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Die Lieder Martin Luthers und ihre theologische Bedeutung

Seminararbeit, 2008, 37 Seiten
Autor: Stefan Jost
Fach: Theologie - Systematische Theologie

Details

Veranstaltung: Systematisch-theologisches Proseminar
Institution/Hochschule: Universität Paderborn (Institut für evangelische Theologie)
Tags: Lieder, Martin, Luthers, Bedeutung, Systematisch-theologisches, Proseminar
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 37
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V117096
ISBN (E-Book): 978-3-640-19480-3
ISBN (Buch): 978-3-640-19495-7
Dateigröße: 188 KB
Anmerkungen :
Eine offiziellen Benotung gab es für diese Arbeit nicht, sie ist dennoch als sehr gut bewertet worden.Eine offiziellen Benotung gab es für diese Arbeit nicht, sie ist dennoch als sehr gut bewertet worden.


Zusammenfassung / Abstract

Ohne Zweifel ist Martin Luther die herausragende Persönlichkeit der Reformation. Sein reformatorisches Gedankengut und seine neue Lehre haben zu einem Umdenken und schließlich zur Kirchenspaltung geführt. Luthers Lehre ist eng mit seinem Leben verschlungen. Das mag folgende Gründe haben: Seit dem Jahr 1521 war Luther wegen seiner Lehre, die er vertrat, zum Tode verurteilt. Dass es nicht dazu kam, hatte Luther einflussreichen Politikern zu verdanken. Auch war er bereit, für seine Lehre das Martyrium auf sich zu nehmen, was Luther oft bezeugt hat. Sein Leben lang ist er darum bemüht gewesen, seine Lehre rein zu halten. Das Blitzschlag-Erlebnis, das Luther veranlasst hat, sein Leben in Gottes Dienst zu stellen, war der ausschlaggebende Anfang, der seine reformatorischen Bemühungen in Gang gebracht hat. Diese Erfahrung großer Todesangst, die ihm durch den Blitzschlag widerfahren ist, lässt ihn diszipliniert an der Exegese der Bibel arbeiten. Während dieser Arbeit entdeckt er schließlich die Spannung von Gesetz und Evangelium. Luther hat aber nicht nur die Lehre reformiert, sondern mit ihr auch den bestehenden Gottesdienst und damit auch das deutsche Kirchenlied. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Liedern Martin Luthers und ihrer theologischen Aussagekraft. Ausgehend von der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ soll untersucht werden, inwiefern sich diese zugrunde liegende Theologie in Luthers Liedern widerspiegelt. Dabei ist es zunächst erforderlich, einen Blick auf den Anstoß und den Beginn von Luthers Liedschaffen zu werfen. Vorrausetzungen, sowie Intention Luthers werden daher im 1. Kapitel näher beleuchtet. Ferner wird eine kurze Übersicht über die erschienen Liedsammlungen gegeben. Darauffolgend werden die Lieder im Einzelnen vorgestellt und soweit es möglich ist, charakterisiert und theologisch gedeutet. Zu denjenigen Liedern, die besondere Relevanz in Bezug auf theologische Aussagekraft haben, sind im Anhang dieser Arbeit die Liedtexte zu finden.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Paderborn

Fakultät für Kulturwissenschaften

Institut für evangelische Theologie

Basismodul 3: Systematisch-theologisches Proseminar

Wintersemester 2007/2008

Die Lieder Martin Luthers

und ihre theologische Bedeutung

Stefan Jost

3. Fachsemester

Lehramt an Gymnasien (Gy) und Gesamtschulen (Ge)

Evangelische Theologie und Musik


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1

,,Frau Musika"

3

1. Luthers Liedschaffen

4

1.1. Vorraussetzungen und Anfänge für Luthers Liedschaffen

4

1.2. Luthers Intention

5

1.3. Die Liederbücher

6

2. Die Lieder Luthers und ihre theologische Charakterisierung

9

2.1. Protest und ,,Zeitungslied"

9

2.2. Glaubenslied

9

2.3. 6 Psalmlieder

10

2.4. Advents- und Weihnachtslieder

13

2.5. Osterlieder

14

2.6. Pfingstlieder

15

2.7. Trinitatis

16

2.8. Katechismuslieder

16

2.9. Abendmahlslieder

17

2.10. Seelsorgelieder

17

2.11. Liturgische Gesänge

18

2.12. ,,Ein feste Burg ist unser Gott"

