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Offenbarung als Bedingung der Möglichkeit von Schrift und Tradition

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 16 Pages
Author: Marc Sprungmann
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

Details

Event: Quellen der Quelle - Das spannende Verhältnis von Heiliger Schrift und Tradition
Institution/College: University of Bonn (Katholisch-Theologische Fakultät)
Tags: Offenbarung, Bedingung, Möglichkeit, Schrift, Tradition, Quellen, Quelle, Verhältnis, Heiliger, Schrift, Tradition
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V117124
ISBN (E-book): 978-3-640-19514-5
ISBN (Book): 978-3-640-19519-0
File size: 81 KB
Notes :
Gegenstand dieser Arbeit ist die Gegenüberstellung zweier Offenbarungsmodelle sein, um so den im Vergleich markierten Wandel darstellen zu können. Sie will sich also weniger um die Verhältnisbestimmung von Schrift und Überlieferung, als um Offenbarung als Grundbedingung der Möglichkeit beider bemühen.


Abstract

Im Lauf der Geschichte hat sich Gott viele Male den Menschen liebevoll zugetan, mit ihnen verkehrt und zu ihnen gesprochen. Er selbst war es, der sich Moses zuwandte und ihm mit seinen Namen für alle Zeiten offenbarte. Es entsprang seinem ewigem Ratschluss sich dem Menschengeschlecht zuzuwenden und unter Fleischgestalt in die Welt zu kommen. Nur aus dieser Offenbarungstat heraus gründend kann sich letztlich jede Frage der Verhältnisbestimmung von Schrift und Tradition verstehen. In der Vergangenheit ist diese Frage vielfach gestellt und zu beantworten versucht worden. Von lehramtlicher Seite reagierte das Konzil von Trient mit der Definition, dass der Offenbarung „Wahrheit und Ordnung in geschriebenen Büchern und ungeschriebenen Überlieferungen enthalten ist“. Die beiden nachfolgenden Vatikanischen Konzile reihen sich durch ihr Bekenntnis der Kontinuität zu Trient in diese Bestimmung ein. Wer die Mühen der Lektüre der Konzilskonstitutionen „Dei Filius“ und „Dei Verbum“ auf sich nimmt, wird einen einschneidenden Wandel des Offenbarungsverständnisses feststellen können. Im theologischen Sprachgebrauch haben sich als termini technici die Bezeichnungen „instruktionstheoretisches“ bzw. „kommunikationstheoretisches“ Offenbarungsmodell eingebürgert. Die Umbenennung lässt erkennen, „dass im Makrobereich des übergreifenden Offenbarungsdenkens mehrfach ein einschneidender Paradigmenwechsel stattgefunden hat.“ Gegenstand dieser Arbeit wird die Gegenüberstellung beider Offenbarungsmodelle sein, um so den im Vergleich markierten Wandel darstellen zu können. Sie will sich also weniger um die Verhältnisbestimmung von Schrift und Überlieferung, als um Offenbarung als Grundbedingung der Möglichkeit beider bemühen.


Excerpt (computer-generated)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Katholisch-Theologische Fakultät

Fundamentaltheologisches Seminar

Sommersemester 2008

Hauptseminar

Quellen der Quelle - Das spannende Verhältnis von Heiliger Schrift und Tradition

Offenbarung als Bedingung der Möglichkeit von Schrift und Tradition

Marc Sprungmann

Diplom-Studiengang Katholische Theologie

beendete Fachsemester: 6

18. Juli 2008


Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung

3

2

Vatikanum I

oder: das instruktionstheoretische

Offenbarungsmodell 4

3

Vatikanum II

oder: das kommunikationstheoretische

Offenbarungsmodell

8

4

Paradigmenwechsel ?

oder: Versuch einer Zusammenführung

12

5

Literatur

15

2


1. Einleitung

Im Lauf der Geschichte hat sich Gott viele Male den Menschen liebevoll zugetan1, mit ihnen

verkehrt2 und zu ihnen gesprochen3. Er

selbst

war es, der sich Moses zuwandte und ihm mit

hy<+h.a,( rv<åa] hy<ßh.a,(

seinen

Namen für alle Zeiten offenbarte4. Es entsprang seinem ewigem

Ratschluss sich dem Menschengeschlecht zuzuwenden und unter Fleischgestalt in die Welt5 zu

kommen. Nur aus dieser Offenbarungstat6 heraus gründend kann sich letztlich jede Frage der

Verhältnisbestimmung von Schrift und Tradition verstehen.

