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Subtitle: Was ist die Aufgabe der Ethnologie?
Scholary Paper (Seminar), 2007, 26 Pages
Author: Anja Nikodem
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology
Details
Institution/College: University of Hamburg (Lateinamerikastudien )
Tags: Identität, Frauen, Chiapas, Gewalt, Wandel, Neuere, Forschungen, Ethnologie, Lateinamerikas
Year: 2007
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19724-8
File size: 90 KB
Das Seminar wurde im Bereich des Nebenfachstudiengangs Lateinamerikastudien angeboten. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Ethnologie.
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Abstract
Diese Hausarbeit ist auf Grund des Seminars Neuere Forschungen in der Ethnologie Lateinamerikas im Wintersemester 2006/07 entstanden. Wie können die neueren Forschungen nicht nur der ethnologischen Gemeinde dienen, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit? Zum Abzuschließen des Themas, verbinde ich diese Frage im letzten Absatz der Hausarbeit mit dem vorliegenden Thema. Bei der Themenfindung hat mich die Monographie Mayan Visions The Quest for Autonomy in an Age of Globalization von June Nash (2001) besonders beeinflusst. Innerhalb des marxistischen Ansatzes der politischen Ökonomie hat die Monographie zwei Schwerpunkte: Erstens behandelt sie indigene soziale Bewegungen und beschreibt, wie diese den Kurs der Globalisierung herausfordern. Hierbei sind die Chiapas-Maya ein Fallbeispiel einer ethnischen Gruppe, die auf den Globalisierungsprozess antworten. Zweitens ist das Buch eine kritische Darstellung der Herangehensweisen in Bezug auf den erwähnten Sachverhalt und die Kultur der Maya (Nash, 2001:27). Besonders hervorgehoben hat Nash dabei die Rolle der Frau, da dieser die Rolle als Reproduktorin der Kultur zufällt (Nash, 2001:20). Die Rolle der Frau beziehungsweise des Mannes ist für jede Gesellschaft neu zu definieren. Weiblich beziehungsweise männlich sind keine homogenen Kategorien, aber in geografisch eingegrenzten Regionen wie Chiapas, sind Frauen ähnlichen Einflüssen ausgesetzt, auf die sie individuell oder kollektiv reagieren. Durch das Leben unter ähnlichen Rahmenbedingungen teilen sie neben ihrer individuellen Identität auch einen kollektiven Kontext. [...]
Excerpt (computer-generated)
Universität Hamburg
Lateinamerikastudien
WiSe 06-07
Neuere Forschungen in der Ethnologie Lateinamerikas
Die Identität indigener Frauen in
Chiapas: Gewalt und Wandel.
- Was ist die Aufgabe der Ethnologie? -
Vorgelegt von:
Anja Nikodem
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung 4
2.) Indigene Frauen in Chiapas 6
3.) Wiederaufleben der Ethnizität 8
4.) Identität und Erfahrungsberichte 9
4.1.) Juana 10
4.1.1.) Kooperativen und Arbeit: 11
4.1.2.) EZLN: 12
4.2.) María die Auswirkungen der Gewalt im Leben der Frauen 15
4.3.) Ana und Guadalupe Möglichkeiten zum Wandel 17
5.) Wandel - Von der identidad de origen zur identidad ampliada 19
6.) Activist Anthropolgy 21
7.) Schlusswort - Wohin führt uns die Ethnologie? Wohin führen wir die Ethnologie? 22
8.) Quellenangaben 24
2
,,Um ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln zu können, braucht ein
Mensch eine Umgebung, Tätigkeit oder Beziehung, in denen er sich
positiv spiegeln, erkennen kann; einen kulturellen Raum, dessen
Wertungen ihn nicht nur negativ definieren, sondern eine positive
Wertung dessen, was der Betreffende macht und ist. [Das] beinhaltet
[...] einen
positiven kulturellen Raum
" (Nadig, 1992:34)
3
1.) Einleitung
Diese Hausarbeit ist auf Grund des Seminars
Neuere Forschungen in der Ethnologie
Lateinamerikas
im Wintersemester 2006/07 entstanden. Wie können die neueren Forschungen
nicht nur der ethnologischen Gemeinde dienen, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit?
Zum Abzuschließen des Themas, verbinde ich diese Frage im letzten Absatz der Hausarbeit
mit dem vorliegenden Thema.