19

2.13. ,,Spätlese"

19

3. Die Theologie Luthers in...

20

3.1. ...,,Von der Freiheit eines Christenmenschen"

20

3.2. ... seinen Liedern

23

4. Schluss: Wirkung der Lieder

25

5. Literaturverzeichnis

26

Anhang 1-8: Liedtexte

2


Einleitung

Ohne Zweifel ist Martin Luther die herausragende Persönlichkeit der

Reformation. Sein reformatorisches Gedankengut und seine neue Lehre haben zu

einem Umdenken und schließlich zur Kirchenspaltung geführt. Luthers Lehre ist

eng mit seinem Leben verschlungen. Das mag folgende Gründe haben: Seit dem

Jahr 1521 war Luther wegen seiner Lehre, die er vertrat, zum Tode verurteilt.

Dass es nicht dazu kam, hatte Luther einflussreichen Politikern zu verdanken.

Auch war er bereit, für seine Lehre das Martyrium auf sich zu nehmen, was

Luther oft bezeugt hat. Sein Leben lang ist er darum bemüht gewesen, seine Lehre

rein zu halten.

Das Blitzschlag-Erlebnis, das Luther veranlasst hat, sein Leben in Gottes Dienst

zu stellen, war der ausschlaggebende Anfang, der seine reformatorischen

Bemühungen in Gang gebracht hat. Diese Erfahrung großer Todesangst, die ihm

durch den Blitzschlag widerfahren ist, lässt ihn diszipliniert an der Exegese der

Bibel arbeiten. Während dieser Arbeit entdeckt er schließlich die Spannung von

Gesetz und Evangelium.1 Luther hat aber nicht nur die Lehre reformiert, sondern

mit ihr auch den bestehenden Gottesdienst und damit auch das deutsche

Kirchenlied.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Liedern Martin Luthers und ihrer

theologischen Aussagekraft. Ausgehend von der Schrift ,,Von der Freiheit eines

Christenmenschen" soll untersucht werden, inwiefern sich diese zugrunde

liegende Theologie in Luthers Liedern widerspiegelt.

Dabei ist es zunächst erforderlich, einen Blick auf den Anstoß und den Beginn

von Luthers Liedschaffen zu werfen. Vorrausetzungen, sowie Intention Luthers

werden daher im 1. Kapitel näher beleuchtet. Ferner wird eine kurze Übersicht

über die erschienen Liedsammlungen gegeben. Darauffolgend werden die Lieder

im Einzelnen vorgestellt und soweit es möglich ist, charakterisiert und theologisch

gedeutet. Zu denjenigen Liedern, die besondere Relevanz in Bezug auf

theologische Aussagekraft haben, sind im Anhang dieser Arbeit die Liedtexte zu

finden.

1 Vgl. Ebeling, Gerhard:

Lehre und Leben in Luthers Theologie

, Opladen 1984 (Vorträge / Rheinisch-

Westfälische Akademie der Wissenschaften: Geisteswiss.; G 270), S. 9-12.

1


Diese Übersicht über Luthers Lied-Opus ist meines Erachtens notwendig, um ein

möglichst umfassendes Bild von seinem Liedschaffen zu gewinnen. Eine genaue

differenzierte Aussage über jedes einzelne Lied Luthers würde den Rahmen dieser

Arbeit sicherlich sprengen. Daher kann zu jedem Lied nur eine kurze, aber

ausreichende Darstellung erfolgen.

Kapitel 3 erläutert im ersten Schritt den Gehalt der Schrift ,,Von der Freiheit eines

Christenmenschen" und davon ausgehend in einem zweiten Schritt den

theologischen Grundtenor, der sich in seinen Liedern erkennen lässt. Auch läge

eine differenzierte theologische Deutung im Bereich des Nicht-leistbaren, daher

beschränkt sich die Beschäftigung mit Luthers Theologie auf die Aspekte Freiheit,

Glaube und Errettung.

Zum Schluss soll die Wirkung und die Bedeutung, welche die Lieder damals

hatten und heute immer noch haben, erörtert werden.

