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Magisterarbeit, 2000, 142 Seiten
Autor: Björn Hoffmann
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Details
Tags: Nationalsozialismus, Faschismus, Pressegeschichte, Rundfunkgeschichte, Deutsche Geschichte, Italienische Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Massenmedien, Propaganda, Zensur, National Sociali
Jahr: 2000
Seiten: 142
Note: 1,8 (gut)
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-10736-5
ISBN (Buch): 978-3-640-13373-4
Dateigröße: 925 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Wie konnte der Nationalsozialismus die Zustimmung der Massen zu seiner Politik gewinnen und langfristig sichern, welche Mittel und Maßnahmen musste er nach seiner „Machtergreifung” einsetzen, um seine ideologischen Vorstellungen und Paradigmen gegenüber der Gesellschaft durchzusetzen? Inwieweit war er auf systematische Manipulationen der öffentlichen Meinung angewiesen? Oder auf welche Selbstanpassungsmechanismen und Selbstzensurmaßnahmen der Bevölkerung konnte er bauen, um seine politische Linie durchzusetzen? Die vorliegende Arbeit, die bereits im Jahr 2000 als Magisterarbeit an der Humboldt-Universität in Berlin entstand, versucht diese Fragen anhand eines historischen Vergleiches zu beantworten, indem sie die institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Lenkungsversuche des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus gegenüber der Tagespresse und dem Radio vergleicht und entsprechend historisch einordnet.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Magisterarbeit
Die Tagespresse und der Rundfunk
im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus im Vergleich
Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
eines Magister Artium (M.A.)
Philosophische Fakultät I
Institut für Geschichtswissenschaft
Björn Hoffmann
eingereicht: 30.8.2000
Man frage nicht, was all die Zeit ich machte.
Ich bleibe stumm;
und sage nicht, warum.
Und Stille gibt es, da die Erde krachte.
Kein Wort, das traf;
man spricht nur aus dem Schlaf.
Und träumt von einer Sonne, welche lachte.
Es geht vorbei;
nachher war′s einerlei.
Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.
Karl Kraus, 1933.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung ... 4
Abstract ... 6
1 Einleitung ... 7
1.1 Vom typologischen Faschismusvergleich zu einer vergleichenden Faschismusforschung ... 8
1.2 Gegenstand des Vergleiches: Die Tagespresse und der Rundfunk ... 12
1.3 Einführung in den Forschungsstand ... 15
1.4 Vergleichs- und Arbeitshypothesen ... 26
2 Die Tagespresse im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus ... 30
2.1 Chaotische Überorganisation der Presselenkung im Nationalsozialismus ... 31
2.2 Entwicklungsdiktatorische Presselenkung im italienischen Faschismus ... 48
2.3 Vom Vorbild zum konkurrierenden Imitator: Vergleich und Beziehungen ... 64
3 Der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus ... 69
3.1 Der Mythos einer Rundfunkrevolution: Fortgesetzte Zentralisierung und anhaltender Aufstieg des Rundfunks im Nationalsozialismus ... 70
3.2 Entwicklungsdiktatorische Instrumentalisierung des Rundfunks im italienischen Faschismus ... 87
3.3 Ideologische Rigorosität als Trennlinie zwischen Faschismus und Nationalsozialismus: Vergleich und Beziehungen ... 103
4 Ergebnisse und Forschungsdesiderate ... 109
Abbildungen und Tabellen:
Abbildung 1: Die Organisation der nationalsozialistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre ... 120
Abbildung 2: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 20er Jahre ... 121
Abbildung 3: Die Organisation der faschistischen Presse- und Rundfunklenkung in Staat, Partei und Berufsstand Ende der 30er Jahre ... 122
Tabelle 1: Die Tageszeitungen im Nationalsozialismus ... 123
Tabelle 2: Die Tageszeitungen im italienischen Faschismus ... 124
Tabelle 3: Die Reichweite des Radios im Nationalsozialismus ... 125
Tabelle 4: Die Reichweite des Radios im italienischen Faschismus ... 126
Abkürzungsverzeichnis ... 127
Glossar (italienisch-deutsch) ... 128
Literaturliste ... 129
Zusammenfassung
Wie konnte der Nationalsozialismus die Zustimmung der Massen zu seiner Politik gewinnen und langfristig sichern, welche Mittel und Maßnahmen musste er nach seiner "Machtergreifung" einsetzen, um seine ideologischen Vorstellungen und Paradigmen gegenüber der Gesellschaft durchzusetzen? Inwieweit war er auf systematische Manipulationen der öffentlichen Meinung angewiesen? Oder auf welche Selbstanpassungsmechanismen und Selbstzensurmaßnahmen der Bevölkerung konnte er bauen, um seine politische Linie durchzusetzen?
