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Brian Friel’s “Translations”. Irish Drama and literature in transition: a new conscience of Irish culture and identity at the end of the 20th century

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Author: Matthias Schollmeyer
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V117265
ISBN (E-book): 978-3-640-19684-5
ISBN (Book): 978-3-640-19693-7
File size: 194 KB

Abstract

Wie im vergangenen Literatur-Hauptseminar zur Umwandlung, Geschichte und Reformation der irischen Dramen deutlich wurde, hat es gerade im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine Revolution im Denken und Wirken irischer Theater-Autoren (und dementsprechend in der Popularität ihrer Stücke) gegeben, die diese in noch stärkerem Maße mit einer eigenen irischen Identität ausstatteten und in ihrer Vielfalt sowie der Symbolhaftigkeit eine neue, modernere Epoche des irischen Dramas geprägt haben. Von besonderer Signifikanz war diese Entwicklung insbesondere deshalb, da dies auch in engem Zusammenhang mit Irlands Kolonisationshintergrund, seiner Unabhängigkeitsbestrebungen und dem Wunsch vieler Iren nach kultureller Eigenständigkeit, innenpolitischer Unruhen, aber auch dem wirtschaftlichem Ab - und Wiederaufstieg begründet liegt und erklärt werden muss. Denn dies ist es letztlich, was das irische Theater ausmacht – die Frage bzw. Hinterfragung irischer Identität und ihre Verarbeitung in der Dramenkultur Irlands: „Ever since Lord Mountjoy and Neale Moore watched Goroduc in Dublin Castle in the months before the Battle of Kinsale in 1601, Irish audience have brought into the theatre a concern with what it means to be Irish (or to be in Ireland, which is not necessarily the same thing).“ Doch gerade rückblickend auf die Theatergeschichte der vergangenen Jahrhunderte galt es für die Autoren der Dramen den Spagat zwischen den vorherrschenden Definitionen irischer Kultur, der Geschichte Irlands und der eigenen kreativen Freiheit zu finden, was sich nicht immer einfach gestaltete. Dies lässt sich in erster Linie durch eine fehlende Dramen- und Theaterkultur erklären, die erst durch die britische Kolonisation Einzug in die Kultur Irlands hielt. Es gab zwar bereits zu Beginn des Mittelalters vielschichtige Formen von öffentlichen Darbietungen, die zumeist die Rezitation von Geschichten und Gedichten umfassten, aber Theater in seiner Definition als religiös, gesellschaftskritisch, politisch oder auch nur ästhetisch ambitionierte Szenendarstellung und künstliche Kommunikationsform zwischen Darstellern und Publikum war dies nicht.


Excerpt (computer-generated)

Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

Institut für Fremdsprachliche Philologien

Wintersemester 2005/2006

Hauptseminar: Literature ­ Contemporary Irish Drama

Literature ­ Contemporary Irish Drama

Brian Friel′s "Translations". Irish Drama and literature in

transition: a new conscience of Irish culture and identity at the

end of the 20th century

Matthias Schollmeyer

Studiengang: Magister Anglistik, Politikwissenschaft

Fachsemester: 8. Fachsemester


Gliederung

1. Einleitung 3

2. Hauptteil 5

2.1 Die kulturelle Revolution Irlands ­ die Hintergründe 5

2.2 Das Abbey-Theatre und das Irish Literary Revival 9

2.3 Brian Friel ­ A new beginning 12

2.4

Translations

­ Analyse 14

3. Schlussfolgerung 21

4. Bibliographie 24

2


1. Einleitung

Wie im vergangenen Literatur-Hauptseminar zur Umwandlung, Geschichte und Reformation

der irischen Dramen deutlich wurde, hat es gerade im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine

Revolution im Denken und Wirken irischer Theater-Autoren (und dementsprechend in der

Popularität ihrer Stücke) gegeben, die diese in noch stärkerem Maße mit einer eigenen

irischen Identität ausstatteten und in ihrer Vielfalt sowie der Symbolhaftigkeit eine neue,

modernere Epoche des irischen Dramas geprägt haben. Von besonderer Signifikanz war diese

Entwicklung insbesondere deshalb, da dies auch in engem Zusammenhang mit Irlands

Kolonisationshintergrund, seiner Unabhängigkeitsbestrebungen und dem Wunsch vieler Iren

nach kultureller Eigenständigkeit1, innenpolitischer Unruhen, aber auch dem wirtschaftlichem

Ab2- und Wiederaufstieg begründet liegt und erklärt werden muss. Denn dies ist es letztlich,

was das irische Theater ausmacht ­ die Frage bzw. Hinterfragung irischer Identität und ihre

Verarbeitung in der Dramenkultur Irlands:

,,Ever since Lord Mountjoy and Neale Moore watched Goroduc in Dublin Castle in the
months before the Battle of Kinsale in 1601, Irish audience have brought into the theatre a
concern with what it means to be Irish (or to be in Ireland, which is not necessarily the same
thing)."

