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Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Magister Artium Christian Hall
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: University of Rostock (Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften)
Tags: Geofaktoren, Besiedlung, Korinth, Antike, Archäologie, Korinthia
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 2,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19156-7
File size: 1638 KB
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Abstract
Auch der „moderne“ Mensch ist trotz des enormen technologischen Fortschritts immer noch von den natürlichen Gegebenheiten abhängig und sucht sich vorrangig Siedlungsstandorte von besonders günstigen klimatischen und landschaftlichen Bedingungen. Anhand des Klimas, der Landschaft und der frühen Besiedlung der Korinthia erläutert die vorliegende Arbeit, inwiefern geografische Faktoren die Siedlungsstruktur im Nordosten der Peloponnes vom Neolithikum bis zur dorischen Einwanderung beeinflussten. Um diese zentrale Fragestellung adäquat beantworten zu können, wird eine ausgewogene Analyse sowohl der mythologisch-literarischen Quellen als auch der bis dato dokumentierten archäologischen Befunde vorgenommen. Die Thematik macht deutlich, wie wichtig interdisziplinäres Arbeiten, hier auf archäologisch-biologisch-geografischem Gebiet, gerade in der Klassischen Archäologie ist.
Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock
Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften
Proseminar: Korinth und die Korinthia
Sommersemester 2004
Proseminararbeit zum Thema:
Einflüsse abiotischer und biotischer Geofaktoren auf die frühe Besiedlung der Korinthia
bis in die geometrische Zeit
vorgelegt von:
Christian Hall
3. Semester Klassische Archäologie (Zweitfach)
Rostock, den 07.09.2004
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2
2.
Geografische Grundlagen
2
3.
Lage und Grenzen der Korinthia
3
4. Klima
4
5.
Fauna und Flora
6
6.
Reiches Korinth?
6
7.
Vordorische Besiedlung
7
8.
Mythologische Besiedlungsvorstellungen
8
9.
Dorische Einwanderung und Herrschaft
9
10.
Ergebnis und Ausblick
10
11.
Quellen und Literatur
12
11.1.
Literarische und archäologische Quellen
12
11.2.
Literatur (Auswahlbibliographie)
12
12.
Karten 14
13. Abbildungen
17
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Klima, der Landschaft und der frühen
Besiedlung der Korinthia bis in die geometrische Zeit und untersucht, inwiefern geografische
Faktoren die Siedlungsstruktur im Nordosten der Peloponnes vom Neolithikum bis zur
dorischen Einwanderung beeinflussten.
Um die zentrale Fragestellung adäquat beantworten zu können, ist eine ausgewogene Analyse
sowohl der mythologisch-literarischen Quellen als auch der bis dato dokumentierten
archäologischen Befunde1 notwendig. Zahlreiche Monographien zum Thema Korinth und
Korinthia tragen meist einen generellen Charakter und geben selten Aufschlüsse auf
vorgeschichtliche Entwicklungen.2 Eine Ausnahme stellt das Werk von J. B. Salmon dar, das
trotz eines Jahrzehntes Forschung immer noch eine unerlässliche Publikation zu dieser
Problematik darstellt.3
Auf einer solchen Basis kann eine Proseminararbeit nicht den Anspruch erheben, endgültige,
unzweifelhafte Lösungen zu liefern. Sie interpretiert die bisherigen Ergebnisse und muss
deshalb als vorläufig und diskutabel angesehen werden.
2. Geografische Grundlagen
Die Peloponnes, die südliche Halbinsel Griechenlands, durch den Isthmos von Korinth mit
Mittelgriechenland verbunden, ist die Spitze eines vor drei Millionen Jahren entstandenen
Gebirgsbogens aus Kalkmassiven. Sie umfasst eine Region von 15.491 Quadratkilometern
und erhebt sich bis zu 2.407 Meter über den Meeresspiegel.4 Aufgrund der
spannungsgeladenen Plattentektonik der Helleniden ist die gesamte Peloponnes und
insbesondere der Norden ein stark erdbebengefährdetes Gebiet. Das Bodenrelief der Halbinsel
reicht von alpinen Gebirgszonen und Hochebenen bis zu Flusstälern und Schwemmebenen.
Meist fallen die Bergketten zur Küste hin stark ab, außer im Gebiet der Korinthia, wo sich
ausgedehntes Hügelland erstreckt, das mit mäandrierenden Flüssen und fruchtbaren
1 Zuletzt erschienen: Bookidis, N.; Williams, C. K. (Hrsg.): Corinth. Results of excavations conducted by the
American School of Classical Studies at Athens. Vol. XX: Corinth, the centenary 1896-1996 (2003).
2 Beispielsweise: Engels, D.: Roman Corinth. An alternative model for the classical city (1990); Gregory, T. E.:
The Corinthia in the Roman Period. In: JRA Suppl. 8 (1994).
3 Salmon, J. B.: Wealthy Corinth. A history of the city to 338 B.C. (1984).
4 Meyers großes Taschenlexikon. Bd. 17 8(2001), S. 81.
3
Schwemmebenen durchzogen ist.5 Insgesamt entstehen durch die schroffe Gebirgswelt der
Halbinsel separierte Siedlungskammern.
