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Subtitle: Wie individuell rationale Entscheidungen durch Vertrauen zu kollektiv optimalen Ergebnissen führen
Scholary Paper (Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Melanie Rottmüller
Subject: Sociology - Individual, Groups, Society
Details
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Ausbildung, Kooperation, Tauschsituationen, Sozialer, Wandel, Vergleich, Soziale, Mechanismen, Rational, Choice, Theorien
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-19597-8
File size: 91 KB
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Abstract
Die spieltheoretische Sichtweise auf sequentielle Tauschepisoden zeigt, dass Informationen oder Wiederholungen der selben Situation, was wiederum Information schafft, für Kooperation und somit ein kollektiv optimales Ergebnis trotz individueller Rationalität, unerlässlich sind. Als wichtigstes Element zur Schaffung einer optimalen Lösung stellt sich wechselseitiges Vertrauen heraus. Dieses kann unter anderem durch Kommunikation zwischen den Akteuren, Reputation und soziale Netwerke erzeugt werden. Nachdem die Möglichkeit der Kommunikation in der Konstellation des „Gefangenendilemmas“ nicht gegeben ist, liegt der Fokus auf Reputation. Es zeigt sich, dass diese auch in nicht wiederholten Spielen auf Grundlage des Konzepts der indirekten Reziprozität entstehen kann. Das Modell des „image scoring“ von Nowak und Sigmund schreibt jedem Individuum einer Population proportional zu seinem vergangenen Kooperationsverhalten eine Punktzahl zu. Somit wird durch den direkten Einfluss des eigenen Verhaltens auf das „Bild“ des anderen die erfolgreiche Ausbildung und Aufrechterhaltung von Kooperation möglich. Durch ein solches Rating-Verfahren, wird die Einmaligkeit und der damit einhergehende Informationsmangel substituiert und Kooperation durch Investition in Reputation gefördert. Ein ähnliches Phänomen stellt sich durch soziale Netzwerke ein, in denen ebenso die Ausbildung von auf Reputation-basierender Kooperation gefördert wird. Hierbei wird auch auf die Bedeutung von Gruppenidentität und die Reziprozitätsnorm im Speziellen hingewiesen. Insgesamt wird die besondere Bedeutung des Sozialkapitals für Reputation und Reziprozität für Vertrauen und somit Kooperation deutlich.
Excerpt (computer-generated)
Sozialwissenschaftliche Fakultät der Otto-Friedrich Universität Bamberg
HS: Sozialer Wandel und internationaler Vergleich I: Soziale Mechanismen und Rational
Choice Theorien
Die Ausbildung von Kooperation in
sequentiellen Tauschsituationen
-
Wie individuell rationale Entscheidungen durch Vertrauen zu
kollektiv optimalen Ergebnissen führen
Melanie Rottmüller
Anschrift
Semester: 06
Studienfach: Soziologie
Prüfungsfach: Allgemeine Soziologie
Matr.-Nr.:
Inhaltsverzeichnis
1
EINLEITUNG 1
2
KOOPERATION IN SEQUENTIELLEN TAUSCHSITUATIONEN 2
2.1
SPIELTHEORIE ALS GRUNDLAGE DER MODELLIERUNG INDIVIDUELLEN HANDELNS 2
2.1.1
Gemischte vs. reine Strategiespiele illustriert am ,,Battle of Sexes" 3
2.1.2
Das Gefangenendilemma: Wie Information und Zeit das Spiel beeinflussen 5
2.2
DIE EVOLUTION VON VERTRAUEN 8
2.2.1
Kommunikation 9
2.2.2
Indirekte Reziprozität und Reputation durch Institutionen 9
2.2.3
Soziale Netzwerke, Gruppenidentität und Normen 10
2.2.4
Rassenunterschiede und sozialer Status 12
3
ZUSAMMENFASSUNG 13
4
FAZIT 15
5
LITERATUR 16
Die Ausbildung von Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen
1 Einleitung
Die Rational-Choice-Theorie ist eine Handlungstheorie auf Grundlage des methodologischen
Individualismus. Dieser besagt, dass soziale Phänomene nur durch das Handeln von Individu-
en zu erklären und darauf zurückzuführen sind (Lindenberg 1985). Um aggregierte Phänome-
ne erklären zu können, ist es demnach nötig das Verhalten Einzelner zunächst auf der Mikro-
ebene zu erklären. Dabei ist zu beachten, dass das Handeln auf der Mikroebene ausgehend
von der Makroebene durch die
,,Logik der Situation"
(Coleman 1990) plausibel gemacht
werden muss. Anschließend ist es möglich soziale Phänomene auf der Makroebene über Brü-
ckenannahmen und die Aggregation individuellen Handelns zu entwerfen (Coleman 1990).