3

Doch gerade rückblickend auf die Theatergeschichte der vergangenen Jahrhunderte galt es für

die Autoren der Dramen den Spagat zwischen den vorherrschenden Definitionen irischer

Kultur, der Geschichte Irlands und der eigenen kreativen Freiheit zu finden, was sich nicht

immer einfach gestaltete. Dies lässt sich in erster Linie durch eine fehlende Dramen- und

Theaterkultur erklären, die erst durch die britische Kolonisation Einzug in die Kultur Irlands

hielt. Es gab zwar bereits zu Beginn des Mittelalters vielschichtige Formen von öffentlichen

Darbietungen, die zumeist die Rezitation von Geschichten und Gedichten umfassten, aber

Theater in seiner Definition als religiös, gesellschaftskritisch, politisch oder auch nur

ästhetisch ambitionierte Szenendarstellung und künstliche Kommunikationsform zwischen

1 ,,[...] Ireland′s principal national theatre movement was thought of as a sublimination of a failed nationalist

politics into a higher and more liberating form of cultural energy. [...] That was the unloosing of forces, the

disbanding of an army. In the quarrels that followed and the breaking of hopes, the imagination of Ireland had

been set free, and it looked for a homing place." Pilkington. Theatre and the state in twentieth-century Ireland.

1ff.

2 ,,All through the 1980s [and before] the country was beset by changes of government, ever-rising

unemployment, a new wave of emigration and a strong sense of entropy. The bright lights of Europe seemed at

times to be no more than will o′ the wisps, and yet focused national needs and hope in an ambiguous, tantalising

way." Murray. Twentieth-Century Irish Drama ­ Mirror up to Nation. 223

3 Morash. A history of Irish Theatre. 274

3


Darstellern und Publikum4 war dies nicht. Auch wenn bereits im 17. Jahrhundert erste

öffentliche Theatervorführungen in der heutigen Form und nach englischem/britischen

Vorbild stattfanden (den Anfang machte hier das öffentliche Theater in der Werburgh Street

in Dublin 1635)5, fehlte dem Theater der damaligen Zeit gewissermaßen die kollektive

Rezeption6, die Nähe zur realen Gesellschaft und damit die Nähe zu irischer Geschichte und

Identität.7. Denn egal wie sehr sich die Dramen-Autoren der letzten Jahrhunderte bemühten,

das irische Theater als eine neue Kunstform durch Anlehnung an irische Geschichte und

Mythologie der irischen Kultur anzupassen, galt das Theater in den klassischen Konventionen

und Definitionen irischer Identität und Vergangenheit weiterhin als zu künstlich und

konstruiert und wurde daher weitestgehend abgelehnt.

Grundlegend änderte sich dies erst mit dem

Celtic Revival

(auch als

Irish Literary Revival

bezeichnet), durch das Ende des 19. Jahrhunderts8 ein Wiederaufleben bzw. eine neue

Anerkennung der traditionellen irischen Literatur zu beobachten war, die vor allem Ausdruck

des Wunsches vieler Iren nach kultureller Eignständigkeit und Abgrenzung zur englischen

Kultur. Vor allem die Dramen und Stücke von Autoren wie Yeats, J.M. Synge und Sean

O′Casey waren es, die durch die verstärkte theatralische Verarbeitung der politischen

Situation Irlands symbolträchtig für das Wiederaufleben irischer Dramenkultur wurden.