Die vorliegende Magisterarbeit versucht diese Frage anhand eines historischen Vergleiches zu beantworten, indem sie die institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Lenkungsversuche des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus gegenüber der Tagespresse und gegenüber dem Radio vergleicht und entsprechend historisch einordnet.
Dem methodischen Ansatz des Vergleiches folgend, der darüber hinaus auch theoretisch eingehend beleuchtet wird, geht die Arbeit dabei über einen rein parallel beschreibenden Ansatz hinaus, indem sie wechselseitige Impulse, ideologische Transformationen und technisch-materielle Transferleistungen der beiden diktatorischen Systeme aufzeigt. Die Arbeit gelangt dabei zu dem Ergebnis, dass die tiefgreifenden inhaltlichen und institutionellen Zensurmaßnahmen des italienischen Faschismus gegenüber der Tagespresse die Politik des deutschen Nationalsozialismus im Prinzip vorwegnahmen und in weiten Teilen in seiner Entstehung sogar beeinflussten, aber selbst erst durch die zeitlich spätere "Machtergreifung" des Nationalsozialismus erheblich radikalisiert wurden. Der Versuch, einen möglichst effizienten staatlichen Zensur- und Überwachungsapparat aufzubauen, geriet schließlich sogar zu einem innerfaschistischen Wettlauf, aus dem der Nationalsozialismus freilich als zweifelhafter Sieger hervorging. Am Ende der nationalsozialistischen Herrschaft hatte das Regime die traditionell liberale Zeitungslandschaft in Deutschland so grundlegend zerschlagen, dass die Auswirkungen bis heute zu erkennen sind.
Auch in den Maßnahmen zur Rundfunkpolitik ist dieses grundlegende Strukturmuster gegenseitiger Beeinflussung und Radikalisierung zwischen italienischem Faschismus und deutschem Nationalsozialismus zu erkennen, auch wenn der italienische Faschismus die Bedeutung des Radios als hoch emotionalisierendes Propagandamittel zunächst unterschätzte. Erst nach den erfolgreichen radiopolitischen Maßnahmen des unter Goebbels in Deutschland neu geschaffenen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda setzte der italienische Faschismus zu einer ähnlich gearteten Radiopolitik an, die es sich zum erklärten Ziel gesetzt hatte, das ganze Volk in einen ideologischen "Klangkörper" zu verwandeln.
Die Arbeit wurde als Forschungsüberblick angelegt und trägt alle einschlägigen Forschungsergebnisse der italienischen und deutschen historischen Forschung aus 50 Jahren zusammen, wobei sie insbesondere auch die Ergebnisse aus den einschlägigen Nachbardisziplinen wie der Publizistik und der Kulturwissenschaften miteinbezieht. Schlagwörter:
Nationalsozialismus, Faschismus, Pressegeschichte, Rundfunkgeschichte, Deutsche Geschichte, Italienische Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Massenmedien, Propaganda, Zensur
Abstract
How could the German National Socialism and the Italian Fascism win the consent of the masses to their politics, how did they carry their ideological ideas and paradigms into the society? How far were the systematically manipulations of the public opinion? Or where could we draw the line between conformity and censorship to understand this part of history?
This work tries to answer this questions with a historical comparison of two dictatorial systems - Nazi Germany and Mussolini′s Italy - and their propaganda politics in the field of daily press and early radio.
The work comes to the conclusion, that the far-reaching institutional and economic censorship in Italy was a direct model for the German National Socialism. But after establishing the dictatorship in Germany the radicalization of the politics against the daily press and the radio increased, not only in Germany but also in Italy as a direct result of the "seizure of power" of Adolf Hitler. So that the model "Italian Fascism" turned into an imitation of Nazi Germany.
In the end there was a fully controlled daily press and radio in both countries, radicalized by the war and with little spaces for opposing opinions. We can see some of this structural results even today. Keywords:
National Socialism, Fascism, Press, Radio, German History, Italian History, 20th Century, Propaganda, Mass Media, Censorship
1 Einleitung
Die hier vorliegende Arbeit wird die Tagespresse und den Rundfunk im italienischen Faschismus und im deutschen Nationalsozialismus hinsichtlich ihrer staatlichen und wirtschaftlichen Organisation und ihrer ideologischen, gesellschaftlichen und propagandistischen Instrumentalisierung in vergleichender Perspektive darstellen. Dabei wird die Einleitung der Arbeit die Aufgabe haben zu begründen, warum sich nach sechs Jahrzehnten der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem italienischen Faschismus eine weitere Erforschung des Phänomens des Faschismus nach wie vor lohnt und warum der methodische Zugriff des Vergleichs dabei von zentraler Bedeutung ist. Dies soll in Kapitel 1.1 geleistet werden.
Die Einleitung wird aber auch der Frage nachzugehen haben, warum für den Vergleich zwischen italienischem Faschismus und Nationalsozialismus zwei spezielle, aber für das »erkenntnisleitende Interesse« zentrale Themen ausgewählt wurden, nämlich die Tagespresse und der Rundfunk. Kapitel 1.2 wird daher den Untersuchungsgegenstand der Arbeit hinsichtlich dieser Fragestellung transparent machen.