Bei der Themenfindung hat mich die Monographie
Mayan Visions The Quest for
Autonomy in an Age of Globalization
von June Nash (2001) besonders beeinflusst. Innerhalb
des marxistischen Ansatzes der politischen Ökonomie hat die Monographie zwei
Schwerpunkte: Erstens behandelt sie indigene soziale Bewegungen und beschreibt, wie diese
den Kurs der Globalisierung herausfordern. Hierbei sind die Chiapas-Maya ein Fallbeispiel
einer ethnischen Gruppe, die auf den Globalisierungsprozess antworten. Zweitens ist das
Buch eine kritische Darstellung der Herangehensweisen in Bezug auf den erwähnten
Sachverhalt und die Kultur der Maya (Nash, 2001:27). Besonders hervorgehoben hat Nash
dabei die Rolle der Frau, da dieser die Rolle als Reproduktorin der Kultur zufällt (Nash,
2001:20).
Die Rolle der Frau beziehungsweise des Mannes ist für jede Gesellschaft neu zu
definieren. Weiblich beziehungsweise männlich sind keine homogenen Kategorien, aber in
geografisch eingegrenzten Regionen wie Chiapas, sind Frauen ähnlichen Einflüssen
ausgesetzt, auf die sie individuell oder kollektiv reagieren. Durch das Leben unter ähnlichen
Rahmenbedingungen teilen sie neben ihrer individuellen Identität auch einen kollektiven
Kontext.
Der Aufsatz bezieht sich zum größten Teil auf die weibliche Identität, aber diese ist
nicht der einzige Aspekt, der die Frauen prägt. So ist unter anderem die Ethnizität ein
wichtiger Faktor. Durch den Rahmen der Arbeit ist es nicht möglich eine vollständige
gender-
Studie, beruhend auf dem Aspekt der Maskulinität, der Feminität sowie der Sexualität
durchzuführen. In dieser Arbeit beziehe ich mich auf die femininen Aspekte. Dabei ist das
Ziel, wie Escobar es in seiner Monographie darstellt, die Frauen für sich selbst sprechen zu
lassen. Auch beziehe ich mich auf Escobar, da er davon spricht, eine neue
visibilidad
zu
finden, die nicht den westlichen Beobachter hat, der auf das passive Wesen der
chiapanekischen Frau schaut. Sondern eine
visibilidad
, die von der chiapanekischen Frau
selbst bestimmt ist und ihr Raum lässt, um sich zu artikulieren und um gehört zu werden
(Escobar, 1996:361).
4
Als Ansatz dienen mir Interviews aus der Dokumentation von Adriana Estrada
Tierra
de mujeres - Land der Frauen - indigene Frauen im Kampf für ein würdiges Leben in
Chiapas, Mexiko
(2003). Der Film zeigt wie die indigenen Frauen in Chiapas nach dem
Aufstand der EZLN (Ejercito Zapatista de Liberación Nacional) auf verschiedene Arten für
ein besseres Leben eintreten. Die Interviews habe ich transkribiert und der besseren
Lesbarkeit halber auf Grammatik und Orthographie hin korrigiert sowie Verdoppelungen
herausgekürzt. Ich beziehe mich vor allem auf zwei Hauptinformantinnen sowie auf zwei
weitere Kommentare. Anhand des ersten Interviews erläutere ich einige Faktoren, die im
Leben der chiapanekischen Frau eine wichtige Rolle spielen. Das zweite bezieht sich auf die
Gewalt, die im Leben der Frauen präsent ist, und die letzten beiden Interviews erklären
Ansätze, wie Frauen den sozialen Wandel herbeiführen können. Durch diese Interviews
nähere ich mich dann der Identität der chipanekischen Frau an.
Die Identität als Werkzeug der Analyse birgt auch Gefahren: Es ist unmöglich die
Komplexität einer Identität herauszuarbeiten. So kann es geschehen, dass eine Identität als
statisch, stigmatisierend oder diskriminierend dargestellt wird. Die beschriebene Identität ist
von außen aufgesetzt und spiegelt die Beobachtungen, Intentionen und Meinungen der
Autorin wieder. So beschreibt diese Arbeit zum einen das Individuum oder Kollektiv in der
Gesellschaft und zum anderen die Autorin sowie die Hersteller der Dokumentation. Die
Autorin ist diejenige, die das Individuum oder Kollektiv beobachtet und die verschiedenen
Dimensionen des Prozesses, in dem das Individuum beziehungsweise das Kollektiv, sich
wiedererkennt, analysiert. Diese Analyse hilft beim Verständnis der sozialen Realität
(Várguez Pasos, 1999:38f)
Durch den Aufbau der Arbeit stand mir nicht nur die bereits oben erwähnte Frage zur
Verfügung, sondern die Arbeit behandelt auch weiterhin, in welchen Maßen sich die
chiapanekische Gesellschaft gewandelt hat, da das Leben der Frau heute weniger von Gewalt
bestimmt ist und sie sich einen
positiven kulturellen Raum
schaffen kann.