Untrennbar ist diese Entwicklung auch mit dem

Abbey-Theatre

verbunden, das als Bühne für

viele neue irische Schriftsteller und Dramatiker von Ende des 19. Jahrhunderts bis heute

diente und das Fundament für den späteren, weltweiten Erfolg irischer Dramen und

Inszenierungen auf Weltniveau legten. Dennoch erklärt diese Entwicklung noch nicht die

literarische Revolution seit den 1960er Jahren, die, von Autoren wie Samuel Beckett, Hugh

Leonard, Brian Friel und Tom Murphy geprägt, ein neues irisches Nationaltheater von

Weltruhm schuf, es zu einer immensen kulturellen Attraktionen werden ließ und die

Auseinandersetzung mit Irlands Kulturgeschichte neu entfachte.

Im folgenden möchte ich mich daher dieser Entwicklung nähern, in dem ich kurz zur

Etablierung, Entwicklung und Darstellweise des Abbey-Theatres Stellung nehmen möchte,

um mich dann mit den neuen künstlerischen Konventionen irischen Dramas zu befassen, die

sich in ihrer Symbiose aus geschichtlicher Identität, politischer und kultureller Befreiung und

4 "Theater" - Metzler. J. B. Metzler Literaturlexikon. 460/461

5 Morash. Irish Theatre. 18ff.

6 "It is very extraordinary that we cannot discover any vestiges of the Drama amongst the remains of the Irish

Bards." Ibid 18

7 ,,Consequently, while almost every other aspect of Irish culture could claim an authenticating, pre-Conquest

genealogy, the theatre in Ireland was not only lacking in antiquity, it was a cultural form introduced ­ and, to a

certain extent, maintained ­ by the colonial administration in Ireland." Morash 324

8 bzw. durch die Gründung des Abbey Theatre 1904 als "School of Celtic and Irish dramatic literature".

Cormack. The Blackwell Companion to Modern Irish Culture. 5-7

4


Eigenempfinden anhand Brian Friels bekanntem Bühnenwerk ,,Translations" nachweisen

lassen. Dabei werde ich nicht nur die Schlüsselelemente der Dramenhandlung Friels eingehen,

sondern auch die dramatischen und sprachlichen Mittel von Friels Drama analysieren, die

diese Form des Theaters

typisch irisch

und damit einzigartig machen. Dies schließt

schlussfolgernd auch eine Betrachtung der verarbeiteten politischen und gesellschaftlichen

Umstände ein, die Friel konterkariert und kritisiert.

2. Hauptteil
2.1 Die kulturelle Revolution Irlands ­ die Hintergründe

Wie bereits eingangs erwähnt war die Revolution, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts in

Irland beobachten ließ9, Ausdruck der Wiedererweckung der irischen Identität und Kultur und

eines neues Bewusstseins für das Irische, d.h. Geschichte, Tradition, Sprache, Religion und

eigenes Kulturbewutßsein und erwuchs aus dem Bestreben sich von kulturellen Einflüssen des

protestantischen Erzfeindes England abzusondern und gegen die bestehenden

Diskriminierung der eigenen Kultur zu wenden10. Allen voran Sprache und Religion standen

daher für lange Zeit im Zentrum der Debatte über die Existenz einer eigenen irischen Kultur,

Gemeinschaft und Identität, bildete doch der Religionsstreit zwischen Protestanten und

Katholiken, aber vor allem auch die Einführung der englischen Sprache als offizielle Amts-

und Unterrichtssprache den Nährboden für die teilweise Infragestellung der Zukunft Irlands

allgemein aber auch für das Leben in Irland unter den Vorzeichen einer neuen, von England

bestimmten Ordnung. Diese auch in Brian Friels

Translations

vorzufindende Usurpation

Irlands, seiner Sprache und Kulturtradition hatte so teilweise zur Folge, dass das Irische11

mehr und mehr in Vergessenheit geriet und sich angesichts des Fortschrittsglaubens Vieler an

die importierte englische Kultur ein allgemeines Bewusstsein etabliert wurde, dass das Irische

rückständig und somit anachronistisch sei und Element, sowie Erklärungsursache der irischen

Misere seinen12. Rückblickend auf die irische Geschichte erscheint dies auch nicht weiter

9 Auch als die Irische Renaissance bzw. als Irish Revival bezeichnet

10 ,,Language and, even more crucially, religion, were the key elements of cultural discrimination in the great

convulsion of the sixteenth and seventeenth centuries, the outcome of which was the establishment of a

Protestant, overwhelmingly planter, new ruling class in Ireland, together with the triumph of the English

language, law and politico-administrative institutions throughout Ireland, and the defeat of the whole

institutional edifice of the Gaelic political and social order which had sustained and been mediated through the

Irish language." Tuathaigh. Language, ideology and national identity. 42ff.