2


,,Frau Musika"

Diese ,,Vorrede auf alle guten Gesangbücher" ist von Luther für das Buch ,,Lob

und Preis der löblichen Kunst Musika" von Johann Walther im Jahr 1538

geschrieben. Sie bezeugt, welchen Stellenwert die Musik in Luthers Leben hatte.

Frau Musika

Vor allen Freuden auf Erden

Kann niemand keine feiner werden,

Denn die ich geb mir meim Singen

Und mit manchem süßen Klingen.

Hie kann nicht sein ein böser Mut,

Wo da singen Gesellen gut,

Hie bleibt kein Zorn, Zank, Haß noch Neid,

Weichen muß alles Herzeleid;

Geiz, Sorg und was sonst hart anleit,

Fährt hin mit aller Traurigkeit.

Auch ist ein jeder des wohl frei,

Daß solche Freud kein Sünde sei,

Sondern auch Gott viel daß gefällt

Denn alle Freud der ganzen Welt.

Dem Teufel ist sein Werk zerstöret

Und verhindert viel böser Mörd.

Das zeugt Davids, des Königs Tat,

Der dem Saul oft gewehret hat

Mit gutem, süßem Harfenspiel,

Daß er in großen Mord nicht fiel.

Zum göttlichen Wort und Wahrheit

Macht sie das Herz still und bereit.

Solchs hat Elisäus bekannt,

Da er den Geist durchs Harfen fand.

Die beste Zeit im Jahr ist mein,

Da singen alle Vögelein,

Himmel und Erden ist der voll,

Viel gut Gesang da lautet wohl.

Voran die liebe Nachtigall

Macht alles fröhlich überall

Mit ihrem lieblichen Gesang,

Des muß sie haben immer Dank,

Viel mehr der liebe Herregott,

Der sie also geschaffen hat,

Zu sein die rechte Sängerin,

Der Musiken ein Meisterin.

Dem singt und springt sie Tag und Nacht,

Seines Lobs sie nichts müde macht,

Den ehrt und lobt auch mein Gesang

Und sagt ihm ein ewigen Dank.

3


1. Luthers Liedschaffen

1.1. Vorraussetzungen und Anfänge Luthers Liedschaffen

Martin Luther kam schon sehr früh, nämlich während seiner Schulzeit, mit

geistlicher Musik in Berührung. Das Singen gehörte zum festen Bestandteil des

Unterrichts. Auch während seiner Studienzeit in Erfurt gehörte für Luther neben

der Theologie auch Musik als Theoriefach im System der ,,Septem artes liberales"

zum Studium.2 Für Martin Luther kommt die Musik direkt an zweiter Stelle nach

der Theologie, wie er in seinem Traktat ,,über die Musik" bekennt. Er sieht in der

Musik ein Geschenk Gottes, welche die Seele fröhlich macht, den Teufel vertreibt

und Freude weckt. Zudem herrscht sie in den Zeiten des Friedens.3

Im Jahr 1523 wurde im Zuge der neuen Ausgestaltung des Gottesdienstes nun

auch der Ruf nach dem deutschen Gemeindegesang lauter. Klippgen nennt die

Einführung des deutschen Gemeindegesanges als den letzten Schritt zur

Ausgestaltung des Gottesdienstes.4

In Luthers Liedern geht es um Glaubensfragen, die ihm persönlich am Herzen

liegen. Seine Hauptschaffenszeit liegt in den Jahren 1523-1524. In dieser Zeit hat

Luther mit 24 Liedern zwei Drittel seiner Lieder geschrieben ­ eine äußerst

fruchtbare Schaffensperiode. Der Anstoß dafür kam sicherlich von außen. Thomas

Müntzer veröffentlichte 1523 zehn deutsche Übertragungen lateinischer Hymnen.

Die Wittenberger waren somit aufgefordert, ebenfalls zu handeln.5

Luthers erste beide Lieder waren allerdings noch nicht für den gottesdienstlichen

Gebrauch bestimmt, dennoch haben sie das Liedschaffen eingeleitet.6 Sie hatten

Flugblatt-Charakter und waren damals Bestandteil der Massenmedien.

