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Kyros I. Eroberer und Herrscher eines Weltreiches - Eine Darstellung von Herodot close

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Kyros I. Eroberer und Herrscher eines Weltreiches - Eine Darstellung von Herodot

Subtitle: Das persische Reich und sein Gründer Kyros der Große ( Herodot 1,95 - 1, 216)

Scholary Paper (Seminar), 2008, 13 Pages
Author: Özlem Duranöz
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 13
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V117074
ISBN (E-book): 978-3-640-19439-1
ISBN (Book): 978-3-640-19455-1
File size: 92 KB

Abstract

Herodot von Halikarnassos lebte um 484 – um 425 v. Chr. und gilt als der erste griechische Historiker seiner Zeit. Seine berühmten Historien umfassen neun Bücher und berichten über die Perserkriege um 700 – um 479 vor Chr. Sein erstes Buch, das die Grundlage dieser Arbeit sein wird, befasst sich mit der Geschichte der Lyder und Kroisos und der Unterwerfung Babyloniens, der Massageten und Kleinasiens durch Kyros` Eroberungszüge in den Jahren um 550 – um 530 v. Chr. Diese Arbeit befasst sich hauptsächlich mit der Darstellung der Persönlichkeit und dem Weg des ersten Großreichherrschers zu seiner Macht. Es ist bemerkenswert, dass Kyros in nur ca. 20 Jahren so viele Gebiete unter seine Herrschaft bringen und seine Macht in einem Großreich festigen konnte. Der griechische Geschichtsschreiber Xenophon schildert in seinem Werk „Kyrupädie“ einen Idealherrscher, dass nach dem Vorbild Kyros die Eroberung Asiens bis zu seinem Tod in Form eines Romans beschreibt. Sein Ruhm und seine Beliebtheit werden sogar an vielen Stellen der Bibel dargestellt. Diese Arbeit wird im zweiten Kapitel demzufolge die überragende Persönlichkeit Kyros` gegenüber seinen besiegten Gegnern darstellen. Auch im zweiten Kapitel wird Herodots erstes Buch als Grundlage dienen. Um eine umfangreiche Charakterisierung Kyros darstellen zu können, werden einige Bibelstellen und Xenophons berühmtes Werk „Kyrupädie“ hinzugezogen. Im dritten Kapitel dieser Arbeit werden die Eroberungsfeldzüge Kyros dargestellt und analysiert, die gleichzeitig den Weg zu einer persischen Großmacht einleiten. Im vierten Kapitel folgt eine inhaltliche Zusammenfassung über die Anfänge des persischen Imperiums und seines wohl erfolgreichsten und beliebtesten Gründers Kyros. Vor allem ist es wichtig, dass in diesem Kapitel die militärische Genialität Kyros, dessen Strategien besonders die Römer nachahmten, und seine Großzügigkeit (besonders!) gegenüber dem jüdischen Volk, den Griechen, Babyloniern usw. heraus zu kristallisieren. Auf den letzten Seiten befindet sich ein alphabetisch geordnetes Literatur- und Quellenverzeichnis.


Fulltext (computer-generated)

Universität Duisburg ­ Essen

Standort Essen

Institut für Geisteswissenschaften

Antike Geschichte

Wintersemester: 2007/2008

Proseminar: Herodot

Das persische Reich und sein Gründer Kyros der Große

( Herodot 1,95 ­ 1,216 )


Kyros I.

Eroberer und Herrscher eines

Weltreiches.

Dargestellt von Herodot




Verfasst von: Özlem Duranöz

Lehramt Gym. / Ges.