In der Vergangenheit ist diese Frage vielfach gestellt und zu beantworten versucht

worden7. Von lehramtlicher Seite reagierte das Konzil von Trient mit der Definition, dass der

Offenbarung ,,Wahrheit und Ordnung in geschriebenen Büchern und ungeschriebenen

Überlieferungen enthalten ist"

.

8 Die beiden nachfolgenden Vatikanischen Konzile reihen sich

durch ihr Bekenntnis der Kontinuität zu Trient in diese Bestimmung ein9.

Wer die Mühen der Lektüre der Konzilskonstitutionen ,,

Dei Filius

" und ,,

Dei Verbum

" auf sich

nimmt, wird einen einschneidenden Wandel des Offenbarungs

verständnisses

feststellen können.

Im theologischen Sprachgebrauch haben sich als

termini technici

die Bezeichnungen

,,

instruktionstheoretisches

" bzw. ,,

kommunikationstheoretisches

" Offenbarungsmodell

eingebürgert. Die Umbenennung lässt erkennen, ,,dass im Makrobereich des

übergreifenden
Offenbarungsdenkens

mehrfach ein einschneidender Paradigmenwechsel stattgefunden hat."10

Gegenstand dieser Arbeit wird die Gegenüberstellung beider Offenbarungsmodelle sein, um so

den im Vergleich markierten Wandel darstellen zu können. Sie will sich also weniger um die

Verhältnisbestimmung von Schrift und Überlieferung, als um Offenbarung als Grundbedingung

der Möglichkeit beider bemühen.

1 vgl.

Eph 1,9

2 vgl.

Bar 3,38

3 vgl.

Hebr 1,1-2

4 vgl.

Ex 3,14f

. Die Kontroverse um die Bedeutungsbestimmung, die sich aus MT: hy<+h.a,( rv<åa] hy<ßh.a,( und LXX: evgw,

eivmi o` w;n herleitet, sei an dieser Stelle zu vernachlässigen.

5 vgl.

Joh 1,14

6 vgl.

Mt 11,25-30

7 Vgl.

A. Lang

, Fundamentaltheologie II. Der Auftrag der Kirche, München 11954, 283-294;

K. Rahner

, Über die

Schriftinspiration, QD 1, Freiburg i.Br. 21959;

Ders

., Heilige Schrift und Tradition, in:

Ders

., Schriften zur

Theologie VI, Einsiedeln u.a. 1965, 121-138;

J.S. Geiselmann

, Die Heilige Schrift und die Tradition. Zu den

neueren Kontroversen über das Verhältnis der Heiligen Schrift zu den nicht geschriebenen Traditionen, QD 18,

Freiburg 1962;

J. Ratzinger

, Ein Versuch zur Frage des Traditionsbegriffs, in:

Ders./K. Rahner (Hgg.)

, Offenbarung

und Überlieferung, Freiburg 1965, 25-49

8 vgl.

Konzil von Trient

, Dekret über die Annahme der heiligen Bücher und der Überlieferungen, vom 08. April

1546, in :

Denzinger-Hünermann

, 1501-1505, 1501: ,,

hanc veritatem et disciplinam contineri in libris scriptis et
sine scripto traditionibus

"

9 vgl.

Erstes Vatikanisches Konzil

, Dogmatische Konstitution ,,Dei Filius" über den katholischen Glauben, vom 24.

April 1870, in:

Denzinger-Hünermann,

3000-3020, 3006;

Zweites Vatikanisches Konzil

, Dogmatische Konstitution

,,Dei Verbum" über die göttliche Offenbarung, vom 18 November 1965, in:

Denzinger-Hünermann

, 4201-4235,

4201

10

M. Seckler

, Der Begriff der Offenbarung, in:

W. Kern, H.J. Pottmeyer, M.Seckler (Hgg.)

, Handbuch der

Fundamentaltheologie. Traktat Offenbarung, Tübingen 22000, 41-61, 43

3


2.

