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Seminararbeit, 2007, 25 Seiten
Autor: M.A. Valentina Schmidt
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Tags: Kater, Ludwig, Tieck, Eine, Untersuchung, Elements
Jahr: 2007
Seiten: 25
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-19486-5
ISBN (Buch): 978-3-640-19500-8
Dateigröße: 157 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Tieck verschießt „Spöttereien rechts und links und nach allen Seiten wie leichte Pfeile“, beschreibt August Wilhelm Schlegel den satirischen Ton des Gestiefelten Katers. Damit ist sein Hauptcharakteristikum gegeben und diese „kecke mutwillige Posse“, die einen Grenzpunkt zwischen Tiefsinn und Unsinn und ein geistreichwitziges Spiel mit der Illusion darstellt, beschrieben. Ludwig Tiecks Drama ist als Initialstück der Romantik zu werten, in dem, nach einer rational ausgerichteten und an Vernunft orientierten Epoche der Aufklärung, Kunst, Künstler und Publikum zurück zum Fantastischen und Fantasievollen finden können. Klaus Günzel bezeichnet Tieck in seiner Biografie als einen „heiteren Geist“, der seine Schöpferkraft immer wieder an den „Widersprüchen der Epoche“ entzündet, womit er die Phase des Übergangs der Spätaufklärung in die Frühromantik bezeichnet. Tieck parodiert diese starren und rigiden Formulierungen der überzeugten Vertreter der Aufklärung im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich. Dass er sich dabei als passionierter Satiriker zeigt, soll im Verlauf dieser Arbeit deutlich werden, die das Drama unter eben diesem Aspekt analysieren wird. Als „das größte mimische Talent, das jemals die Bühne nicht betreten“ hat, wie Clemens Brentano Tieck feiert, installiert dieser seine Satire auf einer fiktiven Theaterbühne. Zu seinen Protagonisten gehören darüber hinaus die fiktiven Zuschauer im Parkett, die sich über das Geschehen auf der Bühne mokieren, während auf dieser das Stück selbst zum Diskussionspunkt wird. Damit entwickelt Tieck sein Stück auf differenzierten Spielebenen und mit mehreren Rollendimensionen, die die Illusion des Theaters zerstören, indem sie seinen Konstruktionscharakter entlarven. Der Gestiefelte Kater findet nach seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1793 großen Anklang und erreicht in Kürze sechs Auflagen. Tieck nimmt ihn fast zwanzig Jahre später auch in seinen Phantasus auf, eine Sammlung von Märchen, Erzählungen, Schauspielen und Novellen, wie dessen Untertitel verrät. [...]
Textauszug (computergeneriert)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Germanistisches Seminar
Wintersemester 2005/06
Hauptseminar: Romantik
Ludwig Tieck Der gestiefelte Kater
Eine Untersuchung des satirischen Elements
abgegeben am 17. März, 2008
von
Valentina Schmidt
9. Semester
Kunstgeschichte/ Germanistik
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Spielebenen 4
3. Charaktere 6
3.1. Kater 6
3.1.1. ,,Menschwerdung" des Katers 7
3.2. Dichter 9
3.3. Schauspieler 11
3.3.1. König und Prinzessin 11
3.3.2. Hanswurst und Leander 12
3.4. Publikum 14
4. Satire 17
4.1. Zeitsatire 17
4.2. Politische Satire 18
4.3. Theatersatire 19
4.4. Personalsatire 21
5. Fazit 22
6. Literatur 23
Primärtexte: 23
Sekundärliteratur: 23
2
1. Einleitung
Tieck verschießt ,,Spöttereien rechts und links und nach allen Seiten wie leichte
Pfeile"1, beschreibt August Wilhelm Schlegel den satirischen Ton des
Gestiefelten Katers
.