Sozialwissenschaften und Geschichte

6. Semester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Kyros Charakterisierung in der Historiographie 4

2.1 Kyros bei Herodot (1,95 ­ 1,122) 4

2.2 Kyros bei Xenophon 6

2.3 Kyros im Alten Testament 7

3. Kyros Eroberungszüge in Asien 7

3.1 Die Eroberung Mediens 8

3.2 Die Eroberung Lydiens 8

3.3 Die Eroberung griechischer Städte in Kleinasien 9

3.4 Die Eroberung Babyloniens 9

3.5 Kyros gegen die Massageten 10

4. Fazit 11

Literaturverzeichnis 12

Quel enverzeichnis 12

2


1. Einleitung

Herodot von Halikarnassos lebte um 484 ­ um 425 v. Chr. und gilt als der erste

griechische Historiker seiner Zeit. Seine berühmten Historien umfassen neun Bücher

und berichten über die Perserkriege um 700 ­ um 479 vor Chr. Sein erstes Buch,

das die Grundlage dieser Arbeit sein wird, befasst sich mit der Geschichte der Lyder

und Kroisos und der Unterwerfung Babyloniens, der Massageten und Kleinasiens

durch Kyros` Eroberungszüge in den Jahren um 550 ­ um 530 v. Chr. Diese Arbeit

befasst sich hauptsächlich mit der Darstel ung der Persönlichkeit und dem Weg des

ersten Großreichherrschers zu seiner Macht. Es ist bemerkenswert, dass Kyros in

nur ca. 20 Jahren so viele Gebiete unter seine Herrschaft bringen und seine Macht in

einem Großreich festigen konnte.

Der griechische Geschichtsschreiber Xenophon schildert in seinem Werk ,,Kyrupädie"

einen Idealherrscher, dass nach dem Vorbild Kyros die Eroberung Asiens bis zu

seinem Tod in Form eines Romans beschreibt. Sein Ruhm und seine Beliebtheit

werden sogar an vielen Stel en der Bibel dargestel t.

Diese Arbeit wird im zweiten Kapitel demzufolge die überragende Persönlichkeit

Kyros` gegenüber seinen besiegten Gegnern darstel en. Auch im zweiten Kapitel

wird Herodots erstes Buch als Grundlage dienen. Um eine umfangreiche

Charakterisierung Kyros darstel en zu können, werden einige Bibelstel en und

Xenophons berühmtes Werk ,,Kyrupädie" hinzugezogen.

Im dritten Kapitel dieser Arbeit werden die Eroberungsfeldzüge Kyros dargestel t und

analysiert, die gleichzeitig den Weg zu einer persischen Großmacht einleiten.

Im vierten Kapitel folgt eine inhaltliche Zusammenfassung über die Anfänge des

persischen Imperiums und seines wohl erfolgreichsten und beliebtesten Gründers

Kyros. Vor al em ist es wichtig, dass in diesem Kapitel die militärische Genialität

Kyros, dessen Strategien besonders die Römer nachahmten, und seine

Großzügigkeit (besonders!) gegenüber dem jüdischen Volk, den Griechen,

Babyloniern usw. heraus zu kristal isieren.

Auf den letzten Seiten befindet sich ein alphabetisch geordnetes Literatur- und

Quel enverzeichnis.


3


2. Kyros Charakterisierung in der Historiographie

Kyros der Große wird in der Historiographie mehrfach erwähnt bzw. ausführlich über

sein Leben berichtet. Aischylos (um 525 v. Chr. ­ um 456 v. Chr.), ein griechischer

Tragödiendichter, beschreibt Kyros als einen friedliebenden Herrscher, dem Gott so

gesonnen ist. Für den griechischen Philosoph Aristoteles ist Kyros der Befreier und

Wohltäter der Völker. Er spielt auf die Rebel ion der Meder gegen ihren eigenen

König und die Befreiung der Juden aus der Sklaverei der Babylonier an.1 Die

Befreiung der Juden aus der Sklaverei hat im Alten Testament eine besonders

wichtige Bedeutung, auf die später noch eingegangen wird.

2.1 Kyros bei Herodot (1,95 ­ 1,122)

Herodot lebte ca. 100 Jahre nach Kyros und überliefert somit die zeitnächste

Darstel ung. Seine Erzählung beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod des

Herrschers bei der Schlacht gegen die Massageten. Er bietet dem Leser eine

komplette Darstel ung seines Lebenslaufes. Herodot zufolge ist Kyros der Sohn des

persischen Königs Kambyses I. und der Tochter des Mederkönigs Mandane. Mit ihm

werden zwei mächtige Königsdynastien miteinander verbunden, die der

Archaiminäden und der Meder2. Sein Großvater, der Mederkönig Astyages, führt

bereits nach der Geburt seines Enkels eine Intrige durch, er erteilt den Mordbefehl an

ihm. Kyros überlebt diesen Mordkomplott seines Großvaters, denn niemand führt

diesen Befehl aus, stattdessen wird er von einem Rinderhirten und seiner Frau mit

der Identität eines Sklavenjungen in den Bergen großgezogen3. Bereits nach zehn

Jahren wird die Wahrheit über Kyros eigentlicher Herkunft gelüftet. Während eines

