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Genese und Grundpfeiler der Reformpädagogik im Kontext der gesellschaftspolitischen und ökonomischen Verhältnisse um die Jahrhundertwende

Scholary Paper (Seminar), 2008, 20 Pages
Author: André Schuhmann
Subject: Pedagogy - Reform Pedagogics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V117151
ISBN (E-book): 978-3-640-19342-4

File size: 514 KB
Notes :
Eine Hauptseminararbeit mit diversen Statistiken (Tabellen), selbstständig erstellten Abbildungen und einem umfassenden Literaturverzeichnis, sodass weiterführende Recherchen erleichtert werden!


Abstract

„Seelenmorde in den Schulen“. Mit dieser martialisch anmutenden Anklage erhebt die schwedische Pädagogin und Frauenrechtlerin Ellen Key (1849-1926) zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert schwere Vorwürfe gegenüber der damaligen Schulwirklichkeit (vgl. SKIERA 2003: 89ff.). Der Schulbetrieb wird als monoton, herzlos und geistlos charakterisiert; Schule zeichnete sich für die damaligen Schülerinnen und Schüler durch „Zwang, Öde, [und] Langeweile“ aus. Schule war eine Stätte, in der man die „Wissenschaft des nicht Wissenswerten in genau abgeteilten Portionen sich einzuverleiben hatte“, in der keinerlei Bezug auf die Lebenswirklichkeit oder die Schülerinteressen genommen wurde (vgl. ZWEIG o.J.: 108). Die Beseitigung dieser Missstände machten sich die vielen reformpädagogischen Denker dieser Epoche (ca. 1890-1930) zum Ziel. Namen wie Montessori, Lietz, Makarenko, Dewey, von Hentig, Neill oder Steiner sind eng mit ihren jeweiligen Erziehungs- und Schulkonzepten verknüpft und zeugen von der Relevanz, aber auch der pluralistischen, internationalen Formenfülle der Reformpädagogik, die als solche eigentlich nur schwerlich als ein Konzept verstanden werden kann. Vielmehr kann nur von einzelnen Reformlinien die Rede sein (vgl. SKIERA 2003: V), die unter dem Terminus der Reformpädagogik subsumiert werden (vgl. LENZEN 2005: 1302). Das Ziel dieser Arbeit ist es, eben diese verschiedenen Strömungen der Reformpädagogik auf einige charakterisierende, konstituierende Merkmale, bildlich gesprochen „einen gemeinsamen Nenner“, herunterzubrechen und sie vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Verhältnisse zu kontextualisieren. Dabei soll insbesondere die Kritik an der alten Kopf- und Buchschule verdeutlicht werden, bevor zum Abschluss dieser Arbeit die Grundpfeiler der reformpädagogischen Bewegung skizziert werden.


Excerpt (computer-generated)

Institut für Pädagogik

Ruhr-Universität Bochum

Lehrstuhl Vergleichende Erziehungswissenschaft

Seminar: Internationale Reformpädagogik

SS 08

Genese und Grundpfeiler der Reformpädagogik

im Kontext der gesellschaftspolitischen und ökonomischen

Verhältnisse um die Jahrhundertwende

André Schuhmann

1


INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

2

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

3

TABELLENVERZEICHNIS

3

1. Einleitung

4

2. Begriffsbestimmung ,,Reformpädagogik"

5

3. Gesellschaftspolitische und ökonomische Verhältnisse

um die Jahrhundertwende

6

3.1 Technologische Innovationen als Voraussetzung für die Industrialisierung

6

3.2 Migration und Urbanisierung

6

3.3 Qualitative Wandlungen in der Gesellschaft

8

4. "Zwang, Öde, Langeweile" ­ Die Ablehnung der Kopf- und Buchschule

11

5. Genese und Grundpfeiler der Reformpädagogik

12

6. Resumée

16

7. Literaturverzeichnis

17

2


ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1:

Mietskasernen im Schrägluftbild

8

Abb. 2:

Mietskasernen Innenansicht

8

Abb. 3

Kulturkritik in Lyrik und Kunst

10

Abb. 4:

Die Genese der Reformpädagogik

19

TABELLENVERZEICHNIS

Tab. 1:

Bevölkerungsentwicklung einiger ausgewählter Städte von 1800-1930

7

Tab. 2:

Verstädterung von 1830 bis 1925

7

Tab. 3:

Schwerpunkte der Reformpädagogik

15

3


1. Einleitung

,,Seelenmorde in den Schulen". Mit dieser martialisch anmutenden Anklage erhebt die

schwedische

Pädagogin

und

Frauenrechtlerin

Ellen

Key

(1849-1926)

zur

Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert schwere Vorwürfe gegenüber der

damaligen Schulwirklichkeit (vgl. SKIERA 2003: 89ff.). Der Schulbetrieb wird als monoton,

herzlos und geistlos charakterisiert; Schule zeichnete sich für die damaligen Schülerinnen

und Schüler durch ,,Zwang, Öde, [und] Langeweile" aus. Schule war eine Stätte, in der

man die ,,Wissenschaft des nicht Wissenswerten in genau abgeteilten Portionen sich

einzuverleiben hatte", in der keinerlei Bezug auf die Lebenswirklichkeit oder die

Schülerinteressen genommen wurde (vgl. ZWEIG o.J.: 108).

Die Beseitigung dieser Missstände machten sich die vielen reformpädagogischen Denker

dieser Epoche (ca. 1890-1930) zum Ziel. Namen wie Montessori, Lietz, Makarenko,

Dewey, von Hentig, Neill oder Steiner sind eng mit ihren jeweiligen Erziehungs- und

Schulkonzepten verknüpft und zeugen von der Relevanz, aber auch der pluralistischen,

internationalen Formenfülle der Reformpädagogik, die als solche eigentlich nur schwerlich

als

ein

Konzept verstanden werden kann. Vielmehr kann nur von einzelnen Reformlinien

die Rede sein (vgl. SKIERA 2003: V), die unter dem Terminus der Reformpädagogik

subsumiert werden (vgl. LENZEN 2005: 1302).

Das Ziel dieser Arbeit ist es, eben diese verschiedenen Strömungen der

Reformpädagogik auf einige charakterisierende, konstituierende Merkmale, bildlich

gesprochen ,,einen gemeinsamen Nenner", herunterzubrechen und sie vor dem

Hintergrund der damaligen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Verhältnisse zu

kontextualisieren. Dabei soll insbesondere die Kritik an der alten Kopf- und Buchschule

verdeutlicht werden, bevor zum Abschluss dieser Arbeit die Grundpfeiler der

reformpädagogischen Bewegung skizziert werden.

4


2. Begriffsbestimmung ,,Reformpädagogik"

Wie bereits in der Einleitung erläutert, ist eine begriffliche Differenzierung der

,,Reformpädagogik" aufgrund ihrer verschiedenen Strömungen nur schwer zu leisten.

Dennoch soll hier der Versuch einer Definition unternommen werden, um das Verständnis

der nachfolgenden Kapitel zu gewährleisten.

Der Terminus Reformpädagogik bezeichnet nach SCHRÖDER die von ,,ca. 1890 [bis

1933] durchgeführten Versuche der Verbesserung und Erneuerung des Schul- und

Bildungssystems" (SCHRÖDER 2001: 298). Die Erziehung in den Schulen sollte in

Hinblick auf die Forderungen Ellen Keys verstärkt ,,vom Kinde aus" gestaltet und ,,weniger

durch Repressalien und Intellektualismus bestimmt [werden]" (SCHRÖDER 2001: 298).

Nach SCHEIBE ist die reformpädagogische Bewegung als eine ,,Vielzahl von

pädagogischen Richtungen" innerhalb einer Gesamtbewegung aufzufassen, deren

gemeinsames Ziel die Umgestaltung des Erziehungs- und Bildungswesens auch ,,über

den Bereich der Schule hinaus" gewesen sei (vgl. SCHEIBE 1999: 2). RÖHRS geht noch

einen Schritt weiter, indem er der Reformpädagogik das Ziel der ,,Lebensreform"

unterstellt; so hätten sich die damals vorherrschenden Schulen durch den ,,Primat der

Wissensvermittlung" als ,,Lernschulen" ohne ausreichende ,,Menschenbildung" im Sinne

Pestalozzis (1746-1827) disqualifiziert (vgl. RÖHRS 1998: 21). SCHEIBE und RÖHRS

sehen neben der Kritik an den alten Kopf- und Buchschulen auch die kulturkritische

Bewegung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als "Untergrund" bzw. ,,Keimboden"

für die reformpädagogische Bewegung (vgl. SCHEIBE 1999: 5 & RÖHRS 1998: 25).

5



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