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Das Liquiditätsrisiko in Banken und seine wachsende Bedeutung

Diploma Thesis, 2008, 54 Pages
Author: Sonja Büdel-Hartmann
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2008
Pages: 54
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 50  Entries
Language: German
Archive No.: V117187
ISBN (E-book): 978-3-640-19300-4
ISBN (Book): 978-3-640-19307-3
File size: 299 KB

Abstract

Das Liquiditätsrisiko ist das typischste aller Risiken eines Kreditinstitutes, das derzeit wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt. In jüngster Vergangenheit hat sich durch die aufsichtsrechtlichen Anforderungen im Rahmen von Basel II zur Kapitalausstattung das Hauptaugenmerk der Kreditinstitute verstärkt auf die Gegenpartei- und Marktrisiken gerichtet. Liquiditätsrisiken standen hingegen lange Zeit im Hintergrund der Betrachtung bankbetrieblicher Risiken. Liquidität galt als jederzeit verfügbar und die These „Die Liquidität folgt der Rentabilität beziehungsweise der Bonität“ 1 war weit verbreitet. Wollte man dieser These Glauben schenken, wäre die jederzeitige Zahlungsbereitschaft für ertragreiche Kreditinstitute sichergestellt. Die jüngsten Turbulenzen an internationalen Kapitalmärkten – mit besonderem Blick auf die Subprime-Krise2 – haben gezeigt, dass die Gültigkeit dieser These in Frage zu stellen ist. Die Subprime-Krise brachte weltweit einen Vertrauensverlust mit sich und viele Banken hatten plötzlich Probleme bei der Beschaffung der benötigten Liquidität. Die gestiegene Sensibilität für die Liquiditätsrisiken ist jedoch nicht nur auf die Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten zurückzuführen. Eine entscheidende Rolle spielen auch die methodischen Fortschritte, die eine genauere Quantifizierung und effizientere Steuerung der Liquiditätsrisiken ermöglichen, sowie die gestiegenen aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), die seit dem 1. Januar 2008 verbindlich von allen Kreditinstituten einzuhalten sind, enthalten neben generellen Vorgaben zum Risikomanagement in Kreditinstituten detaillierte Vorschriften für das Management von Liquiditätsrisiken. Als weiteres Regelwerk ist die zum 1. Januar 2007 in Kraft getretene Umwandlung des Grundsatzes II3 in die Verordnung über die Liquidität der Kreditinstitute (Liquiditätsverordnung) hervorzuheben.


Excerpt (computer-generated)

Das Liquiditätsrisiko in Banken und seine

wachsende Bedeutung

Diplomarbeit

Studienschwerpunkt Bank- und Finanzdienstleistungen

Studiengang Betriebswirtschaft

des Fachbereichs III: Wirtschaftswissenschaften

der Fachhochschule Mainz, University of Applied Sciences

Vorgelegt von:

Sonja Büdel-Hartmann

Eingereicht am:

12. Juni 2008



III

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV

ABBILDUNGSVERZEICHNIS V

1

Problemstellung und Vorgehensweise 1

2

Bezugsrahmen 3

2.1

Bankbetriebliche Risiken 3

2.2

Liquiditätsrisiken in Banken 6

3

Liquiditätsrisikosteuerung als Teil der Gesamtbanksteuerung 9

3.1

Ziele der Gesamtbanksteuerung und Liquiditätsrisikosteuerung 9

3.2

Aufsichtsrechtliche Behandlung des Liquiditätsrisikos 11

3.2.1

Empfehlungen des Baseler Ausschusses zur

Liquiditätssteuerung 12

3.2.2

Liquiditätsrisiken in Zusammenhang mit MaRisk 14

3.2.3

Liquiditätsverordnung 20

3.3

Messung und Steuerung von Liquiditätsrisiken 24

3.3.1

Klassische Ansätze 24

3.3.2

Neuere Konzepte 27

3.3.3

Bewertung der Liquiditätssteuerung in der Praxis 30

3.4

Funding und Liquiditätsausgleich von Banken im Finanzverbund 35

3.4.1

Liquiditätsrisikosteuerung im genossenschaftlichen

Finanzverbund 36

3.4.2

Liquiditätsrisikosteuerung in der Sparkassen-Finanzgruppe 39

3.5

Zusammenfassung 40

4

Fazit 42

LITERATURVERZEICHNIS VI


IV

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

AT

Allgemeiner

Teil

BaFin

Bundesanstalt

für

Finanzdienstleistungsaufsicht

BTO

Besonderer

Teil

Organisation

BTR

Besonderer

Teil

Risiko

EONIA

Euro OverNight Index Average

EURIBOR

Euro Interbank Offered Rate

EZB

Europäische

Zentralbank

KWG

Kreditwesengesetz

LaR

Liquidity

at

Risk

LVaR

Liquidity Value at Risk

LiqV

Liquiditätsverordnung

MaH

Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften

MaIR

Mindestanforderungen an die Ausgestaltung der internen Revision

MaK

Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft

MaRisk

Mindestanforderungen an das Risikomanagement

POT-Methode

Peaks-Over-Threshold-Methode

Tz.