Spiels wird Kyros von anderen Kindern zum König bestimmt. Mit zehn Jahren weiß

er genau wie er sich als König verhalten muss. Er teilt Befehle aus, übergibt anderen

Kindern Aufgaben, die sie als königliche Diener erfül en sol en, bei Missachtung

seiner Befehle reagiert er mit Bestrafung und körperlicher Züchtigung4. Nachdem er

für diese untypische Spielweise dem Mederkönig Rechenschaft abliefern sol , sagt

Kyros: ,,Die Kinder aus dem Dorf, [...], machten mich im Spiel zum König. Ich schien

ihnen dafür am geeignetsten zu sein."5 Sein Großvater erkennt ihn wieder, denn ,,[...]

1 Vgl. Hinz, Walter: Darius und die Perser,S.85.

2 Vgl. Herodotus: Historien, Abschnitt: 108.

3 Vgl. ebd., 1,113.

4 Vgl. ebd., 1,114.

5 Ebd., 1,115.

4


die Eigentümlichkeit seiner Gesichtszüge schien seinen eigenen zu ähneln, [...] und

der Zeitpunkt seiner Aussetzung schien zum Alter des Kindes zu passen."6

In den folgenden Jahren lebt Kyros bei seinen leiblichen Eltern. Bereits in jungen

Jahren lässt sich Kyros von einem engeren Verwandten zu einem Feldzug gegen die

Meder überreden, denn die Meder wol en Astyages absetzen und unter einem neuen

und humanen König weiterleben. Kyros nimmt Medien ein und entmachtet seinen

Großvater. Der Einzug nach Medien leitet den weiteren Verlauf seiner

Eroberungszüge ein und machte den Weg zur Gründung des ersten Weltreiches frei.

Nachdem Kyros den Mederkönig entmachtete, handelte er untypisch für einen König.

Astyages war zwar ein Kriegsgefangener, ,,Kyros aber fügte dem Astyages kein

weiteres Leid mehr zu und nahm ihn bei sich auf, bis er starb."7 Auch gegen seinen

Herausforderer Kroisos handelt Kyros auf eine ähnliche Weise. Bereits mit der

Entmachtung seines Großvaters handelt Kyros für einen Herrschen untypisch, denn

er lässt er ihn als seinen persönlichen Berater weiterleben, weil er erkannte, ,,[...]

dass Kroisos ein gottgeliebter und tüchtiger Mann war[...] und behandelte ihn mit

großer Rücksicht; er selbst und al e seine Begleiter blickten vol Bewunderung auf

ihn."8 Kyros Toleranz gegenüber anderen Volksgruppen wird ganz besonders

gegenüber den Lydern deutlich, nachdem er die Aufstände der Lyder beendet hatte.

Statt sie zu versklaven, änderte er ihre Lebensgewohnheiten und schaffte ein

friedvol es Leben zwischen Persern und den Lydern.9

Als Kyros einen Feldzug gegen die Massageten vorbereitet, obwohl er ausdrücklich

von der Herrscherin Tomyris davor gewarnt wurde, berichtet Herodot über seine

letzten Tage. Kyros ist nicht aufzuhalten, denn ,,[...] er glaubte mehr als ein Mensch

zu sein -, dann auch das Glück, das er in den Kriegen gehabt hatte. Denn gegen

welches Volk auch immer Kyros einen Feldzug unternahm, es konnte ihm nicht

entrinnen."10 Während eines Beratungsgesprächs zwischen Kyros und Kroisos, also

noch vor dem Angriff gegen die Massageten, wird deutlich, dass Kyros einen fatalen

Fahler begehen und dieser Feldzug seinen Tod einleiten wird.

