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Philosophie in Russland im 19. Jahrhundert

Subtitle: Nur theoretische Interpretation oder auch praktische Veränderung?

Scholary Paper (Seminar), 2008, 19 Pages
Author: Elisabeth Adam
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century

Details

Event: Philosophie in Russland im 19. und 20. Jahrhundert
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Institut für Philosophie)
Tags: Philosophie, Russland, Jahrhundert, Philosophie, Russland, Jahrhundert
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V117394
ISBN (E-book): 978-3-640-19958-7
ISBN (Book): 978-3-640-20549-3
File size: 128 KB

Abstract

Obwohl Russland das größte Land der Welt ist, eine doch recht lange Geschichte aufweisen kann und vor allem einen durchaus nicht geringen Einfluss auf verschiedenste Bereiche wie Weltpolitik, Wirtschaft, Kultur usw. ausübt, ist die Philosophie Russlands – zumindest außerhalb Russlands – nicht sonderlich präsent und bekannt. Dennoch entwickelten sich dort schon früh eigene philosophische Denkweisen. In der Philosophie Russlands des 19. Jahrhunderts gibt es zahlreiche verschiedene Strömungen mit teils sehr unterschiedlichen Ausrichtungen. In dieser Arbeit sollen vier Texte verschiedener russischer Philosophen aus dieser Zeit untersucht werden. Das Hauptanliegen soll dabei sein, zu analysieren, ob die Philosophen nur interpretieren und kritisieren, oder ob sie auch Ansätze zur praktischen Lösung und Verbesserung erläutern. Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet also: Geben die Autoren Vorschläge für eine praktische Veränderung der, ihrer Meinung nach, misslichen Situationen? Grundlage für die Betrachtung und Fragestellung stellt die elfte These über Feuerbach von Karl Marx dar, in der er fordert, dass die Philosophen die Welt nicht mehr nur interpretieren, sondern sie verändern sollen. Zunächst sollen denn auch Marx' Thesen über Feuerbach – speziell die elfte – Erwähnung finden. Dabei soll unter anderem dargestellt werden wann die Thesen verfasst bzw. veröffentlicht wurden und worum es sich bei den Thesen handelt, schließlich soll auch die Besonderheit der elften These erläutert werden. Danach werden, wie bereits erwähnt, vier ausgewählte Texte (Russland und Europa von Danilewski, Briefe über das Studium der Natur von Herzen, Ethik. Ursprung und Entwicklung der Sittlichkeit von Kropotkin und Historische Briefe von Lawrow) untersucht. Hierbei sollen jeweils zuerst die Themen der Texte und die Anschauungen der Philosophen herausgearbeitet werden, bevor gegebenenfalls ihre praktischen Lösungsansätze geschildert werden. In einem Fazit sollen schließlich die Ergebnisse hinsichtlich der oben genannten Fragestellung zusammengefasst und schließlich eine Antwort auf die Frage gefunden werden.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Philosophie

Mittelseminar: Philosophie in Russland im 19. und 20. Jahrhundert

Sommersemester 2008

30.09.2008

Philosophie in Russland im 19. Jahrhundert

­ nur theoretische Interpretation oder auch praktische

Veränderung?

Elisabeth Adam

Iberoromanische Philologie 8 / Philosophie 4


Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung 1

2

Elfte These über Feuerbach 2

3

Danilewski ­ Russland und Europa 3

3.1

Grundlage: Definition kulturhistorischer Typen 4

3.2

Problem: Russland vs. Europa 5

3.3

Lösung: Der allslawische Bund 5

3.3.1

Begründung der Notwendigkeit des allslawischen Bundes 5

3.3.2

Umsetzung des allslawischen Bundes 6

4

Herzen ­ Briefe über das Studium der Natur 7

4.1

Problem: Veralteter Antagonismus zwischen Naturkunde & Philosophie 7

4.2

Lösung: Beseitigung des Antagonismus 9

5

Kropotkin ­ Ethik. Ursprung und Entwicklung der Sittlichkeit 9

5.1

Problem: Unzulängliche Ethik-Theorien 9

5.2

Lösung: Eine neue realistische Ethik natürlichen Ursprungs 10

6

Lawrow ­ Historische Briefe 12

6.1

Grundlage: Erläuterung des Fortschrittsbegriffs 12

6.2

Problem: Notwendigkeit von Fortschritt 13

6.3

Lösung: aktiver Beitrag zum Fortschritt 13

7

Fazit 15

8

Bibliographie 16


1

Einleitung

Obwohl Russland das größte Land der Welt ist, eine doch recht lange Geschichte aufweisen

kann und vor allem einen durchaus nicht geringen Einfluss auf verschiedenste Bereiche wie

Weltpolitik, Wirtschaft, Kultur usw. ausübt, ist die Philosophie Russlands ­ zumindest

außerhalb Russlands ­ nicht sonderlich präsent und bekannt. Dennoch entwickelten sich dort

schon früh eigene philosophische Denkweisen.