Textziffer


V

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Arten von Liquiditätsrisiken 8

Abbildung 2: Überblick über nationale und internationale Liquiditätsregelungen 12

Abbildung 3: Verfahren der Liquiditätsverordnung 20

Abbildung 4: Beispiel zur Berechnung von Liquiditätskennzahl und

Beobachtungskennzahlen 22

Abbildung 5: Verteilung der teilnehmenden Institute nach Größenklassen 31

Abbildung 6: Aktuelle Bedeutung von Liquiditätsrisiken 31

Abbildung 7: Entwicklung der Bedeutung des Liquiditätsrisikomanagements

in den letzten Jahren 32

Abbildung 8: Beurteilung der Aufgaben des Liquiditätsrisikomanagements 34

Abbildung 9: Liquiditätsausgleich im Verbund 36


1

1

Problemstellung und Vorgehensweise

Das Liquiditätsrisiko ist das typischste aller Risiken eines Kreditinstitutes, das derzeit wie-

der zunehmend an Bedeutung gewinnt. In jüngster Vergangenheit hat sich durch die auf-

sichtsrechtlichen Anforderungen im Rahmen von Basel II zur Kapitalausstattung das

Hauptaugenmerk der Kreditinstitute verstärkt auf die Gegenpartei- und Marktrisiken

gerichtet.

Liquiditätsrisiken standen hingegen lange Zeit im Hintergrund der Betrachtung bankbe-

trieblicher Risiken. Liquidität galt als jederzeit verfügbar und die These ,,Die Liquidität folgt

der Rentabilität beziehungsweise der Bonität" 1 war weit verbreitet.

Wollte man dieser These Glauben schenken, wäre die jederzeitige Zahlungsbereitschaft

für ertragreiche Kreditinstitute sichergestellt. Die jüngsten Turbulenzen an internationalen

Kapitalmärkten ­ mit besonderem Blick auf die Subprime-Krise2 ­ haben gezeigt, dass die

Gültigkeit dieser These in Frage zu stellen ist. Die Subprime-Krise brachte weltweit einen

Vertrauensverlust mit sich und viele Banken hatten plötzlich Probleme bei der Beschaf-

fung der benötigten Liquidität.

Die gestiegene Sensibilität für die Liquiditätsrisiken ist jedoch nicht nur auf die Turbulen-

zen an den internationalen Kapitalmärkten zurückzuführen. Eine entscheidende Rolle

spielen auch die methodischen Fortschritte, die eine genauere Quantifizierung und effi-

zientere Steuerung der Liquiditätsrisiken ermöglichen, sowie die gestiegenen aufsichts-

rechtlichen Anforderungen.

Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), die seit dem 1. Januar

2008 verbindlich von allen Kreditinstituten einzuhalten sind, enthalten neben generellen

Vorgaben zum Risikomanagement in Kreditinstituten detaillierte Vorschriften für das

Management von Liquiditätsrisiken. Als weiteres Regelwerk ist die zum 1. Januar 2007 in

Kraft getretene Umwandlung des Grundsatzes II3 in die Verordnung über die Liquidität der

Kreditinstitute (Liquiditätsverordnung) hervorzuheben.

1 Stützel, 1983, S. 33; vgl. auch Meyer zu Selhausen, 2001, Sp. 1506

2 Die Subprime-Krise bezeichnet weltweite Verluste und Insolvenzen bei Finanzintermediären, die durch stagnierende bzw.

fallende Immobilienpreise ausgelöst wurden, während zeitgleich Kreditraten durch die Kreditnehmer nicht mehr bedient

werden konnten.

