aspekt intentionaler Zustände zu geben. Gewiss können Gedanken und Wünsche Gefühle auslösen, die sich dann wieder ganz speziell anfühlen, aber der Strom der Gedanken fühlt sich nicht auf eine ganz bestimmte Art und Weise an.

c) Voluntative Zustände

­ Der größte Teil meiner Körperbewegungen stößt mir nicht bloß zu, sondern sie sind Handlungen, denen ein voluntativer Zustand zugrunde liegt: Meine Handlungen sind gewollt und haben Absichten. Ich bin ihr Urheber.

d) Emotionen

­ Eine große Gruppe mentaler Zustände lässt sich unter Emotionen und Gefühlen ordnen. Emotionen wie Ärger, Freude, Trauer, Wut, Erregung,

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