Generell in der Rational-Choice-Theorie, also der Handlungstheorie auf der Mikroebene, wo-
bei handelnden Akteuren rationales Verhalten zugeschrieben, welche auf Grundlage ihrer
Präferenzen eine Nutzen maximierende, bewusste Entscheidung treffen, um ein bestimmtes
Ziel zu erreichen. Bei der Modellierung von Interaktionen trifft man hierbei unweigerlich auf
die Spieltheorie, die zu deren Veranschaulichung und Analyse von Interaktionen dient.
Im Folgenden soll zunächst die Spieltheorie anhand von den prominenten Beispielen des ,,Ge-
fangenendilemmas" und des ,,Kampf der Geschlechter" genauer erläutert werden. Dabei trifft
man unumgehbar auf die Rationalitätsfalle oder auch Tragik von Allmende (Paradoxon des
Gefangenendilemmas). Diese Konzepte besagen, dass in nicht-kooperativen Spielen (siehe:
2.1.2) individuell rationale Entscheidungen zu kollektiv suboptimalen Ergebnissen führen
(Binmore 1992). Die simple Lösung dieses Problems lautet Kooperation der Akteure, welche
durch gegenseitiges Vertrauen erreicht werden kann. Eigentlich ein recht einfaches Konzept,
könnte man denken, aber
,,It turns out [...] [people] don′t like to trust [...], because trust is a
form of risk that makes one vulnerable to betrayal"
(Lambert 2006).
Deswegen soll im zwei-
ten Teil der vorliegenden Arbeit dargestellt werden, auf welche Art und Weise und unter wel-
chen Umständen Vertrauen und somit Kooperation in Tauschsituationen zustande kommen
kann.
1
Die Ausbildung von Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen
2 Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen
Der methodologische Individualismus schreibt vor, soziale Phänomene von der Mikroebene
aus, also auf Grundlage individuellen Verhaltens zu erklären. Vertrauen bildet sich interper-
sonell aus. Wie kommt es also bei rationaler Entscheidung auf Grundlage von individuellen
Präferenzen dazu, dass sich Menschen vertrauen?
Hierbei stellt die Spieltheorie die Grundlage der Erklärung in der Handlungstheorie dar.
Nach Colemans (1990) typischen Erklärungsansatz in der Soziologie ist aber auch klar, dass
sich diese interpersonellen Handlungen aggregieren und zumeist ohne den Willen und/ oder
das Wissen der Einzelnen durch soziale Mechanismen diffundieren und sich als soziale Phä-
nomene niederschlagen. Zunächst also soll die individuelle Entscheidungslogik der Rational-
Choice-Theorie anhand der Spieltheorie veranschaulicht werden, um auf deren Grundlage die
Ausbildung von Kooperation durch Vertrauen und die daran geknüpften Bedingungen zu ver-
anschaulichen.