Damit ist sein Hauptcharakteristikum gegeben und diese ,,kecke mutwillige Posse"2, die einen
Grenzpunkt zwischen Tiefsinn und Unsinn und ein geistreichwitziges Spiel mit der Illusion
darstellt, beschrieben.3
Ludwig Tiecks Drama ist als Initialstück der Romantik zu werten, in dem, nach einer rational
ausgerichteten und an Vernunft orientierten Epoche der Aufklärung, Kunst, Künstler und
Publikum zurück zum Fantastischen und Fantasievollen finden können. Klaus Günzel
bezeichnet Tieck in seiner Biografie als einen ,,heiteren Geist", der seine Schöpferkraft immer
wieder an den ,,Widersprüchen der Epoche" entzündet,4 womit er die Phase des Übergangs
der Spätaufklärung in die Frühromantik bezeichnet. Tieck parodiert diese starren und rigiden
Formulierungen der überzeugten Vertreter der Aufklärung im gesellschaftlichen und
kulturellen Bereich. Dass er sich dabei als passionierter Satiriker zeigt, soll im Verlauf dieser
Arbeit deutlich werden, die das Drama unter eben diesem Aspekt analysieren wird.
Als ,,das größte mimische Talent, das jemals die Bühne nicht betreten" hat, wie Clemens
Brentano Tieck feiert5, installiert dieser seine Satire auf einer fiktiven Theaterbühne. Zu
seinen Protagonisten gehören darüber hinaus die fiktiven Zuschauer im Parkett, die sich über
das Geschehen auf der Bühne mokieren, während auf dieser das Stück selbst zum
Diskussionspunkt wird. Damit entwickelt Tieck sein Stück auf differenzierten Spielebenen
und mit mehreren Rollendimensionen, die die Illusion des Theaters zerstören, indem sie
seinen Konstruktionscharakter entlarven.
Der Gestiefelte Kater
findet nach seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1793 großen Anklang
und erreicht in Kürze sechs Auflagen.6 Tieck nimmt ihn fast zwanzig Jahre später auch in
seinen
Phantasus
auf, eine Sammlung von Märchen, Erzählungen, Schauspielen und Novellen,
wie dessen Untertitel verrät. Daneben finden sich hier weitere fantastische Motive verarbeitet,
1 Vgl. Kreuzer, Helmut: Nachwort. In: Tieck, Ludwig: Der gestiefelte Kater. Kindermärchen drei Akten. Mit
Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge. Hg. v. Helmut Kreuzer. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2001, S. 78.
2 Vgl. Schlegel, August Wilhelm: Über Ludwig Tiecks Komödie
Der gestiefelte Kater
(1797). In: Günzel, Klaus:
König der Romantik. Das Leben des Dichters Ludwig Tieck in Briefen, Selbstzeugnissen und Berichten. Berlin:
Verlag der Nation 1981, S. 150.
3 Vgl. Kreuzer 2001, S. 75.
4 Vgl. Günzel, Klaus: König der Romantik. Das Leben des Dichters Ludwig Tieck in Briefen, Selbstzeugnissen
und Berichten. Berlin: Verlag der Nation 1981, S. 10.
5 Vgl. Günzel 1981, S. 5f.
6 Vgl. Thalmann, Marianne: Provokation und Demonstration in der Komödie der Romantik. Berlin: Erich
Schmidt Verlag 1974, S. 37f.
3
wie etwa im
Ritter Blaubart
, dessen Stoff Tieck, genauso wie den des
Gestiefelten Katers
den
Contes de ma mère l′Oie
des französischen Dichtes Charles Perrault (1628-1703) entlehnt.
Den Sprung auf die ühne schafft der
Kater
zu seiner Zeit leider nicht, obwohl er eigentlich
für die Bühne geschrieben worden war. 1844 wird das Stück schließlich auf Befehl Friedrich
Wilhelm IV. im Potsdamer Schlosstheater aufgeführt, doch muss die Aufführung wegen
Unmut des Publikums abgebrochen werden. Erst 1921 kommt der
Gestiefelte Kater
unter der
Regie von Jürgen Fehling zu seinem Recht auf der Bühne,7 wo er fortan ,,auf dem Dache der
dramatischen Kunst herumspaziert."8
2. Spielebenen
Das Drama Tiecks ist auf mehreren Ebenen konzipiert. Zunächst ist das reale Publikum vom
tatsächlich existenten Theaterstück zu trennen und darüber hinaus das fiktive Publikum vom
fiktiven Spiel auf der Bühne innerhalb des Tieckschen Dramas. Indem das fiktive Spiel auf
der Bühne jedoch sich selbst thematisiert, wird eine weitere Ebene der Wahrnehmung
konstruiert. Fruchtbar für die Analyse dessen, wie das Drama gebaut ist, ist die Beobachtung
der Korrespondenz dieser Ebenen. So tritt das fiktive Publikum mit den fiktiven
Schauspielern auf der Bühne in Kontakt, es schaltet sich immer wieder in das Spiel auf der
Bühne ein und tritt teilweise sogar mit den Schauspielern in Dialog. Eine klare Grenze
zwischen den einzelnen Handlungssträngen ist somit nicht zu ziehen.