,,Meine schlimmen Leiden sind mir Lehre geworden. Wenn du glaubst

unsterblich zu sein und eben ein solches Heer zu befehligen, dann dürfte

es keinen Wert haben, dir meine Meinung kundzutun. Wenn du aber

6 Ebd., 1,116.

7 Ebd., 1,130 .

8 Ebd., 1,87.

9 Vgl. ebd., 1,155.

10 Ebd., 1,204.

5


erkannt hast, dass auch du nur ein Mensch bist und über andere

Menschen gebietest, dann begreife zunächst, dass es in menschlichen

Angelegenheiten einen Kreislauf gibt und dass er, in ständiger Bewegung,

nicht zulässt, dass immer dieselben Glück haben."11

Er hinterlässt seinem Sohn und Nachfolger Kambyses II. ein festgefügtes und

gutverwaltetes Reich.

2.2 Kyros bei Xenophon

Xenophon (um 430 ­ um 354 v. Chr.) lebte zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges.

Xenophon beginnt in seinem Hauptwerk ,,Kyrupädie" mit der Kindheitsdarstel ung und

Erziehung Kyros des Großen, desweiteren wird die Eroberung Asiens bis zum Tod

des persischen Königs beschrieben. Es handelt sich um einen fiktiven

Bildungsroman, in dem Kyros als Idealherrscher eines Idealstaates und Heldenfigur

verehrt wird, ,,[...] denn er [Kyros] unterschied sich so sehr von al en anderen

Königen, ob sie nun ihre Herrschaft von ihren Vorfahren erobert oder aus eigener

Kraft erworben hatten [...]".12 Menschenfreundlichkeit, Ehrgeiz, Wissbegierde und

Redseligkeit sind die Eigenschaften, die er Kyros für seinen Ruhm und Erfolg

zuschreibt.13 Während seine Vorfahren in Vergessenheit geraten sind, bleibt Kyros

weiterhin eine Persönlichkeit, die die Menschen auch noch lange nach seiner Zeit

fasziniert. Auch Jahrhunderte später sprachen die Perser noch immer

hochachtungsvol und ehrwürdig über den Gründer ihres Reiches.14 Kyros begründet

seinen Erfolg als Herrscher darauf, dass er nicht nur in Notsituationen freundlich und

gewissenhaft gegenüber den Menschen ist, sondern in al en Lebenssituationen, aber

vor al em in Zeiten, an denen es ihm gut geht.15 ,,Kyrupädie" geht der Frage nach,

wie ein Staat aufgebaut sein muss, um langfristig bestehen zu können. Aber vor

al em versucht Xenophon die Frage zu beantworten, welche Eigenschaften einem

Herrscher zugeschrieben werden müssen, um ein Reich zu leiten und sein Volk zu

führen. Die Antwort auf die Fragen findet Xenophon bei Kyros. Kyros ist der

Idealherrscher, denn sein Charisma, seine Führungsqualitäten und seine Toleranz

gegenüber anderen Völkern und Dynastien macht ihn schon zu seiner Zeit zu einem

11 Ebd., 1,207.

12 Xenophon: Kyrupädie,S.9.

13 Vgl. ebd., S. 39.

14 Vgl. ebd., S. 11.

15 Vgl. ebd., S. 72.

6


überragenden Führer, dem die Menschen Respekt erweisen und ihm auf seinem

Weg, Kulturen zusammen zu führen und das erste Großreich zu schaffen, folgen.

2.3 Kyros im Alten Testament

Der Perserkönig wird im Alten Testament an sechs Stel en erwähnt. Eine besonders

starke Rol e spielt Kyros bei der Darstel ung der Befreiung des jüdischen Volkes aus

der Knechtschaft der Babylonier im 2. Buch der Chronik (36:22), im Buch Esra (1:1ff)

und im Buch des Propheten Jesaja (44:28). Im Alten Testament geht Kyros als

Sieger über Babylonien und als Befreier des verschleppten Volkes hervor und ist

somit im jüdischen Verständnis ein Werkzeug Gottes. Am Schluss des 2. Buches der

Chronik und zu Beginn des Buches Esra heißt es: ,,Der Herr, der Gott des Himmels,

hat mir al e Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in

Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen."16 Auch hier wird die These, Kyros sei von