,,Man kann nur feststellen, dass Luther die Liedkunst zunächst zur

Propagierung der neuen Lehre und erst dann, jedoch kurz danach, auch

für die Erneuerung des Gottesdienstes entdeckte."7

2 Vgl. Rößler, Martin:

Liedermacher im Gesangbuch. Liedgeschichte in Lebensbildern

, völlig überarb. und erw.

Gesamtausgabe der 1990/91 erschienen drei Taschenbücher von Martin Rößler, Stuttgart 2001, S. 36-37

3 Vgl. Ebd., S. 65.

4 Vgl. Klippgen, Friedrich (Hg.):

Martin Luther: Sämtliche deutsche geistliche Lieder. In der Reihenfolge ihrer
ersten Drucke

, Halle a. S. 1912, S. 3.

5 Vgl. Hahn, Gerhard (Hg.):

Martin Luther: die deutschen geistlichen Lieder

, Tübingen 1967, S. XIII-XIV

6 Vgl. Ebd., S. XV.

7 Jenny, Markus:

Luthers geistliche Lieder und Kirchengesänge

, Vollst. Neued. in Erg. zu Bd. 35 d. Weimarer

Ausgabe, Köln 1985, S. 13.

4


Markus Jenny teilt den Beginn von Luthers Liedschaffen in zwei Stufen ein. Der

erste Anstoß war das Ereignis des Feuertodes zweier Mönche in Brüssel, die

wegen ihrer reformatorischen Lehre als Ketzer verbrannt wurden. Der zweite

Anstoß liegt darin begründet, dass Luther den Gedanken hatte, Psalme in Lieder

umzuwandeln.

1.2. Luthers Intention

Luther legte großen Wert darauf, dass im Gemeindegesang das Wort Gottes im

Mittelpunkt stehe. Er wollte das bisher übliche Psalmodieren, welches er als

leiernd und leertönend bezeichnet, verhindern. So sollen die Lieder Ausdruck des

Glaubens sein, die die Gemeinde mündig macht.

,,Das geistliche Singen bekommt ein liturgisches Hausrecht, wo es

bisher höchstens Zutat oder Zierrat bedeutet hat. Das Lied wird, wie die

Predigt, Dienst am Wort als Stimme des Evangeliums und zugleich,

über die Predigt hinaus, Möglichkeit der Antwort für die versammelte

Gemeinde, eingebunden in das Dialoggeschehen des Gottesdienstes."8

Eine bevorzugte Textquelle sieht Luther in den Psalmen der Heiligen Schrift, da

sie poetisch geformt sind, viele Metaphern bieten und von starkem

Glaubensausdruck geprägt sind. Rößler schreibt, dass das Psalmlied, das

christologisch gefärbt und ausgelegt wird und somit als gesungene Bibel fungiert,

Luthers persönliche Erfindung ist. Diese Ansicht vertritt auch Kantorin Dorothee

Ludwig. In ihrem Skript des Vortrags ,,Luthers Liedschaffen", welchen Sie am

07.07.96 in der Ev. Kirche in Gönningen hielt, heißt es:

,,Die Psalmen bieten sich als Textgrundlage für Lieder förmlich an.

Ursprünglich ja als Lieder entstanden, sind sie aufgrund ihres

regelmäßigen metrischen Aufbaus und ihrer starken dichterischen

Bilder geradezu prädestiniert, in Kirchenlieder umgewandelt zu werden.

Diese christologisch ausgedeuteten Psalmlieder fungieren als gesungene

Bibel: Die Bibel legitimiert das Singen - Singen interpretiert die Bibel -

eine fruchtbare Wechselwirkung!"9

Luther beschränkt sich aber nicht auf seine neue Gattung der Psalmlieder. Er lehnt

sich an die Tradition an, sichtet und prüft vorhandene Liedgattungen wie Hymnen,

deutschsprachige Strophenlieder, oder Leisen. Vorhandene lateinische Hymnen

8 Rößler, M.:

Liedermacher im Gesangbuch

, S. 67.

9 Ludwig, Dorothee:

Luthers Liedschaffen

, Vortrag vom 07.07.96 in der Ev. Kirche in Gönningen.

URL: http://ourworld.compuserve.com/Homepages/Alexander_Behrend/luthmusi.htm (19.02.08)

5



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