Beispielhaft ist dafür die Szene, in der der Schauspieler des Hanswurst sich direkt an das
Publikum wendet und es anspricht: ,,Meine Lieben deutschen Landsleute ",9 richtet er sein
Wort ins Parterre und betont dabei, dass seine Rede außerhalb des Geschehens auf der Bühne
stehe. Er entledigt sich damit seiner Theaterrolle und tritt mit dem Publikum auf einer neuen
Ebene in Kontakt. Sein Anliegen besteht darin das Publikum von der mangelnden Kompetenz
des Dichters zu überzeugen und es darüber aufzuklären, dass die Szene, die sie zuvor gesehen
hatten, nicht zum Schauspielstück selbst dazu gehört. Er bezieht sich hierbei auf einen Dialog
zwischen fiktivem Dichter und fiktivem Maschinist auf der Bühne, der die Illusion und
Konzentration des Publikums auf das Theatergeschehen stört. Von Wiesner kommt aus dem
Parterre schließlich das Schlüsselkommentar zu dieser Episode, sowie zum gesamten Werk
7 Vgl. Thalmann 1974, S. 37f.
8 Vgl. Schlegel, Friedrich: Die Krallen des Gestiefelten Katers. In: Günzel, Klaus: König der Romantik. Das
Leben des Dichters Ludwig Tieck in Briefen, Selbstzeugnissen und Berichten. Berlin: Verlag der Nation 1981, S.
150.
9 Vgl. Tieck, Ludwig: Der gestiefelte Kater. Kindermärchen drei Akten. Mit Zwischenspielen, einem Prologe
und Epiloge. Hg. v. Helmut Kreuzer. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2001, S. 42f.
4
auf der Bühne: ,,Gehört denn das zum Stück?"10 fragt er hier verwirrt. Denn genau dies ist für
das Publikum nicht mehr genau zu unterscheiden: die Schauspieler fallen aus ihren Rollen,
wie hier Hanswurst, und ,,Nicht-am-Stück-Beteiligte", wie Dichter und Maschinist, beginnen
daran durch ihre Aktionen auf der Bühne zu partizipieren.
Besonders der Maschinist erweist sich als Verbindungsoffizier zum Parterre, denn er agiert
nicht mehr hinter, sondern auf der Bühne. Nach Bedarf und Anfrage des Dichters illudiert und
desilludiert er das Publikum und tritt somit als Regisseur auf. Durch seine Figur, die des
Lampenputzers und die des Souffleurs wird der Charakter des ,,Gemachten" im Stück doppelt
sichtbar, der Illusionismus gesprengt und die Provokation und Demonstration des Spiels
gesteigert.11
Als weitere wesentliche Schlüsselstelle im Zusammenspiel der Ebenen ist die Disputation
zwischen Leander uns Hanswurst anzuführen. Leander vertritt die Ansicht, dass
Der
gestiefelte Kater
ein gutes Stück ist und Hanswurst die entsprechende Gegenposition. Hier
kommt der Stück-im-Stück-Charakter besonders stark zum Vorschein und der
Konstruktionscharakter des Werks wird entlarvt. Leander bezeichnet das Publikum im Stück
als ,,gut gezeichnet"12, woraufhin sich das Parterre mit dem Einwand regt, es würde sich gar
kein Publikum im Stück befinden. Das fiktive Publikum kann nicht reflektieren, dass es in
Wirklichkeit Teil eines Theaterspiels ist. Leander und Hanswurst hingegen besitzen die
,,höhere Kenntnis" von einem Theaterstück und können sich ihrer Rollen entledigen.