Gott auserwählt und ein von Gott gewol ter Herrscher, so wie Herodot sie vertritt,

nochmal hervorgehoben. Desweiteren wird Kyros als ,,der Gesalbte" bezeichnet, der

Messias, der von Gott berufen wurde, um seinem Volk die Freiheit zu schenken und

mit dem Bau des Tempels den Juden ihr Al erheiligstes wiederzugeben.17 Einmal im

Jahr, zu dem höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, ist es dem Hohepriester im

Tempel in Jerusalem gestattet, den direkten Kontakt zu Gott aufzunehmen und um

Versöhnung zu bitten für die begangenen Sünden. Mit der Eroberung Babylons und

der Befreiung der Juden wird Kyros auch im Alten Testament ehrenvol gewürdigt.

3. Kyros Eroberungszüge in Asien

Um 635 v. Chr. eroberten die Meder große Teile des Irans und machten die Perser

zu ihren Vasal en. Die Eroberung der medischen Hauptstadt Ekbatana, etwa ein

Jahrhundert später, leitete die Expansion des Perserreiches unter ihrem Gründer

Kyros dem Großen ein. Mit weiteren erfolgreichen Feldzügen gegen die Lyder,

griechische Küstenstädte und die Babylonier dehnt sich das Perserreich von

Thrakien bis nach Nordwestindien aus und grenzt an Ägypten, das Zentrum lag aber

immer im heutigen Iran.

16 2. Buch der Chronik 36:23 und Buch Esra 1:2.

17 Buch Jesaja 45:1.

7


3.1 Die Eroberung Mediens

Um Rache an dem Mederkönig Astyages zu nehmen, verbündet sich Harpagos mit

Kyros.18 In ihm sieht Harpagos den Befreier, der sie von ihrem unbeliebten und

bereits mit dem medischen Volk verfeindeten König befreien sol . Harpagos berichtet

Kyros von dem Mordplan seines Großvaters und garantiert ihm den Sieg über das

medische Heer. Kyros überredet die persischen Stämme der Pasargader, Maraphier

und Maspier von den Medern abzufal en und mit ihm gegen seinen Großvater zu

kämpfen.19 Um 550 v. Chr. beginnt Kyros seinen Feldzug gegen den Mederkönig und

kann ihn mit Hilfe der verbündeten Verbände unterwerfen.20 Astyages wird lebend

gefangen genommen.21 Die Eroberung Mediens war der Beginn eines ruhmreichen

Feldzuges, denn ,,jetzt aber seien die Meder statt zu Herren zu Sklaven

geworden,[...]; die Perser aber, früher Untertanen der Meder, seien jetzt zu Herren

geworden."22 An der Stel e, wo Kyros seinen Großvater besiegte, gründete er die

neue Stadt Pasargadae und baute sie zur seiner Hauptstadt und Residenz aus.23 Mit

seinem ersten Eroberungsfeldzug dehnt Kyros sein Reich bis zum Halys (heute:

Kizilirmak) aus, dem längsten Fluss in der heutigen Türkei.

3.2 Die Eroberung Lydiens

Der Lyderkönig Kroisos wol te sich an seinem Schwager Astyages rächen und

verbündete sich mit den Babyloniern, Ägyptern und Spartanern, denn er sah sich und

sein Reich von den Persern gefährdet. Um 540 v. Chr. zog er in Kappadokien ein.24

Er unternahm einen Feldzug gegen ein ,,raues Land".25 Es bestand die Gefahr, dass

ein Volk, das ,,nichts besitzt"26 und nachdem es Kroisos unterwürfig ist und von

seinem Reichtum und seinen Gütern gekostet hat, mehr verlangen könnte.

Nachdem die ersten Schlachten in Pteria mit einem Unentschieden unterbrochen

wurden, zog sich Kroisos mit seinem Heer nach Sardes zurück, um Kyros erst im

Frühjahr wieder anzugreifen.27 Wahrscheinlich hätte Kyros gegen die guten Reiter

und die langen Speere des lydischen Heeres verloren, wenn Kyros nicht al seine

18 Vgl. Herodotus: Historien, 1.Buch, a.a.O., 1,123.

19 Vgl. ebd., 1,124.

20 Vgl. Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches, S. 23.

21 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O., Abschnitt 128.