3 Der Grundsatz II der BaFin verpflichtete Kreditinstitute jederzeit ausreichende Zahlungsfähigkeit zu garantieren.


2

Eine wesentliche Neuerung der Liquiditätsverordnung stellt die Wahl zwischen zwei

unterschiedlichen Ansätzen dar. Während der Standardansatz weitgehend den

ehemaligen Grundsatz II regelt, erlaubt die neue Öffnungsklausel der

Liquiditätsverordnung den Instituten erstmals eigene Verfahren zur Bestimmung der

Liquiditätssituation anzuwenden. Diese Wahlmöglichkeit ist bereits in den Baseler

Regelungen für Markt-, Gegenpartei- und operationelle Risiken vorgesehen, stellt aber bei

den Liquiditätsrisiken eine internationale Neuerung in der Bankenaufsicht dar. Anders als

bei den genannten Risiken sind die aufsichtsrechtlichen Regelungen zum Liquiditätsrisiko

bislang auf internationaler Ebene kaum harmonisiert.

Ziel dieser Arbeit ist es, sich mit den Neuerungen in der aufsichtsrechtlichen Behandlung

der Liquiditätsrisiken inhaltlich auseinander zu setzen sowie klassische und neuere

Methoden zur Messung und Steuerung der Liquiditätsrisiken vorzustellen. Dabei soll

jeweils der Bezug zur bankbetrieblichen Praxis hergestellt werden.

Zu Beginn werden grundlegende Begriffe, die in dieser Arbeit von Bedeutung sind, defi-

niert und ein Überblick über die Hauptrisikoarten von Banken gegeben. Es wird der Begriff

der Liquidität erläutert und die verschiedenen Ausprägungen des Liquiditätsrisikos

betrachtet.

Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet Kapitel 3. In diesem wird die Liquiditätsri-

sikosteuerung als Teil der Gesamtbanksteuerung betrachtet. Dabei wird zunächst auf die

jeweiligen Ziele der Gesamtbanksteuerung und der Liquiditätsrisikosteuerung eingegan-

gen.

Aufgrund der Besonderheiten des Liquiditätsrisikos im Bankensektor, im Vergleich zu an-

deren Branchen, bestehen gesetzliche Bestimmungen zur aufsichtsrechtlichen Behand-

lung von Liquiditätsrisiken. Diese werden im Einzelnen aufgeführt und erläutert.

Anschließend wird auf die Methoden zur Messung und Steuerung von Liquiditätsrisiken

eingegangen. Im Zuge der qualitativ neuen Mindestanforderungen an das Risikomana-

gement (MaRisk) und die Vorschriften der Liquiditätsverordnung haben sich innovative

Ansätze entwickelt. Neben einfachen Messinstrumenten wie der Liquiditätsablaufbilanz

werden auch komplexere Systeme betrachtet. Dazu gehört u. a. der Liquidity at Risk, eine


3

Maßzahl zur Quantifizierung des Liquiditätsrisikos, die in Anlehnung an die Grundkonzep-

tion des Value at Risk-Ansatzes konzipiert wurde.

Auszüge einer Studie von Nils Moch und Stephan Schöning über das Liquiditätsrisiko-

management in kleineren Kreditinstituten sollen Aufschluss über die Bedeutung dieses

Risikos und die Anwendung der Mess- und Steuerungsverfahren in der Bankpraxis ge-

ben.

Abschließend wird das Funding und der Liquiditätsausgleich von Banken im Finanzver-

bund betrachtet. Die Liquiditätsrisikosteuerung im genossenschaftlichen Finanzverbund

wie auch in der Sparkassen-Finanzgruppe sollen dabei näher untersucht werden. Dort

sind durch die Modifizierung der Anstaltslast und den Wegfall der Gewährträgerhaftung im

Jahr 2005 wesentliche Änderungen eingetreten.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie einem

Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.

2

Bezugsrahmen

Ziel dieses Gliederungspunktes ist die detaillierte Darstellung des Liquiditätsrisikos im

Vergleich zu anderen branchentypischen Risiken. Im ersten Teil werden die bankbetriebli-

chen Risiken in die vier Hauptrisiken unterteilt und im Einzelnen dargestellt. Im zweiten

Teil werden der Begriff des Liquiditätsrisikos erläutert und die Besonderheiten des Liqui-

ditätsproblems im Bankensektor im Vergleich zu anderen Branchen aufgezeigt.

2.1 Bankbetriebliche Risiken

Durch die weite Verbreitung des Begriffs ,,Risiko" in den verschiedenen Wissenschaften

sind in der Literatur unterschiedliche Definitionen zu finden. In der vorliegenden Arbeit

wird der Begriff Risiko im engeren Sinne als negatives Ereignis definiert, das mit einer

bestimmten Wahrscheinlichkeit eintritt.



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