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Friedrich Schlegels Anforderungen an die Malerei seiner Zeit und das Werk Caspar David Friedrichs als mögliche Erfüllung

Scholary Paper (Seminar), 2006, 15 Pages
Author: Student Angela Kunze
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Der Traum romantischer Universalpoesie
Institution/College: University of Paderborn (Germanistik)
Tags: Friedrich, Schlegels, Anforderungen, Malerei, Zeit, Werk, Caspar, David, Friedrichs, Erfüllung, Traum, Universalpoesie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V117144
ISBN (E-book): 978-3-640-19628-9
ISBN (Book): 978-3-640-19632-6
File size: 106 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit steht unter der allgemeinen Frage nach der Bedeutung von Religiosität im Selbstverständnis der Romantik, speziell in der Malerei. Hierbei gilt das Interesse jedoch nicht dem christlichen Glauben und der „kirchlichen Frömmigkeit“ jener Zeit, sondern vielmehr dem Wunsch nach etwas Sinnstiftenden und Bedeutung verleihenden hinter der bildenden Kunst, dem Quell des Göttlichen im Menschen selbst und in dem was er mit der Malerei auszudrücken vermag. Schwerpunktmäßig konzentriere ich mich hierbei auf die „Kunst- und Religionskonzeption“ Friedrich Schlegels innerhalb seiner Zeitschrift Europa, in Hinblick auf seine Einteilung der verschiedenen Gattungen der Malerei, sowie der Forderung nach religiösem Hintersinn, den er alten Meistern und auch seinen Zeitgenossen abverlangt. Schlegel beschwert sich, dass es – seiner Meinung nach – keine Maler seiner Zeit gibt, „welche den großen Meistern der Vorzeit völlig gleichgestellt werden könnten“ . Eine vollständige Wiederlegung oder Untermauerung dieser These wäre zu umfangreich für diese Arbeit, und so beschränke ich mich auf eine Gegenüberstellung der schlegelschen Forderungen mit dem Werk Caspar David Friedrichs und der Frage, ob dieses eine mögliche Antwort darauf stellen kann. Obwohl sich Schlegel zu einem für die Rezeption der Romantik wichtigen Kunstkritiker aufgeschwungen hat und er und Caspar David Friedrich, dessen Gemälde wohl nicht nur in meinen alten Schulbüchern den „Inbegriff der Romantik“ verkörpern, direkte Zeitgenossen sind (1772 – 1829 und 1774 – 1840), muss vorab gesagt werden, dass sie in keiner persönlichen Beziehung zu einander stehen: Im Juli des Jahres 1798 treffen sich die Frühromantiker des späteren Jenaer Kreises in Dresden, eine Begegnung, bei der „Die Gemälde. Ein Gespräch“ stattfindet, das später im Athenäum II, 1, 1799 veröffentlicht wird – doch sie haben die Stadt bereits verlassen, als sich Friedrich im Oktober des selben Jahres in Dresden niederlässt. „Direkte Kontakte zum Jenaer Kreis sind nicht nachweisbar“, ebenso wenig, „ob Friedrich mit dem frühromantischen Programm durch die Lektüre des Athenäum in Kontakt kam.


Excerpt (computer-generated)

Universität Paderborn

Seminar: Francisco de Goyas ,, El Sueño de la Razon produce Monstros" ( 1797 ­ 1798) und

der Traum romantischer Universalpoesie: August Wilhelm und Friedrich Schlegel

Sommersemester 2006

,,Eine Hieroglyphe,

ein göttliches Sinnbild soll jedes wahrhaft

so zu nennende Gemälde sein."

Friedrich Schlegels religiöse Anforderungen

an die Malerei seiner Zeit und

das Werk Caspar Friedrichs als mögliche Erfüllung






Angela Kunze

LA Gym, Ge : Deutsch, Geschichte


2

Inhaltsverzeichnis

1

Fragestellung 3

,,Eine Hieroglyphe, ein göttliches Sinnbild soll jedes wahrhaft 3

2

Friedrich Schlegel und seine Theorie zur Religion 4

2.1

Streben nach dem Unendlichen 4

2.2

Hinwendung zum Katholizismus 6

3

Friedrich Schlegel und die bildende Kunst 7

3.1

Grundsätze und Einteilung der Malerei 7

3.2

Aufforderung an die Maler der jetzigen Zeit 9

4

Synthese: Antwort auf Schlegel im Werk Caspar David Friedrichs? 10

4.1

,,Schwäne im Schilf" (1819-20) 11

4.2

,,Winterlandschaft mit Kirche" (1811) 12

5

Literaturverzeichnis 14

5.1

Primärliteratur: 14

5.2

Sekundärliteratur: 14


3

1 Fragestellung

,,Eine Hieroglyphe, ein göttliches Sinnbild soll jedes wahrhaft

so zu nennende Gemälde sein."1

Die vorliegende Arbeit steht unter der allgemeinen Frage nach der Bedeutung von

Religiosität im Selbstverständnis der Romantik, speziell in der Malerei. Hierbei gilt das

Interesse jedoch nicht dem christlichen Glauben und der ,,kirchlichen Frömmigkeit" jener

Zeit, sondern vielmehr dem Wunsch nach etwas Sinnstiftenden und Bedeutung verleihenden

hinter der bildenden Kunst, dem Quell des Göttlichen im Menschen selbst und in dem was er

mit der Malerei auszudrücken vermag.