22 Vgl. ebd., 1,129.

23 Vgl. Frey, Richard: Persien. Bis zum Einbruch des Islams, S. 164.

24 Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S. 24.

25 Herodotus: Historien, a.a.O., 1,71.

26 Ebd., 1,71.

27 Vgl. Ebd.,1,77.

8


Kamele umrüstete und seine Soldaten mit Reiterausrüstung auf seine Kamele ließ.

Er wusste, dass Pferde den Anblick sowie den Geruch der Kamele scheuen

würden.28 Kyros Plan erfül te sich. Nachdem Kroisos sich nach Sardes

zurückgezogen hatte, rückte Kyros Heer immer weiter nach Sardes ein, um seinen

Gegner aus dem Hinterhalt anzugreifen. Die Perser schlugen die Lyder hinter ihren

Stadtmauern und nahmen ihren König Kroisos fest.

,,Die Perser also eroberten Sardes und nahmen Kroisos selbst lebend

gefangen, nachdem er 14 Jahre regiert hatte, 14 Tage belagert worden

war[...]"29

In Herodots Historien heißt es, Kyros hätte den gestürzten Lyderkönig später zu

seinem persönlichen Berater ernannt.30 Aber die heutige Wissenschaft geht davon

aus, dass Kroisos in der Schlacht gegen Kyros gefal en sei und nur in der

griechischen Überlieferung überlebt habe.31

3.3 Die Eroberung griechischer Städte in Kleinasien

Harpagos, ein Meder und Verwandter des Astyages, verhalf Kyros zu seiner Macht,

indem er ihn zum Kampf gegen seinen Großvater überredet hatte. Kyros bezwang

seinen Vorfahren und ernannte Harpagos zur Belohnung zu seinem Feldherrn. Sein

Feldzug beginnt bei den Phoikern in Ionien.32 Während Harpagos und sein Heer sie

belagerten, zogen sie weiter nach Chios und überließen ihre Stadt kampflos den

Persern.33 Auch die ionischen Inselbewohner lieferten sich aus Furcht gegenüber

den Persern kampflos aus.34 Nach der Unterwerfung Ioniens führt Harpagos weitere

Feldzüge gegen die Karer, Kaunier, Lykier und Knidier, die er auch ohne Mühe

schnel unterwarf.35

3.4 Die Eroberung Babyloniens

Nachdem Kyros auch über Kleinasien herrschte, zog er weiter, um die Assyrer

anzugreifen. Mit höchster Priorität verfolgte er das Ziel, Babylonien zu besiegen und

es zu beherrschen.36 Im Gegensatz zu den Volksstämmen in Kleinasien gaben die

28 Vgl. Ebd., 1,80.

29 Ebd., 1,86.

30 Vgl. ebd., 1,86.

31 Vgl. Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S.24.

32 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O. 1,162.

33 Vgl. Ebd., 1,164.

34 Vgl. Ebd., 1,169.

35 Vgl. Ebd., 1,171.

36 Vgl. Ebd., 1,178.

9


Babylonier ihr Reich nicht kampflos auf. Dennoch besiegten die Perser die

Babylonier außerhalb ihrer Stadtgrenze. Die Babylonier in der Stadt waren vor dem

Einzug der Perser ahnungslos und ,,feierten gerade ein Fest".37 Ende Oktober 539 v.

Chr. zog Kyros in Babylon ein und zum ersten Mal in seiner Regierungszeit gelang

ihm ein Sieg gegen ein so großes und mächtiges Reich.38 Nachdem das Perserreich

Babylonien unterworfen hatte, grenzte es nun auch an das Großreich der Ägypter.

