Essay, 2003, 16 Pages
Author: Dr. Phil. Kathrin Kiss-Elder
Subject: Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology
Details
Tags: Depression, Alter
Year: 2003
Pages: 16
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19545-9
ISBN (Book): 978-3-640-19555-8
File size: 115 KB
Depression im Alter ist eine oft viel zu unterschätzte StörungDepression im Alter ist eine oft viel zu unterschätzte Störung
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Abstract
Der Anteil älterer Menschen wächst kontinuierlich. Damit wächst auch ein Bewusstsein für Lebensqualität im Alter. Alter und Alterserscheinungen werden nicht mehr einfach hingenommen, sondern zunehmend als veränderbar, gestaltbar erlebt. Der Leidensdruck wird höher, die Leidensbereitschaft wird geringer, glücklicherweise. Um erfolgreich zu altern, braucht es offenbar vor allem vier Qualitäten: [...]
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Thema:
Depression im Alter
Fachbereich: Psychologie
Depression im Alter
Dr. Kathrin Kiss-Elder
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Epidemiologie 2
3. Besondere Probleme 4
4. Diagnostik 4
5. Definition 5
6. Die Altersdepression 7
7. GDS Geriatrische Depressions-Skala 9
8. Ursachen 10
9. Therapie 11
10.
Die Verhaltenstherapie nach Hautzinger 12
11.
Fazit 14
12.
Quellenverzeichnis 15
1. Einleitung
Der Anteil älterer Menschen wächst kontinuierlich. Damit wächst auch ein Bewusstsein
für Lebensqualität im Alter. Alter und Alterserscheinungen werden nicht mehr einfach
hingenommen, sondern zunehmend als veränderbar, gestaltbar erlebt. Der
Leidensdruck wird höher, die Leidensbereitschaft wird geringer, glücklicherweise.
Um erfolgreich zu altern, braucht es offenbar vor allem vier Qualitäten:
N einen Tätigkeits- und Aktivitätsspielraum.
N einen Entscheidungs- und Kontrollspielraum,
N einen Interaktions- und Kontaktspielraum und
N einen Anerkennungs- und Funktionsspielraum.
(s.a. Hautzinger, 2000, 32)
Aber erfolgreiches Altern ist wirklich nicht selbstverständlich:
2. Epidemiologie
Zuerst ein paar Zahlen zur Depression:
N 17% aller Deutschen leiden im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal an
einer Depression. Depressionen sind folglich eine Volkskrankheit.
N Bei Frauen treten Depressionen doppelt so häufig auf wie bei Männern.
Depression und Demenzen zählen nach der der WHO-Studie ,,Global Burden of
Disease" (MURRAY & LOPEZ 1997) zu den wichtigsten Krankheiten in den
entwickelten Ländern. In der folgenden Grafik wurde als zentraler Indikator für die
medizinische und gesundheitspolitische Bedeutung die Erkrankungsjahre pro
Bevölkerung gewichtet mit der Beeinträchtigung berücksichtigt.
2
Depression im Alter
Dr. Kathrin Kiss-Elder
Abbildung 1
(nach Hegerl, 2003)
Im höheren Alter treten Depressionen an sich nicht häufiger auf, als im
Erwachsenenalter. Dennoch existieren einige Faktoren, die Depressionen im Alter
auslösen können und die im Alter wahrscheinlicher auftreten dazu komme ich noch
bei der Schilderung der Altersdepression (s.a. careLounge, 2003).
Die Berliner Altersstudie (BASE) brachte bei einer repräsentativen Stichprobe von n =
516 unter Berücksichtigung von Probanden vom mittleren Alter bis 85 Jahre das
Ergebnis, dass 26,9% unter Depressionen bzw. depressiven Störungen leiden (s.a.
Btonline, 2004). Andere Studien nennen offenbarähnliche, teilweise allerdings
niedrigere Zahlen (s.a. Btonline, 2004).
Grundlegend scheinen sich Depressionen sich bei älteren Menschen in zunehmendem
Alter zu häufen, sinken ab 95 aber wieder ab. Leider steigen weiter Demenzen.
Referenzquelle ist auch hier die Berliner Altersstudie (s.a. Wernicke, Reischies und
Linden in Hegerl, Möller und Zaudig, 2001, 9).
Nach Btonline leiden ca. 11-18% der über 60jährigen an schweren Depressionen, 15%
an einer leichten Form der Krankheit. Bei Altenheimbewohnern wird die Zahl der
Betroffenen auf bis zu 50% geschätzt (s.a. Btonline, 2004).