Kapitel 1.3. und 1.4 werden die vergleichende Darstellung des Rundfunk- und Pressewesens unter faschistischer bzw. nationalsozialistischer Herrschaft insofern vorbereiten, als daß hier sowohl eine Einführung in den Forschungsstand gegeben wird (Kapitel 1.3), als auch die der Arbeit zugrunde liegenden Vergleichs- und Arbeitshypothesen dargestellt werden (Kapitel 1.4).
Die Kapitel 2 und 3 schließlich beinhalten die eigentliche Darstellung der Presse- und Rundfunkentwicklung unter faschistischer bzw. nationalsozialistischer Herrschaft, wobei der Vergleich, der zum Teil auch immer schon in der Darstellung selber präsent sein wird, in je eigenen Kapiteln behandelt und bewertet werden wird.
Eine abschließende Zusammenfassung wird das vierte Kapitel enthalten, das neben einer Bewertung der Vergleichsergebnisse auch die aus der vergleichenden Darstellung gewonnenen Forschungsdesiderate aufzeigen wird.
1.1 Vom typologischen Faschismusvergleich zu einer vergleichenden Faschismusforschung
Die Bemühungen in der Geschichtswissenschaft, vergleichende Arbeiten anzufertigen, haben in der Vergangenheit eine verstärkte Konjunktur erlebt. Zahlreiche Arbeiten sind dabei gerade in jüngster Zeit entstanden, wobei sich das theoretische und methodische »Rüstzeug« des Historikers in dieser Hinsicht zunehmend geschärft hat.1 Das trifft gerade auch für die vergleichende Faschismusforschung zu, innerhalb derer es in den letzten Jahren vermehrt zu Forschungsergebnissen gekommen ist.2
Diese Konjunktur ist nicht selbstverständlich, schienen doch noch in den 80er Jahren zumindest für die Zeit des Nationalsozialismus vergleichende Ansätze als wenig fruchtbar, jedenfalls so weit sie totalitarismustheoretische3 oder faschismustheoretische4 Ansätze betrafen. Der Historikerstreit von 1986ff hatte daher noch mit der eindeutigen Meinung in der Öffentlichkeit geendet, daß die Singularität der nationalsozialistischen Judenvernichtung letztlich einen Vergleich des Nationalsozialismus mit anderen [...]
1 Einen Überblick über den europäischen sozialgeschichtlichen Vergleich und die steigende Anzahl von komparatistischen Arbeiten bietet: Kaelble, Hartmut 1996: Vergleichende Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts: Forschungen europäischer Historiker, in: Haupt, Heinz-Gerhard; Kocka, Jürgen (Hrsg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt, New York, S. 91-130, hier S. 94ff. Eine Typologie des Vergleichs findet sich in: Kaelble, Hartmut 1999: Der historische Vergleich. Eine Einführung zum 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt, speziell S. 35ff.
2 Darunter nicht nur in der deutschen, sondern auch in der traditionell auf diesem Gebiet stark vertretenen anglo-amerikanischen Geschichtswissenschaft. Vgl. hierzu die jüngst erschienenen Arbeiten von: De Grand, Alexander J. 1995: Fascist Italy and Nazi Germany. The "fascist" style of rule, New York. Daneben: Bessel, Richard 1996: Fascist Italy and Nazi Germany. Comparisons and contrasts, Cambridge, New York. Einen allgemeinen Forschungsüberblick zur anglo-amerikanischen Faschismusforschung bietet: Blinkhorn, Martin 1994: Mussolini und das faschistische Italien, Mainz, hier: S. 65ff, speziell: S. 73f. Daneben: Coppa, Frank J.; Roberts, William 1990: Modern Italian History. An Annotated Bibliography, New York, London, hier: S. 148ff.
3 Der totalitarismustheoretische Ansatz galt, trotz seiner z.T. auch gewinnbringenden Ergebnisse, als ideologisch dem Kalten Krieg verdächtiges Vergleichsinstrument. Eine aktuelle Übersicht bietet: Wippermann, Wolfgang 1997b: Totalitarismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute, Darmstadt. Für einen sehr frühen, aber durchaus anregenden typologischen und totalitarismustheoretischen Vergleich siehe: Germino, Dante 1984: Der italienische Faschismus in vergleichender Perspektive, in: Nolte, Ernst (Hrsg.), Theorien über den Faschismus, Königstein, S. 426- 448. Im Original: Germino, Dante L. 1959: The Italian Fascist Party In Power, Minnesota.
4 Faschismustheoretische Vergleiche galten als zu einseitig dem marxistischen Weltbild verhaftet, siehe: Wippermann, Wolfgang 1997a: Faschismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute, Darmstadt7, hier: S. 7ff.
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