3. Lage und Grenzen der Korinthia
Sehr selten lassen Funde der Antike direkt auf die Grenzen der Korinthia schließen und
größtenteils sind sie dann auf die römische Herrschaftszeit bezogen. Da sich die ungefähren
Grenzen aber meist an natürlichen Gegebenheiten orientierten, sind sie bis heute durchaus
nachvollziehbar. Im Nordosten formen die Gipfel der Geraneia die Grenze zur Megeris. Diese
Aussage ist weitestgehend unumstritten. Über die restliche Grenzziehung sind
unterschiedliche Forschungsmeinungen und -thesen im Umlauf. J. B. Salmon6 setzt die
westliche Grenze am Fluss Nemea an und orientiert sich dabei an Livius Aussagen.7 Die süd-
westliche Grenze meint er entlang der Ausläufer des Apesas definieren zu können. Im Süden
verläuft sie Salmon zu Folge dann durch das Logopotamos-Tal entlang des Skiona in
Richtung Argos, wobei die Grenzziehung immer unklarer wird. Um die süd-östliche Grenze
mit Epidaurus gab es im 3. Jahrhundert n. Chr. Auseinandersetzungen, die es unmöglich
machen, ihre genaue Lage zu bestimmen. Ebenso ist der Grenzpunkt zum Saronischen Golf
umstritten, da es drei unterschiedliche Aussagen von Thukydides, Ptolemäus und Plinius
gibt.8
Entgegen Salmons Argumenten erweitert Nicos Papahatzis die
Grenze der Korinthia gegen
Achaia im Westen bis zum Fluss Sythas.9 Im Süden meint er den Grenzverlauf an den
nördlichen Abhängen des Tretos- und des Arachnaion-Gebirges zu erkennen.10 Das stellt eine
gewaltige Territoriumsvergrößerung dar, die dem relativ kleinen Gemeinwesen der
griechischen Zeit von ca. 880 Quadratkilometern nicht entsprechen kann.11
Unabhängig davon wie wichtig die Kontroverse über die Abgrenzung eines bestimmten
Untersuchungsgebietes für die moderne Wissenschaft sein mag, muss aber herausgestellt
werden, dass Grenzen für den vorgeschichtlichen und frühantiken Menschen nicht die gleiche
entscheidende Bedeutung hatten, wie es in der heutigen Zeit der Fall ist. Es gab keine festen
Grenzen mit Zäunen und Stacheldraht und auch nicht genügend bewaffnete Männer um
kilometerlange Verteidigungsanlagen ausreichend zu sichern. Demzufolge kannten die
5 Siehe Karte I, S. 14.
6 Siehe seine Grenzziehung ebenda.
7 Livius XXXIII.15.1.
8 Salmon, S. 3-7.
9 Vgl. Karte II, S. 14.
10 Papahatzis, N.: Das antike Korinth. Die Museen von Korinth, Isthmia und Sikyon (1989), S. 15.
11 Vgl. hierzu die Fläche der Gemeinwesen Sparta: 8400 km² und Athen: 2550 km².
4
damaligen Menschen eine Freiheit, die uns derzeit vielleicht fremd ist. Es ist davon
auszugehen, dass erst mit der langfristigen Niederlassung in dorfähnlichen Gemeinschaften
natürliche Hindernisse, wie Flüsse, Landengen und Gebirgsketten eine entscheidendere Rolle
für die Kontrolle von Brücken, Handels- und Passstraßen spielten. Die Landzunge,
griechisch Isthmos, die Zentralgriechenland mit der Peloponnes verbindet, war bereits in
prähistorischer Zeit durch den nur sechs Kilometer breiten Zugang zur ,,Pelops-Insel" von
großer strategischer Bedeutung. Alle nördlichen Einwanderer mussten die Landenge
passieren, wenn sie den Wasserweg über den Golf von Korinth oder den Saronischen Golf
vermeiden wollten. Gerade diese exquisite Lage Korinths am Isthmos und der etwa zehn
Kilometer südlich der Stadt hoch aufragende und damit schutzversprechende Kalkberg von
Akrokorinth stellten vorteilhafte Siedlungsbedingungen dar.
Was für die Menschen des Altertums einen Vorteil bedeutete, nämlich die Nähe zum Meer
und damit zu günstigen Fischfang- und Handelsbedingungen, bedeutet für den Archäologen
größere Schwierigkeiten bei der Untersuchung küstennaher Siedlungen. Seit dem Ende der
letzten Eiszeit und besonders während des Neolithikum ist ein Anstieg des Meeresspiegels zu
verzeichnen.12 Somit liegen heute viele interessante Fundorte auf der Peloponnes teilweise
oder ganz unter Wasser, wie beispielsweise auch die Hafenanlagen von Kenchreai, dem süd-
östlichen Ankerplatz Korinths.13
4. Klima
In der südmediterranen Gegend der Peloponnes kennzeichnen grundsätzlich heiße, trockene
Sommermonate und warme, feuchte Winter das Klima. Von November bis Februar fallen fast
alle Niederschläge des Jahres, während von März bis Oktober Trockenheit und Temperaturen
um die 30°C vorherrschen.14
Vollständige, über lange Zeiträume erfasste Klimadaten, die Aufschluss über weit
zurückliegende Epochen geben würden, sind für die Korinthia leider nicht verfügbar, da die
Wetterstation Korinths erst nach der Gesamterfassung Griechenlands die
Niederschlagsmengen aufzeichnete.15 Die Regenzahlen sind verständlicherweise von
entscheidender Bedeutung für die Fruchtbarkeit und damit für die frühgeschichtlichen
Siedlungsbedingungen. Trotz der fehlenden Langzeitaufzeichnungen, lässt sich aber für
12 Alram-Stern, E.: Die ägäische Frühzeit. Bd. 1: Das Neolithikum in Griechenland (1996), S. 183.
13 Abb. I, S. 17.
14 Schneider, L.: Peloponnes: Mykenische Paläste, antike Heiligtümer und venezianische Kastelle in
Griechenlands Süden (2001), S. 13.
15 Salmon, S. 7.
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