Auch wenn ich mich in diesem Aufsatz auf die indigenen Frauen im vorrangig
ländlichen Bereich beziehe, ist zu bemerken, dass sowohl mestizische Frauen als auch Frauen
in den Städten
oft mit den selben Problemen, wie zum Beispiel der unfairen Behandlung
durch das Rechtssystem, zu kämpfen haben und sich deshalb untereinander
zusammenschließen (Eber/ Kovic, 2003a:2).
Durch meinen Aufenthalt in Mexiko war es mir möglich an ein breites Spektrum von
(mexikanischer) Literatur zu gelangen, die sich speziell auf Chiapas bezieht. Ein Problem bei
der Literaturrecherche war, dass mir in den meisten Fällen nur die spanische Übersetzung
5
zur Verfügung stand und nicht die Originalausgabe in Englisch. Dadurch wurde es mir
erschwert, aktuelle Literatur zu nutzen.
Neben der bereits erwähnten Monographie von June Nash beziehe ich zum einen auf
verschiedene Seminartexte, die mir den theoretischen Hintergrund in Bezug auf Ethnizität und
Identität erläutert haben. Mario Erdheim geht in dem Buch
Psychoanalyse und Unbewußtheit
(sic) in der Kultur Aufsätze 1980-1987
(1994) sowohl auf das Thema der Identität als auch der
Ethnizität ein. Auch die Einleitung zum Buch
Identidad, henequén y trabajo : los
desfibradores de Yucatán
(1999) von dem mexikanischen Ethnologen Luis A. Várguez Pasos
beschäftigt sich mit dem Thema Identität. In den Grundzügen widersprechen die beiden Texte
sich nicht. Der Aufsatz von Várguez Pasos ist aber detaillierter und aktueller. In Hinsicht auf
die Rolle der Frau ist neben dem Buch von Nash der Sammelband
Women of Chiapas Making
History in Times of Struggle
(2003), herausgegeben von Christine Eber und Christine Kovic,
zu beachten. Der Sammelband geht auf die Rolle der Frau im Allgemeinen ein und auf die
verschiedenen Themen, die das Leben der Frauen in Chiapas zeichnen. Hierbei sind
Schriftsteller aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen vertreten.
2.) Indigene Frauen in Chiapas
Im Bereich der
gender
-Studien gibt es verschiedene Auffassungen in Hinsicht darauf, wie
sich eine Geschlechteridentität konstruiert. Ich schließe mich der folgenden an. Geschlecht ist
nicht im essentialistischen Sinne einmalig gegeben, sondern für jede Gesellschaft neu zu
bestimmen. Auch innerhalb einer Gesellschaft sind feminin und maskulin keine homogenen
Kategorien und die
gender
-Identität wird nicht isoliert, sondern in Verbindung zu anderen
sozialen, politischen und ökonomischen Faktoren wahrgenommen. So werden zum einen
biologische Differenzen wahrgenommen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass nur die Frau
die Möglichkeit hat schwanger zu werden. Andererseits jedoch werden weiblich und
männlich auch im Laufe der Zeit konstruiert (Luig, 2003:313).
Innerhalb der mexikanischen Nation herrscht die größte Armut in Chiapas, wovon am
stärksten die indigenen Gemeinden betroffen sind. Frauen sind durch die wirtschaftlich-
politischen Geschehnisse besonders betroffen, da eine Entwicklung, die auf Industrialisierung
beruht, den Subsistenzsektor in den Nationen, die exportorientiert sind, verarmen lässt. Die
Rolle der Frau ist gezeichnet durch die Reproduktion der Kultur als Mutter, Hausfrau oder
Kleinbäuerin. So gehört die Frau vor allem dem Subsistenzsektor an. In ländlichen
Gemeinden hat die Arbeitsleistung der Frauen sich seit den 1980er Jahren verdoppelt bis
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