Schwerpunktmäßig konzentriere ich mich hierbei auf die ,,Kunst- und Religionskonzeption"

Friedrich Schlegels innerhalb seiner Zeitschrift

Europa

, in Hinblick auf seine Einteilung der

verschiedenen Gattungen der Malerei, sowie der Forderung nach religiösem Hintersinn, den

er alten Meistern und auch seinen Zeitgenossen abverlangt.

Schlegel beschwert sich, dass es ­ seiner Meinung nach ­ keine Maler seiner Zeit gibt,

,,welche den großen Meistern der Vorzeit völlig gleichgestellt werden könnten"2. Eine

vollständige Wiederlegung oder Untermauerung dieser These wäre zu umfangreich für diese

Arbeit, und so beschränke ich mich auf eine Gegenüberstellung der schlegelschen

Forderungen mit dem Werk Caspar David Friedrichs und der Frage, ob dieses eine mögliche

Antwort darauf stellen kann.

Obwohl sich Schlegel zu einem für die Rezeption der Romantik wichtigen Kunstkritiker

aufgeschwungen hat und er und Caspar David Friedrich, dessen Gemälde wohl nicht nur in

meinen alten Schulbüchern den ,,Inbegriff der Romantik" verkörpern, direkte Zeitgenossen

sind (1772 ­ 1829 und 1774 ­ 1840), muss vorab gesagt werden, dass sie in keiner

persönlichen Beziehung zu einander stehen: Im Juli des Jahres 1798 treffen sich die

Frühromantiker des späteren

Jenaer Kreises

in Dresden, eine Begegnung, bei der ,,Die

1 Schlegel, Friedrich: Aufforderung an die Maler der jetzigen Zeit, in: Friedrich

Schlegel. Kritische Schriften, [Hrsg.] Wolfdietrich Rasch, München, 1956, S.

410.

2 Ebenda, S. 406.


4

Gemälde. Ein Gespräch" stattfindet, das später im

Athenäum II, 1, 1799

veröffentlicht wird ­

doch sie haben die Stadt bereits verlassen, als sich Friedrich im Oktober des selben Jahres in

Dresden niederlässt.3 ,,Direkte Kontakte zum Jenaer Kreis sind nicht nachweisbar", ebenso

wenig, ,,ob Friedrich mit dem frühromantischen Programm durch die Lektüre des

Athenäum

in Kontakt kam."4

Da auch im späteren Wirken kein persönlicher Kontakt Schlegels und Friedrichs zu finden

ist, kann ich mich als verbindenden Zusammenhang nur auf die ,,geistige

Ideenverwandtschaft" der romantischen Vertreter berufen, die für uns heute den zwar

vielschichtigen jedoch auch verbindenden Geist der Romantik ausmachen.

2 Friedrich Schlegel und seine Theorie zur Religion

Bevor ich zum eigentlichen Gegenstand der Arbeit, der Kunst, komme, werde ich zunächst

Friedrich Schlegels religiöse Theorie darlegen, die sich vom frühen Schöpfungsgeist, eine

neue, revolutionäre Religion zu schaffen bereits vor den späteren ,,Pariser-Jahren" zugunsten

einer Eingliederung in den Katholizismus grundlegend wandelt.

2.1 Streben nach dem Unendlichen

Friedrich Schlegels philosophische und ästhetische Ansichten entwickeln sich an seiner

Auseinandersetzung mit dem ,,Vernunft-Prinzip" der Aufklärung. Bereits in seiner frühen

Rezension zu Friedrich Heinrich Jacobis ,,Woldemar" von 1796 eröffnet er einen Diskurs

über das Verhältnis von Vernunft und Religion unter der Kritik, dass Vernunft, wenn sie zu

einem rein auf das Empirische reduzierten und abstrakten Kalkulieren wird, sie ,,die

Dimension des Göttlichen eliminiert".5

Durch diese Blickverengung, die unmittelbar zweckfixierte Vernunft absolut setzt, wird die

geistig-sinnliche Ganzheit des Menschen verschüttet ,,unter dem Aschenhaufen der Mode, der

3 Grütter, Tina: Melancholie und Abgrund. Die Bedeutung des Gesteins bei

Caspar David Friedrich. Ein Beitrag zum Symboldenken der Frühromantik,

Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 1986, S. 32.

4 Ebenda, S. 32.

5 Brauers, Claudia: Perspektiven des Unendlichen. Friedrich Schlegels

ästhetische Vermittlungstheorie, in: Philologische Studien und Quellen (Heft

139), [Hrsg.] H. Steger, H. Steinecke, H. Wenzel, Berlin: Erich Schmidt Verlag,

1996, S. 50.



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