Weiterhin soll hier noch das Spiel des Katers als Kernpunkt angeführt werden, der sich als
Jäger verkleidet und so auch wiederum Schau spielt. Das Spiel des Schauspielers, der den
Kater gibt, wird dadurch potenziert und eine weitere Ebene des Spiels tritt auf. In den beiden
Zwischenakten, die neben Prolog und Epilog, zu den Dramenteilen gehören, die
ausschließlich dem Publikum zur Verfügung stehen, beobachtet und kommentiert Bötticher
aus dem Parterre diese zusätzliche Potenzierung des schauspielerischen Könnens. Unter den
Zuschauern erscheint er als der Einzige, der diese Feinheiten des Spiels deutlich erkennen
kann.
10 Vgl. Tieck 2001, S. 42.
11 Vgl. Thalmann 1974, S. 35.
12 Vgl. Tieck 2001, S. 49.
5
3. Charaktere
Im Folgenden Kapitel sollen die Figuren, wie sie in Tiecks Drama erscheinen charakterisiert
werden. Dadurch wird gezeigt, welche satirischen Mittel der Künstler einsetzt und welche
verschiedenen Arten von Satiren sich in diesem Werk ausfindig machen lassen.
Signifikant hierbei ist, und das ist typisch für die komische Behandlung von Stoffen, dass die
Charaktere des Stücks ohne jede Entwicklung bleiben. Sie werden nicht als Individuen,
sondern als Typen, vielmehr noch als Exemplare ihrer jeweiligen Gattung, gezeichnet.13 Um
diesen Effekt parodistisch zu übersteigern, bezieht Tieck Figuren innerhalb seines Werks
aufeinander. Diese stehen einander oft in sprachlichem und moralischem Kontrast gegenüber.
So setzt er zum Beispiel den schlauen Kater gegen den tölpelhaften Gottlieb ab oder stellt
dem Narren Hanswurst, den Hofgelehrten Leander gegenüber.14
3.1. Kater
Der Katers Hinze kann zu Recht als geistiger Gegenpol zu seinem Herrn Gottlieb benannt
werden. Er zeigt sich ihm nicht nur in seinem Intellekt überlegen, sondern lenkt darüber
hinaus auch noch dessen Schicksal. In seiner ersten Szene beginnt Hinze mit Gottlieb, wie
selbstverständlich, zu sprechen und beweist Argumentationsgeschick, indem er diesen davon
überzeugt, dass ein sprechender Kater nicht widernatürlich ist. ,,Wenn wir nicht im Umgang
mit den Menschen eine gewisse Verachtung gegen die Sprache bekämen, so könnten wir alle
sprechen,"15 erklärt er die Situation und erhebt damit seine tierische Gattung über die der
Menschen, der er sich offensichtlich überlegen fühlt. Auch seine geistige Vorherrschaft
gegenüber anderen Tiergattungen konstatiert er deutlich: Katzen wären viel zu klug, um sich
ihre Intelligenz oder ihr Sprachvermögen anmerken zu lassen. Würden Menschen davon
Kenntnis besitzen, fährt er mit seiner Argumentation fort, würden sie Katzen für sich arbeiten
lassen. Zur Untermauerung seiner Beweisführung führt Hinze Hunde und Pferde an, die
gemeinhin als intelligente Tiere gelten und deswegen als Arbeitstiere des Menschen fungieren.
Mit ,,Wir Katzen sind immer noch das freieste Geschlecht,"16 setzt er sich von Anfang an von
allen anderen Gattungen ab und räumt sich selbst eine Sonderstellung ein, die er im Verlauf
des Stücks beibehält.
13 Vgl. Beyer, Hans Georg: Ludwig Tiecks Theatersatire. Der gestiefelte Kater und ihre Stellung in der Literatur-
und Theatergeschichte. Stuttgart 1960. (Dissertation LMU München), S. 40.
14 Vgl. Kreuzer 2001, S. 79.
15 Vgl. Tieck 2001, S. 11.
16 Vgl. Ebd., 11f.
6
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