2.1 Spieltheorie als Grundlage der Modellierung individuellen Handelns
Die Spieltheorie ist ein Analyseinstrument rationalen Verhaltens, das durch das Formalisieren
von strategischen Entscheidungssituationen Lösungskonzepte zum Auffinden optimaler Stra-
tegien modelliert. Das wichtigste Kriterium hierbei ist das Auffinden einer dominanten Hand-
lungsoption. Unter der üblichen spieltheoretischen Annahme der egoistischen Spieler, ist die-
jenige Alternative, die bezüglich jeder anderen Handlungsoption die höchsten Auszahlungen
(Pay-Offs) bietet dominant und somit die optimale Lösung. Das wohl prominenteste Lö-
sungskonzept (für nicht-kooperative Spiele) stellt das von John Forbes Nash stammende sog.
Nash-Gleichgewicht dar. Dies ist die stabile Menge jener wechselseitig besten Spielkombina-
tionen, von welchen aus kein einzelner Spieler durch Abweichen von seiner Strategie einen
Vorteil erzielen kann. Für kooperative Spiele, in denen die Spieler bindende Verträge schlie-
ßen können, kommen anderen Lösungsmöglichkeiten, wie die Nash-Verhandlungslösung oder
die Imputationsmenge in Betracht, diese werden hier jedoch nicht weiter ausgeführt.
2
Die Ausbildung von Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen
Die Analyse von Interaktionen erfolgt formal anhand von mathematischen Modellen, die
festlegen, welche Spieler es gibt, welchen Ablauf das Spiel hat und welche Handlungsoptio-
nen jedem Spieler zur Auswahl stehen. Spiele können hierbei entweder in strategischer (Nor-
mal-)Form, oder in extensiver Form dargestellt werden. Letztere wird vor allem bei sequen-
tiellen Spielen eingesetzt, wobei Handlungsalternativen einzelner Spieler durch Knoten und
gerichtet Graphen veranschaulicht werden. Ein solcher Spielbaum wird unter Punkt 2.1.2.1
anhand eines Beispiels illustriert. Die Beschreibung der meisten einstufigen Spiele erfolgt
durch eine sogenannte Auszahlungsmatrix, welche jedem Spieler bei jedem Spielausgang
einen ,,Pay-Off", also Gewinn, zuordnet (siehe Beispiele zu 2.1.1 und 2.1.2).
Unterschieden werden in der Spieltheorie gemischte und reine Strategien, kooperative und
nicht-kooperative Spiele, sowie wiederholte und einmalige Spiele (Binmore 1992).
2.1.1 Gemischte vs. reine Strategiespiele illustriert am ,,Battle of Sexes"
Der ,,Battle of Sexes" oder ,,Kampf der Geschlechter" ist ein Problem der Spieltheorie, für
welches es drei Lösungen gibt: Zwei stabile Nash-Gleichgewichte in reinen Strategien, wobei
eindeutig, also deterministisch Handlungsoptionen individuell optimal sind, und eine Lösung
in gemischter Strategie, wobei jeder Alternative eine Wahrscheinlichkeitsverteilung zugeord-
net wird. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass in gemischten Strategien mit endlichen Akti-
onsmengen, also Alternativen, immer ein Nash-Gleichgewicht gewährleistet ist, in reinen
Strategien kann es aber auch kein oder mehrere stabile Lösungen, wie hier, geben.
Die Spieler, Mann und Frau, wollen den Abend gemeinsam verbringen, wobei jeder seine
eigenen Präferenzen hat. Die Entscheidung erfolgt unabhängig voneinander (siehe: nicht-
kooperatives Spiel: 2.1.2 ).
Aus der Auszahlungsmatrix geht keine
Tab. 1: Auszahlungsmatrix ,,Kampf der Geschlechter"
dominante Strategie hervor, da sich beide
Mann/ Frau
Fußball
Konzert
Spieler für ihre Präferenz entscheiden. Da
Fußball
(2;1) (0;0) aber der Abend zusammen verbracht wer-
Konzert
(0;0) (1;2)
den soll, würden beide dem jeweils ande-
rem entgegenkommen und ein gemeinsa-
mer Abend würde wiederum nicht zustande kommen.
3
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