11 Das kulturell Irische ­ sprich Tradition, Kultur, Sprache, Religion, Geschichte

12 ,,By the late eighteenth century, Irish was already considered the language of the past and of the poor; not only

by the planter society, but by the emerging Catholic middle class in town and countryside, who, while continuing

to use Irish in transactions or social intercourse with the lower orders, had themselves made the transition to

English as the language of their domestic as well as their public lives." Tuathaigh 42/43

5


erstaunlich, denn nachdem 1607 während des

Flight of the Earls13

die Reste des irischen

Adels größtenteils außer Landes geflohen waren, infolgedessen die traditionelle irisch-

gälische Kultur und Kunst keine gesellschaftliche und politische Basis mehr besaß, geriet die

klassische irische Literatur mehr und mehr in Vergessenheit. Jener Trend setzte sich mit dem

Beginn der industriellen Revolution in Irland ab dem späten 18. Jahrhundert und schließlich

dem

Act of Union

fort (siehe unten) fort, da durch den sprachlichen und kulturellen Einfluss

Englands, der die soziale und gesellschaftliche Struktur Irlands alterierte und zum größten

Teil auf die von England bestimmte Industrialisierungs-Ära zurückgeht (es kam zu einer

schnellen Entwicklung urbaner Umgebungen infolge der raschen industriellen Entwicklung

Irlands, wodurch sich der Trend zur Landflucht verstärkte und mehr und mehr Iren Englisch

als Sprache der Moderne und neuen Fortschritts lernten und ihre Kultur dem Englischen

anpassten), die irische Kultur nicht länger in diese Zeit zu passen schien. Sie galt vielmehr als

Kultur des Veralteten, des Rückschritts, veralteter Traditionen und Denkansätze und wurde

daher allgemein als Ursache der irischen Krise gesehen, was Teile der Bevölkerung durch

Katastrophen wie der

Great Potatoe Famine

, die vielen Menschen der ländlichen

Bevölkerung in den 1840er Jahren das Leben kostete, bestätigt sahen. Große Teile der

Bevölkerung sahen daher im Englischen bzw. in der importierten englischen Kultur eine Art

Befreiung ­ sowohl gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich - und etablierten Englisch

nicht länger nur als Wirtschafts- sondern auch als Umgangs- und Alltagssprache, die die

irische Sprache und damit auch Literatur und Kultur mehr und mehr verdrängte.

Hierbei spielte auch das veränderte Bildungssystem eine Rolle, das, aufgrund des Drucks der

britischen Administration, Englisch als alleinige Hauptunterrichtssprache etablierte und Irisch

als Unterrichtssprache verbot. Seit diesen, zwischen 1702 und 1719 erlassenen, Strafgesetzen

(Penal Laws)14, blieben die so genannten

Hedge Schools

, die oft im Verborgenen errichtet

wurden, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die einzigen (geduldeten) Schulen, in denen

irischen Kindern Kultur, Sprache und Religion ihres Landes näher gebracht werden konnte. In

einem ersten Schritt wurde es den

Primary Schools

offiziell seit 1900 zwar erlaubt, den

Unterricht in irische Sprache zu vollziehen, doch da die von der englischen Administration

13 "The year 1609 marks the start of the plantations of Ireland, starting under the rule of James I. English-

speaking Protestant settlers, mainly from Scotland, were settled in the rich farmlands. The largest and most

successful of these was the Ulster Plantation. The Irish-speaking Catholics native to the plantation areas were

evicted and displaced to less hospitable land. These plantation areas became almost exclusively English-

speaking. In 1633, the Cromwellian government cleared much of the Irish-speaking nobility of Leinster and

Munster and heavily settled these areas." Andrew Carnie. Modern Irish: A Case Study in Language Revival

Failure. <http://dingo.sbs.arizona.edu/~carnie/publications/PDF/Endangered.pdf>

14 "Amongst the ways to convert and civilise the Deluded People, the most necessary have always been thought

to be that a sufficient number of English Protestant Schools be erected, wherein the Children of the Irish Natives

should be instructed in the English Tongue and in the Fundamental Principles of the True Religion." John Walsh.

The Hedge Schools. Irish Society. <http://www.irish-society.org/Hedgemaster%20Archives/hedge_schools.htm>

6



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