Grundsätzlich zeigt sich, dass Depressionen mit einer Häufigkeit von 25% die weitaus
häufigste psychische Erkrankung im Alter ist s.a. Hautzinger, 2000, 14).
Gleichzeitig ist den Zahlen nur bedingt zu trauen: Die Zahl der an Depressionen
Leidenden kann höher liegen aufgrund dessen, dass
N
alte Menschen ihre Beschwerden bagatellieren
diese fehldiagnostiziert werden als Zeichen ,,normaler" Alterungsprozesse
N diese als Begleiterscheinung einer Krankheit angenommen und nicht behandelt
werden
N besonders das Nachlassen von Konzentration und Merkfähigkeit als normale
Alterserscheinung angenommen wird (s.a. Btonline, 2004).
Offenbar liegt die Nichterkennungsrate in der Allgemeinarztpraxis tatsächlich bei ca. 45
% (s.a. Btonline, 2004).
3
Depression im Alter
Dr. Kathrin Kiss-Elder
3. Besondere Probleme
Grundsätzlich gilt: Im Alter zeigen sich Depressionen nicht anders als in jungen Jahren
(s.a. Hautzinger, 2000, 3). Allerdings erschweren einige Begleiterscheinungen sowohl
Problembewusstsein, wie Diagnostik und Therapie:
Psychosoziale Systeme, die Depressionen vermutlich früher eher verhinderten,
Gemeinden, Familien, Vereine, existieren heute nur noch bedingt.
Es gibt kein ausreichendes Bewusstsein bei den Betroffenen und Angehörigen, kurz
gesagt: In der Bevölkerung, was eine Depression ist.
Psychische Beschwerden gelten als anrüchig und werden eher verschwiegen. Gerade
bei älteren Menschen finden wir eine tiefverwurzelte Scheu, psychotherapeutische
Hilfe anzunehmen. Etwas klarer formuliert: Viele Ältere wollen nicht zur Last fallen,
halten ihre Traurigkeit und ihre Einsamkeit für unabwendbar und tun nichts dagegen,
weil sie denken, dass man nichts dagegen tun kann.
Es gibt in der Bevölkerung kaum Wissen darüber, wie man psychotherapeutische Hilfe
akquirieren kann.
Auch professionelle Kontaktpersonen wie Ärzte oder Pfarrer, von denen ja durchaus
einige adäquate seelsorgerische Ausbildungen haben, erkennen Betroffene kaum und
sind selbst überfordert, entsprechende psychotherapeutische Hilfe zu vermitteln.
Hegerl schreibt dazu: ,,Dies ist besonders fatal für depressive Erkrankungen, da den
meisten Patienten durch eine konsequente Behandlung deutlich geholfen werden
könnte. Schätzungen gehen davon aus, dass nur ca. 10 Prozent aller depressiven
Patienten eine lege artis durchgeführte antidepressive Behandlung erhalten. Diese
Zahl dürfte insbesondere bei älteren depressiven Patienten noch niedriger liegen, da
hier die Diagnose und Therapie durch Faktoren wie Komorbidität und Multimedikation
schwieriger als im jüngeren Erwachsenenalter ist." (Hegerl, 2003)
Erschwerend kommt hinzu: Die Gerontopsychotherapie ist noch ein recht junges
Gebiet, es fehlt an adäquat ausgebildeten Kräften.
Der Häufigkeit und Schwere von Depressionen wird nicht immer ausreichend
Rechnung getragen (s.a. Hegerl, 2003). Doch Depressionen sind lebensgefährlich:
,,Gerade im höheren Alter sind Depressionen lebensgefährliche Erkrankungen durch
das mit dem Alter zunehmende Suizidrisiko und die negativen Einflüsse von
Depressionen auf andere somatische Erkrankungen wie kardiovaskuläre Erkrankungen
oder Diabetes mellitus. Die Fehleinschätzung einer depressiven Erkrankung bei einem
älteren, vielleicht multimorbiden Patienten als nachvollziehbare Reaktion auf die
betrüblichen Lebensumstände und eine nicht konsequent durchgeführte Behandlung
sind ein schwerer Fehler mit oft gravierenden Folgen für den Patienten." (Hegerl, 2003)
4. Diagnostik
Es erschwert die Diagnostik, dass Demenzen und Depressionen bei älteren Menschen
aus offenbar noch nicht bekannten Gründen oft gemeinsam auftreten (s.a. Hegerl,
2003). In diesem Fall ist es besonders schwer, eine Depression klar zu diagnostizieren.
Einen Versuch einer Abgrenzung wagt Hegerl:
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