In der Philosophie Russlands des 19. Jahrhunderts gibt es zahlreiche verschiedene

Strömungen mit teils sehr unterschiedlichen Ausrichtungen. In dieser Arbeit sollen vier Texte

verschiedener russischer Philosophen aus dieser Zeit untersucht werden. Das Hauptanliegen

soll dabei sein, zu analysieren, ob die Philosophen nur interpretieren und kritisieren, oder ob

sie auch Ansätze zur praktischen Lösung und Verbesserung erläutern.

Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet also: Geben die Autoren Vorschläge für eine

praktische Veränderung der, ihrer Meinung nach, misslichen Situationen?

Grundlage für die Betrachtung und Fragestellung stellt die elfte These über Feuerbach von

Karl Marx dar, in der er fordert, dass die Philosophen die Welt nicht mehr nur interpretieren,

sondern sie verändern sollen.

Zunächst sollen denn auch Marx′ Thesen über Feuerbach ­ speziell die elfte ­ Erwähnung

finden. Dabei soll unter anderem dargestellt werden wann die Thesen verfasst bzw.

veröffentlicht wurden und worum es sich bei den Thesen handelt, schließlich soll auch die

Besonderheit der elften These erläutert werden. Danach werden, wie bereits erwähnt, vier

ausgewählte Texte (

Russland und Europa

von Danilewski,

Briefe über das Studium der Natur

von Herzen,

Ethik. Ursprung und Entwicklung der Sittlichkeit

von Kropotkin und

Historische

Briefe

von Lawrow) untersucht. Hierbei sollen jeweils zuerst die Themen der Texte und die

Anschauungen der Philosophen herausgearbeitet werden, bevor gegebenenfalls ihre

praktischen Lösungsansätze geschildert werden. In einem Fazit sollen schließlich die

Ergebnisse hinsichtlich der oben genannten Fragestellung zusammengefasst und schließlich

eine Antwort auf die Frage gefunden werden.

- 1 -


2

Elfte These über Feuerbach

Bei den

Thesen über Feuerbach

handelt es sich um eine Zusammenfassung der

materialistischen Anschauungen von Karl Marx1 (Blum

1997

, 243).

Marx verfasst sie im Jahr 1845 unter der Überschrift

I. ad Feuerbach

als persönliche

Aufzeichnungen in einem seiner Notizbücher. Erst posthum werden die elf Thesen 1888 durch

Friedrich Engels unter dem Namen

Marx über Feuerbach

als Anhang zu seiner Abhandlung

Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie

veröffentlicht

(Labica

1998

, 5-6). Um sie den Lesern verständlicher zu machen überarbeitet Engels die

Thesen jedoch vor der Veröffentlichung, denn er sieht sie als ,,Notizen für spätere

Ausarbeitung, rasch hingeschrieben, absolut nicht für den Druck bestimmt, aber unschätzbar

als das erste Dokument, worin der geniale Keim der neuen Weltanschauung niedergelegt ist."

Aufgrund dieser Änderungen sind heute zwei unterschiedliche Fassungen des Textes bekannt,

eben die ursprüngliche von Marx und die überarbeitete von Engels. (Labica

1998

, 6 & 9-10).

Mit den Thesen kritisiert Marx das Konzept von Ludwig Feuerbach, dessen Anhänger er

eigentlich ist. Noch ein Jahr vor der Abfassung seiner Thesen schreibt er die, stark von

Feuerbach geprägten, Pariser Manuskripte, wechselt hiernach jedoch seinen Standpunkt. Er

geht nun davon aus, dass Feuerbachs ,,Methode der Subjekt-Objekt-Umkehrung" nicht dem

Anspruch genügt ,,die Grundlage einer kritischen Theorie der bürgerlichen Zivilisation und

der sozialistischen Transformation zu bieten."2 (Irrlitz

1996

, 33) Marx kritisiert, dass der alte

Materialismus Sinnlichkeit und Praxis trennt und nur anschauend sei, da man seiner Meinung

nach praktisch handeln muss um eine Gesellschaft als Wirklichkeit zu verstehen (Labica

1998

, 85 & 90; Marx, MEW 3, 5-7).

Wie bereits erwähnt besteht der von Marx verfasste Text aus elf Thesen, die, wie Georges

Labica meint, in vier Argumentationsgänge unterteilt werden können. Für Labica steht die

erste These unter dem Begriff der Tätigkeit. In ihr stellt Marx klar, dass der bisherige

Materialismus mangelhaft ist und beschreibt Rahmen und Begrifflichkeiten der folgenden

Anmerkungen (Labica

1998

, 21 & 25). Der zweite Argumentationsgang, der die Thesen zwei

bis sieben umfasst, wird von Labica Verdopplungsprozess genannt. In ihm werden die erste

These und damit die in ihr verwendeten Begriffe näher erläutert und speziell der

Feuerbachsche Materialismus kritisiert (Labica

1998

, 21, 41 & 67). Die nächsten drei Thesen

unterstellt Labica dem Begriff der Praxis, da hier die Konsequenzen, die sich aus den

1 Karl Marx: deutscher Philosoph, 1818-1883 (Blum

1997

, 240).

2 Zur Subjekt-Objekt Struktur: Bei Feuerbach: Geist ist Subjekt des Menschen; neues Konzept bei Marx:

Mensch ist Subjekt von Geist und Gefühl (Irrlitz 1996, 33).

- 2 -



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