3.5 Kyros gegen die Massageten

Das Reich der Massageten wurde von einer Frau namens Tomyris regiert. Kyros

hatte zunächst die Absicht sie zur Frau zu nehmen. Tomyris erkannte schnel Kyros

eigentliches Vorhaben, er warb nicht um sie, sondern um ihr Königreich.39 Der einst

ein vornehmer und taktisch-kluger Herrscher war, wurde mit seiner wachsenden

Macht übermutig und waghalsig. Kyros plant den Fluss Araxes zu überqueren und

einen offenen Feldzug gegen die Massageten zu beginnen.40 Um 530 v. Chr. kam es

zu Kämpfen zwischen den Massageten und den Persern, bei denen der Sohn der

Herrscherin ums Leben kam. Herodot zu Folge war die Schlacht der Perser gegen

die Massageten ,,die gewaltigste al er Schlachten".41

,,Der größte Teil des persischen Heeres wurde eben dort an Ort und Stel e

vernichtet, und auch Kyros starb, nachdem er 29 Jahre König gewesen

war".42

37 Ebd., 1,191.

38 Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S. 25.

39 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O., 1,205.

40 Vgl. Ebd., 1,205.

41 Ebd., 1,214.

42 Ebd., 1,214.

10


4. Fazit

Das erste Weltreich der Antike wurde besonders durch seine verschiedenen Kulturen

und seine ethnische Vielfalt gekennzeichnet. Dies ermöglichte sein Gründer Kyros

der Große. Kyros schicksalhaftes Überleben, die Geheimhaltung seiner Herkunft und

die durch einen Zufal eingeleitete Entlüftung seiner eigentlichen Herkunft sind für

Herodot drei wichtige Argumente, dass Kyros ein von Gott gewol ter Herrscher war.

Der griechische Schriftstel er Xenophon geht sogar so weit, dass er Kyros eine

Vorbildfunktion für die früher miteinander verfeindeten griechischen Stämme

zuschreibt.

Die Bibel hat zwar eine andere Intention als Herodot oder Xenophon, dennoch wir

Kyros auch im Alten Testament als der von Gott Berufene dargestel t. Er ist der

Messias, der von Gott berufen wurde, um dessen Volk aus dem babylonischen Exil

zu befreien.

Während seiner Feldzüge zeigt sich Kyros als friedvol er und toleranter Herrscher.

Das medische Volk sieht in ihm den Befreier und Erlöser, der sie von der

menschenunwürdigen Herrschaft ihres Königs Astyages befreien sol . Laut Herodot

nimmt Kroisos nach seinem Fal als Lyderkönig eine ehrenvol e Position als

persönlicher Berater in al en Angelegenheiten ein.

Desweiteren beschreibt Herodot den Übermut und Fal des persischen Herrschers

Kyros des Großen. Die Siege über die Könige, die Unterwerfung ihrer Völker, die ihm

entgegengebrachte Achtung und Anerkennung ließen seine Macht zum Verhängnis

werden. In der verheerenden Schlacht gegen die Massageten findet Kyros 531 v.

Chr. seinen Tod. Aufkommende Überheblichkeit und Größenwahn sind für Herodot

die Gründe dafür.

11


Literaturverzeichnis

Fahr, Heinz; Koch, Klaus (1985): Herodot und Altes Testament. Frankfurt a.M.: Lang.

Europäische Hochschulschriftenreihe23, Theologie, Bd.266.

Frye, Richard (1975): Persien. Bis zum Einbruch des Islams. Essen: Magnus Verlag.

Hinz, Walter (1976): Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden.

Uwe K. Paschke ( Hg.). Baden ­ Baden: Hol e- Verlg. Hol e vergangene Kulturen.

Schlögl, Albert ( 1998): Herodot. Orig.-Ausg. Reinbeck bei Hamburg. Rowohlt-

Tachenbuch-Verl. Rowohlts Monographien, Bd. 50590.

Wiesehöfer, Josef (2006): Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches.

Orig.-Ausg.,3.,durchges. und aktualisierte Aufl. München: Beck. Beck`sche Reihe,

Bd. 2107: C.-H.-Beck-Wissen.

Quellenverzeichnis

Herodotus; Brodersen, Kai; Ley-Hutton, Christine ( 2002):Historien 1.Buch.

Griechisch/Deutsch. Stuttgart: Philipp Reclam.

( 1998): Die Bibel. Altes und Neues Testament; Einheitsübersetzung. Lizenzausg.

Freiburg: Herder- Verlag.

Xenophon (1992): Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros; griechisch/deutsch.

Lizenzausg. Nickel, Rainer (Hg.). Darmstadt:Wiss.Buchges.


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