Vatikanum I

oder: das instruktionstheoretische Offenbarungsmodell

,,Deshalb war es dem Menschen zum Heile notwendig, daß ihm gewisse Dinge, welche die

menschliche Vernunft übersteigen, durch göttliche Offenbarung bekannt wurden."

­ derart

bestimmt Thomas von Aquin bereits zu Beginn seines großen Werks

,,Summa theologica"

die

göttliche Offenbarung entschieden als heilsnotwendig11. An dieser Stelle werden drei wichtige

Momente ausgewiesen, die in der weiteren Diskussion näher zu beleuchten sein werden:

Heilsnotwendigkeit, (menschliche) Vernunft und göttliche Offenbarung.

Der Aquinat gibt uns für die folgende Untersuchung mit dieser Aussage ,,Indikatoren" zur Hand,

die eine Zuordnung zum ,,

instruktionstheoretischen

" Offenbarungsverständnis ermöglichen. Er

tritt als Vertreter12 einer Theologie auf, in der eine Theoretisierung zum beherrschenden

Umgang mit Offenbarung wird13. Das Zitat gibt zu erkennen, wie Offenbarung konkret erfasst

wurde: als ein Verhältnis der Subordination der menschlichen Vernunft unter die göttliche

Offenbarung, eben als ein Verhältnis der Belehrung (lat.

instruere

). Aus diesem Boden erwächst

jede Erkenntnis: in der Rückbindung daran, dass jedes (Heils-)Wissen letztlich von Gott

gegeben, gottgegeben, ist. Die darin gelegene Aufgabe für die Theologie lässt sich klar

umreißen. Ihr kommt es zu, die in geschichtlichen Kategorien geoffenbarte Lehre zu ordnen. So

gesehen, darf sie durchaus als intellektualistisch begriffen werden14. Die Aufgabe der

Systematisierung impliziert in voller Tragweite

eo ipso

auch das Wissen darum, dass das zu

Ordnende von Gott kommt ­ ist dies erkannt, besteht die Antworthaltung im Glauben (im Sinne

eines fest für wahr Haltens)15. Treffend bemerkt

Seckler

daher, dass ,,das

Offenbarungsgeschehen also prinzipiell auf der intellektuellen Ebene liegt, in der göttlichen

Mitteilung einsichtiger und nicht einsichtiger, das Begreifen übersteigender Sätze."16

Nun hat sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht, das Offenbarungs

verständnis

der beiden

Vatikanischen Konzile in den Blick zu nehmen. Sie bemüht sich im folgenden Passus Einblick in

die lehramtlichen Aussagen der dogmatischen Konstitution ,,

Dei Filius

" zu nehmen. In deren

zweiten Kapitel geht sie

expressis verbis

auf die Offenbarungsfrage ein17. Den Maßstab

vergrößernd, geht die Konstitution neben dieser Fragestellung auf die grundlegende

11 S.th. I 1,1 c

12

Seckler

macht darauf aufmerksam, dass hier keine ,,homogene Uniformität" vorherrscht, vgl.

M. Seckler

, Dei

Verbum religiose audiens: Wandlungen im christlichen Offenbarungsverständnis, in:

J.J. Petuchowski / W. Strolz
(Hgg.)

, Offenbarung im jüdischen und christlichen Glaubensverständnis, Freiburg 1981, 214-236, 223 (=

Seckler

,

Dei Verbum) ­ er stützt sich dabei auf aufgewiesene Alternativen, die Ratzinger ausmacht, vgl. dazu

J. Ratzinger

,

Die Geschichtstheologie des hl. Bonaventura, München 1959, 57ff.

13 vgl.

M. Seckler

, Der Begriff der Offenbarung, in:

W. Kern, H.J. Pottmeyer, M.Seckler (Hgg.)

, Handbuch der

Fundamentaltheologie. Traktat Offenbarung, Tübingen 22000, 41-61, 45 (=

Seckler

, Offenbarung)

14 vgl.

Seckler

, Dei Verbum, 224

15 Ist erst der

instruierende

Charakter

erkannt

, folgt die feste Annahme dessen

konsequent

.

16 vgl.

Seckler

, Dei Verbum, 227

17 DH 3004-3007

4



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